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Sonntag, 19. November 2017

Tuchmantel für Frauen ?

Sogenannte Rechteckmantel oder Tuchmantel finden sich von der Eisenzeit bis Frühmittelalter für Herren, im Fundgut und auf Abbildungen.
Bei den Frauen scheint das etwas schwieriger, oft kann man schlecht zwischen Schleiertuch und Mantel unterscheiden.
Im Stuttgarter Psalter, einer Karolingischen Handschrift aus Frankreich die zwichen 820 und 830 entstanden ist,  finden sich einige Frauen, meist mit Manteltüchern. Mal ist das Tuch über die Schultern gelegt, mal auch über den Kopf gezogen, vermutlich je nach Wetterlage, denn so ein Tuch ist flexibel. Scheinbar kann man im Notfall auch mal etwas damit polieren.

meine Zeichnung nach dem Stuttgarter Psalter, Quelle :

digital.wlb-stuttgart.de

Die Farben rot und blau tauchen oft auf, ob sie uni oder gemustert waren, lässt sich nicht sagen. Mal ist ein anders farbiger Rand zu erkennen, der eine Borte sein könnte, aber auch einfach andersfarbig gewebte Ränder ?


Frisch vom Webstuhl, kommen 3 Manteltücher nach freiem Entwurf

Ich habe sie bewusst kürzer gewebt, als meine Herrenmodelle, die im Schnitt bei etwa 2m Länge und 1,80m Breite liegen, so das sie, wenn man sie über die Schultern legt, nicht über den Boden schleifen.
Die Tücher sind noch nicht fertig, es fehlen die Borten an den Schnittkanten und die endgültigen Maße stehen noch nicht fest, da sie noch ungewaschen sind. Die Fransen sind also keine, es die die Kettfäden die ungesichert aus dem Gewebe kommen. Man muss sie sich bitte weg denken.

Das Garne sind überwiegend aus kratzarmer Merino 100% Wolle, industriell gefärbt.
Man beachte den edlen Glanz der Gewebe.






Wichtiger Nachtrag : möglich das die Mantelformen der Psalterbilder ganz anders waren. Denkbar sind runde, ovale, oder halbrunde Tücher ?

Sonntag, 5. November 2017

Hosen Teil 1

Hosen sind Schnitt technisch recht anspruchsvoll. Eine bequeme Hose zu entwerfen ist gar nicht so einfach. Möchte man eine Hose mit möglichst wenig Material Verbrauch herstellen wird es noch schwieriger.

Man sieht bei der modernen Hose entsteht recht viel Verschnitt. Jede Beinröhre besteht aus 2 Stücken = 4 Teile (ohne Taschen, Bund etc.)

Im historischen Fundgut von der Eisenzeit bis zum hohen Mittelalter finden sich einige wenige Hosen, die gut genug erhalten sind, um den Schnitt nach zu vollziehen, da wären :
  • die Sogenannte älteste Hose der Welt aus China, aus 3 Teilen
http://www.archaeologie-online.de/magazin/nachrichten/aelteste-hose-der-welt-kommt-aus-china-30669/
 https://www.watson.ch/Wissen/China/263949464-Seit-wir-reiten--tragen-wir-keine-Lendent%C3%BCcher-mehr--sondern-Hosen 

  • Damendorf aus 5 Teilen
https://de.wikipedia.org/wiki/Mann_von_Damendorf
  • 2 Hosen aus Thorsberg
    Bund und Fußteile fehlen, Ziel ist der Vergleich der Formen, diese Hose besteht aus weit mehr Schnittteilen, als angedeutet.
https://de.wikipedia.org/wiki/Thorsberg-Hose

Gestrichelte Linien deuten Nahtverläufe an, alle Zeichnungen sind als stilisiert zu verstehen. um die grundsätzliche Form der Stücke zu verdeutlichen.

Allen diesen historischen Hosen ist gemeinsam, das die Beinröhren aus einem Stück bestehen, die Naht innen am Bein verläuft und das für die Weite am Gesäß und Schritt, ein bis mehrere Stücke eingesetzt wurden.

Sehr fragmentarisch erhalten ist die Hose aus Skjoldehamn.
http://www.ceilingpress.com/Resources/Nye%20tanker%20om%20Skjoldehamnfunnet.pdf
(S104/105)

Scheinbar sind die Nähte hier aussen Bein ? Es ist zu wenig Material vorhanden, um wirklich bestimmen zu können, wie diese Hose geschnitten war. Die Anordnung der Fragmente auf dem Trägermaterial muss nicht zwangsläufig richtig sein. (Danke an Sabine und Anja fürs drauf stoßen und diskutieren)

Bei meiner Suche nach einem passenden Modell, bin ich auf diesen wilden Hosentyp gestoßen:
Quelle : http://folkcostume.blogspot.de/2013/05/overview-of-saami-costume.html
Dieses Modell besteht aus nur 2 Schnitteilen, sozusagen eine einbeinige Hose. Die Naht verläuft aussen am Bein.
Als Stoffsparende Variante könnte ich mir als Laie, diesen Schnitt auch so vorstellen :



Dieses Modell möchte ich nacharbeiten, Fortsetzung folgt.

Montag, 23. Oktober 2017

neues Arbeitshalbjahr Winter 2017/18

Es fühlt sich draußen noch nicht so an, aber es ist schon da, mein Winterhalbjahr.
Die "alten" Aufträge sind abgearbeitet, Neue gesammelt.
Für die neuen Aufträge steht immer eine Planung zu Beginn. Der Bedarf an Garn muss ermittelt werden, oft auch das ideale Garn erst einmal gesucht und geordert werden. Ständig trudeln üppige Kartons mit Garnen ein, auf Konen oder Strängen. Die Naturfarbenen wandern direkt ins Lager.
Ein Großteil muss jedoch gefärbt werden.
Etwa 10kg davon wurden in der vorigen Woche gebeizt, etwa die Hälfte davon auch schon gefärbt.
10kg klingen gigantisch, wenn man die Stränge erst einmal wickeln, abbinden, einweichen, beizen, färben, spülen, trocknen und wieder aufwickeln muss, ist es das auch. Aber 10kg sind auch wiederum nicht viel, wenn man weiß, das ein Mantel etwa 1,5kg wiegt.

Vorige Woche war ich Schwarznüsse sammeln. Die Frucht des Schwarznussbaums ist etwa Mandarinen groß, aber fast rund, die grüne Schale ist viel dicker, als die der Walnuss und auch viel ergiebiger in der Farbausbeute. Hoch konzentriert färbt sie Mokkabraun, ein wunderschöner Farbton den ich für eine moderne Kleinserie nutzen wollte, aber die Ausbeute war in diesem Jahr eher bescheiden. Weniger hoch dosiert ergibt die Schale der Schwarznuss, das gleiche Braun, wie das der Walnuss.
Einen Kessel Reseda konnte ich noch ernten, und noch einmal ein schönes leuchtendes Gelb färben.
Mit Eisen 2 und dem mischen der ausgelaugten Flotten konnte ich noch ein schönes Grün färben.


Auf dem Plan stehen weiterhin Tuchmäntel in Falttechnik, zur Zeit Diamant und Fischgrat Köper.
Mit einer Webbreite von 2m, die auf etwa 1,70m und 1,85m nach dem entspannen und waschen einspringt.
Schultertücher sind Neue geplant.
Ein spannender Stoff für ein Cosplay Projekt
Stoffe in Leinwand, Diamantköper und Fischgrat, der gestreifte Stoff der Skjoldehamn Tunika in 2/1er Köper
Manteltücher in 2/2er Köper
Hmm - wenn das durch ist, blühen vermutlich schon wieder die Tulpen.

Zur Zeit entstehen am Webstuhl 2 Tücher gleichzeitig, um den aktuellen Einzug zu erhalten.
Das untere Tuch wird also blind gewoben. Das ist ein wenig lästig zu arbeiten, aber der aktuelle Einzug hat 2 Wochen Arbeitszeit gekostet, bis alle Feinjustierungen beendet waren.
8 Schäfte im Kontermarschsystem, bedeutet jeder einzelne Schaft wird an jedem der 8 Tritte angebunden, macht 64 Schnüre zu den Tritten, 8 zu den oberen und 8 zu den unteren Querschemeln. Keiner davon mag eine So-Lala Position, sondern will gut sitzen.
Das Gewebe hat 1200 Fäden, davon wird die untere Hälfte blind gewebt, das heißt man muss unter den Webstuhl um Fehler in der unteren Gewebehälfte zu finden.

Querschemel und Tritte

2 in 1
Ein Schultertuch für ein Hochzeits Outfit zu weben, ist mir eine besondere Freude.
Die Kette ist weiches Merino, der zartrosa Schuss, ein genauso zartes Alpaka Garn. Das Gewebe wächst langsam, vielleicht auch weil ich versuche Glück mit ein zu weben. 😉

Mittwoch, 11. Oktober 2017

Nacharbeiten der Decke des Bernuthsfeld Manns

Das Projekt beginnt mit dem Anlegen einer Gewebeplanung
Anzahl der Kettfäden, die Länge der Kette, der Einsprung des Gewebes beim Abnehmen vom
Webstuhl und den Einsprung bei der ersten Wäsche werden berechnet, und so der Bedarf an
Materialien ermittelt. Der Gewebeplanung liegen die durch den Auftraggeber übermittelten
Detailfotos zu Grunde. Auf dieser Basis erfolgte in Absprache: Materialauswahl, optische basierte
Ermittlung des Spinnwinkels und der Garnstärke. Zusätzlich wurden die durch K. Schlabow
durchgeführten Materialanalysen mit einbezogen und mit der Publikation von H. Hahne verglichen:
Gewebe auf Maß gewebt, endgültige Maße ca. 200 x 170 cm, abgesetzter vierschäftiger Spitzköper (Bindungsdefinition nach K. Schlabow) Kette ca. 7 Fäden pro Zentimeter, z-gesponnen, ca. 1 mm Garndurchmesser, fest gedreht; Schuss ca. 5 Fäden pro Zentimeter, s-gesponnen, unregelmäßige Dicke (ca. 0,8-2,8 mm), lockerer gesponnen als Kette, Anfangskante oben, schlauchförmige Webkanten an den Seiten, Fransenabschluß (gedreht) unten.

Als Material wurde für die Kette ein industriell gesponnenes Garn gewählt. Es hat eher grobe
Einzelfasern und ist gemäß der Norm Z gedreht.
Das Garn für den Schuss soll S gedreht sein, also entgegen der Norm, und handgesponnen.
Als Grundstock wurden 3 frisch geschorene Schaf Vliese von der Nutztierarche Stocksee bezogen. Auf der Arche leben div. Schafrassen, ausgesucht wurden wegen der langen Haare zwei Devon Mix und ein Coburger Fuchs/Scottish Blackface Mix.

Die Vliese wurden zuerst mit der Schnittseite nach unten, auf Tüchern ausgebreitet um groben
Schmutz und unbrauchbare Büschel aus zu sortieren. Dann wurden sie gewendet, und die kurzen
Stellen an denen der Scherer bei der Schur neu ansetzen musste, entfernt.

Nun wurde die Vliese auf ein Metallgitter ausgebreitet um von Hand den Schmutz aus zu schlagen.
Anschließend wurden sie in warmen Seifenwasser gewaschen, klar nachgespült und in der Sonne
getrocknet.

Um die einzelnen Flocken per Trommelkardierer zu kämmen, wurden sie von Hand durch zupfende
Bewegungen aufgelockert. Dabei wird jede Locke nochmals auf Schmutzpartikel wie Stroh, Samen
und andere Pflanzenteile abgesucht und befreit.
Um die unterschiedlichen Längen, Kräuselungen, und Haarstärken einheitlich zu verteilen, wurden
die Portionen die beim Kardieren jeweils von der Trommel genommen wurden, wiederum in kleine
Portionen geteilt und ein zweites Mal per Trommel kardiert.
Vlies 1 und 2 wurden ausgewählt und miteinander beim kardieren vermischt, Vlies 3 aussortiert
weil es deutlich kurzfasriger und struppiger war, als die anderen Beiden.

Die Kunst einer Nacharbeitung liegt nicht nur darin, die Sache gut zu machen, sondern das Original mit allen Stärken und Schwächen zu kopieren. Dies fängt beim Herstellen des Fadens an. Das Schussgarn im Original wirkt ein wenig nachlässig gesponnen und weist Unregelmäßigkeiten auf.
Um nicht nur einfache Fäden herzustellen, sondern einen Faden zu kopieren, benötigt es viel
Routine, und so wurde diese Arbeit in die geübten Hände von Frau Sylvia Crumbach gegeben.

Das Kettgarn wurde vorbereitet indem es auf einem Elektrospinnrad nach gedreht wurde, um eine
ähnlich starke Drehung wie das Kettgarn des Originals zu haben.
Gewebt wird auf einem modernen Handwebstuhl, die Bindung ist ein Fischgrat mit einem 16ner
Rapport. 


Da die Breite eines modernen Handwebstuhls ohne Schnellschuss, von der Armlänge des Webers
abhängig ist, wird das Gewebe in Falttechnik hergestellt. Das Gewebe liegt, in der Mitte gefaltet,
doppelt auf dem Webstuhl. Um eine Reihe durch zu weben benötigt es 2 Schüsse. Die untere Seite wird blind gewebt. Für dieses Muster in dieser Technik sind 8 Schäfte am Webstuhl nötig.
Aus dem zur Verfügung stehenden Material werden 2 Tücher gewebt.



Die Zöpfchen werden unter Spannung am Webstuhl gedreht,und zwar entgegen der Spinnrichtung
und nur einfach. Die Zöpfchen werden mit einem Hilfsfaden gesichert, der später nach der Wäsche
wieder entfernt wird.


Die Borte wird mit Hilfe eines Bandwebrahmens und eines einfachen Webkamms angewebt. Als
Kette wird das gleiche Garn wie am Webstuhl verarbeitet, der äußerste Faden wurde auf einer
Handspindel aus 2 Fäden verzwirnt.
Die Enden werden mit einfachen kleinen Knoten gesichert. Wie die Bortenenden des Originals
gesichert waren, lässt sich leider nicht mehr festellen. Nach den Bildern von H.Hahne erschien mir
diese Lösung am geeignesten und auch den Bildern der verlorenen Ecken nach, am Ähnlichsten.

Nach dem Weben und vor dem Waschen, wird das Gewebe geputzt.
Fadenansätze werden glatt auf dem Gewebe abgeschnitten, gerissene Fäden werden im Gewebe
dem Muster folgend vernäht.

Gewaschen wird das Gewebe von Hand.
Über Nacht wird das Gewebe in kaltem Wasser eingeweicht, danach mit handwarmen Wasser mit
einer milden Wollpflege gewaschen. Besondere Aufmerksamkeit benötigen die Zöpfchen.
Bei der Anfertigung des Probegewebes stellte sich heraus, das die einfach gedrehten Zöpfchen sich auflösen, weil sie nicht gegenläufig gekordelt sind. Nach Absprache mit dem Auftraggeber wurden die Zöpfchen mechanisch, mittels Seife separat gefilzt.

Das Gewebe wird in der Waschmaschine geschleudert (Schonschleudern), im Trockner
angetrocknet (Wollprogramm) und auf der Wäscheleine durchgetrocknet.
Die trockenen Tücher werden nun zertrennt und erneut geputzt. Dank des Nachfilzens sind die
Zöpfchen stabil und können getrennt werden, die Hilfsschnur kann entfernt werden.

die fertige Decke

angewebte Borte mit Ecklösung

Schlauchkante

Zöpfchen auf Wunsch des Auftraggebers ungeknotet und mit Überlänge
 Das Original Gewebe wird im Ostfriesischen Landesmuseum Emden ausgestellt.
http://www.landesmuseum-emden.de/17-0-22

Bezugsquelle für die Rohwolle:
Astrid und Andreas Holdstein
Waldweg 38
24326 Stocksee
http://holsteiner-schwarznasen.npage.de/index.html


Herzlichen Dank an Sylvia Crumbach die mir das Spinnen des Schuss Garns abgenommen hat, ohne sie säße ich immer noch am Spinnrad. Weiteren Dank an meinen Sohn Johannes, der mir die Patrone für das Faltgewebe am 8 Schäftigen Kontermarsch Webstuhl geschrieben hat.

Dienstag, 3. Oktober 2017

Die Römische Grabkammer in Köln Weiden

Die Römische-Grabkammer in Köln-Weiden ist selten zugänglich. Aber am Tag des offenen Denkmals gab es ausnahmsweise Führungen. Da die Kammer recht klein ist, ist die zulässige Menschenmenge die gleichzeitig die Kammer betreten darf, auf 15 Personen begrenzt. Das hat Feuerschutz technische Gründe, aber es würden auch nicht wirklich mehr Leute in die Kammer hinein passen, ohne etwas zu beschädigen.
Obwohl ich gebürtiger Kölnerin bin, hatte ich es noch nie in die Kammer geschafft.
Eine sehr schöne Führung durch Herr Prof. E. Deschler-Erb, informierte nicht nur über die eigentliche Grabkammer, die Fundsituation im neunzehnten Jahrhundert, sondern auch über den Schutzbau der nach der Grabung errichtet wurden und der mittlerweile selbst ein Baudenkmal ist.


Die Kammer selbst war beinahe gemütlich, wenn man sich vorstellt, wie es dort gewesen sein muss, als sie noch von den Angehörigen der Bestatteten genutzt wurde. Mit den Ahnen zu speisen, sich ihnen nahe zu fühlen, stelle ich mir tröstlich vor. In der Kammer selbst wurden Urnen beigesetzt, der Sarkophag muss früher oberirdisch aufgestellt gewesen sein, und ist im Laufe der Zeit durch die Decke der Kammer, ins Innere gestürzt. Die Kammer wurde im 2. und 3. Jahrhundert genutzt. Erst wurde Urnen bestattet, im späten 3. Jh. ging man dann zur Körperbestattung über (Christentum). Die spätesten Funde waren geschliffene Gläser aus Köln, die aus der ersten Hälfte des 4. Jh. stammen. Die Kammer wurde also von einer Familie mindestens 200 Jahre lang genutzt.

Es gibt einen Förderverein, der sich darum bemüht die Grabkammer öfters zugänglich zu machen. So das man das Grab regelmässig und öfter als einmal im Jahr besuchen kann.
www.roemergrab.de 

Herzlichen Dank an Julia Becker für die Ergänzungen.

Freitag, 8. September 2017

Messe in Minden 2017

Bald ist wieder die Reenactor Messe in Minden, und ich werde mit meinen Arbeiten dort sein. Ich hoffe wieder meinen gewohnten Eckplatz etwas abseits vom lautesten Trubel zu bekommen, so das man sich unterhalten kann.

Mein Lager ist gut gefüllt, wie immer werde ich ein schönes Sortiment Schultertücher mitbringen, Kissen, meine frisch aufgefüllten pflanzengefärbten Wollnähgarne, Damendorfhosen in Gr 68/74, die neuen Stoffpuppen, den üblichen Kleinkram und ganz neu im Angebot :

Rechteckmäntel, mit Borte ohne Borte oder zum selber Borten anweben vorbereitet ohne das man dröseln muss, ganz nach Wunsch bis zu einer Breite von 1,70m
 
ansonsten - große Kisssen:
 
kleine Kissen:
 
Kleine Beutel :
 
weiches Strumpfband ohne drückende Schnalle:
 
vielseitige Schaltücher :
 
das übliche Schultertuchsortiment :

 
 

Etwas Großes und noch ein paar Kleinigkeiten sind noch in Arbeit, ich hoffe die Sachen bis zur Messe fertig zu haben.

Nachtrag 19.09 2017 bei den Wikingertagen wurde ich überraschend geplündert, hier ist ein kleines  mit den Tüchern aus meinem Lagerbestand. Das Einpflegen bei Dawanda kostet, Zeit die ich zur Zeit nicht habe, wer vor der Messe etwas reservieren oder kaufen möchte, schreibt mir bitte eine Mail oder PN, oder einen Kommentar (der erst mal nicht sichtbar ist, und es auf Wunsch auch nie wird).
Video bei Facebook


Donnerstag, 7. September 2017

Mütze aus Oostrum

Die Mütze aus Oostrum datiert aufs Frühmittelalter, gefunden in den Niederlanden, ist hier wunderbar im Original zu sehen:
Journal of Archäologie in the low Countries (jalc/nl)
Die Mütze war laut Literatur mit Krapp hellrot gefärbt, die Naht mit dem selben Farbstoff dunkelrot. Die Bindung ein Diamantköper.
Meiner Vorstellung nach, ist sie eine wunderbare Mütze für Jemanden der viel im Freien arbeitet. Sie schützt den Nacken vor Sonne, auch in gebückter oder geduckter Haltung, und sie lässt Regenwasser nicht in den Kragen laufen. Ob sie Geschlechtsspezifisch getragen wurde, ist mir nicht bekannt. Sie ist relativ einfach geschnitten, der Stoffbedarf liegt bei etwa 70 x 40cm, bei 70 x 60cm könnte man gleich 2 Stück anfertigen.

Den ovalen Teil habe ich in der Praxis schräg gelegt, aber per Bildbearbeitungs Programm habe ich das nicht in der Darstellung hin bekommen. Die Ovale sind nicht maßstabsgetreu. Ohne Anspruch auf Richtigkeit !

Überascht hat mich die Ziernaht ! Als ich los legte, war mir nicht klar, welche Funktion sie hat. Sie ist am Original vorhanden, deshalb wird sie gemacht. Das sie der Mütze Form gibt habe ich erst später bemerkt. Dummerweise gibt es keine Vorher Fotos.
Der Zierstich selbst ist gar nicht soo schwer, ich habe ihn an einem Abend geschafft, Übungszeit nicht eingerechnet.
Schemazeichnung des Stichs(Quelle: Journal of Archäologie in the low Countries)
Bild der Original Naht (Quelle: Journal of Archäologie in the low Countries )
Das Schema wirkt oben im link etwas kompliziert, deshalb hier eine Bildanleitung für den Anfang :

Schritt 1 ein Hilfsstich
Schritt 2 eine kleine Schlaufe
Schritt 3 eine etwas größere Schlaufe
Schritt 4 eine etwas noch größere Schlaufe
Ab Schritt 5 geht es mit der eigentliche Ziernaht die in sich verflochten ist, los.

Für den eigentlichen Stich hat eine Textilkollegin ausgetüftelt wie es am Schnellsten und Einfachsten geht, dazu hat sie ein kleines erklärendes Filmchen gemacht. Ganz unten ist er verlinkt.

Es gibt gleich mehrere Mützen in den Niederlanden,(siehe Journal of Archäologie in the low Countries ) und kompakte Zierstiche finden sich immer wieder an diesen Stücken. Auch an den Tunikas des Skjoldehamn Komplex finden sich ähnliche Stiche an Armsäumen und Kragenausschnitt.


Meine Interpretation der Oostrumer Mütze :
Der Stoff ist etwas feiner als der Original Stoff, da es eine Resteverwertung ist, auch weicht die Bindung vom Original Stoff ab, hier wurde ein Rautenköper statt Diamantköper verwendet.
Ich vermute die vordere Naht, hat keinen Zierstich, jedenfalls habe ich dort keinen gesetzt.


Auf Wunsch des Besitzers habe ich nachdem die Bilder entstanden sind, die Mütze mit Leinen gefüttert.
Nähte im Detail (durch anklicken kann man die Bilder etwas vergrößert anschauen)
Literatur:
CLOTHES MAKE THE MAN
Early Medieval textiles from the Nederlands
Chrystel R. Brandenburgh
im Netz : Journal of Archäologie in the low Countries (jalc/nl)
Film zur Naht : Maren Hasert´s Blog auf Plattdeutsch

Dienstag, 15. August 2017

Ich würde mir gerne etwas weben lassen und habe da ein paar Fragen

Ich fasse hier einmal die am meisten wieder kehrenden Fragen zusammen und gebe auch gleich Antworten.

Ich stelle jemanden ganz Einfaches dar, warum ist das genau so teuer wie der Stoff für den Fürsten ?
Das Teuerste an Textilen Anfertigungen ist ganz klar die Arbeitszeit.
Feine Stoffe treten in Adeligen Gräbern genau so auf, wie auch bei der Lumpen Tunika des Bernuthfeld Mannes. Klar die Pflanzenfärbungen beim Adel kosten natürlich mehr, weil in den Färbungen auch wieder Stunden und Aufwand stecken, aber 15 Fäden je 1cm sind Gefärbt oder Natur der gleiche Aufwand beim Einrichten des Webstuhls.
Je mehr Fäden benötigt werden, um so höher der Aufwand. Das das fertige feine Werkstück weniger wiegt als das gröbere Schwere, spielt kaum eine Rolle.

Ist eine Anfertigung nach Fund teurer als ein freier Entwurf ?
Nein. Oft sind jedoch die Originale recht aufwendig verarbeitet, und das macht die Sache teuer.
Funde lassen sich vereinfacht nacharbeiten.
Ob die Fäden handgesponnen sind, gezwirnt oder Single Garne, rechts oder links gedreht, fällt dem Laien kaum auf. Auch ob Pflanzenfarben oder Industriell gefärbte Garne zum Einsatz gekommen sind, erkennt man oft nur schwer. Wenn es darum geht die richtige Bindung (Muster) für ein Kleidungsstück zu haben, weil man das nun mal nicht kaufen kann, ist man mit Standart Garnen gut beraten. Gerne auch in Industriell gefärbt, weil das für die Stabilität der Garne schonender ist. Die Garne überstehen die mechanische Belastung am Webstuhl besser, als von Vorbeizen und zusätzlich benötigten Chemikalien bei Pflanzen gefärbten. Ich habe ein Sortiment an Musterkarten mit meinen Standartgarnen und kann die Farben aussuchen, die den üblichen Pflanzenfarben sehr nahe kommen.
Es ist also möglich ein und das selbe Stück sehr aufwendig oder aber preiswerter herzustellen. Wobei billig ist eine Anfertigung von Hand nie.

Für die vielen Funktionsgewebe ist die Garnart, die Drehung, der Spinnwinkel und sogar die Schafrasse nicht unerheblich. Die historischen Garne wurden anders, als heutige Handarbeitsgarne nicht auf Flauschigkeit gearbeitet, sondern auf Langlebigkeit und auf gute Verarbeitungseigenschaften. Die Garne waren in der Regel glatt, reißfest und belastbar. Die Stoffe werden sich vermutlich eher wie die heutige Berufsbekleidung oder Chino angefühlt haben, denn wie Merino Flauschflanell. Die Nachbehandlung von Stoffen muss vielfältig gewesen sein. Viel Wissen ist verloren gegangen.
Bei besonderen Stücken, müssen individuelle Lösungen gefunden werden.

Wann brauche ich eine Anfertigung ?
Wenn es den Stoff oder den Trachtbestandteil von der Stange nicht zu kaufen gibt. Weil es ein ganz besonderes Muster ist, weil es Färbungen hat, die man so nicht bekommt, oder das Textil Funktionen/Details hat, die heute nicht mehr hergestellt werden.

Warum kann ich die Garne nicht selber färben und Geld sparen ?
Weil die Garne hohe Belastungen am Webstuhl ertragen müssen. Deshalb habe ich da gerne die Kontrolle und verarbeite möglichst meine Standartgarne. Das vermeidet Ärger auf beiden Seiten.

Wie lange dauert das ?
Ich sortieren meine Aufträge Halbjährlich. Da ich 2 Messen im Jahr als Aussteller besuche, von Anfang April (IRM Villa Borg) bis Oktober (Reeanctor Messe Minden). Die Aufträge werden nach Bindung sortiert und abgearbeitet, dadurch muss der Webstuhl nicht für jedes Gewebe neu eingerichtet werden, was dem Kunden auch Geld spart. Man muss also gut ein halbes Jahr ein planen, manchmal auch mehr. Nur selten kann spontan ein Projekt da zwischen geschoben werden.

Wie breit kannst du weben ?
Mein Webstuhl ist auf eine Breite von max. 1m ausgelegt. Bei maximaler Breite bleibt nach der Vorwäsche die in der Regel immer bei mir statt findet, ca 90cm übrig.
Als Faltgewebe - eine besondere Technik - bleibt bei einem Einzug von 2m Breite in der Regel etwa 1,70m übrig.

Wie lang kannst Du weben ?
Da bin ich mit 25m Kette noch nicht an die grenzen gestoßen. Je feiner das Garn so mehr passt drauf.

Läuft der Stoff noch ein ?
Eigentlich nicht. Denn ich plane den Einsprung schon bei der Gewebeplanung am PC mit ein, webe später dementsprechend mehr, und schneide Meterware erst nach der Wäsche, wenn das Gewebe eingelaufen ist, zu.

Pillt das Gewebe ?
Ganz klar - ja ! Das ist nicht schön, aber es liegt in der Natur des Materials. Moderne Handstrickgarne sind heute mit Antipilling Ausrüstung versehen. Eine Imprägnierung die das aufrubbeln der Garne und damit die Knötchenbildung auf dem Gestrick oder Gewebe verhindert. Diese Ausrüstung verhindert aber auch die nachträglich Färbbarkeit der Garne.
Wenn es irgendwie möglich ist, bemühe ich mich deshalb darum, naturbelassene Garne ohne Ausrüstung zu bekommen.

Warum will die nicht telefonieren ?
Weil ich in der Regel immer aus dem Webstuhl klettern muss. SMS kann und mache ich nicht. Mails lese ich aber regelmässig mehrmals täglich am PC, also nie wenn ich unterwegs bin.
UND hey - wenn Ihr Feierabend, Freizeit und Zeit fürs Hobby habt, möchte ich das auch gerne. ;o) Weben habe ich zum Beruf gemacht, das ist für mich kein Freizeitspaß.

Sonntag, 6. August 2017

Gedanken zur Schlauchkante

Schlauchkante statt Breithalter ?

 

Beinahe Jeder der einmal versucht hat etwas zu weben, kennt es : das Problem eine gleichbleibende Breite des Gewebes zu erhalten. Beim Tuch verdichtet sich am Rand das Gewebe, das Muster wird gestaucht, das Gewebe verliert Breite. Egal bei welchem Gewebe, ob Band oder Tuch. Nicht immer, nicht bei jedem Weber und bei jedem Tuch, aber doch oft genug, so das es einige Hilfsmittel gibt um dies zu vermeiden
In der Tuchweberei finden sich bei den Handwebstühlen unterschiedliche Formen des Breithalters. Der Breithalter ist ein Hilfsmittel um das am Webstuhl wachsende Gewebe, immer akkurat auf der gleichen Breite zu halten und so eingezogene Ränder zu vermeiden. Schaut man über den Tellerrand Europa hinaus, stellt man fest, das die Form sehr vielfältig sein kann.
Eine andere Möglichkeit eingezogene Ränder zu vermeiden, ist das Spannen eines sehr reißfesten Randfadens, der mittels Gewicht einzeln beschwert wird und später aus dem Gewebe entfernt werden kann. Wählt man einen glatten Faden, den man vor der Wäsche entfernt, ist dieses Hilfsmittel später nicht mehr aus zu machen.
Dieses Problem taucht nicht nur an modernen Webgeräten, sondern auch bei der Arbeit am Gewichtswebstuhl auf.

eingezogene Webkante : man erkennt gut die symetrische Raute im Muster und die gestauchte Randraute
moderner Breithalter, er ist in der Breite variabel und wird seitlich ins Gewebe eingesteckt, um es zu strecken.


Bei der Vorarbeit zu einem größeren Projekt ist mir bei der Fertigung von Mustertüchern etwas aufgefallen.
Meine Mustertücher sind aus S/Z gesponnenen Single Garnen mit seitlichen Schlauchkanten. Das Garn ist von eher grober Faser und unbehandelt.
Aus Technik Gründen ist es mir notwendig, zur Anfertigung der Schlauchkante eine technische Schnur im Schlauch ein zu arbeiten. Diese wird später wieder entfernt.
Bei meinen Mustertüchern ist mir aufgefallen, das der Rand des Gewebes trotz sorgfältigen Arbeitens eingezogen, die geleerte Schlauchkante jedoch sehr locker gewoben war. Wie das so ist, wenn man etwas aus probiert, habe ich am Gewebe etwas rum geschoben. Das verdichtete Gewebe lässt sich schieben, der Schlauch wird enger und dichter, die einzogenen Ränder lassen sich egalisieren.

1 Schlauch mit technischer Schnur
2 Schlauch ohne technische Schnur
3 geschobenes Gewebe
4 Gewebe nach der Wäsche






Schlauchkanten finden sich immer wieder an Geweben, die vermutlich am Gewichtswebstuhl hergestellt wurden. Es sind jedoch zu wenige um sie als Mode einer Epoche einzuordnen. Die Schlauchkante fällt beim waschen zusammen und ist optisch eher unscheinbar. Kleidungs technisch macht es am Gewebe keinen Sinn. Sie kann beispielsweise nicht als Tunnelzug genutzt werden, da sie vermutlich* meist in der Anfangsborte verschlossen ist. (*Die mir bekannten Textilien sind nicht gut genug erhalten um dies gesichert behaupten zu können)
Sinn und Unsinn des Schlauchs wird unter den Freunden historischer Textilien diskutiert.
Versucht man heute am modernen Webstuhl eine Schlauchkante nach zu arbeiten, so ist dies mit einigem Aufwand verbunden und auch mit den damaligen Mitteln ist der Aufwand höher. Warum also eine Schlauchkante ?

Meine gewagte Idee, die ich aus meinen Erfahrungen gezogen habe, ist Folgende:
am Gewichtswebstuhl wurden seitlich jeweils eine stabile etwas dickere Schnur gespannt, diese Schnüre könnten eine eigene, höhere Spannung als die anderen Fäden haben. Das Gewebe würde so in einem relativ stabilen Rahmen gearbeitet. Nach Fertigstellung des Gewebes - das Tuch ist vom Webstuhl, jedoch nicht nicht gewaschen - lassen sich Unregelmäßigkeiten am Rand in die Schlauchkante hinein schieben.
Somit wäre die Schlauchkante keine modische Spielerei, sondern ein Griff in des Webers Trickkiste.









Donnerstag, 3. August 2017

Weben langweilig ?

Was mag den findigen Weber des ersten Extendet Tabby angetrieben haben ?
Langeweile ?
Eine gut gefüllte Restgarnkiste ?
Sollten nicht irgendwann einmal Schriftquellen auftauchen, die davon berichten, werden wir es nie erfahren. Fakt ist, es ist eine Gewebeart bei der keine Langeweile aufkommt.
Im Gewebe sind nicht nur einfach Streifen, nein das Muster springt von Rechtsgrat Köper auf Linksgrat Köper und weil nur das zu einfach wäre, kommt auch noch ein wenig Leinwandbindung dazu, oder Rips als Halbpanama.

Im Kundenauftrag:
ein Schultertuch, im Extendet Tabby Muster, wie gewohnt in reiner Wolle.
Kette: Naturschwarz
Schuss: Naturschwarz und handgefärbte Grüntöne (nein extra angefertigt, nicht aus der Restekiste)
Die Bindungen sind 2/2er Köper, mal rechts, mal links und Leinwand