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Donnerstag, 23. März 2017

Manteltücher

Gestern Abend endlich vom Webstuhl genommen:
Ich war zwischendurch krank und alles hat länger gedauert als geplant, aber nun sind sie fertig gewebt, und können weiter verarbeitet werden : 2 Manteltücher. 
Das Eine mit Absicht etwas heller als das Andere. Eins ist reserviert, das Andere ist im Angebot. (Preis auf Anfrage) Bevor die beiden Unzertrennlichen getrennt werden können, muss ich die Schnittkanten sichern indem ich Borten anwebe. Die Gewebe müssen nach den vielen gerissenen Fäden (das Garn ist einfädig und ohne chem. Ausrüstung/Appretur) versäubert werden. 
Dann gehen die Tücher in die Wäsche, erst danach werden sie getrennt und die Zöpfchen können mit Knoten gesichert werden.  
Material 100% Wolle Bio einfädig, ungefärbt, naturbelassen
Bindung 2/2er Köper 
Vermutlich Größe nach der Wäsche jeweils 1,70m x 1,90m (jetzt 2m x 2,30m) ohne Zöpfchen gemessen.

frisch vom Webstuhl sehen Gewebe oft nicht schön aus.
links mit Wollweiß, rechts nur Grau und Schiefer

Ich gehe dann mal wieder an die Arbeit - Borte anweben...

Samstag, 18. März 2017

Zur Entspannung etwas Knochenarbeit

Viel gewebt und getüftelt habe ich in den letzten Monaten, nun ist etwas die Luft raus und ich brauche Abwechslung. Im Vorjahr habe ich den Beginn meines Nachbaus des kleinen Darmstädter Turmreliquiar gezeigt. Bei den Mindener Zeitinseln habe ich das Projekt zum ersten Mal in der Öffentlichkeit gezeigt, nun ist endlich der 2 Ring der verzierten Plättchen fertig.

Den ersten Ring mit den sehr filigranen Mustern habe ich ganz in Ruhe zu Hause geschnitzt. Wie beim Original habe ich das Relief mit farbigem Wachs verfüllt. Goldige Nägelchen halten die Beinplättchen auf der Unterlage.


Vor Publikum habe ich ein ganzes Wochenende für den Ring der Keuzblümchen genötigt. Die Plättchen waren vor der Veranstaltung fertig vorgesägt und von meinem Mann auf Gehrung gefeilt.
Hier das Ergebnis:


Fehlten immer noch die winzigen Perl Muster zwischen den Blumen, die wirklich sehr klein sind.
5,5cm ist jeweils 1 Plättchen lang die Perlreihen sind etwa 3mm breit.


Aber nun sind alle Plättchen fertig verziert und können aufgenagelt werden.


Als nächster Schritt sind die Engel und Aposteln des Deckels geplant, oder besser, eine der Figuren ...

Zu sehen ist das Projekt am
17/18. Juni auf der Veranstaltung : "Mittelalter auf der Schelenburg" 

http://www.bissendorf.de/events/detail.php?menuid=36&topmenu=36&keepmenu=0&eventid=2069
dann werde ich weiter an dem Kästchen arbeiten, man kann dabei zuschauen und Fragen stellen.
Ich bin dort als eine von vielen Darstellern, die div. Bereiche aus verschiedenen Epochen des Mittelalters zeigen und erklären.

Mittwoch, 8. März 2017

IRM 2017 22. bis 23. April 2017

Auch in diesem Jahr findet in der wunderschönen Villa Borg die IRM statt.
Die Villa Borg ist ein Nachbau eines römischen Hauses, incl. liebevoll gestalteten Gärten, und ist als Museum zu besichtigen und eigentlich schon alleine einen Besucht wert !
Die IRM ist eine Fachmesse für die Darsteller historischer Epochen. Sehenswert ist sie aber auch für "normale" Besucher, die dort Gelegenheit haben, z.B römische medizinische Geräte als Replik einmal ohne Vitrine zu sehen. Es reisen Handwerker/Händler aus ganz Europa an, die Repliken aus den unterschiedlichsten Epochen anbieten, Restauratoren zeigen was sie können, es werden Fachvorträge gehalten, man kann den Hunger in der Taverne stillen.

Ich bin stolz als Austeller mit meinen Webereien mit dabei zu sein.
Im Sortiment habe ich ganz neu, große Rechteckmäntel.
weitere sind in Vorbereitung

Eine schöne Auswahl an historisierten Schultertüchern, aber auch moderne kuschlige Tücher aus Edelfasern, Focale, handgewebte Schleiertücher, pflanzengefärbte Handnähgarne, Kissen, Taschen, Kleinzeug.



Eben fertig geworden kleine Nähsets für Anfänger.
Diese Sets wird es zum Messepreis geben, ich biete sie nicht im Shop an, um den niedrigen Preis halten zu können. (wer es nicht zur Messe schafft, und dennoch ein Set haben mag, schreibt mir bitte eine Nachricht oder Mail)
Der Deckstoff ist handgewebt, innen ist ein maschinell gewebter Stoff als Futter, unsichtbare Nähte per Maschine, Aussennaht von Hand, 100% Wolle.
Jedes Set beinhaltet einige moderne Nadeln :
1 spitze Sticknadel
1 Sticknadel mit Rundkopf
einige Stecknadeln
Das Set kostet jeweils 14€

Sehen wir uns ? Ich würde mich freuen !

Montag, 27. Februar 2017

angewebte Kanten bei Rechteckmänteln

Die Rechteckmäntel der Eisen und Bronzezeit, haben meist aufwendige Brettchengewebte Kanten. Aufwendig geflochtene Zöpfchen runden die Stücke meist ab. So sind diese Mäntel, Ausdruck von unermüdlichen Fleiß, und damals wie heute sind sie repräsentative Stücke von hohem Wert.

Für Neulinge:
Ein Brettchengewebe ist technisch gesehen, eine Serie von gedrehten Schnüren, die durch den Kettfaden miteinander verbunden und fixiert sind.
Dazu benötigt man an den Ecken gelochte Kärtchen, die z.B. aus Knochen im Fundgut unterschiedlicher Epochen, auftauchen. Durch die Löcher werden die Kettfäden eingezogen. Das Fach entsteht bei diesem Gewebe durch das drehen der Brettchen.

ganz einfache grobe Brettchenborte (Gürtel) am modernen Webrahmen
Da ich selbst, nicht wirklich gut Brettchen weben kann, habe ich mir überlegt, besser bei den Manteltüchern zu bleiben, und die Kanten den Könnern zu überlassen.
Das hat den Vorteil, das ein Mantel damit nicht mehr ein finanzielles Großprojekt sein muss. Wie das bekannte schwedische Möbelhaus wirbt - mitmachen, spart Geld.
Was ich eifrigen Bortenwebern anbieten kann, ist ein handgewebtes Tuch in Wunschmuster und Farbe, gut fürs Borten anweben vorbereitet, indem ich die Schussfäden so einlege, das man nichts aufdröseln muss.
Das Tuch würde in dem Fall ungewaschen, zum Bortenweber gehen, damit nichts angefilzt und damit schwerer zu bearbeiten ist. Dies verringert auch unterschiedliche Spannungen beim fertigen Stück. Der Mantel kann nach Fertigstellung  gewaschen werden, damit die Gewebe sich entspannen und die Fäden sich aufplustern können, die Fäden fügen und schmeicheln sich im Gewebe zu einer einheitlichen Fläche. ( Fachjargon = Fulling)


Ein Beispiel :
Bei einem Mantel der im Vehnemoor gefunden wurde, ragen kleine Schlaufen der Gewebe Schuss Fäden in die Borte. (siehe dazu NESAT Band 11 S. 164, )

vereinfachte Darstellung

Hier ein Probestück von meinem Webstuhl:

Das Muster entspricht nicht dem Mantel aus dem Vehnemoor, hier habe ich eine Restkette als Ansichtsmuster verarbeitet.

Der Einfachheit halber, damit sich das Gewebe nicht lockert, und alles schön in Reihenfolge erhalten bleibt, habe ich eine technische Schnur eingearbeitet, die man beim Borte arbeiten, nach und nach raus ziehen kann. Die Kettfäden an den Schnittkanten können beliebig lang, nach Wunsch und Projekt erhalten bleiben, um auch an diesen Kanten, Borten zu arbeiten. Auch hier wurde zum Schutz des Gewebes und der Ordnung halber, Laufknoten gemacht.
Bei einem solchen Projekt würde ich zusammen mit dem Auftraggeber, genügend Garn ein planen, um das gesamte Tuch aus einem Guss zu arbeiten, es würde also gleich passendes Garn für die Borten mit geliefert.
Anbieten kann ich Tücher bis zu einer Breite von etwa 1,80m Breite* und beliebiger Länge, in 2/2 Köper oder Fischgrat Bindung.

*Als Faltgewebe, kann ich bis zu 2m breit weben, dabei  springt das Gewebe gut und gerne 20 - 30cm ein.

Literatur:
NESAT Band 11, ab Seite 161
The Vehnemoor Cloak and its Colleagues:
A Unique Find in Relation to its Paralellels
Susan Möller -Wiering, Lise Raeder Knudsen

Tipp - Fernleihe der örtlichen Bücherei bemühen.

Donnerstag, 23. Februar 2017

Mantel Paulchen

Der Arbeits Titel des Mantels sagt viel über die Farbe aus, tatsächlich stand der Pink Panter, gedanklich Pate bei der Farbauswahl : einem Rot das einem krappgefärbten Garn ähnlich sieht und einem Rose Ton, das an Krapp niederer Flotte erinnert.
Auch hier sieht es aus, als ob 3 Farben verarbeitet wurden, obwohl es nur zwei sind.





100% Wolle industriell gefärbt, alle Garne gezwirnt
2/2 Köper
5Fäden/1cm
von Hand gedrehte Zöpfchen
seitlich einfache Webkanten
Angangskante : schlichte angewebte Borte
Breite 1,70m breit, Länge 2,10m ohne Zöpfchen gemessen.


sturmerprobt ist er auch schon - nach der Vorwäsche auf der Leine

Mantel Marco

Schachbrettartige Karomuster sehen durch die Farbverflechtung einfach aber raffiniert aus, es wirkt als ob mehr Farben beteiligt wären, als es in Wirklichkeit sind, weil sich die Farben vermischen. Dabei wirkt das Muster fürs Auge aufgeräumt und gefällig.
Im Frühmittelalter findet sich solches Karo in Oseberg und auch an der Tunika des Bernuthsfeld Mannes.

Im Kundenauftrag :
Mantel in schlichter Form mit umgenähter Schnittkante, einfachen Webkanten und gedrehten Zöpfchen.
der Mantel ist noch ungewaschen, der Wetterbericht sagt Dauerregen vorraus, und so habe ich die Gunst der Stunde genutzt.


Die Schussgarne sind ein Hauch dunkler als die Kettgarne, was dem Gewebe eine lebhafte Optik verleiht.


Technische Daten:
2/2 Köper
5 Fäden je 1cm
Garne 100% Wolle chemisch gefärbt

Montag, 13. Februar 2017

Insektenhotel aus alten Webspülchen

Im Vorjahr hatte ich einen Artikel über Insektenhotels gelesen.
Ich habe in meinem Garten einige fertig Gekaufte, aber auch selbstgemachte Hotels, da in meinem Garten ein hoher Bedarf daran ist. Kleine Wildbienchen versuchen im Frühjahr Gartenmöbel die Fenster im Haus, überhaupt sich jede bietende Ecke zu nutzen.
Dummerweise sind gar nicht alle Insektenhotels die man kaufen kann, gut für diese Zwecke geeignet. Gerade die Modelle deren Bohrungen oder Röhren im Inneren scharfe Grate und Kanten haben, sind eben nicht geeignet, weil die Insekten sich die empfindlichen Flügel daran verletzen könnten.
fertig gekauft, hübsch, aber kaum genutzt
selbstgemacht seit vielen Jahren gern genutzt und ratz-fatz ausgebucht

Gelesen hatte ich auch, das man die zu scharfkantige Gänge mit Papierröllchen aus kleiden könne.
Papierröllchen hätte ich ja.
Ich mache meine Spülchen die ins Webschiffchen kommen, selbst. Dabei verwende ich raues Packpapier, z.B. das bedruckte Geschenkpapier von Ikea, aber auch braune Briefumschläge und wenn ich mal ganz knapp dran bin, drehe ich den Altpapier Eimer um, und verwende alles was die richtige Dicke hat, und sich fügt. Die Blätter schneide ich auf mein gewünschtes Format, setzte sie am Spulgerät an und schwupps werden aus Blättchen, kleine Röllchen auf die ich mein Garn fülle.
Diese Röllchen lassen sich oft wieder verwenden, aber irgendwann ist das Papier müde und geht ins Altpapier. Oder besser ging, denn seit dem Herbst habe ich gesammelt.
Am überdachten Balkon habe ich einige geschützte Stellen, die sich für diesen Zweck gut eignen.
Eine erste Dose habe ich schon Beginn des Winter aufgehangen, um zu testen ob die Röllchen nicht zu viel Feuchtigkeit ziehen, und evtl schimmeln, oder aufweichen, das scheint aber nicht der Fall zu sein.
die Dose hat im Boden Löcher, falls mal Wasser eindringt
Also die restlichen gesammelten Werke in nächste Dose gefüllt. Da geht noch etwas rein, aber es ist ja noch etwas Zeit bis zum Frühjahr. Ich werde berichten, ob das Insektenhotel "zur lustigen Weberin" angenommen wird und ob es sich bewährt.


Freitag, 3. Februar 2017

Der Mantel des Bernuthsfeld Mann

Der Mann aus dem Bernuthsfeld , von Isidern liebevoll Bernie genannt, hat vermutlich im 8ten Jahrhundert gelebt. Er ist als Moorleiche erhalten und mit ihm ein Fundus an Textilien.
Eine Tunika die aus lauter Flickwerk zusammen gesetzt ist, Beinwickel, einen Mantel, ein Tuch und etwas das als Kapuze dargestellt wird.
Der Mann wurde vor über 100 Jahren beim Torf stechen gefunden, und immer wieder untersucht, jeweils mit den Mitteln der Zeit. Neue Untersuchen wurden vor Kurzem gemacht, neue Erkenntnisse sollen demnächst veröffentlicht werden.

Bernies Mantel unterscheidet sich von den Prachtmänteln der Bronze und Eisenzeit, die extrem aufwendig gearbeitet  und vermutlich nicht nur wärmenden sondern auch repräsentativen Zwecken dienten, durch seine Schlichtheit. Statt einer aufwendigen umlaufenden Borte, hat er eine kleine Anfangsborte, die eine technische Kante ist, und dazu dient die Kette für das Gewebe am Gewichtswebstuhl vor zubereiten. Seitlich sind sogenannte Schlauchkanten, am Gewebeabschluss ist die Kette durch gedehte Zöpfchen gesichert.
Eine Schlauchkante muss man sich, wie einen gewebten Tunnelzug vorstellen. Sie ist hohl und geht ohne Naht ins restliche Gewebe über. Ob sie einen funktionalen Zweck hatte ist nicht bekannt. Die Herstellung dieser Kanten war aufwendig. Sie lässt sich nicht in die Schäfte des restlichen Gewebes eingliedern, vermutlich wurden die jeweils 6 Randfäden manuell von Hand ausgelesen.
Die Feinheit des Gewebes ist laut Tidow als eher grob ein zu stufen.
Welche Farben der Mantel ursprünglich hatte, ist mir zur Zeit nicht bekannt. Seine heutige Farbe ist durch die lange Zeit im Moorboden gelblich.

Das Manteltuch dient mir als Vorlage für meine nächste und auch vorangegangene Arbeit.
Anders als das Original, soll der Mantel nicht im Fischgratmuster, sondern in 2/2er Köper gewebt werden. Fragmente die als solche von Mänteln eingestuft werden, finden sich in Oseberg und Haithabu.
Eine besondere Herausforderung, sind die Kanten des Manteltuchs. Die Zöpfchen sind aufwendig aber recht einfach, die Borte wird nachträglich angewebt, jedoch die Schlauchkanten lassen sich technisch nicht in mein System integrieren. Um die etwas fülligen Schlauchkanten optisch zu darzustellen, habe ich die Randfäden gebündelt.
Erst einmal wird mein zweiter Mantel aus gezwirnten Garn entstehen, als Übungsgewebe, bevor ich später an den Kundenauftrag aus Einfachgarn gehe.

nachträgliches versäubern des Gewebeanfangs am Bandwebstuhl



















Quellen:

Hans Hahne: Die Moorleiche aus dem Hochmoor "Hogehahn" bei Bernuthsfeld, Kr. Aurich. In: Provinzialmuseum Hannover (Hrsg.): Vorzeitfunde aus Niedersachsen Teil B - Moorleichenfunde aus Niedersachsen. Lax, Hildesheim 1925,

Marion Heumüller / Jan F. Kegler :  Der Mann von Bernuthsfeld und seine Zeit. Die neue
Ausstellung im Ostfriesischen Landesmuseum Emden


Das Original kann in Emden besichtigt werden:
http://www.landesmuseum-emden.de/17-0-22


Sonntag, 22. Januar 2017

Ein Rechteckmantel

Ich erinnere mich, als wir in der Grundschule die Geschichte des heiligen St. Martins besprochen haben, und die Verwirrung von uns Kindern bei der Vorstellung, einen Mantel zu teilen. Die Erklärung, das die Mäntel früher keine Arme gehabt haben, hat mir nicht so wirklich eingeleuchtet. Das der Mantel des Martin nur eine Art Decke gewesen ist, konnte ich mir nicht vorstellen.

Nachgewiesen sind Tuchmäntel über Hunderte von Jahren. Sie tauchen schon in den Baumsarg Bestattungen der Bronzezeit, aber auch noch im frühen Mittelalter als Fundstücke, als Fragmente und auch in Bildquellen auf.
Tuchmäntel waren recht praktisch, es handelt hier um rechteckige große Tücher, in die man sich vielleicht nachts auch als Schlafdecke einhüllen könnte. Als Mantel getragen, wurde es zum Teil doppelt gelegt und mit einer großen Nadel oder Fibel verschlossen. Solche Tücher werden auch Prachtmantel, oder Rechteckmantel genannt.
Oft haben sie sehr aufwendige Gewebekanten, die in besonderen Techniken, wie Brettchenborten die mit Zöpfchen verziert wurden, eingefasst sind.

Diese Kanten haben teils praktische Gründe, eine Borte wird benötigt, um die Kettfäden an den Gewichtswebstuhl zu bringen. Die Schussfäden der Borte hängen einseitig lang aus der Borte heraus, sie werden die späteren Kettfäden.
moderner Bandwebstuhl beim schären einer Kette für einen Gewichtswebstuhl
Die vorbereitete Borte, wird später am Gewichtswebstuhl befestigt.
Borte samt Kette am Gewichtswebstuhl befestigt, links im Bild wurde das Gewebe schon angewebt
(Quelle: Webaktion der hl. Rock Pilgertage in Trier 2012)
Die anderen Borten sind technisch nicht nötig. Das sie dennoch da sind, zeugt von Fleiß und Liebe zum Detail. Möglich das die Tücher repräsentativen Zwecken dienten.
Meist sind extrem aufwendige Tuchmäntel nachgewiesen, aber es gibt auch einige Schlichte.

Mein erstes Stück ist ein schlichtes Modell, die Vorlage möchte ich demnächst ausführlicher vorstellen.
Gewählt habe ich schiefergraues Wollgarn, eine schlichte 2/2 Köperbindung, die "Feinheit" des Gewebes liegt bei 5 Fäden/1cm, als einziger Schmuck sind gedrehte Zöpfchen vorgesehen.
Das Gewebe wird in Falttechnik (Doppelbreit) am modernen Flachwebstuhl gewebt.

links sieht man die untere blind gewebte Schicht des Gewebes


Mein Torso ist zu klein und zu schmal für Herrenmäntel, aber man kann so in etwa sehen, wie das Stück getragen wurde.

1,60m x 2m ohne Fransen gemessen.



Dienstag, 10. Januar 2017

Jetzt schon an den Sommer denken ...

... und in Farbe schwelgen.

Gewebe in Falttechnik (Doppelbreit), habe ich immer wieder mal gemacht. Wie der Name schon sagt, wird das Gewebe quasi doppelt gelegt gewebt, die untere Seite wird dabei blind gearbeitet.
Auf einem Webstuhl mit 4 Schäften, ist es möglich ein Gewebe in Leinwandbindung herzustellen, das doppelt so breit wie der Webstuhl ist. Möchte man ein solches Gewebe in Köperbindungen herstellen, benötigt man einen Webstuhl mit 8 Schäften und gut sortierte Füße, denn in meinen Augen benötigt man dort die meiste Konzentration.
Mein Webstuhl wurde ja wie mehrfach erwähnt, umgebaut und nun bin ich in der Lage Gewebe von einer max. Breite von knapp 2 Meter und beliebiger Länge her zu stellen.
Die vielen immer wieder kehrenden Nachfragen nach Manteltücher haben mich zu diesem Umbau bewogen. Mein Plan ist, Manteltücher ohne Borte her zu stellen, gerne schon mit seitlichen Schlaufen, an die Ihr selbst Eure Borten anweben könnt. Erst einmal nur in 2/2er Köper.

Als Warmup ist diese leichte Sommerdecke entstanden, das Material ist in der Kette aus feinem Merino und im Schuss aus Merino/Baumwollgemisch. Gedacht ist sie für die heißen Tage des Jahres, wenn es für normale Decken zu warm ist.
Der Farbverlauf entstand durch das Vermischen, von sehr feinen mehrfach gebündelten Garnen und geht von Flamingo über Kirschrot zu Orange. Größe 1,40m x 2m.


Dienstag, 3. Januar 2017

Neuerungen im Shop

Hallo Ihr Lieben,
ich wünsche Euch Allen ein frohes neues Jahr ! Da ich ja nicht alle Leser über FB erreiche, gibt es hier noch mal den selben Post, wie drüben.
Wie das so ist, es gibt zum Jahrebeginn Neuigkeiten/Neuerungen. Einige sind gewollt - mein Webstuhl ist umgebaut, andere sind ungewollt : Dawanda erhöht ab 16 Jan. 2017 die Gebühren, und zwar heftig.
Viele Shops wollen schließen, ich gebe zu, auch ich habe überlegt weg zu gehen, habe mich dann aber da gegen entschieden, damit Ihr mich auch weiterhin findet, wie Ihr es gewohnt seid.
Allerdings werde ich den Shop schmaler machen, die Nähgarne werde ich zu Gruppen zusammen fassen, ganz knapp kalkulierte Sachen, wie Beutelchen, aufwendige Taschen und die Mützen werde ich ganz aus dem Shop heraus nehmen. Diese Dinge werde ich dann auf den Messen oder auf Zuruf anbieten.

Zu den Neuerungen in meiner Werkstatt melde ich mich demnächst, zur Zeit arbeite ich mich immer noch ein, Gut Ding will Weile haben.
Herzliche Grüße
Silvia

Sonntag, 25. Dezember 2016

Jahresrückblick 2016

Während die Umbaumaßnahmen am Webstuhl fertig sind, und das System eingearbeitet wird, mag ich auf das Jahr zurück blicken. Eigentlich habe ich das Gefühl nichts als Schultertücher gewebt zu haben. Gut das ständig Fotos mache, sonst hätte ich das noch geglaubt.
Hier eine Auswahl der schönsten Stücke.

Begonnen hat das Jahr mit einem Projekt, das ich schon ewig machen wollte, den Schal der Huldremose Frau :
da der Aufzug und das auslesen des unregelmäßigen Karomuster aufwendig war, habe ich das Tuch mehrmals auf einer Kette gewebt

Wie ich das immer mache, gab es im Anschluss weitere Stücke, damit sich das einrichten des Webstuhls lohnt.

Ein weiteres Projekt das ich machen machen wollte, ist ein Gewebe das in den Publikationen von Frau Inga Hägg als Zottengewebe bezeichnet wird. Es sind mehrere Macharten nachgewiesen, eine würde ich als Webpelz bezeichnen.


Einen Extendet Tabby oder erweiterte Leinwand hat mich auch gereizt. Diese Stoffart taucht an mehren Orten im Spätmittelalter auf, und muss große Mode gewesen sein.
Als Warm-up sind einige Minidecken entstanden:

Um dann als Tuchbahn über einige Meter, gut von von der Hand zu gehen:



Danach gab es zur Entspannung, schlichte Tücher in Edelfasern, nach freiem Entwurf und Farbgestaltung damit die Kreativität nicht verkümmert.




Ein Muster aus dem Frühmittelalter stand auf dem Plan.


Ein Muster das durch die Varaitionsmöglichkeiten, zum spielen eingeladen hat.


Manchmal fehlt es Darstellern an Kleinigkeiten die fehlen um ein stimmiges Bild ab zu geben, so wie hier eine Schärpe getragen unter dem Gürtel und Schwertgehänge, und die für den richtigen Sitz der Kleidung sorgt.



Einmal im Jahr mache ich auch Beinwickel, eine wirklich aufwendige, lästige Arbeit. Ich mache sie nur auf Anfrage und auch nur ganz wenige Paare.


Schultertücher, ich habe sie nicht gezählt und es sind auch nicht alle im Bild.


Das Jahr endet wie es begonnen hat, mit Schaltüchern, die man als Allwetterschleier oder als Fokale tragen kann, diesmal in Diamantköper/Fischgrat



Vielen Dank Euch Lesern, weil Ihr immer wieder hier rein schaut. Habt frohe Restfeiertage und einen guten Start ins neue Jahr. Bleibt oder werdet gesund, bewahrt Euch den Blick fürs Schöne und freut Euch an Kleinigkeiten. Alles Gute !