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Samstag, 12. Mai 2018

Chamäleon Gewebe

 Im Kundenauftrag:

Ein Stoff in Leinwandbindung.
Die Kette ist gelb, der Schuss dunkelblau
handgefärbt in Reseda und Indigo.
10 Fäden/1cm
100%Wolle


gewünscht war knalliges Gelb und dunkles Blau


Zur Abwechslung mal etwas ganz Schlichtes um nicht zu sagen einfach ... dachte ich.
Ist es eigentlich auch, wobei gerade die ganz einfachen Muster keine Fehler verzeihen. Jedes Knötchen, jede Unregelmäßigkeit bleibt sichtbar, ganz anders als zB. Diamantköper dessen Muster das Auge von kleinen Unzulänglichkeiten ablenkt.

Am Webstuhl sah das Gewebe blau aus, ganz klar, das Blau dominiert. Hat mich gewundert, aber na gut, dann ist das so.

Beim Kanten sichern stelle ich fest, nein der Stoff ist überwiegend gelb. Komisch.


ab in die Waschmaschine und schauen wie der Stoff aussieht wenn die Fäden sich entspannen

Bei dem schönen Wetter war der Stoff innerhalb 2 Stunden trocken.
Ist er nun Gelb ? Blau ? Oder doch Grün ? Spannende Frage, vermutlich ist das auch Wetter und Tageszeit abhängig.
Schlicht muss nicht langweilig bedeuten. Es gefällt mir gut und ich bin gespannt was die Kundin daraus zaubert.






Mittwoch, 9. Mai 2018

Blogpause

Mein Blog geht gegen Ende des Monats zur Überarbeitung in Blogpause. Wer noch etwas nach lesen möchte, sollte das bald tun. Er kommt wieder, aber nach den Jahren muss einfach mal aufgeräumt werden.

3 dicke warme Schultertücher sind fertig geworden. Sie sind schon in den Shop eingepflegt. Was noch nicht eingepflegt sind, sind zB. die neuen Wollkordeln aus meinem Sortiment. Ich werde sie bald nachreichen, denn erst einmal wird der Webstuhl gerade neu eingerichtet. Leinwand und 2/2er Köper ist an der Reihe. Damit gehe ich ins neue Arbeitshalbjahr.



Mittwoch, 2. Mai 2018

Das Zuschneiden von Stoffen und die Vorbereitung

Am vergangenen Wochenende bei der IRM 2018 habe ich oft gehört, das der Zuschnitt von Stoffen ein Problem ist. "Einen Zuschneide Service müsse es geben" auch das habe ich gleich mehrmals gehört. Auf der Fahrt von der Messe zurück nach Hause musste ich drüber nachgedacht und vor allem warum das so ist.
Das Problem ist vermutlich nicht die Schere, sondern die Unsicherheit ob man alles richtig macht, denn hat man Sicherheit, ist die größte Angst weg.
(Für Querleser : hier geht es um den Zuschnitt von historisierten Kleidungsstücken, nach selbst erstellten Schnitten)


Zuschnitt einer Frühmittelalterlichen Hose aus handgewebtem Stoff

Wie bekommt man Sicherheit ?
Durch Versuch und Irrtum. Kein Meister ist vom Himmel gefallen. Schon gar nicht, wenn es nicht nur irgendwie passen soll, sondern maßgeschneidert sitzen und wie die historische Vorlage aussehen soll.
Am Anfang sollte darum ein Probestück stehen. Das kann zB. eine ausgediente Bettwäsche sein, oder ein Billigstoff. Je dicker der zu verarbeitende Stoff, um so ähnlicher sollte der Probestoff sein, damit man den Sitz und Fall des Kleidungsstücks besser einschätzen kann. Ein labrig dünn gewordenes altes Betttuch verhält sich anders, als ein neuer Mantelstoff.
Das Probestück kann mit der Nähmaschine genäht werden, oder aber von Hand mit Heftstichen.
Je anliegender das Kleidungsstück ist, um so sorgfältiger muss gearbeitet werden.
Bei elastisch gearbeiteten Stücken wie der Thorsberg oder Damendorfhose, die eine elastische Handnaht im Original hat, sollte man einen elastischen großen Zickzackstich bei der Maschine wählen.
Man sollte auf den Fadenlauf achten und auch ob und wie bei der Vorlage damit gearbeitet wurde, zB. bei Strümpfen und Beinlingen diagonal. Auch hier sollte das Probemodell genau so verarbeitet werden.
Mit einem guten Plan ist vieles leichter. All diese Vorplanung und Mühe ist die Grundlage für die Schneiderei. Ähnlich wie das Einrichtens des Webstuhls einen Batzen der Arbeit des Webens ist, ist eine gute Planung ebenfalls Teil der Arbeit eines Schneiders. Ein Zuschneideservice müsste also auch das leisten, was ein Grund dafür sein könnte, das es bisher so etwas noch nicht gibt.

Ihr solltet Euren guten Stoff vorwaschen, denn es kann immer passieren, das sich ein Gewebe verzieht oder einläuft. Dann nützt die beste Vorbereitung nichts.

Wenn man dann schon üppig ans Probe Material geht, gibt man lieber ein bisschen mehr Naht zu, als zu knapp arbeiten, denn weg nehmen geht immer.
Schaut man moderne Schnittmuster Bögen an, sieht man das zwischen den einzelnen Kleidergrößen oft nur 1cm oder weniger Unterschied liegt. Je nach dem aus wie vielen Einzelteilen ein Kleidungsstück besteht. Ein Zentimeter kann schon viel aus machen,besonders wenn das Stück aus 4 oder mehr Teilen besteht, dann summiert sich der 1cm je Seite auf8cm und mehr insgesammt. Also lieber vorsichtig minimieren, als bei einem Mal zu viel weg zu nehmen. Es kann nicht schaden, in ein modernes Schnittmusterheft zu schauen, um ein Gefühl für die Proportionen zu bekommen.

Es ist wichtig schon vor dem Projekt zu überlegen, welche Naht man später arbeiten möchte und wie viel Zugabe nötig ist. Dazu kann man einen Rand des vorliegenden guten Stoffs, ein kleines Stück in der gewünschten Technik vernähen und nachmessen wie viele Millimeter man benötigt. Hilfreich ist ein Stück Papier, auf dem man sich solche Werte notiert. Wer viel näht, kann sich später einen Schnipsel Stoff zum Zettel packen und das Ganze abheften. Dazu komme ich aber später.
Alle Kanten plant man grundsätzlich mit oder ohne Nahtzugabe, weicht man davon ab, muss man sich dies notieren.

oft ist der erste Versuch unbrauchbar
Nun habt Ihr Euer Probestück fertig. Habt es angezogen und steht vor dem Spiegel. Ist alles ist so wie es sein soll ? Prima! Das reicht aber noch nicht aus. Nun sollte man unbedingt testen, ob die Kleidung nach einer Runde hinsetzen, hinhocken, bücken und Arme ausstrecken usw. immer noch in Ordnung ist. Eine Runde Fotos von einem Helfer aufgenommen, ist nützlich Fehler zu finden und nach zu arbeiten.

der zweite Versuch

das eigentliche Kleid ist fertig, man erkennt gut, wie unterschiedlich die Stoffe fallen

Alles ist so wie Ihr es haben wollt ? Super! Die Nähte kann man mit einem Stift (Kugelschreiber, Filzstift etc.) markieren, ruhig auf der ganzen Länge, und das Stück wieder auftrennen. Wenn Ihr bei der Nähmaschine mit großen Stichen gearbeitet habt, geht es einfach. Nun habt Ihr ein Schnittmuster. Wollt Ihr dieses Schnittmuster aufbewahren, ist es praktisch, es auf Papier oder Renovierfolie zu übertragen. Zusammen mit Eurem Zettel mit Nahtzugaben und einem Stoffrest gefaltet und beschriftet in einer Dokumentenhülle, in einem Aktenordner abgeheftet, habt Ihr eine wunderbare Grundlage für die nächsten Stücke.

Das Schnittmuster kann nun auf den Stoff gelegt, dann fest gesteckt, und mit Schneiderkreide aufgezeichnet werden. Immer schön sorgfältig arbeiten. Alle Teile müssen an gezeichnet werden. Dann kontrollieren, ob alles da ist :
2 Arme oder 2 Beine 
genug Geren oder Keile
Rumpfteile oder Hintern falls nötig
...
an Nahtzugaben gedacht, falls Euer Schnitt die nicht hat ?
alles da ?
Erst JETZT greift man zur Schere.

Das klingt nun alles nach viel Mühe, aber diese Mühe lohnt, und gibt Euch Sicherheit, damit Euer schöner Stoff nicht als unvollendetes Projekt liegen bleibt.
Ich wünsche Euch frohes Schaffen und gutes Gelingen !



Samstag, 14. April 2018

Baldige Termine, Neuerungen und ein konfektionierter Kleiderstoff

Bald schon ist die IRM, auf der ich wieder mit einem Stand vertreten sein werde, danach beginnt mein neues Halbjahr. Die Vorbereitungen für die Messe laufen. So werde ich neben dem üblichen Angebot, das Double des Bernie Mantels zeigen und einige Mäntel die ohne Vorbestellung zu haben sind, mit dabei haben. Schaut vorbei, ich freue mich.

Nächste Woche besuche ich die Textiltage in Oerlinghausen. (21/22 April 2018) Sie finden zum ersten Mal statt, weshalb ich noch nicht sagen kann, was da zu erwarten ist. Das Archäologische Freilichtmuseum Oerlinghausen ist klein aber fein und viele bekannte Gesichter haben sich zu diesem Anlass angekündigt und ich freue mich schon sehr !


Neu ist, das ich meine Färbungen in die geübten Hände von Ovicula lege, so das ich mich ganz auf die Weberei konzentrieren kann. Manuela Helzer von Ovicula hat sich tief in die historische Pflanzenfärberei eingearbeitet und arbeitet auf hohem Standart.

Weitere Neuigkeiten zu den Internet Präsenzen halten zur Zeit uns Shop und Blogbetreibern auf Trab. Wie genau das alles zu lösen ist, was sich ändern muss - so wirklich blicke ich noch nicht durch. Vermutlich werde ich einges ändern müssen.

Im Kundenauftrag :
die Vorgabe war ein blaues Kleid mit roten Zierstreifen.


Bevor gewebt wird, beginnt die Zusammenarbeit mit der Schneiderin. Sawa hat den Schnitt des Kleides geplant, ausgerechnet wie groß die einzelnen Schnitteile sein müssen und zusammen haben wir eine Tuchplanung ausgearbeitet. Am Ende wird also ein maßgearbeitetes Kleidungsstück stehen.
In diese Planung musste dann der Einsprung des Gewebes berechnet werden. Das heißt, ich muss mehr mehr weben, damit alles an der richtigen Stelle sitzt, wenn der Stoff erst mal gewaschen ist.
Die frisch aufgezogene Kette : satt gefärbt von Ovicula
die lange Leine hat gerade so ausgereicht für den Stoff, das Bild leider nicht












so viel Stoff auf hübsch auf die Figur zu drapieren ist nicht einfach, man erkennt gut wie weich der Stoff fällt
Musterstreifen in Diamantköper

Grundgewebe Fischgrat
Ich hoffe später Bilder vom fertigen Kleid nach reichen zu dürfen.


Kontakte:

Pflanzengefärbte Garne und Stoffe 
Manuela Helzer
https://www.ovicula.info/
https://www.facebook.com/ovicula.info/

Schneiderin (für dieses Projekt) :
Sawas Gewandungen 

A. Lapies-Gnatowska
https://www.facebook.com/sawas.gewandungen/

 Schneiderin (für das Vorprojekt):
 Andrea Marx
Hannyrdi - Genähtes und Gesticktes
www.hannyrdi.de
www.facebook.com/Hannyrdi

IRM am 28/29 April 2018
Archäologiepark Römische Villa Borg
Im Meeswald 1
D - 66706 Perl-Borg im Saarland

http://www.reenactmentmesse.de/p_anfahrt.htm

Archäologisches Freilichtmuseum Oerlinghausen


Am Barkhauser Berg 2-6
33813 Oerlinghausen  NRW

Montag, 9. April 2018

konfektionierter Tunikastoff

Im Kundenauftrag:

Ein Stoff für eine Tunika, als Vorlage dient ein Steinfries, dessen Farben leider vergangen sind. In Zusammenarbeit mit der Gewandschneiderin Andrea Marx und dem Kunden wurde von Frau Marx ein Schnittmuster ausgearbeitet, und von mir eine Gewebeplanung erstellt. Bei solchen Projekten ist die besondere Herausforderung, das die Streifen später genau an der richtigen Stelle sitzen. Da das Gewebe einläuft, muss möglichst genau kalkuliert werden, wie viel mehr gewebt werden muss.

Zeichnung nach dem Original, nach freiem Entwurf koloriert

Die gemeinsame Überlegung war, ob diese Tunika uni war, welches Muster sie gehabt haben könnte, und wie fein sie wohl gearbeitet war. Im regional passendem Zeitfenster liegt der Fund eines kleinen Fragments in Diamantköper vor.

Die Umsetzung:
100% Wolle
10Fäden/1cm
Kette Reseda gefärbt
Schuss Nautrgrau und Indigo
Bindung Fischgrat als Grundmuster, die Dekorstreifen in Diamantköper






Kontaktdaten zu Andrea Marx:
Hannyrdi - Genähtes und Gesticktes
www.hannyrdi.de
www.facebook.com/Hannyrdi

Mittwoch, 4. April 2018

Konfektioniertes Gewebe für einen Klappenmantel

Vorweg : belegen lässt sich diese Art Zierstreifen ein zu weben bisher nicht. Dazu sind zu wenige Stücke erhalten, Farbanalysen werden in der Regel nicht flächig für ganze Stücke durch geführt, sondern nur dann wenn mit dem Auge mehrere Farben sichtbar sind. Möglich ist, das sich Farbstoffe im Boden oder durch Feuchtigkeit auf das ganze zu untersuchende Textil übertragen hat.
An vielen Kleidungsstücken lässt sich belegen, das schon mit der aufarbeitung der Rohwolle fest stand, was aus der Faser einmal entstehen soll. (M)eine Interpretation ist die andersfarbigkeit der Zierstreifen, als eine Möglichkeit der Gestaltung der Kleidungsstücke.

Im Kundenauftrag:
Ein Stoff für einen Klappenmantel.
Zusammen mit der Schneiderin A. Lapies-Gnatowska  von Sawas Gewandungen wurde eine Gewebeplanung/Schnittmuster erstellt, denn der Stoff geht später dort hin, um zu einem Klappenmantel geschneidert zu werden.
Der Kunde der Bortenweber J. Korte, webt eine Borte die später dieses Stück zieren soll.

Die Bindung ist ein Diamantköper.
Material 100% Wolle
10/Fäden je 1cm
Die Farbe soll einem sattem Krapprot entsprechen, damit das Muster besser zur Geltung kommt, wurde das Schussgarn einen Ton heller gewählt als das Kettgarn. Die farbliche abbgesetzen Streifen wurden mit Silbergrauem Schuss gewebt, da später eine Borte mit Silber und Goldlahn aufgenäht werden soll.


unter Spannung am Webstuhl
gewaschen und wieder getrocknet in der Frühlingssonne
die dazugehörige Borte (Herstellung und Bildrechte J.Korte)


per Bildbearbeitung verbunden passen die Farben und Strukturen gut zusammen, die Münze dient wie immer dem Größenvergleich

Kontakt zur Schneiderin:
Sawas Gewandungen 
A. Lapies-Gnatowska















Montag, 19. März 2018

Wann sollte es Handgewebt sein ?

Zur Zeit bekomme ich etliche Anfragen, von Darstellern, die denken sie lassen sich etwas anfertigen und dann sind sie rundum gut aufgestellt.
Natürlich freue ich mich über ein gut gefülltes Auftragsbuch, aber nicht um jeden Preis, und nicht wenn ich weiß : der Kunde wird sich irgendwann ärgern.

Wann braucht man eine Anfertigung ?
Eine Anfertigung braucht man immer dann, wenn etwas nicht von der Stange zu haben ist.
Ein handgewebter Stoff macht eine historische Darstellung nicht besser oder stimmiger als ein industriell gewebter Stoff. Das macht ein handgewebter Stoff erst dann, wenn das Textil Besonderheiten aufweist oder wenn Muster vorliegen, die man nicht kaufen kann.

Fragt Euch bitte : was möchte ich eigentlich ?
Ein Lebensbild vermitteln ?
Eine Zeit möglichst echt nach leben ?

Um bei einer historischen Modenschau stimmig aus zu sehen, muss es weder handgewebt noch pflanzengefärbt sein. Wichtig ist, die Bindung stimmt, der Farbton, der Schnitt und das Material.
Möchte ich aber hautnah erleben wie sich frühere Zeiten angefühlt haben könnten, muss man tiefer gehen. Dann gehört Pflanzengefärbt und vielleicht auch Handgewebt dazu. Denn nur wenn es echt ist, verhält es sich auch wie echt, mit echter Abnutzung und Flecken, von echten Tätigkeiten.

Liebe Darsteller - lasst Euch nichts aufschwatzen !
Immer wieder sieht man Stoffe die zwar handgewebt, aber recht dick sind. Das sind die erhaltenen Textilien aber nur selten bis gar nicht.
Tidow (Ausrichter der ersten NESAT Tagung und Fachmann in Historischen Textilien) unterteilt historische Gewebe in unterschiedliche Feinheiten, jeweils auf 1cm gemessen:
sehr grob bis zu     5 Fäden
grob bis zu            8 Fäden
mittelfein bis zu   12 Fäden
fein bis zu             18 Fäden
sehr fein über        18 Fäden

Jeansstoffe liegen meist bei 11 Fäden je cm. Das Manteltuch des Bernie  hat 7 Fäden/1cm.
In einer Tunika, die deutlich dicker als Jeansstoff ist, lässt sich schlecht arbeiten, sie wird mehr in der Ecke liegen, als sie getragen wird. Das ist nicht nur unglaubwürdig, sondern falsch angelegtes Geld.

Wo finden sich Textilien ?
Das ist oft knifflig. Nicht jeder hat für seinen Wunschzeitraum und Region eine gut erhaltene, voll bekleidete Moorleiche.
Oft finden sich unerwartet und indirekt Textilien.
Keramik wurde hin und wieder vor dem Brand auf Lappen abgestellt oder eingeschlagen. Oft sind so bis heute Gewebeabdrücke erhalten.
In Körpergräbern finden sich manchmal Gewebe als Abdrücke auf korrodierten Metallgegenständen, so das man etwas über Gewebe erfährt, die längst vergangen sind. Ob nun diese Abdrücke einfach so als Kleidung deuten kann, muss man jeweils schauen.
Zusammen mit Bildbelegen und figürlichen Darstellungen findet man mehr über die Kleidung heraus.
Nun schaut man auf die sognannten Trachtbestandteile. Die finden sich oft in ungestörten Bestattungen. Anhand von Leichenschatten oder Knochenteilen weiß man die Lage des Körpers. Mit etwas Glück finden sich Schnallen, Schmuck, Schließen, pers. Gegenstände wie Messer, Toilettenartikel und Grabbeigaben. Das alles kann viel über den Menschen aussagen, wie er gelebt hat und gekleidet war.
Gewebefragmente, Bildnisse und Grabbeigaben zusammen sind quasi der große Lottogewinn. So viel Glück hat man selten. Dennoch lohnt es zu suchen.

Gibt es ein Buch wo das alles drin steht ?
Leider nein.
Für die vielen kleinen Kleckerfunde an Fragmenten, die gar nicht so selten sind, wie man erst einmal glaubt, gibt es bisher keine umfassende Literatur. Macht Euch mit "Eurem" Gebiet vertraut. Findet heraus was es an Fundgut gibt, und wühlt Euch durch die Literatur. Das sind oft Jahrbücher in denen die Funde einer Region zusammen gefasst sind. Manchmal Festschriften und Ausstellungskataloge. Wenn man Pech hat gibt es in einem Kiloschweren Werk, nur eine Doppelseite die man brauchen kann. Nutzt die Fernleihe der Bücherreien ! Das spart Frust und Geld.

Ist man mit dieser Suche durch, hat man am Ende eine Vorstellung, was man möchte und mit der man vermutlich langfristig zufrieden sein wird. Nun kann man überlegen ob eine Anfertigung nötig ist.


Kleine Stoffkunde für Anfänger

Freitag, 16. März 2018

Peplos

Im Kundenauftrag:

ein Peplos an einen Fund aus Liebenau, 5tes Jahrh. angelehnt

Material 100% Wolle
Bindung Diamantköper
Dichte Kette 10Fäden/1cm Schuss 15Fäden/1cm
Kette Birkengefärbt
Schuss Rainfarn und Eisen 2

untere Borte : 2 Brettchen grün, 4 gelb, 2 grün bezogen
Obere Borte : 4 Brettchen grün, 8 gelb, 4 grün bezogen
abwechselnd in S-Z Stellung
Die Borten ergänzen das Stück nach freiem Entwurf.
Alle Angaben zum Fund kamen von der Kundin Petra Müller. Die technischen Lösungen der Umsetzung haben wir gemeinsam erarbeitet.

Das Tuch wurde in 3 Bahnen a 1m Breite und 1,70m Länge gewebt, zwischen den einzelnen Abschnitten wurde Kette leer gelassen, damit später Material zum Brettchenborte anweben vorhanden ist.
Nachdem die Bahnen vom Webstuhl abgenommen wurden, wurden sie zugeschnitten, die Webkanten einmal schmal umgeklappt und per Überwendlichstich versäubert, anschließend wurden die Bahnen per Schmetterlingsnaht zu einem großen Stoffstück vernäht. Alle Nähte wurden von Hand ausgeführt, als Nahtmaterial wurde das gleiche Garn wie zum weben benutzt.
Das gleiche Garn wurde ebenso für die Ketten der Brettchenborten  genutzt. Nach dem anweben der Borten wurde die überhängenden Kettfäden abgeschnitten, die letzte Naht verschlossen und die Bortenenden vernäht. Nun wurde das Werkstück vorgewaschen und getrocknet.




Alles beginnt mit Faden
die Münze dient zu Größenvergleich, der Schussfaden ist so fein ...

... das er im Fach kaum sichtbar ist


die erste Bahn ist geschafft, die Pfeile markieren Ende und Anfang der Bahnen, der grüne Pfeil die Markierung wo später geschnitten wird.
das Gewebe ist runter vom Webstuhl und wird zugeschnitten

die zusammen genähten Bahnen : 3m x 1,70m

das anweben der Borten
Boten und Naht (innen)

vorgewaschen zum trocknen aufgehangen
das fertige Stück, üblicherweise wird das Kleid mit 2 Fibeln an den Schultern verbunden, und mit einem Hüftgürtel getragen
schneller Trageversuch, ohne jeden Schmuck oder was sonst dazu gehört.
So ein Peplos wirkt schlicht und scheint einfach. Die Herstellung ist jedoch aufwendig und der Materialbedarf weit höher, als Beispielsweise der eines Trägerrock der später aufkommt.
Man sieht es den heute erhaltenen Steinbildnissen nicht an, wie raffiniert so ein großer Stoffschlauch sein kann. Im Bewegung lässt er mehr als nur die Figur erahnen.

 Die Kundin ist so freundlich und stellt das Stück zur IRM 2018 als Schaustück zur Verfügung.

Dienstag, 6. März 2018

Konfektioniertes Gewebe

Ein Gewebe für ein besonderes Projekt wurde in Auftrag gegeben.
Das Gewebe soll besonders farbenprächtig und handgefärbt sein, und die Wahl fand zusammen mit den Auftragbern, auf Rot mit Gelb und einigen blauen Akzenten.

so unscheinbar sehen die Rohstoffe aus ( der Kugelschreiber dient zum Größenvergleich)
Reseda ist eine der kräftigsten und haltbaren Gelbfärber. Bei Cochenille reicht das Farbspektrum von einem kalten Rot, über Lila zu Pink und allen abgeschwächten Rosa und Fliedertönen, je nach Vorbeize oder Zugabe von Eisen 2. Gefärbt wurde mit Zink und Weinstein.
die gemahlenen Läuse werden locker in ein Baumwolltuch eingebunden, mit Wasser übergossen und eine Nacht lang eingeweicht. Sobald das Pulver feucht wird, schwemmt der Farbstoff aus.

Zu Beginn sieht das Färbegut einfach nur schmutzig aus...

... entwickelt sich jedoch zu einem ...
... kräftigen rosarot

links die Resedagefärbten Garne, rechts Cochenille

Bei solch kräftigen Farben, ist es spannend zu sehen, wie sich die Farben als Gewebe vermischen.
Sie mit der Kamera ein zu fangen ist im Winter eine Herausforderung.

Entstehung des ersten Abschnitts mit Besatz
Der Plan war eine Stoffbahn mit eingewebten Besätzen zu weben. Der Einsprung muss vor der Arbeit berechnet werden, das Schnittmuster für das Kleidungsstück muss ebenfalls vor dem weben vorliegen um Passgenau zu arbeiten. Die einzelnen Bahnen habe ich mit einem Hilfsfaden versehen, der die Schnittlinie markiert. So kann man wunderbar am weißen Faden entlang schneiden.

in der Sonne erahnt man endlich das optische Feuer des Gewebes, meine einfache kleine Kamera fängt die Farben nicht wirklich ein.





Literatur/Färbe Rezept :
Handbuch der Naturfarbstoffe  
von Helmut Schweppe


Wer den Stoff und das damit verbundene Projekt im Auge behalten mag, kann das hier tun (link zu Facebook) : https://www.facebook.com/IGFruehmittelalter/