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Sonntag, 16. Juli 2017

Rohwolle

Es ist ruhig auf meinem Blog. Das liegt daran, das ich zur Zeit viele langweilige zeitraubende Vorbereitungen für Projekte treffe, die ich vorstellen möchte, wenn es wirklich etwas zu sehen gibt.
Eine dieser Vorarbeit ist das aufbereiten von Rohwolle. Für Spezielle Gewebe - Große und Kleine - benötige ich Garne die nicht der Norm entsprechen, aus Fasern die es eher selten als Spinnfutter zu kaufen gibt. Also beginne ich ab der Rohfaser direkt vom Schaf.

Bis man solche Zwergenbärte hat, ist es ein langer und mühevoller Weg.


Meine Vliese habe ich von der Nutztierarche Stocksee bezogen. Dort werden sie nach dem scheren der Schafe von den gröbsten Schmutz befreit, verpackt und zum Käufer geschickt.
Hier angekommen, habe ich sie auf einem Laken im Garten aus gebreitet und alles was nicht schön genug zum verarbeiten ist, in den Kompost entsorgt. Die Wolle wird durch schlagen, von Samen, Staub und Pflanzenstückchen zum ersten Mal befreit. Dann gewaschen und in der Sonne getrocknet.


So sieht das Waschwasser aus.
Nun wird Löckchen, für Löckchen mit der Hand fluffig auf gezupft und dann mit Hilfe eines Trommelkardierers gekämmt. Beim zupfen werden ein weiteres Mal, Schmutz, und kleine Knötchen in den Haaren aus sortiert. Beim Kämmen mit dem Kardiergerät fliegen weitere Grassamen, Pflanzenstückchen aus den Haaren, etlich verbleiben aber auch noch dort. Diese muss man später während des Spinnens, heraus holen.

hier wird ein anderes Schaf gekämmt, als oben gewaschen wurde.
Nach dem Kämmen hat man nun endlich so schöne Bärte wie auf dem obersten Foto.
Ab hier kann die Wolle versponnen werden.
Da noch einiges an Rohwolle im Lager lauert, wird es noch dauern, bis ich zum spinnen und zu meinen Projekten komme. Es wird also vermutlich noch ein Weilchen ruhig hier bleiben.


Montag, 10. Juli 2017

Wallmuseum Oldenburg

Eine knappe Woche lang, war das Projekt Kölner Schatzbaukasten zu Gast im Wallmuseum Oldenburg.
Das Wallmuseum vermittelt das Leben der Slawen, die den Ort Starigard (heutiges Oldenburg/Schleswig Holstein) im frühen Mittelalter gründeten und aufbauten. Das Museum besteht aus zwei Scheunen mit Schaustücken, und einem sehr idyllisch gelegenen Freilichtmuseum.
Das Museum ist mit seinen Stationen zum ertasten und schnuppern (Innenbereich Scheunen, die Werkzeuge und Geräte der Darsteller, bitte nie ungefragt anfassen !) unbedingt Kinder freundlich. Neben den Häusern die am Wasser liegen und einem Schiff, gibt es Schafe und Wildgänse, die mich als Stadtkind wirklich erfreut haben.


Die Häuser sind immer wieder von Ehrenamtlern belebt, das heißt, es finden immer wieder Aktionen an den Häuser statt, meist an den Wochenenden, da die Darsteller alle einen normalen Beruf im normalen Leben haben. So kann man sich meist über Textil Handwerk erkundigen, aber auch über die Herstellung von Keramik, die Bearbeitung von Holz und vieles mehr. Je nach dem welche Darsteller Zeit haben, und anreisen können.
Darstellung eines Grubenbrands, von S. Schnoor








 Ein sehr liebevoll angelegter Nutzgarten rundet die Anlage ab. Er gefällt mir besonders gut.


Da das Wetter in unserer Woche durchwachsen bis erstaunlich kühl war, war das Museum nur mäßig besucht, und so habe ich eine Menge schnitzen können.Mein Kästchen ist gewachsen. Der Ring mit den Palmetten Muster Plättchen ist fertig geschnitzt und aufgenagelt. (Pfeil)

weiter geht es mit den Dachfiguren, hier Matheus mit Vorzeichnung (unhistorisch Bleistift)
hier beinahe fertig


Weil das Wetter zum Ende der Woche wirklich schlecht war, und es in den Häusern zu dunkel zum arbeiten UND gucken ist, habe ich zwischen den Vitrinen gearbeitet.
Das eigentliche Arbeiten im Haus wäre möglich, wenn keine Zuschauer im Licht stehen. Um die Frage"kann man überhaupt in so einem Haus arbeiten" zu beantworten.






Eine Frage die immer gestellt wird, ist die nach dem Zeitaufwand. Diese Frage lässt sich so leicht nicht beantworten. Oder doch, für den Mathäus waren es 2 Arbeitstage je c.a. 5 Stunden, vom dreieckig zugeschnittenen Beinplättchen an. Dabei habe ich viel Zeit mit Erklären und zeigen verbracht.
Beim Lukas waren es etwa 6 Stunden, wobei er noch nicht ganz fertig ist.
Geübte Handwerker, also die Erschaffer der Original Stücke im Mittelalter, waren da sicherlich schneller, da sie diese Arbeit täglich verrichteten.
und noch eine zweite Dachfigur ist entstanden : Lukas
Aber es gab auch Tage an denen das Wetter gut war, Dienstags besuchte uns ein Kindergarten.
Es war eine Freude, viele wissbegierige Fragen zu beantworten. Eingangs haben wir eine Runde mit Knochenkegeln gespielt, danach habe ich ein wenig geschnitzt und erzählt, während die Kinder Knochen, Kuhhorn und Geweihstück anfassen und befühlen konnten. Eine gehauene Feile, und ein Rinderknochen machten die Runde und jeder konnte testen wie hart so ein Knochen ist.
Danach ging es dann weiter zum Bogen schießen, mit Herrn Liebentraut.

Foto : R. Liebentraut
Freitag Abend, der Becher ist zum überlaufen voll geregnet.
Wallmuseum :
Wallmuseum Oldenburg
Prof.-Struve-Weg 1
23758 Oldenburg in Holstein
Internet: www.oldenburger-wallmuseum.de


Zusätzlich ist ein Besuch des historischen Walls und seiner Schautafel am Ortseingang sehenswert.

Für Gruppen auf Anfrage

Dienstag, 20. Juni 2017

Warum unterschiedliche Spinnrichtungen ?

Im Vorpost habe ich Gewebe mit unterschiedlichen Drehungen in den Garnen vorgestellt.
Warum hat man sich diese Mühe gemacht, was ist der Hintergrund ?

Bei sehr vielen historischen Textilien sind diese unterschiedlichen Drehungen der Garne nachgewiesen. Optisch macht das bei diesen Stoffen keinen Unterschied. Es hat einen technischen Grund, die Fasern sind fast in ein und die selbe Richtung ausgerichtet. Das macht das Gewebe dichter, und vielleicht auch glatter.
Hier ein und der selbe Stoff vor und nach der ersten Wäsche:

Während der ersten Wäsche plustern sich die Garne etwas auf, das Gewebe wird fülliger, dichter, es läuft auch immer etwas ein, da die Garne sich nun ohne die Spannung vom weben, entspannen können.
Aus diesem Stoff sind Strümpfe genäht worden. Ich trage diese Strümpfe nun schon sehr lange, und der Stoff ist hochbelastbar ohne dabei starr und steif zu sein.
 
Heute sind die Garne genormt gesponnen.Single Garn wird grundsätzlich im Uhrzeigersinn gedreht. Werden zwei oder mehrere Fäden zu einem Garn verzwirnt, passiert das immer entgegen der Uhr.
 
Hier zum Vergleich ein ähnliches Gewebe, mit genormt gedrehten Garnen:
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Es ist also möglich mit diesem einfachen Kniff Funktionsgewebe her zu stellen.
Es sind Segeltücher erhalten die aus Wollgarnen mit unterschiedlicher Richtung hergestellt wurden und eine extrem hohe Dichtigkeit aufweisen.
Es gibt aber auch Gewebe die durch die unterschiedlichen Richtungen, im Muster verwoben, einen optischen Effekt erhalten. Durch die unterschiedlichen Lichteinwirkungen erkennt man das Muster, obwohl auf dem ersten Blick, alle Fäden gleich aussehen.

Donnerstag, 8. Juni 2017

Leichter Tunikastoff, Mantel und Beinwickel

Ein Kunde der schon länger auf der Warteliste steht, hat eine umfangreiche Bestellung aufgegeben.
So wuchs seine Ausstattung zeitgleich auf 2 Webstühlen : auf dem Großen ist ein feiner Tunika Stoff, 2/2 Köper aus industriellem Kettgarn und handgesponnenem Schussgarn in S/Z Richtung, und am kleinen Sommerwebstuhl, Beinwickel aus komplett handgesponnenen Garnen, ebenfalls S/Z Richtung, in schlichter Leinwandbindung. Ausserdem gehört noch ein Manteltuch dazu, das schon vor Wochen fertig geworden ist, und mit auf der IRM war.


Tunikastoff:
ein leichter Köper (2/2er) 
100% Wolle ungefärbt und Naturbelassen
Kette Singlegarn industriell gesponnen Z 10 Fäden/1cm vor dem Waschen
Schuss handgesponnen S (von Aennlin ) ca 15 Fäden/1cm vor dem Waschen



unter Spannung am Webstuhl, S/Z Stellung unter dem Fadenzähler, zur besseren Sicht ist die Richtung nachgezeichnet




Beinwickel:
die Beinwickel sind an die des Bernuthsfeld Manns angelehnt.
Sie werden in einer schlichten Leinwandbindung gearbeitet, die Garne sind alle Handgesponnen und ungefärbt. Die Wickel sind im Original recht breit, hier weichen wir mit Absicht ab, mein Kunde hat sich für eine Breite von etwa 7- 8cm entschieden.
Kettgarn Single Garn 10Fäden/1cm Z Drehung, Suffolk aus der Flocke gesponnen (diesmal von mir)
Schuss Single etwas dicker S Drehung (von Annlin)
Die Fertigung wird sich hin ziehen, da sie am kleinen Sommerwebstuhl passiert.


Der Mantel:
in der Form haben wir uns auch hier an den Fund des Bernuthfeld Manns orientiert. Diesmal sind wir in der Bindung abgewichen, da im Fundgut der zukünftigen Darstellung mehrere 2/2 Köper und Leinwandbindungen vorkommen, jedoch kein Fischgrat. Da eine Leinwandbindung grundsätzlich steifer und weniger gefällig ist, als mit den selben Materialien hergestellter Köper, fiel die Wahl leicht.
Wegen der Menge an benötigten Materials (alle anderen Garne waren gerade vorrätig, auch wenn gerade das Garn der Tunika einen ebenfalls unglaublichen Arbeitsaufwand benötigt hat) sind alle Garne industriell gesponnene Single Garne in Z Drehung. Der Schuss ist dicker und lockerer als die Kette.
Kettdichte ca 7Fäden/1cm
Schuss etwa 5Fäden/1cm



Hier alle 3 Gewebe im Zusammenspiel, stellvertretend für die Beinwickel eine Probe des Gewebes, schon fertig gewaschen.

Mittwoch, 31. Mai 2017

Auf der IRM 2017

Zwischendurch mal etwas ganz Albernes, eine Bildergeschichte

Ich habe einen Neuen ...












Donnerstag, 25. Mai 2017

Darmstädter Kästchen - die ersten Deckelfiguren

Der Deckel des kleinen Darmstädter Turmkästchen ist flächendeckend mit Beinplättchen verkleidet.
Die Plättchen sind deutlich breiter, als jene die ich heute kaufen kann. Das liegt zum Teil daran, das unser heutiges Schlachtvieh nicht mehr so alt und groß wird, wie die aus früheren Zeiten. Möglich ist auch, das Knochenmaterial vom Unterkiefer oder Rippen zum Einsatz kamen.


Das Zurichten von Knochen zu Beinplättchen ist eine mühsame Arbeit. Die Materialien dazu sind nicht wirklich einfach zu beschaffen. Das sägen und schleifen aus dem Rohknochen heraus, übersteigt meinen Werkzeugpark aber auch meine Fähigkeiten. So war ich froh Knochenplatten von Wasserbüffeln im gut sortierten Messerbau Bedarf kaufen zu können. Die gekauften Plättchen sind beinahe so breit, wie die des Originals, das heißt es fehlen einige Millimeter, die ich später kaschieren muss, indem ich die Zwischenstücke etwas breiter mache.
Der Knochen des Wasserbüffel scheint mir weißer und weniger durchscheinend als die bisher verarbeiteten Rinderknochen Plättchen, lassen sich aber hervorragend verarbeiten.

rechts und links jeweils 5 Wasserbüffel Platten, in der Mitte einmal Rind
Schaut man sich die einzelnen Stücke des Kölner Schatzbaukasten an, stellt man fest, das vermutlich mit Schablonen gearbeitet wurde. Wie die Schablonen aussahen, aus welchen Materialien sie bestanden, habe ich nicht herausfinden können. So habe ich mir eine Papierschablone gemacht, mit der ich aber nur ohne Publikum arbeite. Die Schablone gibt mir die Konturen vor, die einzelnen Figuren arbeite ich von Hand aus. Auf Papier mit Bleistift zeichne ich die Figuren etliche Male, bis ich das Gefühl habe, das Motiv sitzt, dann zeichne ich grob auf dem Plättchen vor.
Meine zweite Figur ist Marcus, die symbolisch als Löwe dar gestellt wird, und beim Original wie ein Bär aussieht. Bei mir sieht er aus, wie ein Schaf mit Pudelmütze. Wenn das Motiv geschwärzt ist, wirkt es vermutlich noch einmal Anders, ich werde es sehen.

Begonnen habe ich mit Johannes, der als Adler dargestellt wird, dieses Motiv ist bereits geschwärzt.
Bevor ich mit der nächsten Figur beginne, möchte ich die Palmettenmotive üben. Diese möchte ich bei der Veranstaltung auf der Schelenburg beginnen, bis da hin soll dieses Motiv gut von der Hand gehen. Obwohl diese Motiv sehr einfach wirkt, tue ich mich schwer, ich werde es noch tüchtig üben müssen, bis es mir gut von der Hand geht.
links Kreuzblümchen, rechts Palmetten

Dienstag, 23. Mai 2017

das aufhäkeln von Ketten

Im Netz habe ich nichts wirklich dazu gefunden, vermutlich weil es nicht wirklich schwer ist.

Wie bereite ich mit einfachen Mitteln eine Kette vor ?
Egal ob es für den Webrahmen oder Webstuhl zum Tuch weben, oder für einen Webrahmen zum Borten weben - es braucht zuerst eine Kette.
Braucht man eine Kette für die Tuchweberei, benötigt man ein Fadenkreuz, idealerweise auch ein Gangkreuz, beim Bortenweben, braucht es das nicht.
Beim Borten weben, hat man die Möglichkeit endlos zu scheren (also quasi im Kreis) oder auch einfach hin und zurück.
Man kann über Schraubzwingen dessen Griffe nach oben zeigen, am Tisch schären, versetzt und Zickzack über den Tisch gearbeitet, kommt man auf erstaunliche Längen. Man kann den Tisch umdrehen und über die Tischbeine schären, man kann Stühle umgedreht auf den Tisch stellen (bitte gut befestigen, nichts darf rutschen), Möglichkeiten gibt es viele. Alle sind meist sehr sportlich.

(sorry, hierzu habe ich keine Bilder)

Einen Blumenhocker umgedreht auf ein sich drehendes Frühstücksbrett und mit einem Stein beschwert, war eine Zeit lang mein Behelf. Irgendein  Dings zum Tassen aufhängen, lag noch im Keller, das wurde zerlegt und zum Fadenkreuz und Gangkreuz fassen, angeschraubt.

Egal wie Ihr es macht, macht Euch eine abgemessene Hilfsschnur, die die Länge der zukünftigen Kette hat, und idealerweise eine andere Farbe hat. Ganz wichtig ist, schärt mit gleichmässiger Spannung.

hier ein Kettbaum wie ihn die Tuchweber nutzen
Ist die Kette fertig, ist abbinden wichtig. Dazu werden Hilfsfäden benötigt, die wie Doppelachten durch die Fäden gewunden und verknotet werden. Das ist wichtig, damit die Kette beim händeln nicht in Unordnung gerät.

Nun wird die Kette aufgehäkelt.
Dazu nimmt man ein Ende der Kette (Tuchweber müssen überlegen, ob die das Gang oder Fadenkreuz zuerst brauchen und fangen dann beim zuletzt benötigten Ende an) und machen eine Schlaufe


Nun mit der Hand durch die Schlaufe greifen und die Kette durch die Schlaufe ziehen, so das eine neue Schlaufe entsteht
Und die Nächste, am besten abwechselnd mit der rechten und der linken Hand, bei sich drehenden Kettgestellen, ans bremsen denken, damit die Kette nicht runter fällt. (wenn doch, habt ihr hoffentlich schön gesichert ?)




So könnte die Kette aussehen:

Um eine große Länge an den Bortenwebrahmen zu bringen, kann man nun einen Teil der Kette auf den Webrahmen wickeln, man kann entweder eine der Schlaufen einfach über einen der Holme legen, oder aber die gewünschte Schlaufe, an den Anfang der Borte, mittels Hilfsschnur knoten. Letzteres ist einfacher, weil man nicht ständig nach der Spannung suchen muss.

sehr vereinfachtes Modell für "Josef"
Bei Tuchweber kann das nun so aussehen:
https://zeitensprung.blogspot.de/2014/01/alleine-eine-kette-baumen.html