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Donnerstag, 26. Januar 2012

Warberger Klappspiegel - erst mal fertig.

Die Vorlage ist, ein Fragment das bei einer Ausgrabung in der alten Turmburg Warberg, Kreis Helmstedt/Niedersachsen die von 1962-65 statt fand, gefunden wurde.
Erhalten ist nur die Schauseite die mit ihrer runden Aussparung auf der Rückseite und den Bohrlöchern darauf schließen läßt, das es sich um einen Klappspiegel handeln könnte.
Beschrieben ist das Fundstück in : "Interdisziplinäre Studien zur europäischen Burgenforschung"
Ein vergleichbares Stück, bei dem Spiegel und Türen erhalten sind, habe ich bisher nicht gefunden. Evtl. kommt dies ja noch.

Um ein gebrauchsfähiges Spiegelchen für eine Darstellung zu erhalten, musste also improvisiert werden.
Die Türchen sind also erdacht, mit dem Motiv bin ich alles andere als zufrieden. Ans vernieten traue ich mich nicht, also bleibt das Stück erst mal unautentisch verklebt und ohne Nieten.


Schauseite,beim Original befinden sich in allen sichtbaren Bohrungen Kupfernieten.Rund um die Nieten sind die Knochenplättchen durch Grünspan verfärbt.

Die Rückseite,die Verzierung fehlt bei diesem Bild noch, aber so viel ist erhalten, was nun kommt, ist improvisiert.


Eingearbeitet, habe ich, einen kleinen Spiegel aus poliertem Bronzeblech. Die Uhr liegt im Bild um die Spiegelung zu zeigen.Am Original sind die Verzierungen der oberen und untern Querverstärkung, erhalten


Obwohl das Motiv an zeitgenössiche Motive angeleht ist, ist es in der Umsetzung zu grob und plump. Es erscheint mir unpassend zu Vorderseite.
Wie oft wenn ich mit meiner Arbeit so unzufrieden bin, werde ich das Stück erst mal wegpacken. Irgendwann wird die Begeisterung wieder kommen, hoffentlich mit einer passenden Idee oder noch besser mit einem neuen Fund. Dann ich fange einfach noch mal von neuem an, da ich zwischenzeitlich bessere Werkzeuge habe.

Grüßen möchte ich Tjorven, die sich mein Gejammer über eine fehlende Rückseite, lange angehört hat.
Dago für die fachliche Beratung beim Spiegel, und Meirah die das Material für den Spiegel gespendet hat.

Sonntag, 22. Januar 2012

meine Runneburgtasche

Auf der Suche nach Realien des Hochmittelalters, begnet sie immer wieder, die Runneburgtasche.
Gefunden wurde sie im Brunnenschacht einer Burg in Thüringen, der Runneburg. Man sieht ähnliche Taschen auf Abbildungen des Hochmittelalters. Und irgendetwas braucht der Mann um sein Kleinzeug zu verstauen.
Als ich sie in Herne in der Ausstellung "Aufruhr1225" sah, und die kleinen Knochenschnallen bewundert hab, stand fest - die will ich mal machen.
Ganz genau angeguckt in der Vitrine und wie das so ist... zu Hause stellt man fest, ohne Bildmaterial, und genaue Beschreibung geht gar nix.
Also rausfinden, wo das gute Stück publiziert ist und Buch bestellt.
Um die Wartezeit zu vertreiben, hab ich an einer Gürtelschnalle geübt. Die Gürtelschnalle ist nicht nach Fund hergestellt, aber in der Form an die kleinen Schnallen angelehnt.


Gürtelschnalle ohne Beleg

Als das Buch da war, war die Enttäuschung groß, die Beschreibung war nicht sonderlich ausführlich,aber es war ein gutes Foto dabei, mit einem Zentimetermaß. So das ich die Größe der einzelnen Teile ausrechnen konnte. (halt das ist gelogen,gerechnet hat mein Sohn, der das freundlicherweise für mich oft erledigt, ein großes Dankeschön an dieser Stelle!) Was mich wundert ist die Größe der Tasche, sie ist kaum größer als eine modere Herrengeldbörse. 
Die größte Freude daran haben mir die filigranen kleinen Schnallen aus Knochen gemacht. Wenn ich ehrlich bin, habe ich die Tasche nur deshalb nachgearbeitet.



kleine Schnalllen aus Rinderknochen

Für meine Tasche ist das Leder vermutlich zu dünn, und fein, dennoch konnte ich die Ungeduld nicht bändigen und hab los gelegt. An der Original Tasche sind Einstichlöcher von verschiedenen Nähten, das Nahtmaterial ist vergangen, die Tasche liegt also in Einzelteilen vor. Eine Naht habe ich mir so erklärt, das ein Stofffutter eingenäht gewesen sein könnte. So habe ich den Taschendeckel mit einem krappgefärbten Wollstoff gefüttert. Das stilisierte Eichenblatt des Deckels kommt so besonders gut zur Geltung.

Ob die Tasche so ausgesehen haben könnte ?
Der Träger der Tasche war kein armer Mann.
Was ich an der Tasche so mag, ist das sie so zierlich ist. Sie zeigt mir, das der Mensch auch damals Freude an feinen aufwendigen Dingen hatte. Statt der Knochenschnallen hätten auch kleine Metallschnallen verwendet werden können. Metallschnallen treten im Fundgut dieser Zeit oft auf. Vielleicht aber war es gerade das  Material der Schnallen, das den Träger der Tasche angesprochen hat ?

Samstag, 7. Januar 2012

Weiter am Klappspiegel gearbeitet

Der neuste Stand:
Aber immer noch nicht ganz fertig. Es fehlt noch, das schraffierte Muster an den seitlichen Rändern, und die Vernietung. So ganz trau ich mich noch nicht ans nieten. Ich hab es noch nie gemacht.

Im Kölner Museum Schnütgen, hab ich mir gerade wieder, die Beinarbeiten angesehen und festgestellt das ich grundsätzlich zu viel Material wegnehme. Die alten Werke sind weniger tief , aber auch feiner ausgearbeitet. Wäre das schön, die Werkzeuge von damals sehen zu können ! Oder noch besser den Handwerkern gleich auf die Finger zu schauen.
Natürlich macht die Übung viel aus, man darf nicht vergessen, bei mir ist es Hobby, bei den Handwerkern damals, der erlernte Broterwerb, aber sie müssen sehr feine  und sehr scharfe Werkzeuge gehabt haben.
Das ist das Schlimme an diesem Hobby, egal wie viel man liest, anguckt, sucht und findet, man merkt ständig, das man nicht genug weiß. Oder macht gerade das, die Sucht aus ?

Mittwoch, 4. Januar 2012

Hochmittelalterliche Spiegelfassung


Der Weihnachtsbaum steht dort, wo normalerweise mein Webstuhl steht. Es ist die Zeit im Jahr sich anderweitig auszutoben.
Auf meiner langen Liste, der Dinge die ich gerne tun möchte, steht schon länger ein kleines Spiegelchen, bzw. die Fassung dessen, von dem man annimmt, das es ein Spiegelchen sein soll.
Ich hab es vor einiger Zeit, in natura auf einer Ausstellung gesehen, und es hat mir so gut gefallen.
Es ist aufs Hochmittelalter datiert und einer Kölner Werkstatt zugeschrieben.
Leider weiß ich nichts über die Rückseite, weder ob der Spiegel erhalten ist, wie er eingearbeitet ist und wo oder wie, das Ding geklappt werden soll.
Was solls, mach ich erst mal das, was ich weiß.

So hab ich erst mal drei Knochenplättchen zugeschnitten und in Form gebracht. Sie miteinander verleimt, später soll denn das ganze vernietet werden, so wie beim Original. Zum beschnitzen, erscheint es mir so praktischer.
Das Muster ist aus der freien Hand übertragen, und einige Konturen sind schon angeschnitzt.






Bei einem ähnlichen Stück aus den Niederlanden, ist auf der Rückseite wenige Millimeter tief eine kreisrunde Aussparung, in der ein Spiegel gewesen sein soll. Leider ist der Spiegel nicht erhalten.
In der Beschreibung, meines Spiegels im Ausstellungskatalog den ich hier zu Hause hab, ist zwar ein hervorragendes Bild von der Vorderseite des Stückes, aber die Beschreibung ist unzureichend. Alles was ich weiß, ist das das Werkstück aus Knochen und Bronze besteht. Nun ja, ich werde weiter nach Antworten suchen.


Dienstag, 3. Januar 2012

Handgewebtes Kleid einer Frau vom Land (Hochmittelalter)


Handgewebtes Kleid

Seit ich angefangen hab, zu weben, geisterte mir die Idee, ein Kleid von Grund auf herzustellen im Kopf rum.
Einige Jahre später, hab ich es umgesetzt, naja, fast,da sind einige Abstriche. Die Kette ist nicht handgesponnen. Als ich den Plan gefasst hab, war mir nicht klar,das die Stoffe aus ungezwirnten Garn waren.Um webfähiges ungezwirntes Kettgarn zu spinnen, fehlt mir einfach die Übung und Ausdauer.
Angelehnt an das Kleid der Klara, ist das dabei heraus gekommen:







Beim berechnen der Kette, 2 Jahren zuvor, ist mir ein Fehler passiert, die Tuchbahn ist 30cm zu kurz, weshalb ich für einen zweiten Ärmel erst mal eine neue Bahn Tuch weben musste.





Der Stoff wurde in einem 2/1er Köper gewebt,bei dem auf der einen Seite der Schuß dominiert und auf der anderen Seite die Kette.
Mein Kleid ist wesentlich gröber als die erhaltenen Textilien es zumeist sind,es hat 8 Fäden auf einem cm, ein ähnliches Kleid,das der hl. Elisabeth hat 22 Fäden pro cm,ist also mehr als doppelt so fein.
Irgendwann komme ich da hoffentlich auch noch hin.
Das Kleid der hl Klara scheint allerdings 10 Fäden je cm zu haben,da bin ich dann schon näher dran. Mein Schußfaden ist mit Absicht in verschienen Farben gesponnen,um an den Kleiderstoff der Klara ran zu kommen,der meiner Ansicht aus der Flocke von mehrfarbigen Schafen gesponnen ist. (zB. haben die heutigen Suffolkschafe an einem Tier Farben von gelblich über weiß,viele grauabstufungen bis fast schwarz an einem Flies)
Den Schnitt des Kleides hab ich am der hl Elisabeth angelehnt,weil er schlichter ist und weniger Stoff benötigt.



Am Halsausschnitt habe ich ein geflochtenes Bändchen angebracht,da meine Gewandschließen alle zu klein für den groben Stoff sind. Dafür habe ich keinen Beleg,es erscheint mir aber praktisch.


Meine Überlegung ist - waren die härenden Gewänder der Heiligen,evtl einfach nur aus den Stoffen der einfachen Bevölkerung und man hat sie später als härend erklärt, weils so gut ins heutige Bild passt ? Oder zumindest einige härende Gewänder, ich erinnere mich ein Leibchen aus extra kratzigen Haar gesehen zu haben das man direkt auf der Haut trug,das will ich damit nicht einbeziehen.
Mein Ziel ist es nicht eine Heilige darzustellen,was gänzlich unpassend zu meinem Wesen wäre,
sondern eine einfache Frau vom Land darzustellen, die ihr Kleid in Hausarbeit herstellt.