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Dienstag, 28. Februar 2012

War der erste Mathematiker ein Weber ?

Diese These hat eine liebe Bekannte aufgestellt und ich glaube glatt, das dies stimmen könnte.
Denn beim einrichten des Webstuhls ist viel rechnen gefragt.

Weil ich immer wieder nach dem Verbrauch und Mengenangaben gefragt werde, möchte ich das hier einmal kurz und grob zusammenfassen.
Anders als beim Stricken oder häkeln fällt beim weben, Abfall an. Manche Stücke können bei dünnen Garnen, als Nahtmaterial für Handnähte oder zum sticken verwendet werden, bei den dickeren Garnen kann man auch etwas zum Nadelbinden verwenden, aber einiges ist zu kurz um noch etwas daraus zu machen.
Bei Schultertüchern kann man einen Teil des Garns, das zum anknoten gebraucht wird, als Fransen verwenden. Dennoch bleibt Abfall.

Zu Beginn wird erst einmal die Garndichte ermittelt.
Dazu wird etwas Kettgarn um ein Lineal gewickelt, so das man die Menge der Fäden,die auf einen cm passen, zählen kann.

Nun weiß man wie viele Fäden man pro cm braucht,schaut wie breit das Gewebe sein soll und kann die Anzahl der benötigen Fäden errechnen.
Nun braucht man die Länge des gewünschten Gewebes, hier muß die Zugabe vorn berechnet werden, die man zum anknoten an den Webstuhl braucht. Ebenso das Abfallstück hinten am Webstuhl, der sich nicht mehr weben läßt, weil die Fäden durch die Litzenschäfte gehen und auch das Fach, Platz haben muß, um sich öffnen zu können.
Weil beim weben das Stück unter Spannung steht, zieht es sich zusammen, wenn es es vom Webstuhl kommt, auch muß das evtl einlaufen durch die erste Wäsche bedacht werden.
So summiert sich Meter um Meter, um insgesamt oft auf erschreckend große Zahlen zu kommen.
Ist das Garn ordentlich nach NM Norm deklariert, alles fein. Dann kann man mit diesen Werten errechnen, wie viel Garn auf einer Kone ist und ob es ausreicht.
Schwieriger ist es, wenn dieses Garn gefärbt wird. Durch die hohen Temperaturen beim pflanzenfärben (die,die Wolle gut verträgt, wichtig ist das sie niemals großen Temperaturunterschieden ausgesetzt wird) kann man locker mit 10% Einsprung rechnen.
Richtig schwer wird es den Bedarf von Handgesponnen Garnen zu ermitteln. Was die Sache nicht einfach macht, denn spinnen ist eine langwierige Handarbeit, und die benötigete Menge an Metern Garn für ein Stück Stoff groß. Jeder Meter Abfall schmerzt, und wenn es nicht aussreicht ist es mehr als ärgerlich.
Aber dies zu errechnen ist schon wieder eine neue Geschichte.

1 Kommentar:

  1. Echt spannend! Es war mir gar nicht so bewusst, wie viel Rechnerei in so einem Stück Stoff stecken kann.
    Wenn du magst, kannst du übrigens einen Blog-Award haben (unter http://vikinghandcraft.blogspot.com/)
    LG
    Asrun

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