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Sonntag, 19. August 2012

Londoner Minnekästchen

Ich habe ein neues Langzeitprojekt.
Na-ja so neu ist es eigentlich nicht, ich brüte schon länger daran,aber nun ist etwas zum zeigen da.
Seit einigen Jahren schon, habe ich ein Buch über die große Kölner Beinschnitzerwerkstatt des 12 Jahrhunderts. Mein absolutes Lieblingsstück in diesem Buch ist das Londoner Minnekästchen.
Es ist eine kleine Schmuckschatulle mit weltlichen Motiven,nämlich dem Tristan und Isolde Thema.
Den Holzkorpus hat mir ein Tischer gemacht, so das es millimetergenau und schön gerade gearbeitet ist.
(Den Tischler findet Ihr hier:  http://www.boumwerk.de/impressum.html )

Angefangen habe ich mit dem Deckel,denn den habe ich begonnen als ich im Frühjahr das Praktikum gemacht habe. Der passte ganz gut in die Reisetasche, und nach Feierabend mußte ich mir die Zeit vertreiben.
Man soll es nicht glauben,aber das Kästchen hat Knochenplättchen im Wert von ca 100€ verschlungen.
So will die Arbeit gut geplant sein, damit sie auch gelingt.
Begonnen habe ich mit Zeichnungen auf Papier, da ich die Motive so gut es geht,vom Original im Buch rekonstruieren möchte. Das Buch ist natürlich nicht in Originalgröße,ab pausen geht also nicht.

Zum Glück war im vergangenen Winter das Kästchen ganz unverhofft in Köln. Es war im Museum Schnütgen,in der großen Eröfnungsausstellung die damit warb, das man hauptsächlich Bilder zu sehen bekommt. So war die Freude groß,als es dort "plötzlich" stand. Denn das Holzkästchen hatte ich schon vorher.
Mehrere Male habe ich es besucht, und versucht mir so viel einzuprägen, wie es nur möglich ist. Dinge die einem die Buchbilder nicht erzählen, wie die Tiefe der Reliefs, oder wie ich die Werzeuge am besten ansetze.
Schade das man nicht fotografieren durfte.
Verstehen kann ich es, denn die Objekte leiden sehr, wenn sie Blitzlichtern ausgesetzt sind.
Ich habe gestaunt, wie gut das Kästchen erhalten ist, nach all den Jahren sieht es immer noch wunderschön aus.
Wem mag es wohl gehört haben ? Wer mag es erschaffen haben ?
Welche belebte Geschichte mag es in den fast 700 Jahren erlebt haben ?
Könnte das Kästchen erzählen,ich würde ihm gerne zuhören.

Nun sind die Motive auf den Deckel übertragen, und über Monate hinweg nachgeschnitzt.
Ich muß schon wirklich Muße haben, um daran zu arbeiten. Es ist keine Arbeit für mal eben zwischendurch ne halbe Stunde.


Der Deckel zeigt die Schlüsselszene, in der der Zaubertrank dem falschen Mann verabreicht wird. Der der die Isolde nicht heiraten darf.
Die Geschichte um Tristan und Isolde, soll schon eine uralte Legende sein, die im Hochmittelalter neu aufgegriffen und wieder beliebt wurde. Der Grund liegt auf der Hand, war doch eine Ehe mehr Zweckgemeinschaft, denn Liebesbeziehung, und wer träumt nicht vom Glück und der Liebe ?
Nun denn, ich mag das Kästchen, weil es eins der wenigen Stücke ist, das kein religiöses Thema hat. Ab Hochmittelalter kommt man um christliche Themen nicht herum. So freue ich mich über die Ausnamen.
Immer wiederkehrend die Vierblattornamente und die Türmchen. Die Türme kenne ich ja bereits von meinem Spiegelchen, sie kommen auf den allermeisten Arbeiten vor, die der Kölner Schatzbaukasten hervorgebracht hat.

Für die Fertigstellung habe ich mir keinen Zeitrahmen gesetzt. Ich werde daran arbeiten, wenn ich Lust, Zeit und eine ruhige Hand habe. Dauert es Jahre,ist das nicht schlimm.

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