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Montag, 25. März 2013

Gewobener Prunk 2

Der Stoff ist vom Webstuhl. Er ist noch nicht gewaschen und auch noch nicht versäubert, aber die Gunst des Sonnenlichts heute, musste genutzt werden.
Das Farbspiel funktioniert, der Stoff sieht von einiger Entfernung herrlich lila aus, aus der Nähe hat er einen edlen Glanz und die Farben changieren. Er ist schön dünn und leicht geworden.(210g/qm) Ein wahrer Luxusstoff.


 
Nun werde ich den Stoff versäubern, Fäden vernähen, die Kanten sichern und den Stoff vorsichtig waschen.
Danach werde ich den Stoff zuschneiden und von Hand, zu einer Tunika vernähen.
 
So handlich können 8,5m Stoff sein:
 

 

Die Tasse dient zum Größenvergleich.
Morgen geht es dann ans endverdeln, Schnittmuster vorbereiten, und die Garne für die nächsten Projekte abwickeln und färben.
 

Hier geht es zum Projektanfang:
http://zeitensprung.blogspot.de/2013/03/gewobener-prunk.html

Freitag, 22. März 2013

Kleinkram

Das Weben des aktuellen Stoffes zieht sich hin,ebenso die Planung meines neuen Kleides, wo der Teufel im Detail steckt.
So entsteht abends, dann einiger Kleinkram,der schneller fertig ist.
Aus kleinen handgewebten Stoffstückchen nähe ich gerade unbelegte Kleinigkeiten, wie Nadelrollmäppchen und winzige Nadelkissen.


Pro Abend schaffe ich ein Nadelröllchen, mit Ziernaht und geflochten Zubinde Bändchen, so das ich nach einem langen Tag voller Arbeit, dann etwas das man in der Hand halten kann, fertig habe.

Samstag, 16. März 2013

Gewobener Prunk

Als Kontrastprogramm zum vorigen, bewusst schlichten Stoff, nun ein Stoff aus einer anderen Epoche, der das genaue Gegenteil ist.
Zeitlich sind wir nun bei den Römern,irgendwo zwischen 1- 4 Jahrh. n.Ch., das ist so weit noch nichts Besonderes. Besonders sind die Farben und die Feinheit des Stoffes.
Mit 15 Fäden je cm, ist der Stoff schon ziemlich fein, zumindest für mich, meine Augen und meinen Webstuhl, auch wenn es bei den Historischen Originalen noch weit feinere Stoffe gibt.
Bei 1125 Fäden, musste erst mal mein Grundstock an Litzen erhöht werden.
Das Garn hat etwa die Stärke von Sternchenzwirn und ist wie immer reine Wolle.




Linkes Foto : links Sternchenzwirn, rechts mein Indigogefärbtes Wollgarn, auf eine Kreuzspule gewickelt, um ohne Ärger schären zu können, rechtes Foto : der Einzug der Kettfäden durch die 4 Litzenschäfte.

Die Farben sind traditionell Indigo bzw Waidblau und Krapprot, und man muss schon die richtigen Töne beim färben erzielen, damit sich der gewünschte Purpureffekt einstellt.
Purpur ist die kostbarste Textilfarbe die man sich vorstellen kann. Diese wird aus einer Meeresschnecke gewonnen, für ein Kilo Wolle benötigt man etwa 10000 Schnecken !
So kostbar, das es hieß, diese Farbe sei nur für Könige.
Aber Menschen sind nun einmal eitel, und geben gerne vor mehr zu sein, als sie sind.
Findige Färber und Weber haben vor langer Zeit die Idee und das Geschick gehabt, dieser Farbe nahe zu kommen, indem sie blau mit rot verwoben haben. Sehr raffiniert, sehr chic.
Für mich ein Beweis der Handwerkskunst vergangener Zeiten, von der, je mehr ich erfahre, umso tiefer beeindruckt bin.



Es ist schwierig die Farben einzufangen,auch den changierenden Effekt ,aber zumindest der Glanz zeigt wie edel der Stoff schon am Webstuhl aussieht.



Der Stoff ist sehr glatt im Griff, hat einen edlen seidigen Glanz und ist leicht und dünn.
Je nach Lichtverhältnissen, kommt mal das rot, mal das blau am Webstuhl mehr zur Geltung.
Der Purpureffekt stellt sich andeutungsweise ein, wenn man von weitem schräg auf den Webstuhl schaut, das lässt sich mit der Kamera jedoch so gar nicht einfangen. Das wird warten müssen, bis der Stoff vom Webstuhl ist,dann wird sich auch erst zeigen, ob ich mit meinen Pflanzenfärbungen die richtigen Farbtöne getroffen habe.
Das Weben geht ungewohnt langsam voran, was natürlich auch am feinen Garn liegt.
Bis zum Sommer soll ein Kittel für Jörg Nadler, den Schleifischer daraus entstehen, für sein Projekt "Föderat aus GERMANIA LIBERA", und ich habe zum Glück, gut Zeit dafür eingeplant.
Wer gerne mehr über den Fischer,seine Arbeit und seine Darstellungen wissen möchte,schaut sich hier einmal um:
http://www.historischerfischer.de/index.html
Hier geht es zum Projekt für den der Stoff gedacht ist:
http://www.historischerfischer.de/html/angebote_eisenzeit.html

Donnerstag, 7. März 2013

schlichter Stoff fürs Hochmittelalter

Bunte pflanzengefärbte Stoffe sind in der Mittelalter Szene zahlreich vertreten.
Es entspricht unserem heutigen Geschmack und es ist einfacher, einen pflanzengefärbten Wollstoff zu bekommen, als einen passenden Naturfarbenen.
Aber wie bunt mag die Bevölkerung tatsächlich gekleidet sein ? Geben die überlieferten Bildbelege ein realistisches Bild ?
Selbst die erhaltenen Funde geben keine wirkliche Auskunft, sind doch nur selten Alltagstextilien erhalten.
Überliefert sind Schriften in denen beklagt wird, das selbst Bauern, verschwenderisch in Stofffülle und Farbe gekleidet waren, und man versuchte dies zu reglementieren.
Aber galt dies für alle Bauern, zu allen Zeiten, in jeder Region ? Kaum vorstellbar.

Warum nicht ?
Einige Färbepflanzen lassen sich sammeln. Hier ist nicht der benötigte Farbstoff an sich, das Problem, sondern die Beize und auch ein Gefäß in dem sich färben lässt, es muss ausreichend groß sein, damit das Färbegut frei darin schwimmen kann.
Auch Feuerholz muss genügend da sein. Zu einer Zeit in der Holz der Hauptenergielieferant war, wird es dies, nicht unbegrenzt im Überfluss gegeben haben. Überliefert sind zum einen Hainholzanlagen, die als Nutzholzwäldchen für Brennholz angelegt wurden, aber auch Schriftquellen, nach dem nur gesammelt werden durfte, was am Boden liegt.
Auch die Möglichkeit das nasse Garne zu trocknen, muss gegeben sein.
Bei Pflanzen wie Krapp, die das begehrte Rot liefert, benötigt man eine Anbaufläche. Krappwurzel färbt erst nach dem dritten Anbaujahr. Das bedeutet, drei Jahre lang die Pflanzen pflegen, ohne etwas auf dieser Fläche zum Essen an zu bauen. Ein wahrer Luxus.
Färbewaid, also blau, färbt nur im ersten Jahr, aber es verlangt viel Wissen und Können, um blau zu färben, die Rezepte und Kniffe waren wohl gehütet. Es gab eigens Blaufärber, während die anderen Farbtöne vom Schönfärber übernommen wurden.
Auch mit den natürlichen Farben der Schafswolle, lassen sich schöne, solide und abwechslungsreiche Stoffe herstellen, wie uns Funde aus dem Frühmittelalter zeigen.

Gefärbt wurde definitiv.
Alte Straßen und Ortsnamen verraten uns, das gewerblich gefärbt wurde. Wie z.B. der Blaubach oder Waidmarkt in Köln.
Ebenfalls aus Köln stammt das Kölnisch Garn, ein blaugefärbtes Leinengarn das besonders abriebfest und stabil gewesen sein soll, unter gehüteten Rezepten von Kölner Frauen hergestellt wurde, die dafür eigens eine (Frauen) Zunft gründeten.

Nun möchte ich mir gerne ein neues Kleid machen, fürs Hochmittelalter, das einer Handwerkersgattin um ca. 1150, in Köln.
Ich würde sagen, es ging ihr mittelprächtig, nicht arm, nicht reich, aber doch mit allem versorgt was man zu einem guten Leben benötigt.
Eine gängige Stoffbindung war im Hochmittelalter der 2/1er Köper.
Meiner Vorstellung eines schlichten Kleids kommt diese Bindung entgegen, denn so kann ich mit 2 unterschiedlichen Garnen arbeiten, das "billige" Naturgrau, kommt auf die Innenseite, das "gute" Blau nach aussen.
Die Kette ist aus Wollgarn in naturgrauer Optik, 10 Fäden pro cm und einem waidgefärbtem Schuß, ebenfalls Wolle. Das Schußgarn ist ein wenig unregelmäßig, ganz so, als ob man etwas nachlässig gesponnen hat.
Sozusagen Billig oder Massenware, die aber doch etwas hermacht.
Als Stadtmensch hat man das Tuch zu dieser Zeit eingekauft, also nicht mehr in Hausarbeit hergestellt.
Je nach Geldbeutel, brachte man den Stoff zu einem Schneider, oder hat selbst Hand angelegt. Zum nähen, braucht es Werkzeug, das vermutlich eh in jedem Haushalt vorhanden war.
Die Schnitte der Kleidung waren im Hochmittelalter noch recht einfach.

Noch am Webstuhl , Vor und Rückseite - in Natura kommt das Blau mehr zu Geltung.
 
Grau und blau harmonieren mit einander ganz gut, und durch die schußbetonte Seite, hält sich das Grau im Hintergrund, von weitem wirkt der Stoff blau.

Nach dem waschen und trocknen sind
es nun noch 8m Stoff,
damit man sieht wie schön er fällt, habe ich ihn mal
zusamen gerollt und um den Hals gelegt.
Links im Bild kann man gut erkennen,wie sich an der gerollten
Stelle, Vor und Rückseite farblich abwechseln.



Der Stoff wiegt auf einem Quadratmeter ca 250g, also meine 8m bei 50cm Breite wiegen  1,01kg sagt die Küchenwaage, und ist zusammen gefaltet so groß wie ein kleines Kissen. (in Köln sagt man Fritzchen)
Das weiter Verarbeiten wird noch etwas dauern.

Der Webstuhl musste nach abnehmen des Tuchs und der abgewebten Kettreste, erst einmal Grundgereinigt werden. Von Mehlschlichte und fusselnden Garnen, war er ziemlich schmutzig. Gleichzeitig wurden einmal alle Schrauben nachgezogen, und das Holz geölt.
Nun wartet schon ein neues, diesmal sehr aufwändiges Projekt auf dem Webstuhl, neue Litzen mussten bestellt werden, da ich so viele gar nicht hatte,wie für das Projekt benötigt. Es ist von langer Hand vorbereitet, genau genommen seit vorigen Sommer und ich freue mich sehr darauf.
Aber es wird auch langsam Frühling, der Garten lockt - vor allem mit Arbeit.
So ist das viele Posten hintereinander Saisonbedingt. Demnächst wird es vermutlich ruhiger.

Dienstag, 5. März 2013

Von Mühen die Niemand später sieht...

... aber ohne die es leider nicht geht.


Um Textilien nach den historischen Originalen anfertigen zu können, muss man einiges auf sich nehmen.
Ganz am Anfang steht die Suche nach dem geeignetem Material.
In meinem Fall ist das bisher immer Schurwolle. Das klingt einfach, ist es aber nicht.
Einfädiges Garn das auch noch reißfest genug ist um es verweben zu können und ohne störende Beimischung auftreiben, ist schwierig. Irgendwann hat man eine handvoll Händler beisammen, die man regelmässig abklappert, aber selbst da hat man nicht immer Glück.
Warum ist das wichtig ?
Nun, sollen die Gewebe stimmig sein, ist auch die Zusammensetzung wichtig. Garne mit Beimischung nehmen die Pflanzenfarbe nicht richtig an, oder schmelzen wenn man mal einen Funken vom Feuer darauf bekommt. Im schlimmsten Fall fangen sie Feuer.
Wichtiger ist aber, der Tragekomfort, denn ein guter Wollstoff in Verbindung mit leinernen Untergewändern, wärmt bei Kälte und isoliert ein wenig die Hitze wenns richtig warm ist.
Die historische Kleidung war ebenso funktional oder gar besser, als es moderne Kleidung heute ist.
Wer einmal im Damenkostüm oder Herrenanzug mit Polyesteranteil an einem Märzmorgen an der Bushaltestelle warten musste und fror, gegen Mittag aber vor Hitze einging, sollte es mal mit einer Kombination aus feinem Wolltuch versuchen.

Hat man dann endlich sein Garn bekommen, geht die Arbeit los, von der später niemand etwas ahnt.
Das Garn wird von der Kone auf Stränge gehaspelt. Damit man es färben kann.
Dies ist für mich die allernervigste Arbeit. Es dauert Stunden, ist eintönig, und macht Muskelkater.



Das Färben wiederum ist meist schön.

Das Trocknen ist der Teil den meine Familie am meisten nervt, wenn im Winter, die Garne in der Wohnung getrocknet werden müssen, und es überall nach nassem Schaf oder schlimmer noch nach nassem Schaf mit Indigo riecht.

Ist das Garn getrocknet, muss es wieder aufgewickelt werden.
Kette und Schuß haben hier schon unterschiedliche Bedürfnisse.
Das Schußgarn kann direkt vom Strang auf kleine Garnröllchen gewickelt werden.


Die Kette benötigt noch einen Zwischenschritt.
Bei dickeren Garnen reichen Knäule, bei feinem Garn bevorzuge ich Garnrollen, weil das Garn von dort gleichmäßiger abspult. Auch dies ist eine Arbeit die Stunden braucht.



Nun wird geschärt.
Das passiert bei mir am Schärbaum.
Dazu messe ich einen Leitfaden ab, der die Länge der gewünschten Bahn hat.
Dies passiert nach einer Gewebeplanung, die ganz am Anfang des Projektes gemacht wird. Hier wird das Arbeiten unter Spannung und Abfälle, mit ein kalkuliert.
Beim schären bekommt jeder Faden schon seine Position die er später im Gewebe haben wird. Dafür sorgt das Fadenkreuz.

Nach dem Schären, wird die Kette auf den Webstuhl aufgezogen und muss eingerichtet werden.
Jeder Faden bekommt seine Litze und wird nach einem Webbrief/Musterpatrone ins Muster eingezogen. Jeder Faden hat seinen Platz.
Anschießend wir jeder Faden noch mal durch den Anschlagkamm, das Riet gezogen. Die traditionellen Riete wurden früher aus Rietgras hergestellt, daher der Name.

oben ein traditionelles echtes Riet, unten Eins das nur noch so heißt, aus Metall mit Pechbund


Die Kettfäden können nun in kleinen Strängen angebunden werden, alle sollten die gleiche Spannung haben.
Nun kommt des Webers spannendster Moment, das anweben, stimmt alles ? Alles richtig ?
Dann kommt die Belohnung für all die Mühe :
es kann gewebt werden !
Das ist der Teil den jeder kennt, und von dem Textilunteressierte denken, es wäre die ganze Arbeit.

Ist das gewobene Tuch vom Webstuhl, kommt das Gewebeputzen und das sichern der Schnittkanten. Die Abschlußkante habe ich meist schon am Webstuhl vernäht, aber da bleibt noch die Anfangskante, und irgendwo ist immer auch mindestens ein Faden gerissen, der ins Gewebe eingearbeitet werden muss.
Danach wird das Gewebe gewaschen. Nun verschwindet die Spannung, die auf dem Webstuhl auf die Garne gebracht wurde.
Nach dem Trocknen wird noch einmal kontrolliert, ob sich evtl irgendwo ein Faden aus dem Gewebe springt, ist alles so wie es sein sollte ?
Prima. Fertig !



Für Agi, Garn abbinden :
Egal bei welchem Garn verbinde ich Anfang und Ende mit einer Schleife.
Dann binde ich die Stränge mehrmals je nach Fadenstärke 4-8x ab, und zwar mit mindestens drei Schlaufen die wie eine 8 durch den Strang gehen. Am gezeigten Strang ist es etwas fest, das ist bei Indigo nicht so schlimm, da es eine relativ aggressive Färbung ist. Normalerweise besser lockerer abbinden.