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Donnerstag, 7. März 2013

schlichter Stoff fürs Hochmittelalter

Bunte pflanzengefärbte Stoffe sind in der Mittelalter Szene zahlreich vertreten.
Es entspricht unserem heutigen Geschmack und es ist einfacher, einen pflanzengefärbten Wollstoff zu bekommen, als einen passenden Naturfarbenen.
Aber wie bunt mag die Bevölkerung tatsächlich gekleidet sein ? Geben die überlieferten Bildbelege ein realistisches Bild ?
Selbst die erhaltenen Funde geben keine wirkliche Auskunft, sind doch nur selten Alltagstextilien erhalten.
Überliefert sind Schriften in denen beklagt wird, das selbst Bauern, verschwenderisch in Stofffülle und Farbe gekleidet waren, und man versuchte dies zu reglementieren.
Aber galt dies für alle Bauern, zu allen Zeiten, in jeder Region ? Kaum vorstellbar.

Warum nicht ?
Einige Färbepflanzen lassen sich sammeln. Hier ist nicht der benötigte Farbstoff an sich, das Problem, sondern die Beize und auch ein Gefäß in dem sich färben lässt, es muss ausreichend groß sein, damit das Färbegut frei darin schwimmen kann.
Auch Feuerholz muss genügend da sein. Zu einer Zeit in der Holz der Hauptenergielieferant war, wird es dies, nicht unbegrenzt im Überfluss gegeben haben. Überliefert sind zum einen Hainholzanlagen, die als Nutzholzwäldchen für Brennholz angelegt wurden, aber auch Schriftquellen, nach dem nur gesammelt werden durfte, was am Boden liegt.
Auch die Möglichkeit das nasse Garne zu trocknen, muss gegeben sein.
Bei Pflanzen wie Krapp, die das begehrte Rot liefert, benötigt man eine Anbaufläche. Krappwurzel färbt erst nach dem dritten Anbaujahr. Das bedeutet, drei Jahre lang die Pflanzen pflegen, ohne etwas auf dieser Fläche zum Essen an zu bauen. Ein wahrer Luxus.
Färbewaid, also blau, färbt nur im ersten Jahr, aber es verlangt viel Wissen und Können, um blau zu färben, die Rezepte und Kniffe waren wohl gehütet. Es gab eigens Blaufärber, während die anderen Farbtöne vom Schönfärber übernommen wurden.
Auch mit den natürlichen Farben der Schafswolle, lassen sich schöne, solide und abwechslungsreiche Stoffe herstellen, wie uns Funde aus dem Frühmittelalter zeigen.

Gefärbt wurde definitiv.
Alte Straßen und Ortsnamen verraten uns, das gewerblich gefärbt wurde. Wie z.B. der Blaubach oder Waidmarkt in Köln.
Ebenfalls aus Köln stammt das Kölnisch Garn, ein blaugefärbtes Leinengarn das besonders abriebfest und stabil gewesen sein soll, unter gehüteten Rezepten von Kölner Frauen hergestellt wurde, die dafür eigens eine (Frauen) Zunft gründeten.

Nun möchte ich mir gerne ein neues Kleid machen, fürs Hochmittelalter, das einer Handwerkersgattin um ca. 1150, in Köln.
Ich würde sagen, es ging ihr mittelprächtig, nicht arm, nicht reich, aber doch mit allem versorgt was man zu einem guten Leben benötigt.
Eine gängige Stoffbindung war im Hochmittelalter der 2/1er Köper.
Meiner Vorstellung eines schlichten Kleids kommt diese Bindung entgegen, denn so kann ich mit 2 unterschiedlichen Garnen arbeiten, das "billige" Naturgrau, kommt auf die Innenseite, das "gute" Blau nach aussen.
Die Kette ist aus Wollgarn in naturgrauer Optik, 10 Fäden pro cm und einem waidgefärbtem Schuß, ebenfalls Wolle. Das Schußgarn ist ein wenig unregelmäßig, ganz so, als ob man etwas nachlässig gesponnen hat.
Sozusagen Billig oder Massenware, die aber doch etwas hermacht.
Als Stadtmensch hat man das Tuch zu dieser Zeit eingekauft, also nicht mehr in Hausarbeit hergestellt.
Je nach Geldbeutel, brachte man den Stoff zu einem Schneider, oder hat selbst Hand angelegt. Zum nähen, braucht es Werkzeug, das vermutlich eh in jedem Haushalt vorhanden war.
Die Schnitte der Kleidung waren im Hochmittelalter noch recht einfach.

Noch am Webstuhl , Vor und Rückseite - in Natura kommt das Blau mehr zu Geltung.
 
Grau und blau harmonieren mit einander ganz gut, und durch die schußbetonte Seite, hält sich das Grau im Hintergrund, von weitem wirkt der Stoff blau.

Nach dem waschen und trocknen sind
es nun noch 8m Stoff,
damit man sieht wie schön er fällt, habe ich ihn mal
zusamen gerollt und um den Hals gelegt.
Links im Bild kann man gut erkennen,wie sich an der gerollten
Stelle, Vor und Rückseite farblich abwechseln.



Der Stoff wiegt auf einem Quadratmeter ca 250g, also meine 8m bei 50cm Breite wiegen  1,01kg sagt die Küchenwaage, und ist zusammen gefaltet so groß wie ein kleines Kissen. (in Köln sagt man Fritzchen)
Das weiter Verarbeiten wird noch etwas dauern.

Der Webstuhl musste nach abnehmen des Tuchs und der abgewebten Kettreste, erst einmal Grundgereinigt werden. Von Mehlschlichte und fusselnden Garnen, war er ziemlich schmutzig. Gleichzeitig wurden einmal alle Schrauben nachgezogen, und das Holz geölt.
Nun wartet schon ein neues, diesmal sehr aufwändiges Projekt auf dem Webstuhl, neue Litzen mussten bestellt werden, da ich so viele gar nicht hatte,wie für das Projekt benötigt. Es ist von langer Hand vorbereitet, genau genommen seit vorigen Sommer und ich freue mich sehr darauf.
Aber es wird auch langsam Frühling, der Garten lockt - vor allem mit Arbeit.
So ist das viele Posten hintereinander Saisonbedingt. Demnächst wird es vermutlich ruhiger.

Kommentare:

  1. Liebe Silvia,

    sag mal, schläfst du überhaupt mal? Grade eben hast du 9 Meter flechtengefärbten Stoff gewebt und jetzt ist dieser schon fertig?
    Aah ich weiss - die Heinzelmännchen!

    Trotzdem, grosses Lob! Ich webe zwar nicht, aber was ein schöner Stoff ist, erkenne ich auch.

    Auf den nächsten bin ich neugierig...

    Gruss Iðunn

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  2. Na ja, der Winter soll ja am Wochenende nochmal zurückkommen, da gibts dann noch ein bisschen Zeit für den Garten! Aber ich dränge nach diesem lichtarmen Winter auch endlich nach draußen.
    Der Stoff ist sehr schön und die zwei Seiten des Köpers wunderbar für ein Kleid.
    Marled

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