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Dienstag, 5. März 2013

Von Mühen die Niemand später sieht...

... aber ohne die es leider nicht geht.


Um Textilien nach den historischen Originalen anfertigen zu können, muss man einiges auf sich nehmen.
Ganz am Anfang steht die Suche nach dem geeignetem Material.
In meinem Fall ist das bisher immer Schurwolle. Das klingt einfach, ist es aber nicht.
Einfädiges Garn das auch noch reißfest genug ist um es verweben zu können und ohne störende Beimischung auftreiben, ist schwierig. Irgendwann hat man eine handvoll Händler beisammen, die man regelmässig abklappert, aber selbst da hat man nicht immer Glück.
Warum ist das wichtig ?
Nun, sollen die Gewebe stimmig sein, ist auch die Zusammensetzung wichtig. Garne mit Beimischung nehmen die Pflanzenfarbe nicht richtig an, oder schmelzen wenn man mal einen Funken vom Feuer darauf bekommt. Im schlimmsten Fall fangen sie Feuer.
Wichtiger ist aber, der Tragekomfort, denn ein guter Wollstoff in Verbindung mit leinernen Untergewändern, wärmt bei Kälte und isoliert ein wenig die Hitze wenns richtig warm ist.
Die historische Kleidung war ebenso funktional oder gar besser, als es moderne Kleidung heute ist.
Wer einmal im Damenkostüm oder Herrenanzug mit Polyesteranteil an einem Märzmorgen an der Bushaltestelle warten musste und fror, gegen Mittag aber vor Hitze einging, sollte es mal mit einer Kombination aus feinem Wolltuch versuchen.

Hat man dann endlich sein Garn bekommen, geht die Arbeit los, von der später niemand etwas ahnt.
Das Garn wird von der Kone auf Stränge gehaspelt. Damit man es färben kann.
Dies ist für mich die allernervigste Arbeit. Es dauert Stunden, ist eintönig, und macht Muskelkater.



Das Färben wiederum ist meist schön.

Das Trocknen ist der Teil den meine Familie am meisten nervt, wenn im Winter, die Garne in der Wohnung getrocknet werden müssen, und es überall nach nassem Schaf oder schlimmer noch nach nassem Schaf mit Indigo riecht.

Ist das Garn getrocknet, muss es wieder aufgewickelt werden.
Kette und Schuß haben hier schon unterschiedliche Bedürfnisse.
Das Schußgarn kann direkt vom Strang auf kleine Garnröllchen gewickelt werden.


Die Kette benötigt noch einen Zwischenschritt.
Bei dickeren Garnen reichen Knäule, bei feinem Garn bevorzuge ich Garnrollen, weil das Garn von dort gleichmäßiger abspult. Auch dies ist eine Arbeit die Stunden braucht.



Nun wird geschärt.
Das passiert bei mir am Schärbaum.
Dazu messe ich einen Leitfaden ab, der die Länge der gewünschten Bahn hat.
Dies passiert nach einer Gewebeplanung, die ganz am Anfang des Projektes gemacht wird. Hier wird das Arbeiten unter Spannung und Abfälle, mit ein kalkuliert.
Beim schären bekommt jeder Faden schon seine Position die er später im Gewebe haben wird. Dafür sorgt das Fadenkreuz.

Nach dem Schären, wird die Kette auf den Webstuhl aufgezogen und muss eingerichtet werden.
Jeder Faden bekommt seine Litze und wird nach einem Webbrief/Musterpatrone ins Muster eingezogen. Jeder Faden hat seinen Platz.
Anschießend wir jeder Faden noch mal durch den Anschlagkamm, das Riet gezogen. Die traditionellen Riete wurden früher aus Rietgras hergestellt, daher der Name.

oben ein traditionelles echtes Riet, unten Eins das nur noch so heißt, aus Metall mit Pechbund


Die Kettfäden können nun in kleinen Strängen angebunden werden, alle sollten die gleiche Spannung haben.
Nun kommt des Webers spannendster Moment, das anweben, stimmt alles ? Alles richtig ?
Dann kommt die Belohnung für all die Mühe :
es kann gewebt werden !
Das ist der Teil den jeder kennt, und von dem Textilunteressierte denken, es wäre die ganze Arbeit.

Ist das gewobene Tuch vom Webstuhl, kommt das Gewebeputzen und das sichern der Schnittkanten. Die Abschlußkante habe ich meist schon am Webstuhl vernäht, aber da bleibt noch die Anfangskante, und irgendwo ist immer auch mindestens ein Faden gerissen, der ins Gewebe eingearbeitet werden muss.
Danach wird das Gewebe gewaschen. Nun verschwindet die Spannung, die auf dem Webstuhl auf die Garne gebracht wurde.
Nach dem Trocknen wird noch einmal kontrolliert, ob sich evtl irgendwo ein Faden aus dem Gewebe springt, ist alles so wie es sein sollte ?
Prima. Fertig !



Für Agi, Garn abbinden :
Egal bei welchem Garn verbinde ich Anfang und Ende mit einer Schleife.
Dann binde ich die Stränge mehrmals je nach Fadenstärke 4-8x ab, und zwar mit mindestens drei Schlaufen die wie eine 8 durch den Strang gehen. Am gezeigten Strang ist es etwas fest, das ist bei Indigo nicht so schlimm, da es eine relativ aggressive Färbung ist. Normalerweise besser lockerer abbinden.

Kommentare:

  1. Hast du eigentlich einen Trick, wie du Wolle in Fadenform färbst?
    Bei uns gabs bisher nur 2 Varianten, die beide nicht so richtig zufrieden stellend sind.
    a) an einer Stelle abbinden und danach stundenlang entwirren
    b) an mehreren Stellen abbinden und dafür weiße stellen in kauf nehmen.

    Irgend ein Tipp?

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    1. Schau mal oben am Ende des Beitrags,mit Bild lässt sich einfach besser erklären.

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    2. ah, super, danke vielmals! Klingt logisch, dann hat man auch nicht so viele Stellen, wo keine Farbe hinkommt!

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  2. Der Kommentar wurde von einem Blog-Administrator entfernt.

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