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Dienstag, 30. April 2013

Kleine Knochenschnalle und Stoff

Noch vor der IRM hatte ich zwei Stoffe gewoben, die aber mittlerweile schon bei ihren neuen Besitzern sind.
Ein blau-gelber Diamantkörper für eine Tunika und ein Stoff, aus dem eine Hose nach dem Fund aus Damendorf, genäht werden soll.


 
 
Eine kleine Schnalle aus Knochen die nun schon in Island ist, ist ebenfalls auf dem letzten Drücker fertig geworden. Sie ist an den Grönlandfund aus dem Buch "Woven into the Earth" S. 110, angelehnt, und Mangels genauer Maße, Frei Hand geschnitzt.
Sie soll eine grönländische Darstellung als Gürtelschnalle abrunden, und zu dem Stoff getragen werden, auf dem sie liegt. Da mir vollkommen unklar war, wie die Schnalle an einem Gürtelband befestigt werden soll, habe ich Löcher gebohrt, auch wenn das Original keine Löcher hat. So kann man sie später anieten oder annähen.
Der Stoff ist ja schon seit einiger Zeit fertig:
http://zeitensprung.blogspot.de/2013/02/der-duft-von-fernen-landern.html
Ich bin wirklich neugierig auf das Ergebnis und hoffe auf Bilder.


Schnallendorn und auch der Stift mit dem der Dorn eingesetzt ist, sind aus Knochen.
Die Münze dient wie immer zum Größenvergleich.
 

Auch was aus den anderen Stoffen geworden ist, die ich gewoben habe, würde mich sehr interessieren !
Veröffentlichen werde ich sie nur mit Erlaubnis.

Nun werde ich erst einmal viel Zeit im Garten verbringen, nachholen, was da liegen geblieben ist, und das ist eine Menge. Der Frühling ist nun mit aller Kraft und Pracht da.
Nicht wundern wenn es nun hier ruhiger wird.
Ach - ja und mein Lädchen bei Dawanda werde ich in den nächsten Tagen aufüllen.

Montag, 22. April 2013

Villa Borg IRM 2013

Im Rahmen der wunderschönen Villa Borg, im malerischen Saarland, durfte ich am Wochenende meine Webereien präsentieren und verkaufen.
Das habe ich nicht alleine getan, sondern gemeinschaftlich mit den Maders (http://textileflaeche.blogspot.de/ ), die mich mehr oder weniger überredet haben, dies zu tun.
Im Nachhinein bin ich sehr froh, dort gewesen zu sein, denn ich habe viele liebe bekannte Gesichter wieder gesehen, zu einigen virtuellen Freunden endlich einen persönlichen Kontakt gehabt,viele neue Kontakte geknüpft.
Eine besondere Freude war es mir, Fabienne Meiers kennen zu lernen, und ihre Pupurfärbungen in Natura zu sehen und riechen. Wieder und wieder habe ich mir ihrem Blog und besonders, folgenden Artikel, angesehen :
http://severeene.bplaced.net/wordpress/?p=76
Ihr Artikel war mir bei der Bestimmung, welche Farbtöne genau nötig waren, um die Garne für den Stoff mit Purpureffekt zu färben, eine große Hilfe !

Die eigenen Werke über den Verkaufstisch zu reichen und zu sehen, wie sich die neuen Besitzer daran erfreuen, ist die doppelte Freude - einfach nur schön.
Der Mensch lebt nicht vom Brot allein.

Das war ein rundherum gelungenes Wochenende, nun heißt es den Wagen ausladen, alles wieder da hin räumen, wo es hin gehört, zur Ruhe kommen, Schlaf nachholen, Gedanken sortieren.
Denn im Hinterkopf drängeln neue Anregungen, Ideen und Projekte...

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Gemeinsam haben wir aufgebaut und unsere Werke präsentiert:
Sind das nicht traumhafte Räumlichkeiten ?

Die gemeinsame "Wäscheleine"





Und auch das Inventar wurde dekoriert, die
gezaddelte Gugel stammt aus dem Hause Kania, die
Taschen von mir, so wurde die römische Dame multiperiod. ;o)





Freitag, 12. April 2013

Mein neues Kleid

Nachdem in der letzten Zeit, Vieles für Andere entstanden ist, mache ich zwischendurch auch etwas für mich. Das weben des Stoffes, hatte ich dazu, schon zwischen andere Projekte geschoben und hier schon mal gezeigt:
http://zeitensprung.blogspot.de/2013/03/schlichter-stoff-furs-hochmittelalter.html

Habe ich da geschrieben, die Schnitte der Kleidung waren noch recht simpel ???
Au - weia. Das würde ich gerne zurück nehmen. Ich vergaß die Armkugel.

Aber von vorn.
Da hier auch viele Leute lesen, die mit Living History nichts am Hut haben, fange ich von vorn an.
Wie kommt man, zu solch einem Kleid, und woher weiß man wie so etwas aussieht ?
Wie kommt man zu "seiner" Epoche ?

Vor dem Wunsch dieses Kleid haben zu wollen, stehen zwei Knochenarbeiten, welche vermutlich aus einer Werkstatt stammen, oder zumindest jedoch den selben Stil und die gleiche Epoche haben, den Warberger Klappspiegel und das Tristan/Isolde Kästchen.
Beide sollen um 1150 herum, in Köln in der großen Beinwerkstatt entstanden sein.
Wie genau diese Werkstatt, ausgesehen haben soll, weiß man laut meiner Recherche, nicht so genau. Denkbar ist, das viele Menschen an unterschiedlichen Orten, einzelne Elemente hergestellt haben, die dann nach Kundenwunsch an einem Ort, an dem alle Elemente gesammelt wurden, zu den großen Reliquiengefäßen (die heute noch erhalten sind) montiert wurden.
In wie weit, daran Frauen arbeiteten ? Schwer zu sagen.
So möchte ich, also keine bestimmte Person darstellen, sondern strebe die Darstellung einer Handwerkersgattin an, damit die Kleidung in den Rahmen passt.

Auf den in Frage kommenden Beinarbeiten, tauchen viele Figuren auf, die aber entweder Heilige darstellen, oder höhergestelle Persönlichkeiten.
Also muss anders wo gesucht werden.
Bevor man mit dem Schneidern loslegen kann, muss man viele, viele Bilder sichten, dank dem Internet geht das oft online, um das ein oder andere Buch, kommt man allerdings nicht herum.
Viel angucken, viel überlegen, toll finden, wieder verwerfen, nach Details wie Halsausschnitt, Ärmelform, Gürtel, Schuhe, Schleier suchen. Zischendurch mal echt verzweifelt sein, und überlegen, ob man nicht  lieber Topflappen häkeln möchte.

Ist ein Kleid gefunden, ist man längst noch nicht am Ziel.
Wie mag der Schnitt gewesen sein ?
Die Schnitte von mittelalterlichen Kleider, unterscheidet sich erheblich, von denen heutiger Kleidung.
Im Grunde sind es, Rechtecke und Dreiecke, aber die Details haben doch Tücken.
Mein Wunschkleid, hat eng anliegende lange Arme und die besagte Armkugel. Rumpf wie Ärmel sind überlang. Die Schulterpartie muss schon abgeschrägt gewesen sein.
Ein passender Fund ist mir nicht bekannt.
Nun sucht man Vergleichsfunde, was war vorher, was war später, was gab es Anderswo ?
An dieser Stelle, möchte ich mich, bei Beate Stein bedanken, für ihre Recherche und die unermüdliche Hilfe aus der Ferne. Allein hätte ich das nicht hin bekommen !

Herausgesucht, habe ich mir ein Kleid aus dem Hortus Deliciarum. Einer bis heute erhaltenen Schrift.
Da es klein und schwer zu erkennen ist, habe ich den entsprechenden Ausschnitt nachgezeichnet.(siehe weiter unten)

Beim durch sehen, der vielen Bildbelege fällt auf, das an keinem Kleid ein Gürtel zu erkennen ist, die Kleider sind über einem Gürtel (?) allesamt stark geschoppt, was an der Überlänge liegt. Auf einigen Bildern, sieht man den Stoff, wie am Boden drapiert.
Bevor der gute handgewobene Stoff, zugeschnitten wird, habe ich ein Probekleid aus billigem Stoff per Maschine genäht... es für Unbrauchbar erklärt, und mit einem altem Bettlaken weiter gemacht.
Nach gefühlten 20 Ärmelmodellen und einer Portion Verzweiflung, gutem Zuspruch von Forenfreunden, habe ich dann einen Schnitt erstellt, mit dem ich dann halbwegs zufrieden war.
Dieses Stoffmodell, habe ich wieder aufgetrennt, und auf Packpapier übertragen, dieses wiederum auf den guten Stoff, danach dann beherzt zugeschnitten.

Obwohl ich nur 1,58m groß bin, entschloss ich mich, das Kleid mit einer Schulterhöhe von 1,70m zu zuschneiden.
Die langen Nähte der seitlichen Keile haben es in sich und lassen sich nur nach der Beppo Straßenkehrer Methode (aus Michael Endes Momo) bewältigen : nie gucken wie viel muss ich noch, immer gucken, was habe ich geschafft, und Stich für Stich sorgfältig arbeiten.
Genäht wird mit einer stumpfen Sticknadel, damit die Nadel keinen Faden, im Gewebe spalten kann. Das schont den Stoff, und erhöht später die Lebensdauer des Kleidungstücks. Der Nähfaden, ist aus gezwirnter blauer Wolle. Das hat den Vorteil, das er im Gewebe kaum zu sehen ist.


Halbfertig,die Geren sind erst halb eingenäht, eine Gere fehlt noch ganz,die langen Ärmel sehen merkwürdig aus, ob sich das beim tragen gibt ?








Die Vorlage


Rückansicht
das Kleid von der Seite

Die erste Anprobe: das Kleid fühlt sich merkwürdig unbequem an. So stelle ich mir, das tragen von Baggy Jeans vor. Die Stoffmenge, verbunden mit den engen Armen ist so ganz Anders, als alles, was ich bisher gewohnt war. Es ist ein "seht her, ich muss nicht viel tun Kleid".
Habe ich etwas falsch gemacht, oder fühlt sich so der Zeitgeist auf der Haut an ?
Dazu werde ich es länger, als ein paar Minuten fürs Foto tragen müssen.


mit improvisiertem Schleiertuch,
wie es Bildern dieser Zeit, ähnlich ist


Donnerstag, 4. April 2013

Gewobener Prunk 3 - vom Stoff zum Kleidungsstück

Nachdem der Stoff gewaschen und getrocknet ist, geht es ans zuschneiden.
Es soll eine Tunika werden, die an die Thorsberg Tunika angelehnt ist. Diese ist sehr gut erhalten und auf das 3te n. Chr. Jahrhundert datiert. Sie ist in Schloss Gottorf,  in Schleswig Holstein zu bewundern, ein wunderbares Museum, dessen Besuch unbedingt lohnt.
Dieses Kleidungsstück ist so simpel, wie genial, was den Schnitt angeht, es fällt keinerlei Verschnitt an. Um die Tunika nach zu arbeiten, wurde mir eine gutsitzende Tunika, vom Auftraggeber zur Verfügung gestellt.



Der Stoff ist bei der Wäsche noch etwas eingesprungen, von den 8,50m, die im vorigen Post im Bild lagen, wurde ein Stückchen für ein anderes Projekt bei Seite genommen. Für die Tunika brauche ich die Hälfte des Stoffes, 3,30m. Das andere Stück möchte ich mit zur IRM nehmen, um es zu verkaufen.

Als Nähfaden verwende ich Garn, das auch im Stoff verwoben ist, das hat den Vorteil das der Faden nicht auffällt, und die Naht kaum sichtbar ist. Dennoch nähe ich von Hand sehr sorgfältig, so das die Verarbeitung, zum kostbaren Stoff passt.
Zuerst säume ich alle Kanten und zwar genau nach Plan und möglichst genau.
Danach werden die Stücke mit Überwendlichstich zusammen genäht.
Dadurch entstehen schöne, saubere, flache Nähte, mit großem Tragekomfort.




Die Thorsberg Tunika hat im Original eine kleine feine Borte, als Stoßkante am Armabschluss, und da auch diese Tunika, so etwas haben soll, hat Sylvia Fröhlich das Weben der Borte übernommen.
Die Borte ist aus dem gleichen Garn wie auch der Stoff, ein NM 28/2 Wollgarn.
Mehr Infos zum Thema Borten weben finden sich auf der Homepage von S. Fröhlich:
http://www.rabenpfad.de/Brettchenweben/brettchenweben.html

 


Endlich ist genügend Sonnenlicht da, um die Farben, gut mit der Kamera einfangen zu können.
Mein Model ist etwas kleiner, als der Mann der sie tragen soll und auch das Tshirt und die Jeans muss man sich wegdenken, aber es reicht um einen Eindruck vom Kleidungsstück zu haben.

Für Querleser, hier geht es zu den Anfängen des Projektes :
http://zeitensprung.blogspot.de/2013/03/gewobener-prunk.html
http://zeitensprung.blogspot.de/2013/03/agytisch-purpur-gewobener-prunk-2.html