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Montag, 27. Mai 2013

Mein Spaten im Feldversuch

Im vergangenen Herbst hatte ich einen Nachbau eines mittelalterlichen Holzspatens begonnen :
http://zeitensprung.blogspot.de/2012/10/der-spaten-weiter-gehts.html

Mir wurde dringend geraten den Schuh mit Fett ein zu brennen. Da mir dazu in der Küche am Ceranfeld die Möglichkeit fehlt, habe ich das Spatenprojekt nach Nienover  mit genommen.
Ein holzbegabter Freund hat das Finish gemacht. Auf der Ziehbank wurde hier und da ein Spänchen weggenommen...und zwischendurch großen Gedanken ihren Lauf gelassen...

Vielen Dank für Deine Hilfe unter meinen kritischen Blicken, lieber M., ohne Dich stünde das Teil wieder unerprobt im Schuppen.
 
Das Einbrennen wurde dann im Feuerchen gemacht.
Geraten wurde mir zu Rindertalg, in Ermangelung dessen, habe ich Schweineschmalz verwendet.

 
 
Dann die Probe - passt alles ?
Zugegeben - das haben wir mehrmals gemacht.
Dazu wurde das Holzteil einfach per Muskelkraft in den Schuh hineingedrückt.
Dabei haben wir festgestellt, das ich zu viel Holz am Blatt weggenommen habe. Nun gut - das ist nun so.

Gerätselt - was nun :
wie hält das Ganze ?
Muss das Blatt nun wieder runter ?
Muss es mit zB. Birkenpech festgeklebt werden ?
Dann einfach mal ausprobiert.
Im Getreidebeet Nienover ist die Saat nicht aufgegangen, und lauter Quecken machen sich breit.
Hier lässt sich der Spaten testen.
 
5 Reihen habe ich so gegraben, ohne das sich das Blatt gelockert hätte.
Der Boden in Nienover ist schwer und tonartig, da es vorher satt geregnet hatte, auch sehr nass.
Mir fehlt der Vergleich, zu meinem gewohnten Graben, da der Boden so sehr anders ist.

So habe ich nun, wieder zu Hause angekommen einen Feldversuch unternommen *g*.
Hier der Rekonstruktionsversuch mit passendem Schuhwerk im Test:
 
                                                    Das Gute Stück im Profil:


Mein üblicher Spaten, mit passendem Schuhwerk, hier würden mir mit den wendegenähten Schuhen, die Füße durch brechen:

 
Meine Grabgeräte im Gruppenbild : möchte ich wirklich meine Beete umgraben, benutze ich normalerweise die Grabgabel.
Den Spaten nutze ich um Pflanzlöcher aus zu heben.
Der Holzspaten ist eine Spielerei und soll meine Neugier befriedigen. Er wiegt minimal mehr als mein Spaten aus Edelstahl.

Der Vergleich:

Das Graben mit dem Holzspaten ist mühseliger. Einfach weil das Blatt klobiger ist, als ein Metallblatt. Beim Graben komme ich bei gleichem Kraftaufwand mit dem Holzblatt nur halb so tief, wie es mit dem Metallblatt der Fall ist.
Der Schuh an sich, geht wunderbar in den Boden, er ist durch seine konische Form schärfer als ein moderner Spaten.
Die Stücke Boden die ich beim Graben absteche, wähle ich nur halb so breit wie üblich.
Schon nach wenigen Stichen, spüre ich das minimale Mehrgewicht ganz deutlich.
Der bearbeitete Boden zerfällt in kleinere Krümel, das Grabbild wirkt gleichmäßiger.
Graben kann ich mir vorstellen, aber ein Loch schaufeln, fände ich die Hölle.
Stelle ich mir vor, wie sein muss, mit so einem Gerät gar ein Grab zu schaufeln, fallen mir die Vorteile der Gebein Häuser, gleich ein.
Das arbeiten in steinreichen Böden muss eine Plage gewesen sein.
Welches Grabgerät hatten eigentlich die Kelten zur Verfügung ? Womit haben sie ihre großen Erdwälle und Grabanlagen gearbeitet ?
Das Haus in Nienover hat einen Keller ! Welches Gerät kam hier zum Einsatz ?
Mein Respekt vor der Zähigkeit unserer Vorfahren wächst in den Himmel.



 
Das Schuhwerk: links meine Gartenschuhe mit fester Gummisohle.
Mitte: die Unterseite meiner hochmittelalterlichen Schuhe, die eine einfache Ledersohne haben.
Rechts der Schuh als Solches, für Leute die solche Schuhe nicht kennen.
Es ist ein sogenannter wendegenähter Schuh, der von der Innenseite aus genäht wurde, um dann später umgestülpt (gewendet) getragen zu werden, dies schütze die Naht vor Verschleiß. Dennoch weiß man das solch ein Schuh eine Lebenserwartung von wenigen Monaten hatte.


Der Spatenschuh sitzt immer noch unverändert fest. Ich denke, ich lasse ihn so, warum ändern was funktioniert ? Nun werde ich den Spaten reinigen und gut fetten. Vielleicht ist die Lücke zwischen Holz und Metall sogar von Vorteil ? Kann ich auch den Schuh auch von innen fetten, indem ich Fett in die Lücke träufle und drehe ?
Mir ist klar, das er nicht für die Ewigkeit gemacht ist. Zu früheren Zeiten wird er ganz klar ein Verbrauchsgerät gewesen sein.
Der Schmied des Mittelalters wird viel Zeit mit solchen Schuhen und deren Herstellung verbracht haben.

Stolz bin ich, auf meinen Spaten der ohne ein Fünkchen Strom, rein von Hand entstanden ist.

Donnerstag, 23. Mai 2013

Mittelalter Haube für Frauen

Ein nicht ganz einfaches Thema.
Der Wunsch nach Hauben taucht immer wieder auf, vor allem weil viele Frauen - mich eingerechnet - nicht mehr die langen Haare haben, wie sie im Mittelalter getragen wurden und Kopftücher und Co schnell rutschen. Weil ich lange Zeit, ganz kurze Haare hatte, habe ich versucht die Hauben der Mac Bibel zu rekonstruieren.
http://www.medievaltymes.com/courtyard/images/maciejowski/leaf19/otm19vd.gif
http://www.medievaltymes.com/courtyard/images/maciejowski/leaf38/otm38rc&d.gif

 Quelle : http://www.medievaltymes.com/courtyard/maciejowski_bible.htm

Die Haube der Brigitta sieht ähnlich aus, hat aber einen gestickten Mittelstreifen.
Auch wenn kein Nachweis für meine Region vorhanden ist, trage ich diese Haube gern. Man kann sich gut damit bewegen, man hört damit ganz gut, weil sie nicht so straff auf den Ohren sitzt, es ist quasi eine sportive Kopfbedeckung für Damen. In meinen Augen das Gegenstück zur Bundhaube des Mannes. Die Haube kommt mit wenig Stoff aus, was für mich auch ein Argument für die Haube ist.
Da ich wirklich sehr oft darauf angesprochen werde, und auch immer wieder gefragt werde, wo man so was kaufen kann, habe ich ein Paar per Maschine zum Verkauf genäht. Die sind in meinem Shop zu haben. http://de.dawanda.com/product/46455314-Mittelalter-Haube-fuer-die-Dame
Auf Wunsch würde ich so etwas auch von Hand fertigen.
Nachtrag: die Haube kann direkt und hier über den Blog oder bei FB geordert werden. Kontaktadressen im Impressum und in der Seitenanvigation
Das ist nun meine die im Gebrauch ist und in Aktion geknipst wurde.
Hier ist ein kleines Poster aus Leinenstoff im Nacken eingearbeitet, um die nicht vorhandene Haarfülle aus zu gleichen.


Bei meinen neuen Hauben reicht aber ein kleines Zöpfchen von etwa 10cm, damit die Haube halt hat.
Das Häubchen ist noch ein wenig steif, und will eingetragen werden.
Es ist ohne Polster gearbeitet, und das Band ist an einer Seite nicht angenäht, damit man seine persönliche Länge festlegen kann.

Dienstag, 21. Mai 2013

Mittelalterhaus Nienover

Ein wunderschönes Wochenende, durfte ich unter lieben Freunden, zusammen mit Mann und Tochter verbringen. Es war ein kleiner Zeitensprung, der sich aber an fühlte, wie ein Großer.
Losgelöst von Zeitdruck, Alltagslärm und Hektik, haben wir ein Paar Tage im Mittelalterhaus Nienover, verbringen dürfen.
Das Wetter hatte von fast allem etwas zu bieten. Im Haus war es zeitweise sehr kalt und zugig, es hat geregnet, die Sonne hat zwischendurch warm geschienen, und die neblige Abendstimmung war verwunschen zauberhaft.
Das Haus war gut besucht und es war eine Freude, den meist sehr interessierten Besuchern, Fragen zu beantworten und das eigene Wissen weiter zu geben. Zwischendurch war aber auch genügend Leerlauf um Spaß zu haben, an Werkeleien zu arbeiten und schöne Bilder zu machen.


Abendstimmung, mit Blick in den Garten

Krustenbraten und Lachspastete aus dem Backofen




Lichtspiel im Dachboden


Besonderes Augenmerk : links neben der Türe,
mein gebrauchsfertiger Spaten,
dazu gibt es bald einen Extra Post.

Regen! So ein Haus ist etwas Feines.
Beweis - die Sonne war da, hier im dazu gehörigen Kräutergarten.




Rapsfeld am Parkplatz bei Nebel
Alles Wissenswerte über das Mittelalterhaus gibt es hier:
http://www.mittelalterhaus-nienover.de/
Herzlichen Dank, für die schöne Zeit die wir dort verbringen durften !

Samstag, 4. Mai 2013

Handtuchhose oder Euren Krempel kaufe ich nicht !

Kleidung kaufen macht mir schon lange keinen Spaß mehr.
Nicht weil ich nicht mehr in Größe 38 passe oder weil ich alles kürzen muss, sondern weil ich viel über die Arbeitsbedingungen der Menschen, die diese Kleidung herstellen, die ich kaufen soll, nachdenke.
Da ich aber nun dringend neue Klamotten brauche, habe ich mich an die Nähmaschine gesetzt.

Aus der Zeit der Vogelgrippe, als die guten alten Stoffhandtuchspender verschwanden, ist mir eine Rolle Endloshandtuch zugeflogen. Ich mag die Griffigkeit des Stoffes. Ist das Material erst mal gewaschen, ist auch das Steife weg.
Der Stoff lässt sich prima, mit Textilfarbe in der Waschmaschine einfärben, und so wurde aus langweiligem Weiß, ein dunkles Schiefergrau.
Das Schnittmuster ist mein Lieblingsschnittmuster, wo es her ist, weiß ich schon gar nicht mehr. Mehrere Hosen habe ich nach diesem Schnitt genäht.
Diesmal habe ich aber keine Eingriff Taschen, sondern aufgesetzte Taschen gemacht, und die Länge ist auf "Frösche fangen", eingekürzt. Zusätzlich habe ich die Hosenbeine unten etwas eingekräuselt und mit einer Art Schrägband aus dem selben Stoff eingefasst, in der Hoffnung das die Hose eine gewisse lässige Optik bekommt.



da die Stoffbahn zu schmal ist, habe ich aus der Not eine Tugend gemacht, und die Bahnen per Ziernaht verbunden.

Diese Hose widme ich den Menschen, die unter erbärmlichen Bedingungen, die Kleidung für uns Menschen der Wegwerfgesellschaft herstellen, in der Hoffnung, das es mir der Ein oder Andere nachmacht. Nur wenn sich diese Kleidung nicht mehr verkaufen lässt, zwingt man die Menschen am langen Hebel, Sicherheitstandards und faire Arbeitsbedingungen zu schaffen.