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Sonntag, 25. August 2013

Kästchen Seite 4 und 5

Alle 5 Seiten des Kästchens sind nun beschnitzt.
Die linke Seite:

die rechte Seite:


Der nächste Schritt ist nun die Nägelchen zu setzen.
Am Original Kästchen sind die Knochenplättchen zuerst aufgeklebt und dann genagelt.
Dazu muss man zuerst die Löcher vorbohren, das Knochenmaterial würde sonst zerspringen. Die Nägelchen werden auf der Rückseite ins Holz gebogen. Was wieder mal einfacher klingt als es ist.

Ein Schloss ist bestellt.
Die anderen Metallteile leider noch nicht.
Mir fehlt noch die Information wie genau, das verlorene Füßchen ausgesehen hat.
Nach einem Metaller der die Scharniere, die Eckbeschläge und die Schlossplatte anfertigt, suche ich noch.
Wobei ich für mich die Frage nach dem Material noch nicht geklärt habe.
Hochkarätiges Gold für ein Kästchen das an einigen Stellen doch arg schief geraten ist ?
Hmm, wohl eher nicht.


So werden die Metallteile meiner Meinung nach ausgesehen haben.


Laut der mir vorliegenden Publikationen, ist das Kästchen innen, mit einem grünen Seidenstoff ausgeschlagen.
Mein Seidenstoff, ist bereits mit Indigo blau gefärbt und wartet auf die Gelegenheit gelb überfärbt zu werden.

Das Kästchen war ursprünglich vermutlich recht bunt. Auf der Rückseite des Kästchens, haben sich fürs bloße Auge sichtbar, Reste von grüner und rotbrauner Paste erhalten.
Per Mikroskop hat man weitere Farbreste analysiert, die Hintergründe zum Beispiel schienen rosa grundiert gewesen zu sein.
In den Pupillen der Augen befindet sich kein schwarz gefärbtes Wachs, wie von mir angenommen, sondern Überreste von einem Harzkleber, und es gibt von fachlicher Seite Vermutungen, das kleine Edelsteinchen in die Augen eingeklebt waren.

Was mir auch ein kleines Rätsel bereitet, sind die feinen Bohrungen im Rahmendekor des Deckels. An den Ecken sind unverzierte Vierecke mit einem Gehrungsschnitt an dem die Kanten zusammen stoßen. In diesem Schnitt ist jeweils eine ganz feine Bohrung und man erkennt auf den Bildern eine sanfte Verfärbung. Als Laie vermute ich, das dort ein metallenes Zierelement angebracht war.

Hier ist vermutlich die Grenze der getreuen Umsetzung erreicht.
Wie kann man Farbe wieder herstellen, die verloren ist ?
Ach, wie Schade !

Quelle:
http://www.britishmuseum.org/research/collection_online/collection_object_details.aspx?assetId=35010&objectId=48340&partId=1
unter

Conservation

See treatments 

 Oktober 2008 – Permanent Exhibition 

Montag, 19. August 2013

Herren Tunika fürs Jahr 1150

Der Stoff der hier, schon vorgestellt wurde:
http://zeitensprung.blogspot.de/2013/07/wie-viel-farbe-brauchts-um-bunt-zu-sein.html
ist nun zum fertigen Kleidungsstück geworden.

Es ist eine Tunika für meinen Mann geworden.




Da hängt sie und sieht ganz unschuldig aus.
Dabei habe ich mir diesmal wirklich einen Wolf genäht.
Mein Eindruck war, das der Näh Aufwand schlimmer als bei einem Kleid war, und als ich sie eben so am Schrank aufhänge, stelle ich fest - sie geht mir bis eine handbreit über die Fußknöchel.

Die Mode war 1150 noch eine ganz Andere als 1250.
Die Tuniken waren länger, die Ärmel hatten gerne Überlange.
Seitliche Geren sorgen für Weite, ohne das es an der Brust schlabbert.
Auf Bildbelegen sind farblich abgesetze Streifen an Armabschluss und rund um den Hals zu sehen, aber auch ganz schlichte Modelle.
Da der Stoff ja bewusst schlicht bis "billig" gehalten ist, haben wir uns für das Modell ganz ohne Schnick-Schnack entschieden. Passend zu meinem Kleid, das ja auch preiswert aber solide, wirken soll.
http://zeitensprung.blogspot.de/2013/04/mein-neues-kleid.html

Sämtliche Nähte habe ich mit dem Saumstich genäht, also erst einmal jedes Stück rundherum gesäumt, und danach die Teile per Überwendichstich zusammen genäht.
Als Nahtmaterial habe ich je 2 Fäden des Schussgarns gezwirnt, um einen zweifachen soliden Nähfaden zu haben.

Detail Armnaht


Detail Seitennaht innen

Beim unteren Bild kann man schön den Farbunterschied von Vor und Rückseite sehen.

Dazu passende Beinlinge sind in Arbeit. Etwa die Hälfte des Stoffes ist schon fertig gewoben.
Das Wetter lockt einfach ständig nach draußen, wo es ja auch viel zu tun gibt.


Donnerstag, 15. August 2013

Kästchen - 3 von 5 Seiten fertig

Ursprünglich war die Idee, pro Jahr eine Seite fertig zu bekommen.
Aber wenns so gut von der Hand geht, warum bremsen ?
Nun ist also auch die Rückseite fertig.
Wie gehofft ging sie einfacher, wenige Millimeter machen doch gewaltige Unterschiede aus.


die Rückseite
 


Bald gibt es auch wieder etwas Textiles. Aber das jetzige Projekt ist zäh und eintönig, so das ich mir den Luxus gönne, mehr Knochen zu schnitzen. Das lässt sich im Freien besser tun, als in der Wohnung, wo die Knochenkrümel fliegen. Soo lang wird der Sommer nicht mehr dauern.

Donnerstag, 8. August 2013

Kästchen - 2 von 5 Seiten fertig ...

... und das wunderbare Gefühl, das das Kästchen in diesem Leben noch fertig werden könnte.

Immer noch das Minnekästchen aus dem Hochmittelalter ca. 1150.
http://www.britishmuseum.org/research/collection_online/collection_object_details/collection_image_gallery.aspx?assetId=35010&objectId=48340&partId=1
Der Anfang findet sich hier:
http://zeitensprung.blogspot.de/2012/08/londoner-minnekastchen.html
und im Vorpost



So ganz zufrieden bin ich nicht.
Die Figuren im Motiv rechts sind zu tief gerutscht. Die Gesichter am Original haben richtig Ausdruckskraft.
Wie man das an 1cm großen Köpfchen hin bekommt, ist mir ein Rätsel.



Mit etwas Abstand und ohne Vergrößerung, erfreue ich mich dennoch am Kästchen.
Da dies die Seite mit den zierlichsten Figuren ist, hoffe ich das mir die anderen Seiten, leichter von der Hand gehen.


Zur Zeit überlege ich, ob Beschläge erschwinglich sind. Die Originalen sind aus vergoldeten Kupferguss.
Scheinbar war es damals teure Massenware, heute sind es wertvolle Sonderanfertigungen.
Eine Arbeit für einen Fachmann.

Beim heutigen Kästchen, sind Deckelgriff, Schloss und Scharniere verloren. Die Schlossplatte und die Füße sind nicht original. Die Schlossplatte muss irgendwann in der langen Vergangenheit zusammen mit einem anderem Schloss ausgetauscht worden sein. Aber auch dieses Schloss existiert nicht mehr.
Von den Füßchen soll einer noch im Kästchen gelegen haben, der aber leider bei Restaurierungsarbeiten verloren ging. Die Literatur in der das Füsschen zu finden sein könnte, ist von 1933. Diese aufzutreiben um nachzugucken ob es ein Bild davon gibt - ob das möglich ist ?
Die örtliche Stadt Bücherei* versucht es möglich zu machen. Toll !

Einzig die Eckbeschläge sind als Original Teile  erhalten.
Zum Glück gibt es einige Vergleichsfunde, die bei der Rekonstruktion helfen können.
Gerne würde ich das Kästchen später einmal komplett haben, so wie es damals, als es neu war, gewesen sein könnte.

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Ein Hoch auf die
*Stadt Büchereien - Leute nutzt Eure öffentlichen Büchereien. Ich bin immer wieder begeistert !
Für kleines Geld, Lesefutter so viel man tragen kann, ohne das man später einen überquellenden Bücherschrank hat. Gerade wenn man etwas sucht, das man nur einmal liest.
Aufs schmökern in so manchem Buch, hätte ich ohne meine Bibi verzichten müssen, weil gute Fachliteratur eben kostet.
Und die Möglichkeit sich sehr seltene Bücher, per Fernleihe kommen zu lassen, ist wunderbar.
Manchmal geht eben doch nichts über gute alte Bücher aus Papier.

Sonntag, 4. August 2013

London Kästchen : Deckelseiten und Front

Lange habe ich mich davor gedrückt die Deckelseiten zu beschnitzen.
Einspannen wollte ich den Deckel nicht, und wie ran kommen, war mir nicht so ganz klar.
Nun habe ich es freihändig gemacht. So wie beim Original vermutlich auch gearbeitet wurde.
Dabei ist mir klar geworden : der Hersteller des Originals war bestimmt wie ich, Rechtshänder, weil das Muster so am einfachsten von der Hand geht.
Und es war ein junger Mensch !
Trotz bifokaler Arbeitsbrille komme ich sehtechnisch an meine Grenzen. Mit Altersweitsichtigkeit geschlagen, schnitzt man so etwas ohne Sehhilfe nicht.
Vermutlich war auch das, bei der Kölner Beinschnitzerwerkstatt von großen Vorteil, wer ein Leben lang, die gleichen Zierelemente gearbeitet hat, konnte sie vermutlich ohne groß hin zu sehen herstellen. Klappt das nicht mehr, kann man immer noch die Plättchen glätten und den jungen Adleraugen zu arbeiten.

Die Schnitzereien des Londoner Kästchens, sind kraftvoll, gekonnt angesetzt und mit geübter Hand ausgeführt.
Obwohl die Gesichter der Frontseite weniger als einen 1cm groß sind, sind Augen, Wangen und Münder ausdrucksvoll ausgearbeitet.
Um dies nach zu ahmen, fehlt es mir als Gelegenheitswerkler, an Übung.
Dennoch möchte ich auch weiterhin dieses Kästchen, so gut ich kann, nach arbeiten.

Je länger ich mich mit dem Kästchen beschäftige, um so schöner finde ich das Original,und um so mehr bewundere ich die Kunst der damaligen Handwerker.

Dies ist der jetzige Stand meiner Arbeit: