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Montag, 16. September 2013

Über Nacht im Museum

Auch in diesem Jahr fanden im Freilichtmuseum Oerlinghausen die Wikingertage statt.
Wieder durften wir im Bronzehaus schlafen.
(Wieder, weil wir im Vorjahr auch dort waren: http://zeitensprung.blogspot.de/2012/09/ein-wochenende-in-oerlinghausen.html )
Der Samstag war leider sehr verregnet, und ich fand die Besucher, die teils nass wie die Katzen, sich dennoch durch das Museum kämpften, sehr tapfer.
Der Sonntag war dann trocken, und das Museum gut besucht.

Freitag Abend als wir unsere Sachen ausgeladen und verstaut hatten, hatte ich Zeit, für den üblichen Streifzug durch die Siedlungsgeschichte unserer Vorfahren.
Ist das Museum an sich schon sehr liebevoll aufgebaut, habe ich doppelt Freude daran, wenn sich die Häuser mit Leben füllen, wenn Feuer brennen und Rauch aus den Dächern steigt.
Was mir so gut an der Anlage gefällt ist der Dorfcharakter. Zu den Häusergruppen gehört jeweils ein Stück Befestigungswall ,aber auch kleine Gärten.









Schade das es so nass war.
Dies ist der  Stand den ich zusammen mit einer Freundin hatte.  http://www.rabenpfad.de/
Neben der Präsentation von Brettchenborten und Knochenarbeiten*, durften wir einige unserer Arbeiten verkaufen:


Durch den Regen und die Bodennässe, konnte ich meine Plastikboxen nicht verdecken, das ärgert mich, weil es so das Bild stört. Langfristig muss da einiges geändert werden.

*Auch in diesem Jahr habe ich versucht zu zeigen, wie man Würfel hergestellt hat.
Auch in diesem Jahr ist mir aufgefallen wie schwierig das ist, weil die Dinger so klein sind, und die Besucher gar nicht sehen können, was ich da eigentlich in den Händen halte. Das wird mir nun so richtig klar, wenn ich mir dieses Bild anschaue:


Dieses Bild wurde mir von einem Besucher zugeschickt, herzlichen Dank !



Ist man eigentlich jemals zufrieden mit dem was man da macht ? Vermutlich nicht. Aber bald kommt der Winter und Zeit darüber nach zu denken.

Es war ein schönes Wochenende !
Wir wurden im Museum herzlich aufgenommen, hervorragend bekocht und gefüttert , und immer war Jemand mit einem offenem Ohr und Lösungen für Problemchen zu finden.
Vielen herzlichen Dank und Grüße an die Mitarbeiter des Museums, an die Stammbesatzung genau so wie an die Ehrenamtler !

Jetzt heißt es Auto ausladen, Ausrüstung trocknen, und lüften, Textilien waschen und pflegen, Holziges ölen ...  und dann alles einlagern, denn die Saison ist für uns nun zu Ende.


Wer mehr über das Museum erfahren möchte, hier geht es zur offiziellen Homepage:
http://www.afm-oerlinghausen.de/index.php?lang=de
Besuchen Sie es, machen Sie einen Spaziergang und schauen Sie sich die Häuser und die Anlagen an !
Einen netten Bericht der Presse gibt es hier :
http://www.nw-news.de/owl/kreis_lippe/top_news_kreis_lippe/9225396_Die_Wikinger_greifen_an.html
und die dazugehörige Fotostrecke:
http://bilder.nw-news.de/oerlinghausen_wikingertage_2013_im_freilichtmuseum_oerlinghausen/117/1132015/1132015.html

Montag, 9. September 2013

Beinlinge fertig - die neue 1150ger Klamotte hat Ausgang

 
Auf der Veranstaltung am Wochenende sind die neuen Beinlinge fertig geworden. Nun haben wir eine einfache Ausstattung, bei der die Oberbekleidung (mit Ausnahme des Schleiers), aus von mir handgewobenen Stoffen genäht ist.
Genäht wurde ausschließlich von Hand.

Mit den Beinlinge bin ich sehr zufrieden. Sie sitzen diesmal besonders gut.

 
Beinlinge werden diagonal zum Fadenlauf zugeschnitten. Meine Stoffbahn ist ein wenig zu schmal, der Zuschnitt sollte mehr in der Diagonale liegen.
Rechts liegt ein alter Beinling, so soll das fertige Hosenbein aussehen.

Beim ersten Mal, wurde ein altes Bettlaken mit Nadeln am nackten Bein angesteckt. Alles Überflüssige an Stoff abgeschnitten, auf der Nähmaschine vernäht, der Sitz kontrolliert, korrigiert, so lange bis das Ergebnis richtig gut sitzt. Dann auf der Naht aufgeschnitten und auf Folie übertragen.
Das ist nun das Schnittmuster. Das Schnittmuster wird mit Folienstift beschriftet, und kann so in einer Dokumentenhülle in einem Ordner verwahrt werden.
Als Folie verwende ich Renovierplane, die ist günstig und man kann gut durchschauen.
Das ist besonders praktisch wenn man moderne Schnittmuster von Papierbögen übertragen will.
Vom großen Stück Plane wird im gefalteten Zustand ein Streifen abgeschnitten der so breit, wie ein Papierschnitt ist.

Aber zurück zum Beinling.
Der Stoff wurde aus einfachem unverzwirntem Garn gewoben, das Schussgarn ist handgesponnen. Um einen Nähfaden zu erhalten, habe ich zwei Reströllchen des Schussgarns mit einander auf dem Spinnrad verzwirnt. So habe ich einen soliden Faden der im Gewebe nicht auffällt.
Die Beinlinge werden deshalb diagonal zugeschnitten, weil der Stoff dann dehnbarer ist. Das kann man leicht testen, indem man an einem Stoffstück waagerecht und auch senkrecht zieht, der Stoff wird nicht nachgeben. Zieht man aber diagonal an den Ecken, dehnt sich der Stoff.
Obwohl hier nur wenig in Diagonale zugeschnitten werden konnte, sind die Beinlinge dehnbar und bequem.

 
Da ist sie die neue 1150ger Klamotte. Auf Abbildungen dieser Zeit finden sich selten Kopfbedeckungen bei Männern. Ganz im Gegensatz zu 1250 in der man(n) immer etwas auf dem Kopf hat.
Den Schleier finde ich SEHR Gewöhnungs bedürftig. Das hat man so getragen ? Es gab doch sicherlich schon immer hippelige bewegungslustige Frauen. Wie kann man so arbeiten ?
Zum Glück ist das Schleiertuch erst mal improvisiert. Es ist ein sehr feiner Wollstoff, sicherlich gab es auch Schleier aus Leinen. Hier muss also noch gearbeitet werden.


 
 
Weil dies mein 111. Post ist, gibt es noch eine kleine zufällige Narrenkappe.
Es war am Wochenende ziemlich feucht, um nicht zu sagen nass...wir hatten mehr Glück als Andere, aber trocknen muss nun doch alles, da wird es eng auf der Leine, so das man sich schon mal eine Aushilfe suchen muss:
 


Dienstag, 3. September 2013

Kleinkram

Bei meinen Langzeitprojekten muss ich zwischendurch auch mal was haben, das schnell fertig ist.
So hat mein Mann aus einem handgewobenem Stoffrest eine lustige Mütze bekommen.
Mützen sind ein schwieriges Thema, selten sehen sie chic und würdevoll aus, ich habe das Gefühl das man in komische Formen erst hinein wachsen muss. Da spielt auch immer eine große Portion Zeitgeist und der jeweilige Geschmack der Zeit mit, dem wir heute oft befremdlich gegenüber stehen.
Aber irgendwas braucht Mann für den Kopf, falls wir einmal den ganzen Tag in der Sonne verbringen müssen.

Nach Vorlage aus dem Ingeborg Psalter:
http://de.wikipedia.org/wiki/Ingeborg-Psalter

http://commons.wikimedia.org/wiki/File:12th-century_painters_-_Ingeborg_Psalter_-_WGA15834.jpg?uselang=de

Isolde meinem Fotomodel, ist die Mütze ein wenig zu groß.

Einen beigen Stoffrest mit dunklerem Streifen am Rand, habe ich mit Indigo überfärbt.
Das Leinenfutter ist mit rotem Wollgarn in zierenden Kreuzstichen eingenäht.
Sie passt ganz gut, und muss eingetragen werden, sie ist noch etwas steif und neu.

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Ein kleines Untergewand für die Tochter eines Freundes ist fertig geworden. Zur Hälfte mit der Maschine, die sichtbaren Säume aber von Hand genäht.

Weil ich Lust dazu hatte gibt es ein kleines Frühmittelalter Püppchen dazu. Das habe ich mir schnell aus dem Ärmel geschüttelt, und ganz mit der Maschine genäht.  Dafür habe ich keinen Beleg.

Der Körper ist aus Leinen, mit Stoff und Webresten gefüllt. Das Kleidchen aus Stoffresten (Wolle), das Gesicht aus Wollresten gestickt. Das Haar aus Wollgarn ist sicherlich üppiger ausgefallen als man es damals gemacht hätte. Aber der Strang Garn ließ sich nicht mehr abwickeln, ohne das alles in kleine Stücke riss.
 
 
Nachtrag:
das Kleidchen mit dem Püppchen ist nun eingeweiht, es passt, war spielen, in den Pfützen pritscheln, und man kann sicherlich, darin auch auf Bäume klettern.
Danach wurde es zum trocknen aufgehangen  :-)   
 
 

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Und noch eine Idee wollte raus:
Ohrringe für Bortenweber, die im Alltag auf ihr Hobby hinweisen wollen.

 
Noch sind sie nicht fertig. Das ist so, wenn so viel Ideen auf einmal da sind, vieles wird angefangen ... aber ich bin guter Dinge das sie auch fertig werden. Bis zur Messe in Minden ganz bestimmt.

Die Beinlinge für meinen Mann sind zugeschnitten und das nähen geht gut voran, dafür gibt es wenn sie fertig sind, einen Extra Post.

Sonntag, 1. September 2013

Spinnrichtungsgewebe,ein erneuter Anlauf

Diesmal, sollen es Beinlinge für meinen Mann werden.

Für Leute die nicht im Tema sind:

Beinlinge sind das hochmittelalterliche Gegenstück zur Hose. Man(n) trug damals zwei einzelne Beinröhren die Figur anliegend geschnitten waren, und am Bruchengürtel ( Bruche ist die mittelalterliche Herrenunterhose mit Gürtel) angebunden wurden.

Spinnrichtung bedeutet, das Garn ist mal rechts herum, mal links herum gesponnen und dann verwoben. Sehr viele Gewebe die sich aus dem Mittelalter, aber auch aus früheren Zeiten erhalten haben, sind auf diese Art hergestellt. Manche sogar mit aufwendigen Mustern.
Ohne Grund wird man dies nicht getan haben, deshalb versuche ich solch einen Stoff nach zu weben.
Da mein Mann das diesmal tragen soll und das Gewebe somit in meiner Nähe bleibt, kann ich das im Langzeittest erleben.


vor der Wäsche, unter Spannung auf dem Webstuhl geknipst
entspannt und nach der Wäsche



Das Kettgarn ist von der Stange*. Es ist ein einfacher Faden in Z Richtung in Naturgrauer Optik. Das Garn liegt bei 10F/cm relativ locker.
Das Schussgarn ist handgesponnen einfach in S Richtung aus einer Kammzugwolle eines Spinnfasershops. Sorte französisches Landschaf, in einem schönen Braunton mit leicht grauer Note.
Das Garn hat Aennlin auf dem Spinnrad gesponnen.
http://www.aennlin-cistarius.de/index.php?cat=Handwerk&page=N%C3%BCtzliches%20aus%20Wolle

*Wer schon einmal Garn in dieser Stärke gesponnen hat, weiß wie langwierig und mühselig diese Arbeit ist. Industrielles Garn hat den großen Vorteil das es gleichmässiger und in der Stärke auch reißfester ist. Zumindest bei dem was wir Hobbyisten herstellen. Zu frühen Zeiten hat das ganz anders ausgesehen, wie und die historischen Fragmente erzählen.


5,70m liegen hier.
Dafür habe ich ca. 300g - 340g handgesponnenes Schussgarn verwoben, (ein oder zwei Banderolen habe ich schon weggeworfen), das ich aber nicht in NM schätzen kann. Es ist schon ziemlich dünn, ich schätze zwischen 12 und 15 Fäden würde ich es als dichte Kette aufziehen.

Die Bindung ist ein 2/1er Köper, man erkennt gut den Farbunterschied zwischen Kett und Schuss lastiger Seite.