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Freitag, 29. November 2013

Ein neuer Webstuhl !

Ein neuer Webstuhl ist bei mir eingezogen.
Einen Meter breit kann ich nun weben ! Und er fasst größere Ketten.
Er schien nach mir gerufen zu haben, denn obwohl eigentlich gar nicht auf der Suche danach, habe ich ihn gefunden.
Mit dem Verkäufer war ich schnell einig, und so wurde Samstag vor einer Woche ein Ausflug nach Holland gemacht.
Es ging in ein nettes Holländisches Städtchen. Schon am Ortseingang grasten Schafe, passend zu einem Viertel mit lauter Namen, die mit der Textilverarbeitung zu tun haben.
Vorbei an der Gewantmaker Straat  und der Spinster Straat in die Wever Straat.
Ein Koppje Koffie und ein nettes Schwätzchen später, war der Webstuhl schnell eingeladen und verpackt.
Wenn man schon mal da ist, sollte man unbedingt ein wenig bummeln gehen, und ein paar Fritten genießen. Sie waren Himmlisch. Vielleicht auch weil die Freude über den neuen  Webstuhl so groß war.
 
Zuhause war Ellen - so heißt der Webstuhl jetzt - schnell ausgeladen, denn die ganze Familie half mit. Da lag dann ein großes Puzzle aus Holz und Schnüren im Wohnzimmer.

20 Jahre hat Ellen geruht, aber aufgebaut und im beheizten trockenem Wohnraum.
Meine Sorge ihn nicht zusammen zu bekommen, hat sich ganz schnell gelegt, denn innerhalb von 2 oder 3 Stunden, hatte ich ihn entspannt und ganz alleine zusammen gebaut.
Hilfsangebote hatte ich genügend, aber manche Dinge muss man alleine machen.

Nichts war verzogen, alles ist komplett, das Schätzchen war gut gepflegt.
Man sieht es war noch eine Kette aufgezogen, die habe ich allerdings entsorgt. Gewebte Küchentücher finde ich zwar sehr schön, aber mir fehlt die Geduld sie her zu stellen.


Nun ist Ellen schön geölt, das Öl hatte Zeit ein zu ziehen, die Texolvschnüre waren in der Waschmaschine.
Hmm - an der Feinjustierung der Verschnürung muss ich noch arbeiten. Eine schnelle Kette ist schon aufgezogen, aber vor lauter Aufregung und Freude ist so ziemlich alles falsch, was falsch sein kann.
Das lasse ich nun ein paar Tage ruhen und erledige Anderes. Langeweile kommt so schnell nicht auf.

Aber schön ist er der Neue ! Pures Weberglück.


Das Webstühle Herdentiere sind, ist eine Mär.
Tristan mein alter Webstuhl freut sich auf ein neues Zuhause, hier in der Region, denn eine neue Besitzerin hat sich schon gefunden.

Mittwoch, 20. November 2013

Von der Birke zum Tuch

Ein lieber Freund musste seine Birke beschneiden und hat sich die Mühe gemacht, die Blätter für mich ab zu rupfen und zu trocknen. Das klingt harmlos ist aber viel Mühe.

Dies ist der Baum, der aus dem Landstrich Finsterwalde stammt.
 
jede Menge Verschnitt


hier lässt sich erahnen, wie viel Arbeit das rupfen war.
Im getrockneten Zustand sind die Blätter ein großer Karton voll gewesen. Davon habe ich etwa die Hälfte, 3kg gebraucht um damit 3kg Wolle zu färben.
Dazu werden die Blätter über Nacht eingeweicht, eine Stunde lang abgekocht und dann abgeseiht.
Die vorbeizte Wolle wird dann in Schritten vorgewärmt, in die Flotte gegeben und eine Stunde lang geköchelt.
Auf weißer Wolle ergibt der Birkensud ein schöne klares Gelb.
Mit Eisen 2 wird daraus ein tolles grün:
 
Für das Färben der 3kg Garn habe ich etwa eine Woche lang gearbeitet, also immer wieder den Topf begutachtet, die Temperatur geregelt, vorsichtig umgerührt. Die 3kg Garn sind in Etappen gefärbt, weil der Topf solch große Mengen nicht fasst.
Etwa 240 Liter Wasser habe ich benötigt um die Garne vor zu beizen, vor zu wärmen, den Sud und das ausspülen, das das meiste Wasser benötigt.

So sieht das Garn nach den waschen trocknen und zu Knäuelen wickeln aus:
So die fertig geschorene Kette, bevor sie auf den Webstuhl kommt.

 
 
Grün in grün, wäre natürlich langweilig, auch käme der schöne Diamantköper nicht zur Wirkung,
 deshalb habe ich die grüne Kette mit anderen Farben kombiniert und so sind 4 unterschiedliche Tücher endstanden:
Das Rote ganz links ist bestellt und wird die Heimat der Birke sicherlich wieder sehen. So schließt sich der Kreis dann wieder. Die Farben sind in der Novembersonne schwer ein zu fangen, sie leuchten in Echt viel mehr. Nun werden sie in die Waschmaschine wandern, und nach dem trocknen in den Shop.
 
Vielen Dank lieber K. für das mühsame Sammeln und Trocknen der Blätter !


Freitag, 8. November 2013

Nähgarn

Immer wieder taucht die Frage auf, womit nähe ich meine Kleidung ?
(gemeint sind die Historisierten)
Deshalb einen Extra Post zu diesem Thema.

Habe ich zu dem was ich nähen will einen Fund ? Dann lohnt es unbedingt auf diesen zu schauen.
Manchmal ist Nahtmaterial vorhanden, manchmal sogar noch ganze Nahtstücke.
Ist dem so, "Hurra" dann unbedingt so nacharbeiten, denn die Generationen die noch komplett von Hand nähten, waren in der Regel nicht blöd, und waren sehr erfahren darin, haltbare Kleidung her zu stellen.

Habe ich keinen Fund, nähe ich Leinen mit Leinengarn und Wolle mit Wollgarn.

Da ich bisher nirgends Wollnähgarn in handlichen Größen gesehen habe, habe ich eine Kone extra feines Wollgarn in Stränge gewickelt und werde es nach und nach färben, so das ich bald ein Sortiment feines Wollnähgarn im Angebot habe.
Das Garn hat in etwa die Stärke von Sternchenzwirn, ist sehr glatt und reißfest, so das es sich bequem vernähen lässt.




 
Leider fehlt mir die Möglichkeit die Länge/Menge zu bestimmen. Aber jedes dieser Röllchen hat so viel Garn, das es reicht, ein hochmittelalterliches Kleid mit zwei Geren daraus zu nähen.
Das heraus dröseln von Fäden aus dem Gewebe um damit zu nähen, finde ich persönlich schwierig.
Selbst bei gekauftem Stoff ist es mir schade um das Gewebe, auch sind mir die Fäden oft nicht reißfest genug.

Bei meinen handgewebten Stoffen lege ich wann immer es möglich ist, einen Strang Kettabfall* dazu, so das man genügend Garn hat, um damit das Kleidungsstück zu vernähen.

*Kettabfall, das klingt nach Müll, ist aber nichts anderes, als das Stück vorn und hinten an der Kette, womit diese am Webstuhl befestigt ist. Das Garn ist nicht strapaziert und auch nicht angegriffen. Hin und wieder mache ich mit dem Überschuss eine Stickerin glücklich.

Samstag, 2. November 2013

Fass ohne Boden

Die Arbeiten an meinem Kästchen erscheinen mir gerade wie ein Fass ohne Boden und ich überlege wo ich Grenzen ziehe.
Um die Füße am Kästchen zu befestigen, muss ich noch Knochenplättchen unter dem Kästchen anbringen. So wie am Original. Das hatte ich ursprünglich nicht vorgesehen, bzw. schon beim Berechnen der Maße des Holzkorpus vergessen.
Nun gut, dann weiche hier noch mal 3mm am Original ab.
Unter dem Kästchen ist ein kleines Kupferblech mit Braunfirnis aufgenagelt, es wird von den Knochenplättchen am Rand eingerahmt.
Bei den Recherchen zum Thema, "was ist Braunfirnis" und "wie stellt man es her", bin ich auf das Wort Goldamalgam gestoßen.
Was sich anfangs noch so einfach las, "Kupferplatte mit Leinöl bestreichen, und erhitzen, Vorgang wiederholen, bis eine Lackähnliche Oberfläche entsteht..." finde ich nun gar nicht mehr einfach.
Wieder einmal eine Arbeit für einen Fachmann.
Wieder müsste man erst mal Jemanden finden, der das noch kann, wieder müsste ich Geld oder Arbeit investieren, und das für eine Seite die man nicht sieht.
So beschließe ich, die Platte durch ein kleines Bronzeblech aus meinem Fundus zu ersetzen.
Die Dekoration ist bewusst nur angedeutet. Alle anderen Überlegungen wie ich es gestalten könnte, erschienen mir falsch, wie etwa das Blech mit einem Lack überziehen und ein Muster frei kratzen.
So ist ein schlichtes Muster mit Reißzirkel, Bohrer und Schnitzmesser entstanden, das ähnlich dahin gehauen ist, wie es am Original wirkt.

Das Zu sägen der Knochenplättchen, das bohren der Löcher, ist wieder reine Handarbeit, ganz ohne Strom.



Die großen Nägelchen sind übrigens von der Firma Braun. http://www.beschlaghandel.de/impressum.php
Es war überhaupt nicht einfach Messingnägelchen mit rundem Köpfchen zu bekommen.
Herzlichen Dank nochmals fürs geduldige Suchen.
Die kleinen Nägelchen sind eine Spende der Firma Textor
http://www.heinrich-textor.de/de/pages/impressum.php
Auch Euch lieben Dank.
Der Clou an den Nägeln ist : sie müssen so weich sein, das man sie auf der Rückseite wieder ins Holz schlagen kann, was in so einem winzigen Raum ganz schön schwierig ist.





Innen siehts ganz schön wüst aus. Gut das da noch ein Futter rein kommt.
Oder anders rum - vermutlich ist deshalb ein Futterstoff im Original, wobei eine geübte Hand das sauberer hinbekommt, als ich ohne Übung.
Für den Futterstoff ist Seide beim Original verarbeitet. Die Farbe ist mit Grün angegeben.
Ob der Stoff nun noch Original ist ?
Ein Vergleichsfund ist in diesem Fall ein großes Turmreliquiar in dem sich Reste von roter Seide befinden.
Da die Nägelchen zum Teil noch wie kleine Zähnchen ins Kästchen ragen, werde ich zwischen Seide und Holz eine Filzschicht einarbeiten. Als Polster quasi.



Meine Fragen an das British Museum blieben bisher unbeantwortet, gerne ich hätte ich gewusst, wie das Kästchen innen gestaltet ist und ob man mehr über die farbliche Gestaltung außen weiß.

Auch hier beschließe ich, auf weitere Gestaltung zu verzichten.
Bei meinen Recherchen bin ich darauf gestoßen, das sich in den Augen keine Farbe sondern Reste von Kleber befindet, und man davon ausgeht, das kleine Steinchen in die Augen eingeklebt waren.
An den Eckleisten auf der Deckelseite befinden sich kleine Bohrlöcher ohne Funktion.
Diese Löcher haben mich beschäftigt, und nach dem durchsehen von etlichen Ausstellungkatalogen, könnte ich mir gut vorstellen, das sich auf den Ecken kleine Fassungen mit Edelsteinchen befanden. So wie man es z.B. auch von verzierten Buchdeckeln aus der Zeit her kennt.
Auch hier, lasse ich weg, was ich nicht belegen kann.
Mein Ziel, das Kästchen so aussehen zu lassen, wie es einst Neu um 1150 ausgesehen hat, werde ich nicht erreichen.