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Samstag, 2. November 2013

Fass ohne Boden

Die Arbeiten an meinem Kästchen erscheinen mir gerade wie ein Fass ohne Boden und ich überlege wo ich Grenzen ziehe.
Um die Füße am Kästchen zu befestigen, muss ich noch Knochenplättchen unter dem Kästchen anbringen. So wie am Original. Das hatte ich ursprünglich nicht vorgesehen, bzw. schon beim Berechnen der Maße des Holzkorpus vergessen.
Nun gut, dann weiche hier noch mal 3mm am Original ab.
Unter dem Kästchen ist ein kleines Kupferblech mit Braunfirnis aufgenagelt, es wird von den Knochenplättchen am Rand eingerahmt.
Bei den Recherchen zum Thema, "was ist Braunfirnis" und "wie stellt man es her", bin ich auf das Wort Goldamalgam gestoßen.
Was sich anfangs noch so einfach las, "Kupferplatte mit Leinöl bestreichen, und erhitzen, Vorgang wiederholen, bis eine Lackähnliche Oberfläche entsteht..." finde ich nun gar nicht mehr einfach.
Wieder einmal eine Arbeit für einen Fachmann.
Wieder müsste man erst mal Jemanden finden, der das noch kann, wieder müsste ich Geld oder Arbeit investieren, und das für eine Seite die man nicht sieht.
So beschließe ich, die Platte durch ein kleines Bronzeblech aus meinem Fundus zu ersetzen.
Die Dekoration ist bewusst nur angedeutet. Alle anderen Überlegungen wie ich es gestalten könnte, erschienen mir falsch, wie etwa das Blech mit einem Lack überziehen und ein Muster frei kratzen.
So ist ein schlichtes Muster mit Reißzirkel, Bohrer und Schnitzmesser entstanden, das ähnlich dahin gehauen ist, wie es am Original wirkt.

Das Zu sägen der Knochenplättchen, das bohren der Löcher, ist wieder reine Handarbeit, ganz ohne Strom.



Die großen Nägelchen sind übrigens von der Firma Braun. http://www.beschlaghandel.de/impressum.php
Es war überhaupt nicht einfach Messingnägelchen mit rundem Köpfchen zu bekommen.
Herzlichen Dank nochmals fürs geduldige Suchen.
Die kleinen Nägelchen sind eine Spende der Firma Textor
http://www.heinrich-textor.de/de/pages/impressum.php
Auch Euch lieben Dank.
Der Clou an den Nägeln ist : sie müssen so weich sein, das man sie auf der Rückseite wieder ins Holz schlagen kann, was in so einem winzigen Raum ganz schön schwierig ist.





Innen siehts ganz schön wüst aus. Gut das da noch ein Futter rein kommt.
Oder anders rum - vermutlich ist deshalb ein Futterstoff im Original, wobei eine geübte Hand das sauberer hinbekommt, als ich ohne Übung.
Für den Futterstoff ist Seide beim Original verarbeitet. Die Farbe ist mit Grün angegeben.
Ob der Stoff nun noch Original ist ?
Ein Vergleichsfund ist in diesem Fall ein großes Turmreliquiar in dem sich Reste von roter Seide befinden.
Da die Nägelchen zum Teil noch wie kleine Zähnchen ins Kästchen ragen, werde ich zwischen Seide und Holz eine Filzschicht einarbeiten. Als Polster quasi.



Meine Fragen an das British Museum blieben bisher unbeantwortet, gerne ich hätte ich gewusst, wie das Kästchen innen gestaltet ist und ob man mehr über die farbliche Gestaltung außen weiß.

Auch hier beschließe ich, auf weitere Gestaltung zu verzichten.
Bei meinen Recherchen bin ich darauf gestoßen, das sich in den Augen keine Farbe sondern Reste von Kleber befindet, und man davon ausgeht, das kleine Steinchen in die Augen eingeklebt waren.
An den Eckleisten auf der Deckelseite befinden sich kleine Bohrlöcher ohne Funktion.
Diese Löcher haben mich beschäftigt, und nach dem durchsehen von etlichen Ausstellungkatalogen, könnte ich mir gut vorstellen, das sich auf den Ecken kleine Fassungen mit Edelsteinchen befanden. So wie man es z.B. auch von verzierten Buchdeckeln aus der Zeit her kennt.
Auch hier, lasse ich weg, was ich nicht belegen kann.
Mein Ziel, das Kästchen so aussehen zu lassen, wie es einst Neu um 1150 ausgesehen hat, werde ich nicht erreichen.

Kommentare:

  1. So viel Geduld, so viel Ausdauer, ich bewundere dich. Auch die ganzen Recherchen - das hat schon einen Preis verdient. Was möchtest du denn mal in dem Kästchen aufbewahren?
    Meine Hochachtung sendet dir

    Iðunn

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    1. Och ich dachte ich werfe meine Haargummis rein. *kicher*
      Im Ernst - da habe ich mir überhaupt noch keine Gedanken drum gemacht.
      Das ist eher wie ein Marathonlauf oder so, ich will`s hin bekommen, an das Danach habe ich nicht gedacht.

      Danke fürs Lob und liebe Grüße für Dich !

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    2. Dass es nicht vollständig rekonstruiert werdenkann, ist schade, hat aber auch was für sich. Du bist ja durch deine Recherchen schon nahezu Expertin für solche Kästchen geworden, weißt, was man wie machte und was eher nicht. Vielleicht wirst du ja einmal ein eigenes Kästchen gestalten. Ganz in Stil und Technik seiner Vorbilder, aber eben mit eigenen Motiven etc. Da wäre es dann auch egal, ob das Futter rot oder grün etc. ist. Ein solches Kästchen gab es nicht - aber es hätte es geben KÖNNEN. LG Morgan

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  2. Noch so eins ?
    Die Idee ein Kästchen frei Hand nach zu arbeiten, hätte etwas, denn ich gehe davon aus, das es Serien davon gab. Das Thema werde ich evtl. an einem späteren Zeitpunkt aufnehmen.
    Das Dumme ist, dann bräuchte ich ja das ganze Metallzeugs noch mal !
    Es würden vermutlich viel mehr Truhen und Kästchen in der Szene nachgearbeitet, wenn Holz/Knochen und Metall nicht so weit auseinander lägen.

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