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Sonntag, 28. Dezember 2014

gedrehte Fransen


Ich habe mal etwas Neues aus probiert.
Wirklich neu ist in der Weberei eigentlich nichts, auch nicht die gedrehten Fransen, aber gemacht habe ich es noch nie. (Man nennt sie auch Webernudeln.)
Vor Jahren zeigte mir eine erfahrene Textilputzerin in Tuch und Technik Neumünster wie sie es gelernt hat.

Ich habe das hier nachgemacht, und zwar auf dem Webstuhl bei gespannter Kette. Das Garn ist ein weiches Wollgarn.
(Nicht wundern, neulich habe ich mit Nussschalen gefärbt und vergessen Handschuhe zu tragen, weshalb Finger und Fingernägel eine leichte Patina tragen.)

Schritt 1, man zählt die Fäden ab, die man zu einer Nudel drehen möchte und zwar beide Portionen.
Schritt 2, man dreht die Fäden zwischen den Fingern, so weit es geht. Die Dame in Neumünster hatte dazu ein Töpfchen Vaseline am Arbeitsplatz stehen, so etwas habe ich mir nach dem dritten Zöpfchen auch geholt, denn es ist eine unglaubliche Hilfe und schont die Fingerspitzen.
 Schritt 3, nun werden die beiden Stränge in die Gegenrichtung gedreht, damit die Fäden nicht direkt wieder in die alte Position zurück springen, wird ein Hilfsfaden durch die Mitte gezogen. Ideal ist ein Faden der garantiert nicht einläuft oder filzt, damit man ihn später wieder herausziehen kann.
So sieht es dann aus, wenn man mit der ganzen Reihe durch ist:

Schritt 4, ab in die Wäsche damit und darauf setzen, das die Fäden beim waschen ein wenig zusammen filzen.

Nach dem waschen und trockenen vorsichtig auseinander schneiden und hoffen das es hält:
und tatsächlich es bleibt in Form, das Gefummel hat gelohnt. Merkwürdig finde ich das es nicht mehr gefilzt hat, obwohl das Garn beim verweben so geklebt hat.





Entstanden sind kleine Decken, von denen zwei schon vergeben sind. Die Kundin nutzt sie als Kniedecke beim sitzen an PC und TV. Die Bindung ist bei allen Stücken ein 2/1er Köper.
Schussgarne zum Teil handgesponnen und mit Ostereierfarben handgefärbt, eine Partie ist vor dem spinnen mit Farbverlauf von grün nach blau gefärbt und mit einem Glanzfarben verzwirnt. So entstand eine Decke, die mich an den Regenbogenfisch mit der Glitzerschuppe erinnert.

Hier wurde ein Garn aus den Anfängen meiner Spinnerei verwoben, das Dicke Garn ist unregelmäßig Urig und von Hand gefärbt.
Decke mit wechselnden Streifendekor aus weichen Wollgarnen, die Garne sind meist pflanzengefärbt

Schlichte Decke mit Streifendekor aus weichen Wollgarnen Garnen, die Rosa Töne sind pflanzengefärbt

 einen Rest gibt es noch, an einer Kante gefranst, Kette und Schuss im ausgewogenen Verhältnis und mehr Stoff als Decke, sicherlich geeignet um eine nette Tasche da raus zu nähen. Alle Garne pflanzengefärbt.
Nachtrag - wegen häufiger Anfrage, weitere Decken gibt es hier :
http://de.dawanda.com/product/102798775-mini-wolldecke-spaetmittelalter-2
http://de.dawanda.com/product/102798679-mini-wolldecke-spaetmittelalter-1
http://de.dawanda.com/product/102798379-mini-wolldecke-pastell
http://de.dawanda.com/product/97616331-mini-wolldecke-nachtblau
http://de.dawanda.com/product/90609007-mini-wolldecke-alamanne

Montag, 22. Dezember 2014

Ralswieker Handschuh - neuer Versuch

Versuch Nr 1 gibt es hier im Blogpost .

Ein paar Handschuhe machen, ist eigentlich überhaupt kein Ding. Sind relativ schnell gemacht, man braucht auch nicht viel Material.
Ein Problem ist es allerdings, wenn die Handschuhe sitzen sollen, und der zukünftige Besitzer nicht vor Ort ist.
Man kennt es vielleicht von Arbeithandschuhen : einen schlecht sitzenden Handschuh hat man bei der Arbeit schnell in die Ecke geworfen und macht ohne weiter. Damit das bei unserem Ralswieker Handschuh nicht passiert - er soll ja viel getragen werden um einen Langzeit Trageversuch zu machen, soll er möglichst angenehm sein. So ist also ein Probehandschuh aus Lumpen per Postweg etliche Kilometer gewandert.

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Nun scheint die Passform gefunden zu sein.
Diesmal habe ich einiges Anders gemacht. Alle Teile sind per einfacher Saumnaht versäubert und mit Überwendlichstich verbunden. Das Daumenloch ist als Schlitz gearbeitet und zwar hochkant um die Last zur Kante hin, besser zu verteilen, quer würde zu schnell ausreißen. Der Daumen ist in zwei Teilen gearbeitet und hat eine viel schönere Passform.
Das Daumenloch ist mit Knopflochstichen versäubert, der Daumen per Überwendlichstich eingesetzt.

Wie der Zufall es wollte musste ich an jeder Hand die Außenseite stückeln, so das eine gewisse Symmetrie entstand.




Nun bin ich gespannt wie die Handschuhe passen.
Ab in die Post und warten ...

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Sie sind beim Besitzer angekommen und dieser hat mir Bilder geschickt:


Jetzt heißt es im Norden viel raus gehen, und viel Handschuhe tragen. Die Jahreszeit dazu ist ja da. Viel Spaß beim tragen und benutzen !


Sonntag, 21. Dezember 2014

Modernes Garn für historisierte Textilien ?

Bei der Umsetzung der textilen Ideen meiner Kunden, stoße ich immer wieder an die Grenzen des Machbaren.

Es soll Wolle, pflanzengefärbt sein und einfädig, so nah am Original wie möglich.

Oft ist der gewünschte kräftige Farbton (das Garn im Bild müsste Knall Rot sein) jedoch gar nicht zu erreichen, da die Garne mit Antipilling Ausrüstung versehen sind, oder aber nicht deklarierte Beimischungen haben. Einfädiges Garn gilt bei Webern als unwebbar, denn das kann dann schon mal so aussehen:
Was hier einfach nur kuschlig aussieht, lässt die einzelnen Kettfäden wie Klettverschluss verkleben. Nur mit großem Kraftaufwand und hineingreifen nach jedem einzelnen Schuss, lässt sich solches Material überhaupt verweben.
Im Kringel erkennt man Fäden die aus der Reihe tanzen, und einfach mal nicht aufgehen, um dann später als Webfehler für immer sichtbar zu sein.

Hilfe in der Not ist da Bügelstärke aus der Sprühdose. Das ist lästig, denn man kann immer nur den Bereich einsprühen, der gerade frei liegt, und danach muss dieses Stück Kette trocknen, bevor man weiter arbeiten kann.
hier mit Stärke behandelt, immer noch nicht ideal, aber doch besser als ohne
 Die Stärke lässt sich problemlos auswaschen, und ist nach dem Entspannungbad schon verschwunden.

Wollte man nun eine echte 1:1 Umsetzung eines historischen Stoffes haben braucht man, ein Garn mit robustem Haar, anständig geschoren, besser noch gerauft, von Hand im richtigen Winkel gesponnen, schön gleichmäßig, ganz so als man es von Kindesalter her geübt hat. Denn dann, ist das Garn robust genug, um später der mechanischen Beanspruchung des webens zu überstehen, und ohne Vorbehandlung um die Farbe so an zu nehmen, wie es wohl auch damals der Fall war.
(zur Erinnerung: Drei in einer Flotte )
Meist sind die heutigen Garne jedoch, locker gesponnen, so wie das beliebte isländische Einband, das von der Optik und Haptik den historischen Vorlagen sehr nahe kommt, aber zu weben nicht reißfest genug ist.

Hat man denn dann mal endlich einen Händler gefunden, der ein Garn anbietet, ist er auch gleich wieder verschwunden. Einige Kunden die mich auf der letzten Messe besucht haben, werden sich an die nette Farbkarte mit den Naturtönen erinnern - auch diese Quelle ist leider ausgetrocknet, nur mit viel Ärger, habe ich meine Vorrauszahlung zurück erstattet bekommen, als das Garn nicht mehr lieferbar war.

Also warte weiterhin darauf, das mir Jemand ein anständiges Garn, das jederzeit nach zu ordern ist, klont.

Montag, 8. Dezember 2014

Gestreifter Stoff für die Skjodehamn Tunika

Im Vorpost (für Querleser : hier ) habe ich schon über den Stoff für die Skjodehamn Tunika gesprochen. Da ich zum Stoff, hinter den Kulissen eine rege Nachfrage habe, werde ich auf der übernächsten Kette weitere Stücke einplanen. Die Kette wird grau sein, die Schussfarben sind variabel, die Bindung 2/1er Köper.
Sonderwünsche können auf Vorbestellung  noch berücksichtigt werden.

Möglich wäre es Coupns zu kaufen die aus der Hälfte eines langstgeteilten Stoffstücks bestehen, so es genau ausreicht um den Kragen und den Latz zu fertigen.

Mittwoch, 3. Dezember 2014

einen Ballen Stoff in 2/1er Köper

In den letzten Wochen gab es nichts wirklich Spannendes zu zeigen.
Mein Stoff des Jahres ist 2/1er Köper, der Renner meiner Saison. Webt sich wie mit dem Rad den Berg hoch. Durch die 3 Schäfte/Fußtritte, ein unrunder Bewegungsablauf, da helfen spannende Hörbücher und viele kleine Pausen gut bei der Arbeit.
Aber nun ist mein erster Ballen fertig gewebt.
so sah es unter Spannung aufgerollt unten im Webstuhl aus
so abgerollt, irgendwann spät
Auf der Bahn sind unterschiedliche Bestellungen für unterschiedliche Kunden.
Was daraus werden soll, wurde mir verraten:
ein Kleid für eine Nonnendarstellung
eine Hose
ein Kissen
mindestens 3 Zierblenden für Tuniken

Die lange Bahn ist nun in die einzelnen Bestellungen zerschnitten.
So unscheinbar kann 1 Monat Arbeit aussehen:
Besonderes Glanzlicht bei der etwas stumpfsinnigen Arbeit, sind die beiden bunten Stoffe die an den Skjoldeham Fund angelehnt sind:
Der Skoldeham Fundkomplex stammt aus Skandinavien und ist auf das elfte Jahrhundert datiert.
Es ist eine wunderschöne Tracht, die ganz sicherlich einmal sehr prächtig ausgesehen hat.
Mein Stöffchen soll an der Untertunika für den Zierlatz verwendet werden.
Bestellt wurde er in braun/gelb/grün, da aber noch ein klein wenig Kette übrig war, habe ich noch ein Stückchen in rot/gelb/blau gemacht.

Schnelle Bilder vom Fund gibt es hier (Mitte) :
 http://www.vesteraalen.info/reportasjer_andoy_skjoldeforedrag_07.htm

Mehr Infos und Buntbilder hier (PDF) :
http://www.expo-conv-svcs.com/Pennsic40/SkjoldehamnClassHandout.pdf

Nun geht es an die Arbeit die alle Weber hassen, das putzen der Stoffe.
Gerissene Fäden werden versäubert, das ist mühselig und langweilig. Danach werden die Stoffe gewaschen, damit sich das Gewebe entspannt und die Appretur der Garne ausgewaschen wird.
Der Webstuhl bleibt weiterhin mit 2/1er Köper eingerichtet, da noch weitere Projekte in dieser Bindung anstehen.

Montag, 24. November 2014

Handschuh aus Ralswiek 1,0

In der slawischen Siedlung Ralswiek wurde ein Wollhandschuh gefunden, der auf das 8-9 Jahrhundert datiert ist. Ein kleiner Arbeitskreis Textile Rekonstruktionen vom Projekt Eisenwald, dem ich angehöre (dem Arbeitskreis, nicht der Truppe) hat sich den Handschuh unter Anderem, für diesen Winter zum Thema gemacht.
Zum Handschuh selbst gibt es wenige Informationen. Es gibt eine schöne Zeichnung in einem Buch*,  viel mehr aber leider nicht. Diese Zeichnung habe ich vereinfacht ab gemalt, um überhaupt etwas zeigen zu können:

Selbst gesehen habe ich den Handschuh leider nicht, alles worauf ich mich stützen kann, sind wenige Bilder, meist unscharf und schlecht beleuchtet.

* Das Buch nennt sich :
DIE SLAWEN IN DEUTSCHLAND
Geschichte und Kultur der slawischen Stämme
westlich von Oder und Neiße vom 6. bis 12. Jahrhundert
Ein Handbuch ( Neubearbeitung )
Herausgegeben von Joachim Herrmann
AKADEMIE - VERLAG BERLIN  1985

Meine Umsetzung:
benutzt habe ich für den rechten Handschuh, Reste die beim Projekt Hose angefallen sind.
Zuerst habe ich aus Abdeckfolie ein Schnittmuster nach einer Schablone des zukünftigen Besitzers erstellt. Durch die Folie kann man besser durch schauen als durch Papier und es lässt sich später schöner in Dokumentenhüllen archivieren.
Für den Handrücken habe ich zwei Reste mittels Kapnaht zusammengefügt.


Da auf der Zeichnung die Position der Naht des Daumens nicht zu erkennen ist, habe ich beschlossen, sie aussen am Daumen lang laufen zu lassen. Eigentlich müsste solch eine Naht zu sehen sein, aber die einzige mögliche Position auf der Daumeninnenseite erscheint mir unpraktisch, da dies die belasteste Stelle der Handschuhs ist, und später den Tastsinn beeinträchtigen würde.
Mit meinem Daumen bin ich gänzlich unzufrieden.
Das Daumenloch habe ich ausgeschnitten, und den fertig genähten Daumen von der Rückseite her eingeschoben. Mit Überwendlingsstichen ist der Daumen eingenäht, zwei Reihen habe ich dazu gesetzt.
Auf der Buchzeichnung sieht die offene Naht so aus, wie ich es von meinen Kapnähten her kenne, deshalb hatte ich mich entschlossen, den Handschuh mit solchen Nähten zu nähen.
Der Versuch die beiden großen Handschuhteile per Kapnaht miteinander zu verbinden, ist nicht gelungen. So sind die Teile per Saumnaht versäubert und per Überwendlingsstich mit einander verbunden.
Sollte eine der Nähte später einmal kaputt gehen, wäre es toll, wenn die offene Naht fotografiert würde um zu sehen, ob die Naht ähnlich aussieht, wie am Original.
Bevor die Stulpe an den Handschuh genäht wird, geht der Handschuh auf die Reise zum späteren Besitzer um die Passform zu überprüfen.

Mittlerweile ist der Handschuh beim zukünftigen Träger. 

Der Handschuh ist zu weit, der Daumen passt zwar - immerhin, aber er sieht auch an der Hand kein bisschen so aus, wie am Original.
Da habe ich Lehrgeld gezahlt.

Nach gemeinsamer Beratschlagung haben wir beschlossen noch mal ganz neu zu beginnen. Denn den Handschuh wieder zurück schicken, umändern, das Vorderteil mit dem vermurksten Daumenloch austauschen, wäre ein zu großer Aufwand.

Es gibt einen Vergleichsfund der hier sehr schön dokumentiert ist:
http://www.medieval-baltic.us/vikmitten.html
(danke Marled für den Link !)
Nach diesem Schnitt wird der nächste Versuch erfolgen.

Vielen Dank an R. Liebentraut fürs Korrektur lesen.

Fortsetzung folgt.

Sonntag, 9. November 2014

Drei in einer Flotte

Über die Schwierigkeit passende Garne für die Weberei zu beschaffen, habe ich ja schon an verschiedenen Stellen gejammert.
Aktuell färbe ich gerade mit Schwarznüssen, genauer gesagt mit der grünen Fruchtschale der Schwarznuss (Juglans nigra). Diese führt genau wie die Walnuss den Farbstoff Juglon, ist jedoch nach eigener Erfahrung, höher konzentriert, als bei der Walnuss (Juglans regia). Die Schwarznuss ist kein Europäischer Baum und die erste Flotte ist für die mittelalterliche Weberei unbrauchbar, aber wunderschön. Das optimale Farbergebnis ist ein Mokkabraun mit goldgelbem Schimmer. Bei dem Begriff optimal bin ich mitten im Ärgernis.
Drei (4) Garne hatte ich in einer Flotte:
1) gezwirntes Alpakagarn das von Werk aus in einem hellrosa Ton zu mir kam
2) gezwirntes Wollgarn
3) einfädiges Wollgarn
ungefärbte Biowolle zum abbinden der Stränge, das als Webabfall gerade parat war. 

Alle Garne wurden im selben Eimer eingeweicht und gleich vorbehandelt, gleichzeitig zusammen in der selben Flotte gefärbt und dennoch ist die Farbintensivität ganz unterschiedlich.
Während mein Standart Nähgarn den Farbton wie gewohnt wunderbar an nahm und zu Mokkabraun wurde, haben die anderen Garne die Farbe nicht so gut angenommen. Selbst das Biogarn zum abbinden, von dem ich überzeugt war, das es aus reiner Natur besteht, wurde nicht so dunkel wie erhofft.


Der Färbetopf in Aktion, es dampft.
Spender des Farbstoffs - Schwarznüsse nach dem Bereiten der Flotte
1) gezwirntes Alpakagarn
2) gezwirntes Wollgarn
3) einfädiges Wollgarn
Das Bild entstand während des Färbens.
Die Garne werden von Werk aus vorbereitet, bereits vor dem verspinnen werden die Fasern behandelt, um sie maschinell verarbeiten zu können. Das macht das verarbeiten in meinem Bereich, immer wieder spannend bis schwierig, vor allem aber unberechenbar !
Womit die Garne behandelt werden, weiß ich nicht. Die Garne riechen beim einweichen oft "chemisch" statt nach Schafswolle, wobei ich zwischen dem Geruch und dem Unwillen Farbe an zu nehmen, noch keinen Zusammenhang feststellen konnte.
Bio bedeutet im Textilbereich alles und nichts. Man ganz genau hin schauen, was denn nun genau Bio sein soll, und erfährt doch nur die Hälfte. 
  • Bei meinem Wollgarn bedeutet Bio, das es den Schafen gut geht, sie stammen aus der Biozucht, leben im Freien und fressen was Schafe von Natur aus fressen möchten. 
  • Ökotex sagt, das die Fasern ohne giftiges Zeugs behandelt wurden. Wobei natürlich auch ungiftiges Zeugs mein Garn beim Färben hemmen kann.
  • Auf die gesamte Textilbranche erweitert, gibt es noch das Label "Fair" das bedeutet, das die Menschen die diese Textilien herstellen, nicht unter den allerschlimmsten Bedingungen arbeiten müssen und das keine Kinder ausgebeutet werden.
(Augen auf, beim Klamottenkauf, man darf sich nicht blenden lassen und denken die Welt sei schön, wenn Werbung und Wäscheschildchen, Versprechungen machen) 

Webfähige Garne brauchen anders als z.B. Dochtgarn zum Nadelbinden so beliebt ist, einige Eigenschaften. Die Garne müssen reißfest und stabil sein. Sie sollten glatt sein, sonst wird eine Kette gerne zum Klettverschluss, die bei jedem Schuss nur unwillig das Fach öffnet. Dabei sollen die Garne später als Stoff weich fallen und nicht kratzen. Einen industriellen Produzenten für Wollgarn im archäotechnischen Einsatz gibt es nicht.
Es gibt :
  • Reste aus Großwebereien die ihren Weg zu Ebay finden
  • Garne aus dem Handarbeitbereich, meist für Handstricker (viel zu flauschig)
  • handgesponnen  (5-8 Spinner versorgen einen Weber hieß es bis vor etwa 200 Jahren...)
Der Verbraucher erwartet von seiner Kleidung ebenso wie von Handarbeitprodukten, das sie pflegeleicht sind und lange schön bleiben. 
Oft erzählen die älteren Besucher in Museen, das die Kleidung ihrer Kindheit kratzte und "so Knübbelchen" bekam. Das die Kleidung diese Knübbelchen heute kaum noch bekommt, liegt an der Ausrüstung der Garne. Anti Pilling nennt man das.
Das muss etwas sein, (meist Kieselsäure) das sich um die Faser drum herum legt, und auch dort bleibt, egal nach wie vielen Wäschen. Leider sind die Garne unzureichend deklariert, beim Kauf erfährt man wenig, bis gar nichts über die Ausrüstung und das was sich im Garn so versteckt.
Das ist sehr unbefriedigend, um so mehr als meine Kunden erwarten, das ich Textilien herstelle, die in Haptik und Farbton an die historischen Textilien heranreichen - halt so echt wie nur irgendwie möglich sind.

Zurück zu meiner Schwarznussfärbung.
Meine fertig gefärbten, ausgewaschenen Garne sehen nach dem Trocknen so aus:
Links das optimale Farbergebnis, sattes Mokkabraun auf gezwirntem Wollgarn
Der Abbindefaden aus Ökowolle ist gut erkennbar
Mitte das einfädige Wollgarn (vom Händler übrigens als "zum färben geeignet" angepriesen)
Rechts das gezwirnte Alpakagarn, man kann die Rosafarbene Vorfärbung noch erahnen.

Die Erfahrung habe ich nicht nur mit Nussfärbungen gemacht, sondern auch mit Indigo, Krapp (hier war das Färbegut ausgiebig vorgebeizt) und auch Reseda.
Es ist und bleibt ärgerlich, denn die Auswahl an verfügbaren Materialien ist begrenzt, und gerade die modernen, einfädigen Garne die für die meisten historisierten Stoffe benötigt werden, brauchen diese Behandlung um reißfest zu sein. In früheren Zeiten hat man diese Reisfestigkeit erreicht, indem der Faden mehr Drall hatte. So wie alles Trends und Mode unterliegt, müssen sich auch die Eigenschaften der Garne dem Zeitgeschmack anpassen. Mein Problem wird also weiterhin bestehen.



Dienstag, 28. Oktober 2014

Hirtenmütze um 1150 oder Kürbismütze die 3te

Vor einiger Zeit hatte ich ja schon der Hirtenmütze einen Post gewidmet.
Mein Versuch diese Mütze zu rekonstruieren, ist nun weiter fortgeschritten, aber ich hatte noch keine Zeit, mehr darüber zu schreiben. Das soll an dieser Stelle passieren.
Für Querleser, hier geht es zum Anfang:
Die Kürbismütze oder ein Besuch im Museum lohnt immer
Mein erneuter Versuch, besteht aussen aus Wollstoff (gekaufte Meterware) und innen aus Leinen. Gepolstert ist sie, mit kardierter Rohwolle. Unkardierte Wolle, befand ich für nicht locker genug und zu klumpig. Die Mütze ist locker gefüllt, nicht etwa hart gestopft wie eine Polsterjacke (Gambeson).
Alle Nähte sind von Hand ausgeführt, und vom Zeitaufwand her, waren die Näharbeiten umfangreicher, als das nähen einer schlichten Tunika. Etwa 16 Stunden reine Näharbeit, die Zeit zu zuschneiden, und Wolle kämmen nicht mit gerechnet.

Gustorfer Chorschranken im Bonner LVR
Am Kopf sieht die Mütze fast wie ein Helm aus, und die Mütze hat so viel Stand das man schon fast von einem Hut oder zumindest einer Kappe reden mag.


Stelle ich mir nun diese Mütze, aus einem dicht gewebten Köperstoff aus S/Z gesponnenem Garnen, leicht aufgeraut, dem das Restfett des Schafs belassen wurde, habe ich in Gedanken eine Allwettermütze.
Die S/Z Spinnung, sorgt für die hohe Dichtigkeit des Stoffs, ebenso die natürliche Fettschicht am Haar, die schon dafür sorgte, das das Schaf dem sie gewachsen sind, nicht dem Wetter schutzlos ausgeliefert war. Das Aufrauen des Stoffes bewirkt, das nicht gleich jeder Tropfen, der auf das Gewebe klatscht, ein einsickert, sondern die Meisten, oben auf den Härchen stehen bleiben und ab perlen können. Durch die Wattierung liegt der Oberstoff nicht gleich auf dem Futterstoff, und der Futterstoff sollte trocken bleiben.
Der Futterstoff wurde aus Leinen gewählt, um zu isolieren, damit der Schäfersmann, keinen Hitzeschlag bekommt, wenn nach dem Regenguss die Sonne wieder scheint.

Ob das nun alles so war, das weiß ich nicht.

Dienstag, 14. Oktober 2014

Textilabfall

Vor einiger Zeit habe ich in einer Weberzeitschrift einen Artikel gelesen,der aussagte, das es die unbelastete Faser eigentlich nicht gibt. Immer geht die Gewinnung zu Lasten der Natur, der spendenen Tiere, oder der Menschen die sie ernten, bzw. denen das Wasser fehlt, das statt in die Häuser, auf die Felder geht.
Wir alle tragen Kleidung, anders geht es in unserem Klima gar nicht.
Vermeiden kann ich das Problem also nicht, was ich tun kann, ist weniger zu konsumieren, aber auch überlegen, was mit dem passiert, das ich selbst nicht mehr brauchen kann.

Die Lösung scheint erst mal einfach - Altkleidersack.
Alles was im Haushalt an "brauche ich nicht mehr" anfällt, wird gesammelt. Vom ungeliebten Küchenutensil das sich nicht bewährt hat, bis zur Kinderkleidung die man guten Gewissens noch weiter geben kann, Kleidung die zu eng geworden ist oder die kleine Lampe an der man sich leid gesehen hat, all dieser Luxusmüll geht zur Kölner Obdachlosenhilfe . (An anderen Orten wird es Vergleichbares geben.) Kaum habe ich mein Auto ausgeladen, räumen fleißige Hände die Sachen in die Regale. Das ist eine tolle Sache. Die Spenden werden für kleines Geld wieder verkauft, der Erlös fließt in gut Zwecke.

Was an Kleidung nicht mehr gut genug ist, kommt in die Lappenkiste. In einem kreativen Haushalt ist immer Bedarf an einem Lumpen den man nach Gebrauch getrost weg werfen kann.
Eigentlich.
Uneigentlich, wird mancher Lappen noch mal gewaschen und mehrmals verwendet, so das trotz Sparsamkeit, die Lappenkiste überläuft.
Einen Teil unserer Kleidung stelle ich selber her. Beim nähen mit der neuen Overlock Maschine fallen neuerdings Berge von Textilmüll an. Fitzelchen die die Maschine abschneidet, Fadenraupen, dazu der Verschnitt der beim zuschneiden anfällt.
So das ich mich gefragt habe, kann man das nicht auch noch brauchen ? Der Stoff ist neu, sauber und unbenutzt und soll gleich zur Kippe/Verbrennungsanlage ?
In Foren gefragt, wurde ich überschüttet mit Vorschlägen zur Reste Verwertung, von Puppenkleidung, Kissen, Stofftiere über Patchwork bis hin zur Geschenkeverpackung...
und der Rest ???
Der wandert in den Müll hieß es meist.
Warum eigentlich ? Ich sammle doch auch Glas und Papier, Altmetall, Batterien - warum Textiles weg werfen ?
der Fadenbecher, nach nur einer Naht


Der Rest

Bei meinen Handwebereien ist das einfach.
Was beim weben an Fadenstückchen anfällt, wenn ich z.B. einen gerissenen Faden reparieren muss, wandert in einen Fadenbecher. Ebenso die Endstücke beim nähen. An jedem Arbeitsplatz steht ein Fadenbecher, so das ich die Abfälle ganz einfach nach Material sortieren kann.
Alles an Wolle wird in einem Beutel gesammelt, ist der Beutel voll, gibt es ein neues Kissen.
Was bei einem fertigen Gewebe am Webstuhl als Webabfall verbleibt, wird so weit es lang genug ist, zu Zöpfen geflochten und zum vernähen oder sticken weg gelegt. Was zu kurz ist, taugt oft zum Troddeln machen, oder zum abbinden von zu färbenden Garnen.
Echter Müll fällt hier gar nicht an.

Beim nähen von Alltagskleidung ist das leider nicht so einfach.
Warum eigentlich, es gibt doch Malerfilz und Gärtnervlies, die ganz offensichtlich aus textilem Abfall hergestellt wurden, oder textiler Dämmstoff. Wo bekommen die Hersteller dieser Produkte ihren Rohstoff her ?

Die Internetsuche brachte mich zum Textilverwerter. Das sind die Firmen die das, was all diejenigen die Altkleider sammeln, nicht brauchen können, weiter verarbeiten.
Dort wird Kleidung sortiert, zu Lappen geschnitten, zu Ballen gebunden und wiederum an die Industrie verkauft. Der Rest (da ist er wieder) kommt in den Reißwolf, um von da aus weiter verarbeitet zu werden. Textilverwerter spukt das Internet etliche aus, leider keiner in wirklicher Nähe.

Meine Reste werden ab sofort nicht mehr in den Restmüll geworfen, sondern gesammelt und gut deklariert in gewerbliche Kleidercontainer gegeben. Gewerblich deshalb, weil ich ehrenamtliche Helfer die bei den Sammlungen vom roten Kreuz und Co, diese Arbeit tun, nicht belasten möchte.
Edelreste werden gerne an Patchworker und Bastler abgegeben.

Wer eine bessere Lösung für die Entsorgung hat, schreibt mir bitte.

Donnerstag, 14. August 2014

Die Kürbismütze oder ein Besuch im Museum lohnt immer

Neulich entdeckte ich im Bonner Landesmuseum eine spannende Mütze für den Zeitraum ca 1150.
Eigentlich wollte ich zusammen mit Freunden, die neue Keltenausstellung besuchen, aber wenn man einmal da ist, macht man natürlich einen Rundgang.
Wie das so ist, wenn man nicht verzweifelt sucht, findet man am Leichtesten.
Um die Zeit um 1150 sind Kopfbedeckungen für Herren dünn gesät, so hat mich der unverhoffte Fund ehrlich gefreut.

Die heiligen drei Könige,links in der Gruppe,rechts im Detail





















Schäfer mit Mütze


Nur die Form hat mir Rätsel aufgegeben. Sechsgeteilt ist klar, aber sie sieht so ausgebuchtet aus, ein wenig wie ein Kürbis, der ja auch solche Ausbuchtungen hat.


Der erste Versuch so eine Mütze zu nähen sieht zwar nicht schlecht aus, aber es sieht nicht so aus wie die Vorlage. Auch müssten die Mütze etwas höher sein, um die spitz zulaufende Form zu erreichen, aber es ist ja erst mal ein Versuch.
Die Dellen sind genau falsch herum. Ob es an der Nahtform liegt ?


Das gute Stück habe ich mit einigen Leuten diskutiert, und ich bekam den Tipp, es mal mit gefütterten Teilen zu versuchen.
Also ein neuer Versuch:
Zum füttern der Mütze habe ich Wollreste verwendet, der Stoff ist ebenfalls Wolle, innen und aussen.
Die weiße Naht ist hässlich geworden - als mir klar war, das die Mütze viel zu klein wird, wollte ich einfach nur fertig werden. Auch hier, die Mütze muss höher sein.


Hmm - diesmal sieht es der Vorlage sehr viel ähnlicher, allerdings ist die Mütze extra warm. Als reiner Sonnenschutz ist sie sicherlich nicht geeignet.
Auf dem Relief taucht die Mütze gleich zwei Mal auf. Einmal trägt sie einer, der heiligen drei Könige. Da diese gerne in exotischer Kleidung dargestellt werden, ist ihre Bekleidung schlecht als Beleg geeignet. Schon der Knubbel oben auf, erschließt sich mir nicht.
Die zweite Mütze wird von einem Schäfer getragen. Der Schäfer trägt eine Tunika, sicherlich Beinlinge und knöchelhohe Schuhe, aber keinen Mantel, der auf eine Szene in der kalten Jahreszeit hinweist. Eine reine Wintermütze kann es also nicht sein.
War die Mütze evtl ein Schutz gegen Regen ?

Der nächste Versuch wird innen Leinen, außen Wolle sein, und dann muss die Mütze, per Trageversuch getestet werden. Vielleicht ist die Mütze dann allwettertauglich ?
Gut wäre auch sicherlich ein aufgeflauschter Wollstoff, damit Regentropfen nicht gleich auf den Gewebe liegen, sondern erst mal auf den Flauschhärchen stehen bleiben.

Weitere glückliche Funde : mehrere Damen Kleider für ca.1150, dessen Halsauschnitte nicht von  Schleiern verdeckt werden, und die Realien aus dem Fundkomplex vom Haus Meer.
Fortsetzung folgt...

Herzlichen Dank an das Landesmuseum Bonn für die freundliche Genehmigung zum Veröffentlichen der Bilder.