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Montag, 27. Januar 2014

Alleine eine Kette bäumen

Dies ist ein Post für die Dawanda Weber, weil sich mit Bildern einfacher erklären lässt.

Vorneweg, das habe ich bisher immer nur mit Wollketten gemacht.
Wollgarn ist elastischer als Baumwolle, oder Leinen und verzeiht kleine Unregelmäßigkeiten leichter, als andere Materialien.

An die alte Kette an knoten

Um einen fertigen Einzug weiter nutzen zu können, habe ich an den Rest der alten Kette angeknotet.
Für diesen Arbeitsschritt hat mein Mann mir zwei solide Leisten mit Filz beklebt, gelocht und mit 4 Flügelschrauben Paaren versehen. Die Kette wird darin eingeklemmt, so das alle Fäden vor dem abnehmen des fertigen Gewebes gesichert sind.
Marierungen um etwa einen farbigen Rand, Streifen oder Muster später leichter zu erkennen, markiere ich jetzt, mit Tütenclips, oder lockeren Markierfäden.
Dann wird das Gewebe vom Webstuhl geschnitten.
Nun knote ich vom Fadenkreuz aus, Faden für Faden an.
Später werde ich die Geleseleisten in die gespannte Kette einlegen, indem ich ein Fach aus ersten + drittem und ein Fach aus zweiten + viertem Schaft öffne.

Ist das passiert, wird die Leiste entfernt, das Stück mit den Knoten vorsichtig durch Blatt und Litzen gezogen. Ohne großen Zug wickle ich, bis die Knoten auf dem Kettbaum angekommen sind. Die Knoten decke ich mit einer Bäumleiste ab, nun kann ich mit Zug bäumen.

Möge der Hühnergott mit Dir sein.

Zum alleinigen bäumen braucht es ein Gewicht, oder mehrere davon. Vermutlich kann man alles Mögliche* dafür nehmen, aber ich habe einige Steine die vom Meer gelocht wurden.
Eine liebe Freundin fragte mich mal was ich denn mit den Hühnergöttern mache...bitte was ?
Sie nennt diese Steine, Hühnergott. Weil der Ausdruck so lustig ist, habe ich ihn übernommen.

Nachtrag:

gerade habe ich einen wudnerbaren link bekommen, der den Begriff Hühnergott und dessen Herkunft erklärt:  http://de.wikipedia.org/wiki/H%C3%BChnergott
Danke schön !

Hühnergott


 *mit Wasser gefüllte Plastikflaschen, Sandsäckchen,Baumwoll Taschen mit Tetrapacks, was gerade da ist, geht. 
Die Gewichte sollten etwa gleich schwer sein.

Wie üblich wird die Kette ausgeschlagen oder auch durch gekämmt, je nach dem was nötig ist, um das Teilstück Kette straff zu ziehen. Dann binde ich die Stränge mit einem Stück technische Schnur* ab, und hänge per Fleischerhaken einen Stein ein.

*technische Schur, das habe ich von WildeWebe ,die dafür Streifen von Jerseystoff verwendet. Damit lässt sich wunderbar das Fadenkreuz abbinden, die Kette am Schärbaum sichern ...das Material ist schön griffig, Schleifen und Knoten lassen sich schön fest zurren und auch wieder lösen.


Nun gehe ich nach hinten und bäume auf, bis die Steine am Brustbaum baumeln.
sorry für das schlechte Bild
Die Steine wieder aushängen, das nächste Teilstück ausschlagen und straff ziehen,wieder abbinden, weiter machen. Bäumleisten nicht vergessen.
Das mache ich relativ oft so. Nicht immer ist Jemand da, der helfen kann, bei schwierigen Ketten, die beim bäumen schon zicken, mache ich das auch gerne alleine - wenn es eh lange dauert, ist der Mehraufwand nicht so schlimm. Mein Mitleid mit der helfenden Hand ist dann größer, als der Drang es bequem zu haben, denn natürlich ist man mehr in Bewegung, als zu zweit.

Der Webstuhl hat eine Tuchbreite vom max 1m.



Mittwoch, 22. Januar 2014

Ein Stoff für eine edle Tunika

Manche Projekte werden von wirklich langer Hand geplant, weil sie einfach aufwendig sind.
Das war sicherlich schon immer so.

Vorigen Sommer, es war glaube ich im Juni, habe ich feines Garn mit frischen Birkenblättern gefärbt.
Es waren mehrere Züge und etliche Kilometer Wollgarn.
Auch der Tunika Stoff für meinen Mann ist daraus entstanden.
 Link zur grünen Tunika
Um die Flotte gut aus zu nutzen, wurde auf Vorrat gefärbt. Das kommt dem Projekt nun zu Gute.

Im November wurde dann Rostrot dazu gefärbt:


Kontaktfärbung
















Links sieht man die eingeweichten Krapp Wurzeln, rechts einen Blick in die vor sich hin arbeitende Färbung.
So sieht die Farbe nun aus :

















Um das extra feine Garn besser verarbeiten zu können, habe ich es von den Strängen auf solide Papprollen gewickelt.
Man kann schön den edlen Glanz des Wollgarn sehen. Spaßeshalber behaupte ich jetzt mal, das Garn stammt vom Schmetterlings Schaf, denn die Fäden sind sehr dünn.
Der zukünftige Stoff soll bei 15 Fäden je cm liegen.
Tatsächlich gibt es Funde von historischen Stoffen die noch viel feiner sind. Wie man so feines Garn mit der Handspindel hergestellt hat, ist mir ein Rätsel. Da waren wahre Könner am Werk.
Heute ist solches Garn kaum auf zu treiben.

Webst du schon, oder spulst du noch ...

Auch das grüne Garn, kann nicht im Strang verarbeitet werden.
Um es besser handhaben zu können wurde es auf Knäule gewickelt und von diesen wiederum auf kleine Röllchen, die später ins Schiffchen passen.
Oben auf den Röllchen liegt mein Daumenretter. Ein Fingerling aus Leder, den ich nun zum letzten Mal benutzt habe. Ich spule elektrisch und das mit großer Geschwindigkeit.
Je dünner das Garn um so mehr Meter passen auf die Spulen, um so heißer wirds, auch schneidet der Faden ein, wie man unschwer erkennt.
Also muss immer wieder mal so ein Fingerling dran glauben.
In der kleinen Schachtel liegt die Spularbeit von Stunden.

Nun beginnt das einrichten des Webstuhls.

Gleich nach dem Frühstück geht es los. Um dann zur Mittagspause so weit zu sein :
Um 20,35 sind die Litzen alle. Mist ! Ganz vergessen das mit dem alten Webstuhl auch Litzen weg gegangen sind.

Zwei Tage Zwangspause, bis Neue da sind.
Die restlichen Litzen ein zu ziehen und das einsortieren ins Blatt dauert noch mal einen Tag.
Die Fäden werden nun in Bündeln an den Webstuhl geknotet, dann wird geprüft, ob die Spannung überall gleich ist.
Am Abend kommt der große Moment, das anweben :
Dicht gefolgt vom bangen Moment, der Fehlersuche:
5 Fehler bei 1207 Fäden, das geht ja noch...
Diese Arbeit mache ich gerne Abends.
Dann kann ich morgens frisch da ran gehen, die Fehler zu beheben.
Hmm ich sollte sagen tricksen, mal hilft es, eine Ersatzlitze in die Schäfte einzufügen, mal einen Faden hinzu zu fügen oder raus zu nehmen. Mal muss ich mit dem Fehler leben, soll nicht der Aufzug zu großen Teilen neu gemacht werden.
Auch dieses Problem ist so alt wie die Weberei, wie Textilfunde beweisen.
Wenn diese Kette ab gewoben ist, werde ich vermutlich jeden Faden sehr gut kennen. Ständig macht ein Fädchen auf sich aufmerksam, indem es reißt. Das ist einer der Stoffe die dick machen, zumindest mich als Weberin,braucht es doch ständig Nervennahrung und einen guten Krimi für die Ohren.

Der Stoff wirkt schon am Webstuhl sehr fein und leicht.Was die Fotos nicht her geben, ist der nette Effekt, wenn mal das lindgrün dominant ist und mal das rot, je nach dem von wo aus man schaut.
Auf die Tunika die daraus entstehen soll, bin ich jetzt schon sehr neugierig.

Nach 4 vollen Tagen weben, ist der Stoff nun fertig gewoben.

Meine Zunge ist taub von Weingummi essen, denn für jeden gerissenen Faden habe ich mir eins gegönnt.
Nun muss das Gewebe geputzt werden, das bedeutet das gerissene Fäden ins Gewebe dem Muster folgend eingenäht werden. Dazu gibt es heute spezielle Nadeln, den Luxus wird man im Mittelalter nicht gehabt haben.
Die Nadel ist extra lang und elastisch und hat eine kleine Kugel dort, wo andere Nadeln spitz sind.
Die anderen wichtigen Werkzeuge sind meine Arbeitsbrille, die Weberschere und eine feine Häkelnadel um die unzähligen Knötchen auf die Rückseite des Stoff ziehen zu können.
Nun wird der Stoff gewaschen, getrocknet, dann erneut geputzt, dann erst werden die Fäden die aus dem Gewebe schauen, abgeschnitten.


Nach dem waschen,

fällt der Stoff weicher. Damit man sieht wie dünn und fein der Stoff ist, habe ich ihn stückweise zu einer Wurst gedreht. Die Bahn ist ca. 80cm breit, und 3,5m lang, Gewicht 200g/m².
Zusammen gefaltet passt die Portion in eine Apotheker Tüte.(so eine kleine weiße mit dem roten A)

Wie gut das die Sonne gerade da ist:

Der gerollte Teil:

Der Faltenwurf:
In der Sonne sieht das lindgrüne Schussgarn fast goldfarben aus.

Hier ein Vergleich mit industriell hergestellten Wollstoff, wie er von LHlern gerne verarbeitet wird.
Von der Haptik her, ist mein Handgewobener dünner und feiner im Griff.



Nachtrag 24.08.2014
weil es so schön ist, zu sehen, wie so ein Stoff weiter verarbeitet wird, ein Link zum neuen Besitzer:
Ulrichs Tunika bei Scotelingo

Freitag, 17. Januar 2014

Hosenprojekt aus der Ferne

Das Gute am Internet ist, man kann sich über große Entfernungen finden, verständigen und Kontakt pflegen.
Aber in dem Moment, wo man mehr als Dateien tauschen will, sind die Kilometer doch wieder eine Hürde. Zum Glück gibt es da die Zustelldienste.

Für ein Projekt im Norden, soll ich den Stoff für eine Hose weben.
Das klingt einfach.
Da muss erst mal ein Schnitt her, damit man weiß, welche Maße gewoben werden sollen.
Die Vorlage für das Projekt ist die Damendorfhose.
Der Herr der die Hose bekommt, hat also eine neuzeitliche Jeans in 5 Pocket Stiel geopfert , die als Basis für unseren Hosenschnitt dient. Ein paar helfende Hände haben mit Filzstift markiert, wo aufgeschnitten werden soll, das geschah indem der zukünftige Besitzer, die Hose an hatte.
Dann ausziehen, und aufschneiden, das Ergebnis sah dann so aus:

Tolle Vorarbeit , die Herren !
Das wurde mir per Zusteller gebracht, und daraus habe ich in Kombination aus den Publikationen zur Damendorfhose, und dem geliehenen Schnitt einer anderen Hose (danke Beate !), ein Schnittmuster improvisiert.
Mit dem Schnitt eine Probehose zugeschnitten
Diesen mit großen Zick-Zack Stichen per Nähmaschine fix zusammen genäht, Päckchen gepackt und per Zusteller ab in den Norden.









.
Was mir auffällt:
  • der Rollbund ist etwas lang,
  • die Beine können am Knöchel etwas länger sein,
  • am Bein ist die Hose zu weit,
  • das Wichtigste - der Po sitzt, sogar im sitzen.
Aber alles in allem für einen ersten Versuch schon gar nicht schlecht.

Anhand des Schnittmusters, kann nun die Stoffbahn berechnet werden. Bis es so weit ist, das gewebt werden kann, dauert es noch etwas.
Das Kettgarn ist da, aber für den Schuß fehlt noch Material, ich werde es von Hand spinnen, um einen S/Z gewobenen Stoff herstellen zu können.
Gut Ding will Weile haben.


Da wir nun wissen wie die "Damendorfhose" so sitzt, wie sich der Rollbund an fühlt, und uns vorgestellt haben, wie sehr der Bund mit dickerem Stoff aufträgt,  haben wir beschlossen, ein anderes Hosenmodell zu machen.
Es soll eine Hose mit Gürtelschlaufen werden - also noch mal ran.


Fortsetzung folgt.

Dienstag, 7. Januar 2014

Beinwickel - aus Sicht einer Weberin

Beinwickel weben ist eine langwierige und langweilige Sache.
Wie das so ist, bei langweiligen Dingen, gehen die Gedanken dann gerne auf Reisen.
Da ich viele Meter Beinwickel hintereinander gewoben habe, habe ich mir einige Gedanken dazu gemacht.
Es gibt einige Fragmente von Beinwickeln, auch einige Möglichkeiten, diese zu befestigen, hat man doch Funde von kleinen Häkchen aus Metall, die man als Verschluss der Bandagen zuschreibt.
Oft jedoch fehlen sie.
Aus Sicht einer die am Webstuhl arbeitet, eigentlich eine Herausforderung, die Enden hübsch zu gestalten. Weil das Eine fehlt, muss das Andere ja nicht hässlich sein.

Nimmt man die anderen Trachtbestandteile die zu einer Ausstattung mit Beinwickeln gehören, hat man meist einen Rechteckmantel, eine Hose oder Beinlinge, und eine Tunika oder Kittel für den Oberkörper.
All diese Kleidungsstücke sind wohl durchdacht gearbeitet, die Schnitte sind so angelegt, das möglichst kaum Abfall entsteht. Meist auf Maß gearbeitet, so das Webkanten in den Nähten für zusätzliche Stabilität und Langlebigkeit sorgen.
Zu dieser Zeit wurden Textilien am Gewichtswebstuhl gewoben. Die Kanten, bestehend aus Kamm oder Brettchenborten waren technische Notwendigkeit und Zierde zugleich.
Fischgrät und Diamantköper, sind klassische Bindungen um zweifarbige Gewebe her zu stellen, aus gefärbten Garnen oder unterschiedlichen Naturfarben.
Einfach einfarbig, also ganz uni, erscheint mir unwarscheinlich.

Mit diesen Gedanken sind diese Beinwickel entstanden.
Die farbigen Streifen sind den Mänteln ähnlich, an die seitlichen Kanten geschoben.
Da wo die Bindebänder noch angebracht werden, sorgt ein wenig farbiges Muster für einen kleinen Blickfang.


Rückseite
Noch sind sie nicht ganz fertig, das Gewebe ist noch nicht versäubert, die Enden erst an einer Hälfte vernäht, die Bindebänder fehlen, und gewaschen werden müssen sie auch noch, um das Gewebe zu entspannen, aber die Sonne schien gerade so schön, das musste genutzt werden.

Das Material ist ein feines Wollgarn.
Die Blautöne sind mit Indigo, das Rot mit Krappwurzel und das Grün mit Birkenblätter und Eisen gefärbt.

Nachtrag - versprochene Bilder :


Hier noch ein stümperhaftes Bild. Stümperhaft, weil stümperhaft angelegt, da fehlt mir die Übung,die falsche Unterkleidung, es ist das falsche Licht, aber im Garten hängt nun mal kein Spiegel. Warten bis wer kommt und knipst fällt aus, dann ist es dunkel.
Es geht viel mehr darum zu zeigen wie sich die farbigen Streifen am Bein verteilen.
Der zukünftige Besitzer, wird sie schöner anlegen, das weiß ich.

link zum Besitzer



Hier noch zwei andere Modelle, auf Kundenwunsch gefertigt, und gerade zu Ende gebracht :



Oben in grün/braun mit silbergrauen Streifen

Rechts in grün/braun mit roten Streifen, das grün ist etwas kräftiger als das Bild zeigt.

Nun freue ich mich auf Abwechslung.
Das nächste Projekt ist ein echter Kontrast.
Das Garn ist fein und dünn, so das mir der Verdacht kam, Schafe würden neuerdings Kokons spinnen...auf an die Arbeit.