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Samstag, 26. April 2014

Ein neuer Klappspiegel

Vor einiger Zeit habe ich schon mal einen Klappspiegel aus dem Hochmittelalter versucht zu rekonstruieren:
Warberger Klappspiegel
Seit dem ist viel Wasser den Rhein runter geflossen, und ich habe viel dazu gelernt.
So nutze ich die Zeit bis meine Garne für die nächsten Bestellungen eintreffen, für meine eigenen Projekte. Das Wetter passt dazu, es ist draußen schön und trocken, dazu ein leichter Wind, der den Knochenstaub von mir weg trägt.
Einen neuen Spiegel will ich an gehen, quasi ein überholtes Modell.


Seit dem letzten Versuch, habe ich einige andere Funde in Büchern entdeckt, die alle verwandte Motive tragen, eine ähnliche Form haben und aus der gleichen Zeit stammen (ab 1150 bis etwa 1200).
So will ich diesmal keine genaue Nacharbeitung eines Stückes versuchen, sondern einfach einen Taschenspiegel schaffen, wie er zur damaligen Zeit ausgesehen haben könnte.
Passend zu meinem Kästchen, gibt es Funde mit Motiven, die zu dem Kästchen passen, als kämen sie aus einer Werkstadt, oder als ob Schmuckkästchen und Spiegel zusammen gehört haben.
Fast alle Fundstücke tragen das gleiche Thema, nämlich die Tristan und Isolde Legende. Eine überschaubare Menge von Figuren, immer in den gleichen Posen tauchen auf, dazu Bäume und Türme, oder stilisierte Gebäude. In etwa so, wie man es in der Majowski Bibel und anderen Bildquellen findet, auch dort sind die Gebäude so dargestellt, das man rein schauen kann, bzw. das man sich vorstellen kann, in welcher Art Gebäude gerade etwas passiert.

Gefunden wurden mehre Fragmente aus Knochen, einige aus Horn.
Die Modelle haben die Form eines Türmchens oder eines Rundbogens.
Ein kleines Modell hat eine Aufhängung, möglich das es als Schmuckstück am Hals getragen wurde.

Beliebt waren zu dieser Zeit Serien. Das zeigt sich durchgängig durch viele Realien, wie etwa Keramik, Schmuck, Schnallen aber auch durch die erhaltene Kirchenkunst.
Beliebte Modelle wurden quasi in größerer Auflage hergestellt, der Wiedererkennungswert war sozusagen ein Qualitätkriterium. Vielleicht lässt sich das mit dem heutigen tragen von Markenware vergleichen.
 Auch wenn mehre Spiegelfragmente und nur ein Schmuckkästchen erhalten sind, halte ich es für denkbar, das diese beiden Stücke oft zusammen gehörten. (In etwa so, wie Omas Frisierkommode, nicht ohne Parfumzerstäuber aus schwerem Glas und Textiltroddel denkbar war.)
Zu ähnlich sind die Motive und die Machart der Schnitzereien. Das mehrere Spiegel, jedoch nur ein Kästchen erhalten sind, erkläre ich mir damit, das die Spiegel mit sich getragen wurden, und damit auch schneller verloren gingen, als die Kästchen, die vermutlich so lange weiter vererbt wurden, bis sie verschlissen waren. Aber das ist meine ganz persönliche Spekulation.
An den vielen beinernen Reliquiengefäßen die man dem Kölner Schatzbaukasten zu spricht, liegt die Vermutung nahe, das man mit Schablonen gearbeitet hat.
In wie weit, das nun auch auf Spiegelfassungen zutreffen mag, lässt sich zur Zeit nicht feststellen. Dazu reicht die Menge der gefundenen Stücke nicht aus.
Andererseits lässt die Art des Schnitzens darauf schließen, das die Spiegelfassungen schnell und aus dem Handgelenk gearbeitet wurden. Was bei der eingeschränkten Auswahl an Motiven für einen geübten Handwerker keine große Kunst gewesen wäre.

Was mir beim ersten Versuch fehlte, war eine Vorstellung wie die Türen gestaltet waren.
Hier ist nun Türe 1 (rechts im Bild) nach einem Fund vom Schlossberg aus Landsberg a. Lech.


Türe 2 ist relativ frei gestaltet, da die Dame so gleich auf mehren Funden auftaucht. Was sie da mit der Hand macht, erschließt sich mir nicht. Scheinbar zieht sie einen Vorhang bei Seite. Auf einem Fund aus Leitmeritz CR, wo sich die beiden Figuren auf ein und dem selben Element gegenüber stehen, ist eine ganz ähnliche Szene dargestellt, scheinbar mit einer trennenden Wand.

Fortsetzung folgt.


(Weiter oben habe ich mein Kästchen erwähnt. Das Projekt ruht zur Zeit, da es kleine Schwierigkeiten gibt, die erst einmal überwunden werden wollen. Wenn die Zeit reif ist, geht es weiter und ich werde dann von den Fortschritten hier im Blog berichten.)



Auf etwa 200 Jahre später ist dieses Taschenspiegel Modell datiert:

Bei einem Besuch im ARCHEOFORUM Lüttich habe ich diese schöne Replik erstanden:


Es ist der Abguss eines Originals das auf die erste Hälfte des 14ten Jahrhunderts datiert wird. Auch von dieser Machart gibt es etliche Funde. Auch hier ähneln sich die Motive sehr, sie sind sehr viel feiner und kunstvoller als "meine" Serie.
Die Spiegelfassungen sind unterschiedlich groß und meist aus Elfenbein, manchmal auch Edelholz wie etwa Buchsbaum. Aus Knochen ist mir kein Fund bekannt.
Diese Form ist als Dose auf gebaut, der Deckel vermutlich wie meist verloren.
Meine Replik ist etwa 5,5cm groß.


1 Kommentar:

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