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Sonntag, 4. Mai 2014

Spiegelglas im Hochmittelalter

Habe ich beim letzten Spiegel noch vermutet, das sich ein poliertes Blech im Inneren des Spiegels befand, gehe ich nun davon aus, das es ein gewölbter Glasspiegel gewesen sein muss.
Dazu gibt es in den Bonner Jahrbüchern 1990 und 1995 jeweils eine schöne Publikation von Ingeborg Krueger, die viel zu diesem Thema zusammen getragen hat.
Sie schreibt, das man schon im Frühmittelalter z.B. im Fundkomplex Birka, aber auch in Haitabu,  Spiegelfragmente aus Glas gefunden hat. Auch erwähnt sie Glasspiegel schon bei den Römern.
Es wurden große Glaskugeln geblasen und diese mit Blei ausgeschwenkt.
Diese Kugeln hat man später gebrochen und die Stücke mit einer Art Kitt in Fassungen eingesetzt.
Der Kitt* war im Hochmittelalter vermutlich bunt angemalt.
( *Kitt ist scheinbar ein Sammelbegriff für technische Massen unbestimmter Zusammensetzung. Der Glaserkitt wie wir ihn heute kennen, ist erst sehr viel später bekannt.)
Einen schönen Bildbeleg gibt es auf diesem Bild, das vermutlich jeder kennt, Anolfinis Hochzeit:
bei wikipedia : Arnolfini -Hochzeit
Hier hängt im Hintergrund ein gewölbter Spiegel an der Wand. Solches Spiegelglas muss man sich in Klein für die Tasche denken.
Ein kleines Spiegelstück von der Größe eines Kronkorkens reicht aus, um sein ganzes Gesicht und auch den Sitz der Frisur oder des Kopfputzes zu überprüfen, wenn es kuppelförmig (schwach konvex gewölbt) ist. Man kennt es vom Blick auf Christbaumkugeln.


Die Beschichtung des Spiegelglas war sicherlich eine hohe Kunst mit großem Fachwissen.
So wie das Blasen von sehr großen Kugeln bis zu nachgewiesenen 28cm Durchmesser, hohe Kunstfertigkeit und Kraft erfordert.
Erhalten sind heute wenige kleine Fragmente, die Beschichtung ist meist korrodiert und kaum als solche erkennbar. Die genaue Zusammensetzung scheint nicht bekannt zu sein.
Meist findet man Glasfragmente deren Verspiegelung zerstört ist, und sich schwer von Erde, Moder oder was auch immer, optisch unterscheidet. In einigen Glücksfunden findet man Krümelchen, die man einer Verspiegelung zu sprechen kann. Schöne Funde gibt es z.B. aus dem Frühmittelalter in Birka, wo tatsächlich die Beschichtung noch am Glas haftet.
Hier habe ich ein Bild und auch Versuche solche Spiegel herzustellen, gefunden:  Blog einer Amerikanischen Künstlerin

Von Fachkräften wurde mir erklärt, das sich gewölbtes Glas nicht einfach so zu schneiden lässt, wie es bei Glasplatten der Fall ist. Gewölbtes Glas ist tückisch, selbst mit heutigen Mitteln, wie es z.B. den Augenoptikern zur Verfügung steht.
So besteht die allergrößte Schwierigkeit an meinem Spiegelprojekt, im Beschaffen des Spiegelglases.
Von der Stange ist so etwas nicht zu bekommen. 
Alle Modelle dieser Machart deuten auf eine ovale Spiegelform hin. Das Glas wurde in Form gebrochen. Eine perfekte Form und saubere abgerundete Kanten, wie wir uns das heute vorstellen, gab es vermutlich nicht. Deshalb auch der bemalte Rand, der die Kanten optisch egalisiert hat.
Etwas später in der Zeit, sind die Spiegel oft rund, dazu sind die Fassungen meist aus Elfenbein, oder Holz statt Knochen.

Bei meinem neuen Versuch muss ich einen Kompromiss ein gehen:
  • will ich Glas verarbeiten, muss ich ein kreisrundes Glas nehmen.
  • will ich die Form beibehalten, könnte ich auf Kunststoff ausweichen
so ist dann meine Wahl auf Glas mit kreisrunder Form gefallen

Vielleicht findet sich irgendwann später einmal ein neuer Kontakt  und damit die Möglichkeit ein Glas zu finden, das an die historischen Vorlagen besser heran kommt.
Jetzt ist mir wichtig die Form der Taschenspiegel zu zeigen und wie verblüffend komfortabler so ein kleiner historischer Spiegel gegenüber den heutigen Modellen ist.
So ein Taschenspiegel war eine Kostbarkeit, sicherlich auch Statussymbol für die Dame.

Dieses Gläschen hat einen Durchmesser von knapp 3cm.
Man sieht, man kann den Oberkörper samt Fotoapparat sehen, den Spiegel halte ich etwa einen halben Meter von Kopf entfernt.
Die historischen Vorlagen werden nicht so stark gekrümmt gewesen sein. Die Kugel die zu der Größe meines Gläschens gehört haben könnte, hat etwa den Durchmesser eines Tennisballs. Je kleiner die Kugel, um so weiter ist die Wiedergabe des Spiegelbildes samt Umgebung.
Damals war das Bild des Kopfes also größer und der Bildausschnitt kleiner.
Hier zum Vergleich eine Replik mit Flachglas, dieser Spiegel hat einen Durchmesser von 3,5cm :





In den Schriftquellen tauchen immer wieder Spiegelgläser als Handelsware durch die Jahrhunderte auf. (siehe oben genannte Quellen)
Scheinbar wurden parallel auch noch polierte Metalle genutzt. So geht man davon aus, das in den Elfenbeinspiegeln aus der Pariser Produktion des 14ten Jahrhunderts, polierte Bleche gesteckt haben.
Ob das so tatsächlich so war, weiß ich nicht, dazu fehlt mir Hintergrundwissen.
Vorstellen kann ich mir das nur schwer, denn ein Glasspiegel gibt es viel schöneres Spiegelbild her, und erblindet auch weniger schnell.

Hier noch mal mein erster Versuch mit einem poliertem Bronzeblech:



der selbe Spiegel mittlerweile rot eingefärbt

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