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Sonntag, 4. Mai 2014

Taschenspiegel um 1150

Wie erwähnt, finden sich immer wieder die gleichen Figuren auf den Spiegelfragmenten.
Es dreht sich um die Tristan und Isolde Sage.
Ich vergleiche das für mich ein wenig mit den Charakteren der Figurentheater wie man es z.B. bei dem indischen Schattentheater oder auch simpel beim Kasperl findet.
Auch hier gibt es Figuren die immer ein wenig Anders aussehen, aber jeweils gleich erkannt werden.
So sind es bei den Spiegeln immer ein Mann und 2 Frauen:
Tristan, Isolde und die Fee.
  • Tristan mal mit Harfe, mal mit Schild oder mit vorgestelltem Bein.
  • Isolde immer mit langem Zopf und Hängeärmel, manchmal mit einem Stück Vorhang in der Hand
  • die Fee in einer Ecke oder im Hintergrund
 Dazu stilisierte Gebäude und Bäume.

Beim aktuellen Projekt habe ich mich für die Gestaltung des Warberger Spiegels als Vorderseite entschieden. Diesen Fund kenne ich am Besten und von ihm eine verbesserte  Version her zu stellen, war mir ein Bedürfnis. Kombiniert habe ich dazu eine Türe die an einen Fund vom Schlossberg in Landsberg angelehnt ist, und ein Frauenmotiv das gleich mehren anderen Funden ähnlich ist.

Schnitzerei 
montiert

mit eingeklebtem Spiegel
Abstriche habe ich bei der Innengestaltung der Türen gemacht.
Wie die Rückseiten der Türen aussehen habe ich nicht in Erfahrung bringen können.
Die Aussparungen für den Spiegel waren notwendig, weil mein Spiegelglas so stark gewölbt ist, das ich es nicht in einer Lage Knochenplättchen unterbringen konnte.
Die natürlichen Riefen im Knochenmaterial sind am erhaltenen Vorderteil des Warberger Klappspiegels gut erkennbar. So habe ich mir die Freiheit genommen, die Riefen auf den Innenseiten der Türe sichtbar zu lassen, denn beim weg schleifen, wäre zu viel Materialstärke verloren gegangen.

So sieht er nun aus, mein zweiter Versuch.Was fehlt sind die Vernietungen. Daran traue ich mich auch diesmal noch nicht. Ich hoffe es irgendwann einmal, zu erlernen.
Alles ist ein wenig schief, das war an den Originalen wohl schöner und besser, schließlich waren damals Könner am Werk und keine Hobbyisten wie mich die es einfach nicht besser hin bekommt.
Wie immer ist diese Arbeit ohne Einsatz von elektrischen Geräten entstanden. Per Handsäge, Handbohrer, Schnitzmesser und Feilen. Was mir noch fehlt, ist der Kittrand rund um den Spiegel, hier bin ich noch auf der Suche nach dem geeigneten Material. Gewöhnlicher Kitt fällt aus, da das im Kitt enthaltene Leinöl in das Knochenamterial einziehen würde und Flecken verursacht.
Als Angeln in den Türchen, habe ich Stücke von Kupferdraht eingesetzt. Am Warberger Spiegel kann man noch gut den Grünspahn an den betreffenden Stellen (Angelöffnungen aber auch Nieten) sehen.


Ein weiteres Spiegelchen ist in Vorbereitung.

Wie das so ist, so ein Projekt schafft man nicht ohne Hilfe. 
In den 2 Jahren seit dem letzten Versuch, habe ich viel Hilfe und Unterstützung durch Gespräche mit Fachkräften aus Museen und Handwerk und den Hinweisen auf neue Quellen und Vergleichsfunde aber auch handwerkliche Tipps bekommen.

So geht mein besonderer Dank an:
das Landesmuseum Braunschweig, Abteilung für Ur und Frühgeschichte


Quellen:
Bonner Jahrbücher Band 1990 ISSN 0938-9334
und Band 1995  ISSN 0938-9334
jeweils die Artikel von Ingeborg Krueger

dem Ausstellungkatalog Aufruhr 1225 S.452

 Interdisziplinäre Studien zur europäischen Burgenforschung von Hans Wilhelm Heine

Birka II Teil 1 (Systematische Analysen der Gräberfunde Ed. Greta Arwidsson Kapitel 24: Glas )

Ornamenta Ecclesiae Band 1 (Allgemeines zum Handwerk im hohen Mittelalter und der Herstellung von Serien)

Kommentare:

  1. Ich durfte den ja im Rohzustand schon mal in der Hand halten - was für eine wunderschöne Arbeit. Ich finde es immer wieder erstaunlich, dass auch Alltagsgegenstände mit solcher Liebe zum Detail hergestellt wurden.

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