Translate

Dienstag, 14. Oktober 2014

Textilabfall

Vor einiger Zeit habe ich in einer Weberzeitschrift einen Artikel gelesen,der aussagte, das es die unbelastete Faser eigentlich nicht gibt. Immer geht die Gewinnung zu Lasten der Natur, der spendenen Tiere, oder der Menschen die sie ernten, bzw. denen das Wasser fehlt, das statt in die Häuser, auf die Felder geht.
Wir alle tragen Kleidung, anders geht es in unserem Klima gar nicht.
Vermeiden kann ich das Problem also nicht, was ich tun kann, ist weniger zu konsumieren, aber auch überlegen, was mit dem passiert, das ich selbst nicht mehr brauchen kann.

Die Lösung scheint erst mal einfach - Altkleidersack.
Alles was im Haushalt an "brauche ich nicht mehr" anfällt, wird gesammelt. Vom ungeliebten Küchenutensil das sich nicht bewährt hat, bis zur Kinderkleidung die man guten Gewissens noch weiter geben kann, Kleidung die zu eng geworden ist oder die kleine Lampe an der man sich leid gesehen hat, all dieser Luxusmüll geht zur Kölner Obdachlosenhilfe . (An anderen Orten wird es Vergleichbares geben.) Kaum habe ich mein Auto ausgeladen, räumen fleißige Hände die Sachen in die Regale. Das ist eine tolle Sache. Die Spenden werden für kleines Geld wieder verkauft, der Erlös fließt in gut Zwecke.

Was an Kleidung nicht mehr gut genug ist, kommt in die Lappenkiste. In einem kreativen Haushalt ist immer Bedarf an einem Lumpen den man nach Gebrauch getrost weg werfen kann.
Eigentlich.
Uneigentlich, wird mancher Lappen noch mal gewaschen und mehrmals verwendet, so das trotz Sparsamkeit, die Lappenkiste überläuft.
Einen Teil unserer Kleidung stelle ich selber her. Beim nähen mit der neuen Overlock Maschine fallen neuerdings Berge von Textilmüll an. Fitzelchen die die Maschine abschneidet, Fadenraupen, dazu der Verschnitt der beim zuschneiden anfällt.
So das ich mich gefragt habe, kann man das nicht auch noch brauchen ? Der Stoff ist neu, sauber und unbenutzt und soll gleich zur Kippe/Verbrennungsanlage ?
In Foren gefragt, wurde ich überschüttet mit Vorschlägen zur Reste Verwertung, von Puppenkleidung, Kissen, Stofftiere über Patchwork bis hin zur Geschenkeverpackung...
und der Rest ???
Der wandert in den Müll hieß es meist.
Warum eigentlich ? Ich sammle doch auch Glas und Papier, Altmetall, Batterien - warum Textiles weg werfen ?
der Fadenbecher, nach nur einer Naht


Der Rest

Bei meinen Handwebereien ist das einfach.
Was beim weben an Fadenstückchen anfällt, wenn ich z.B. einen gerissenen Faden reparieren muss, wandert in einen Fadenbecher. Ebenso die Endstücke beim nähen. An jedem Arbeitsplatz steht ein Fadenbecher, so das ich die Abfälle ganz einfach nach Material sortieren kann.
Alles an Wolle wird in einem Beutel gesammelt, ist der Beutel voll, gibt es ein neues Kissen.
Was bei einem fertigen Gewebe am Webstuhl als Webabfall verbleibt, wird so weit es lang genug ist, zu Zöpfen geflochten und zum vernähen oder sticken weg gelegt. Was zu kurz ist, taugt oft zum Troddeln machen, oder zum abbinden von zu färbenden Garnen.
Echter Müll fällt hier gar nicht an.

Beim nähen von Alltagskleidung ist das leider nicht so einfach.
Warum eigentlich, es gibt doch Malerfilz und Gärtnervlies, die ganz offensichtlich aus textilem Abfall hergestellt wurden, oder textiler Dämmstoff. Wo bekommen die Hersteller dieser Produkte ihren Rohstoff her ?

Die Internetsuche brachte mich zum Textilverwerter. Das sind die Firmen die das, was all diejenigen die Altkleider sammeln, nicht brauchen können, weiter verarbeiten.
Dort wird Kleidung sortiert, zu Lappen geschnitten, zu Ballen gebunden und wiederum an die Industrie verkauft. Der Rest (da ist er wieder) kommt in den Reißwolf, um von da aus weiter verarbeitet zu werden. Textilverwerter spukt das Internet etliche aus, leider keiner in wirklicher Nähe.

Meine Reste werden ab sofort nicht mehr in den Restmüll geworfen, sondern gesammelt und gut deklariert in gewerbliche Kleidercontainer gegeben. Gewerblich deshalb, weil ich ehrenamtliche Helfer die bei den Sammlungen vom roten Kreuz und Co, diese Arbeit tun, nicht belasten möchte.
Edelreste werden gerne an Patchworker und Bastler abgegeben.

Wer eine bessere Lösung für die Entsorgung hat, schreibt mir bitte.

Kommentare:

  1. das ist ein richtig spannender und wichtiger Text!

    AntwortenLöschen
  2. Kommentar von "formgeben" aus einer Forums PN kopiert, weil die Blogfunktion nicht mit gespielt hat:

    "Dein Text hat mich auf eine Idee zur Resteverwertung gebracht: Füllungsmaterial für Bügeleier oder -rollen. Die Minireste, auch von der Overlock, sind meist auch für höhere Bügeltemperaturen tauglich. Also werde ich ab heute sammeln! "
    ... falls du noch eine Idee für deine Reste brauchst. :D

    AntwortenLöschen

Gänzlich anonyme Kommentare werden nicht frei geschaltet, ich bitte um Verständinis.