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Donnerstag, 29. Januar 2015

neue Stoffe, angelehnt an Skjoldehamn Fund

Die Stoffe waren eben in der Wäsche, und gerade hat mal kurz die Sonne raus geguckt, also schnell den Knipser raus. Typisch Januar, eine schlechte Zeit um Textilien zu fotografieren.
Die Stoffe sind aber noch nicht ganz durch getrocknet und könnten noch ein wenig heller werden. Aber bei den Wolken die wieder ran ziehen, wollte ich nicht warten.

Der Skoldehamn Fundkomplex stammt aus Skandinavien und ist auf das elfte Jahrhundert datiert.
Es ist eine wunderschöne Tracht, die ganz sicherlich einmal sehr prächtig ausgesehen hat.
Mein Stöffchen soll an der Untertunika für den Zierlatz verwendet werden.

Schnelle Bilder vom Fund gibt es hier (Mitte) :
 http://www.vesteraalen.info/reportasjer_andoy_skjoldeforedrag_07.htm

Mehr Infos und Buntbilder hier (PDF) :
http://www.expo-conv-svcs.com/Pennsic40/SkjoldehamnClassHandout.pdf

Alle Gelben Streifen sind mit Reseda gefärbt, alle Grünen, Birke mit Eisen. Die Kette ist in einem natürlich wirkenden Grau. Der Stoff ist 10Fäden je cm dicht.
Die Coupons sind jeweils etwa ein Meter lang und 35cm breit, die Streifen liegen quer, so wie am Kragen des Originals.


Muster 1 
Grundfarbe Krapp


Muster 2 
Grundfarbe Krapp, das Garn hat eine Handspinn Optik, ist aber maschinell hergestellt.

Muster 3
Grundfarbe Naturbraun

 Muster 4
Grundfarbe Nussschalen





Der Stoff von letzter Woche wartet auf den DHL Mann, um auf Reise zu gehen:

Noch ein Stoff, dann ist der 2/1er Köper für dieses Halbjahr durch.Ich freue mich auf Abwechslung !

Sonntag, 18. Januar 2015

Kleid von der Abtei Brauweiler

Im Bonner LVR-Landes Museum befinden sich in der Dauerausstellung mehrere Steinreliefs aus einer Serie von Tierkreiszeichen. Dargestellt ist unter Anderem das Sternzeichen der Jungfrau. Besonders spannend an diesem Bildnis ist, das eine Frau in einfacher Kleidung dargestellt ist, einem Kleid mit leichten Tütenärmeln und Schürzentuch. Solche Abbildungen sind heute selten, die meisten erhaltenen Bildnisse, sind in Buchmalereien enthalten, in denen wiederum keine einfachen Frauen abgebildet sind.
Das Relief ist auf 1065 - 1084 datiert.



Dieses Kleid möchte ich gerne nach nähen.

Am Anfang steht die Frage nach dem Schnitt. Hierzu habe ich einen gewagten (weil ca 100 Jahre später) Vergleichsfund heran gezogen, der sich praktischerweise im selben Museum befindet und zu dem man sich nur herum drehen muss, den Gustorfer Chorschranken.


Mein Schnitt:
nachdem ich mir die Bilder oft und lange angesehen habe, habe ich mich entschieden, die Ärmel mit Armkugel an zu legen. Denn auf den Chorschranken kann man an allen Figuren, Frauen wie Männern, die kleinen charakteristischen Fältchen an den Achseln erkennen, die man nur dann hat, wenn die Kleidung mit Armkugel geschnitten ist:
Die Ärmel liegen am Oberarm an, was dafür spricht, das der Armschnitt sich nach unten verjüngt. Keile könnten dafür gesorgt haben,das der Arm ab Ellbogengelenk weit fällt. Die Verwendung von Keilen spart Material.
Auch wenn ich diesmal mit Meterware arbeite, habe ich meinen Schnitt so aufgezeichnet, als ob er aus einer auf Schulterbreite gewebten Bahn gearbeitet ist:

Entschieden habe ich mich für einen Stoff in einem dunklen Blau, das einem Naturgrauen mit Waid überfärbten Stoff entsprechen könnte. Das Tuch ist aus reiner Wolle, in einer soliden Qualität.
Die Näharbeiten erfolgen alle von Hand, der Nähfaden ist ein zweifädig gezwirnter Wollfaden.


Falls der Schöpfer dieser Steinarbeit ein lebendiges Modell hatte, so hatte dieses Modell ein Kleid aus einem festeren Stoff an. Der Ärmel der Reko wollte nicht so in Form stehen bleiben, wie der, der Vorlage. Statt echter Schürze musste bei meinem Modell ein Handtuch aus Leinen herhalten. Ebenso ein Efeublatt statt Schwertlilie, satt Kirchenwand als Kulisse, die Küche.
Ganz nebenbei, beim Bearbeiten des Bildes fällt mir auf, wie gut die Steinmetzarbeit proportioniert ist, Hals, Schultern und Gesicht passen genau übereinander.

Meine Reko ist so lang, das das Kleid ohne Gürtel etwa eine handbreit auf dem Boden auf liegt. Das hat ohne Schürze nicht ganz aus gereicht um den Gürtel zu verdecken,reicht aber aus, um einen ähnlich blusigen Fall wie auf dem Fries zu erreichen. Auf die Schnelle wurde das Kleid ohne Untergewand angezogen, vielleicht sitzt der Ausschnitt mit Untergewand weniger freizügig ?
Da das Kleid nicht für das Modell des Fotos gemacht wurde, ist es etwas zu weit, deshalb sind bei diesem Kleid keine Fältchen im Achselbereich zu sehen.

Dieser Rekonstruktions Versuch ist mein eigener Entwurf und erhebt nicht den Anspruch auf Richtigkeit.


Mein ganz besonderer Dank und herzliche Grüße gehen an das Landesmuseum Bonn für die freundliche Erlaubnis zum Veröffentlichen der Bilder.
Weiteren Dank an S.Crumbach für die Erklärungen zu den schnitttechnischen Details.