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Sonntag, 15. Februar 2015

Kleid vom Gustorfer Chorschranken

Ein Kleid das um 1150 immer wieder auftaucht, ist ein Kleidertyp mit ausladenden Hängeärmeln.

Hier am Gustorfer Chorschranken: 
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Herzlichen Dank an das Landesmuseum Bonn, für die freundliche Genehmigung zum veröffentlichen der Bilder


 Hier am Londoner Minnekästchen (bzw mein Versuch einer Nachbildung) :

Oder an div. Klappspiegelfragmenten, die auf diese Zeit datiert sind:

auch hier aus Copyrightgründen mein Versuch einer Nachbildung

bzw meine Zeichnung

Auffällig ist, das das Kleid nicht wirklich auf Figur geschnitten ist, sondern weit und überlang fällt. Überall ist reicher Faltenwurf dargestellt, der auf große Mengen Stoff hin weist.


Meine Umsetzung

Der Stoff ein leichter Wollstoff, gekaufte Meterware,2/2er Köper chemisch gefärbt, in einem schönen Kirschrot, das einer Kermesfärbung nahe kommt.
Grob orientiert habe ich mich am Schnitt des Kleides der hl Klara, das keine einfachen Geren hat, sondern durch doppelte Geren, eine üppige Rockbreite hat. Die Ärmel sind mit Armkugeln gearbeitet, genau so wie beim Kleid von der Abteil Brauweiler . Jedoch geht der enganliegende Teil bis zum Ellbogengelenk und wird dort von mir neu angesetzt.


Auffällig ist die Drapierung der Falten, man kann es auf den Gustorfer Fries gut erkennen, die Falten sind scheinbar nach hinten drapiert, (grüne Markierung) vermutlich um beim gehen die Beine zu betonen. Die Kleider müssen eine stattliche Überlänge haben, was man ebenfalls gut am Fries erkennen kann. (orange Markierung) Auf Psalterbildern gibt es Abbildungen, bei denen die Überlänge nicht geshoppt wurde, sondern kunstvoll über die Füße hinaus am Boden drapiert ist.

Bei allen Bildbelegen finde ich keiner Hinweis auf Schmuck, Stickereien oder farblich abgesetzte Verzierungen: an den plastischen Bildnissen ist die Farbe verloren, die Buchmalereien sind nicht datailliert genug. Ebenfalls finden sich keinerlei Metallschließen am Hals, Gürtelbehang, wie Messer, Beutelchen oder Taschen.

Nach unzähligen Stunden Näharbeit - allein das nähen der Ärmel war eine Tortur - hängt nun das Kleid endlich auf dem Kleiderbügel. Die Ärmel sind in den Schranktüren eingeklemmt, um die Form zu zeigen.
Der Stoffbedarf für dieses Kleid liegt bei etwa 5,15Quatratmetern, beim stoffsparenden Arbeiten mit Rechtecken und Keilen, für eine Kleidergröße von 36 und einer Körpergröße unter 1,60m.



Im Trageversuch : der Stoff scheint weniger weich zu fallen, als der Stoff am Steinrelief. Das fällt besonders an den Ärmeln auf, aber auch am Fall des Rockes. Ich könnte mir vorstellen, das solch ein Kleid aus Seide war.
Das binden des Kopfschleiers, müssen wir noch üben, hier hätte es auch einer sorgfälltigeren Vorbereitung zum flechten der lange Haare bedurft.



Sehr gewöhnungsbedürftig, ist auch die Fortbewegung in solchen Stoffmengen.

Flammendes Rot in der Wintersonne.













Schön drapiert darin herum stehen, ist einfacher.

1 Kommentar:

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