Translate

Sonntag, 29. März 2015

Mütze für einen Slawen

Eine Mütze ist oft mehr als nur ein Schutz gegen Kälte, Hitze und Nässe.
Sie kann dekorativ sein, uniformieren in Form von : alle gleich aussehen lassen, Erkennungszeichen sein, oder seinen Träger größer erscheinen lassen. Ein Prominentes Beispiel das alle Punkte erfüllt, wäre z.B. die Mütze der Leibgarde am Buckingham Palast.

In einem kleinen Team, bestehend aus drei Leuten, dem Rübi*, der Britta* und mir, haben wir eine Mütze ausgearbeitet, die zu einem Slawen um 800 im Norddeutschen Raum passen könnte.
Erhalten hat sich keine ganze Mütze.
Was wir haben, sind einige Figuren, einige aus Bronze, aber auch sehr einfach gehaltene Bildnisse, auf denen nicht viel zu erkennen ist. Es gibt ein Textilfragment, das als Mütze gedeutet wird, in Ralswiek auf Rügen, das nur durch eine einzige Zeichnung in einem Buch bekannt ist, als Grundlage.

Das Männchen von Schwedt trägt eine gut erkennbare Mütze die aus vielen schmalen Streifen zu bestehen scheint.

Hier eine Nachzeichnung:
Hier gibt es eine Seite mit schönen Bildern des Männchens : www.lucivo.pl
Wir haben lange überlegt, warum die Mütze aus so vielen Streifen besteht, und eine unserer Vermutungen ist : da es sich bei dieser Figur um eine hochgestellte Person handeln könnte (siehe Pose), könnte eine Pelzmütze dargestellt sein. Das könnte ein Grund sein,warum die Mütze aus so vielen Einzelteilen besteht - vielleicht wurden lauter Schwänzchen einer Tierart als Trophäe verarbeitet ? Wir wissen es nicht.
Aus wie vielen Teilen die "Mütze"aus Ralswiek besteht, wissen wir auch nicht. Man kann auf der Buchzeichnung nicht erkennen, ob es sich um Nähte oder um Falten handelt.

Da unsere Mütze auf den Kopf eines einfachen Slawen gehören soll - er könnte Bauer gewesen sein - haben wir uns für einen derben handgewebten und zum Teil handgesponnenen Stoff entschieden. Reste vom Projekt des Vorjahres.
Eine Mütze aus Stoff kann aus breiteren Segmenten bestehen, als eine Pelzmütze aus kostbaren Trophäen, und so wird unsere Mütze aus breiteren und weniger Teilstücken konstruiert. Sozusagen das Ganze auf einen niederen Stand umgearbeitet.
Um der Mütze eine rundliche Grundform zu geben, benötigt man mindestens 5 Segmente.
Mit Hilfe einer Probemütze haben wir die optimale Passform ermittelt. So vermeidet man Fehlversuche mit gutem Stoff und Handnähten.

der erste Versuch ist viel zu groß
in der Größe angepasst, stellten wir fest, sie ist zu spitz ...

Hilfreich ist es mit Papierschnittmuster zu arbeiten. So kann man ganz einfach den Schnitt ab ändern, aber auch sicher sein, das die eigentliche Mütze so wird, wie das Probestück.
Nachdem die Form in etwa so ist, wie erdacht, geht es an das eigentliche Projekt. Ist erst mal alles überlegt, die Form und Passform gefunden, ist das zu schneiden und nähen von Hand fast keine Arbeit mehr.


Da die Mütze zu einer sehr einfachen Ausstattung passen soll, habe ich mich spontan entschieden ein Segment zu stückeln. Für die Alltags Mütze eines einfachen Bauern, halte ich dies für glaubwürdig.
Hier nun das Endergebnis:

gestückelter Teil


Quellen:
Ingo Gabriel
Taschengott von Schwedt
Beitrag in : Bernward von Hildesheim und das Zeitalter der Ottonen
Herausgegeben von Michael Brandt und Arne Eggebrecht, Band 2
Verlag Phillip von Zabern

Ralswiek auf Rügen
Die slawisch wikingischen Siedlungen und deren Hinterland
Teil II Von Joachim Herrmann

* Auf eigenen Wunsch möchten die Beiden, nur mit Vor, bzw. Spitznamen genannt werden.

Dienstag, 24. März 2015

Glättstein aus Glas

Im Fundgut des Mittelalters tauchen immer wieder sogenannte Glättsteine aus Glas, auch Gniedelsteine genannt auf, die gerne als Bügeleisen des Mittelalters gehandhabt werden. Gefunden hat man diese Steine schon im Frühmittelalter, zum Teil mit einem Gegenstück, einer Art Bügelbrett.
Seitenansicht

Unterseite

Die Begriffe Bügeleisen und Bügelbrett sind ziemlich irreführend, denn sie rufen die falschen Bilder im Kopf hervor. Sofort überlegt man, wie man wohl dieses Glasstück erhitzt hat...

Hat man nicht, muss man nicht.

Der Glättstein ist ein hilfreiches Werkzeug bei der Herstellung und Pflege von Kleidungsstücken.
Man kann besonders beim Leinen, die Kanten der zukünftigen Nähte umlegen und fixieren, aber auch nach dem nähen, schön in Form bringen. Dies macht man mit festem Druck und auf glatter fester Unterlage, ohne den Stein dabei zu erhitzen. Das reicht aus.
Das Leinen bekommt durch das bearbeiten mit einem Glättstein einen feinen Glanz und vermutlich hat man auch ganze Bekleidungsstücke und Tischtücher geglättet.

 Hier wurden die Nähte einer Wollmütze in Form gedrückt:









Man sieht die beulige Naht vor dem glätten und schöne Konturen nach dem Glätten. Nun kann das Leinenfutter das genau so behandelt wurde, in die Mütze ein nähen. Wenn alle Nähte schön glatt übereinander liegen, wird das Endergebnis schön ordentlich.
Das macht man in der Schneiderei auch heute noch so - allerdings mit einem Bügeleisen.

Nachtrag:
Aufgrund diesen Posts werde ich immer wieder gefragt, wo man diese Steine bekommt. Andrea Marx von Hannyrdi gab mir den Tipp :
"Ich war in Dänemark und habe endlich einen Glättstein bekommen. Im Museum Fyrkat. In Lindholm Hoje gibt es sie auch und in Haithabu im Shop."
Ganz herzlichen Dank !

Montag, 16. März 2015

Neues vom Webstuhl

Manche Gewebe lassen sich nicht fix weg weben, sondern dauern einfach lange.
So wie meine neuste Arbeit. ein Tuch das mit 15 Fäden je cm schon zu den fummeligen Arbeiten gehört. Alleine der Einzug hat etwa 30 Stunden gedauert, 1213 Fäden mussten durch die Litzen von 4 Schäften im Muster nach eingezogen werden. Die Stunden am Kettbaum und das umspulen der Garne nicht mit gerechnet.
Das Garn ist ein feines Wollgarn.

Da ist das eigentliche Weben, eine Belohnung - zumindest die ersten 2m.
Nach 4,30m , so viel muss man weben, damit nach dem entspannen und waschen die benötigten 3m Stoff übrig sind, kommt ein Muster und Farbwechsel, für den nächsten Auftrag.

Rot mit Tannengrün in Diamantköper:





Rot mit Blau in Fischgrat:



































Stoff für eine Mütze war eingeplant, weil es aber so eine Freude macht, mit Farben und Strukturen zu spielen, habe ich etwas mehr gemacht.


Weil ich mich an den Farben nicht satt sehen kann, ist die erste Mütze auch schon fertig, per Handnaht wie es sich für ein historisiertes Kleidungsstück gehört. Federleicht ist sie und ganz dünn. Material 100% Wolle.


Dienstag, 10. März 2015

Knöchelchen Spiel





Manche Dinge scheinen simpel. Ist die perfekte Form gefunden, dann haben sie Bestand für alle Zeiten. An dieser Stelle könnte nun ein Bericht über die Axt stehen, die eins der urigsten Werkzeuge ist, und in ihrer Form bis heute Bestand hat.
Weniger bekannt, aber vielleicht genau so alt, ist das Knöchelchen Spiel. Ein Geschicklichkeits Spiel dessen Spielregeln ebenso variieren, wie die Materialien. Es gibt Funde von echten Sprunggelenk Knöchelchen, beliebt ist Schaf, wegen der Größe. Es gib aber auch erhaltene Metallstücke mit eingearbeiteten Zahlen aus der Römerzeit.
Von  Pieter Bruegel dem Älteren gibt es ein wunderbares Gemälde von spielenden Kindern. In der unteren linken Ecke, sitzen Mädchen beim Knöchelchen Spiel:                   http://www.brucevanpatter.com/bvp_images/painting_images/Brueghel_normal.jpg
Man kann dieses Spiel auch mit Steinchen, oder getrockneten Bohnen spielen, aber die Knochenform scheint ihren Reiz zu haben :
in einem belgischen Supermarkt vor der Kasse, habe ich jeweils einen Satz Knöchelchen aus Kunststoff und Metall gefunden.

Die unteren 2 Sätze sind von bikkel en been , links Natur, rechts Bronze mit eingearbeiteten Punkten nach römischen Fund.

Im nächsten Post gibt es dann endlich wieder Neuigkeiten vom Webstuhl. Gut Ding will Weile haben.

Dienstag, 3. März 2015

Kamm weben

Die Vorbereitungen zum nächsten Projekt am Webstuhl ziehen sich hin. Da brauche ich zwischendurch mal was zur Ablenkung und da es scheinbar Bedarf an Naturfarbenen Gürteln und  schlichten Borten gibt, webe ich zwischendurch mit dem Kamm. Es gibt in meinem Sortiment an Textil Zeugs zwei Neuzugänge, einen entzückenden kleinen Bandwebrahmen, der zusammen mit einem wunderschönen Webkamm bei mir eingezogen ist. Beides handgemachte Arbeiten aus Polen, die an traditionelle Webkämme aus der jüngeren Vergangenheit an gelehnt sind.
(Hinweis : die Webgeräte gab es so nicht im Mittelalter !)

zum Größenvergleich eine meiner Lieblingstassen

bei Nichtbenutzung eine schöne Wanddeko

Da macht das weben Freude. Entstanden sind bisher ein paar Gürtelbänder in Hellgrau Uni und Hellgrau mit braunen Streifen. Die Naturfarbenen Bänder sind aus ungefärbter Bio Wolle vom Finkhof.


.

Aktuell in Arbeit ist eine pflanzengefärbte Borte, die an den Skjoldehamn Fund angelehnt ist:

Und die Braun/Graue Borte die im obersten Bild aus dem Miniwebgerät guckt.

Nachtrag: weil nach dem "Kammweben für Kinder" bei den Wikingertagen in Oerlinghausen, so viele Klicks auf dieser Seite sind, möchte ich gerne zu der vollständigen Anleitung von Andrea Wagner verlinken :

www.wirweben.de/Kammweben Anleitung
 
Danke Andrea