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Donnerstag, 14. Mai 2015

Klapp Spiegel aus Lüttich

Nach einem Fund aus Lüttich ist mein neuster Spiegel gearbeitet. Als Vorlage dienen mir wenige Bilder in einem Buch. Leider kann ich aus Copyright Gründen, das Original nicht vorstellen.
Das Original ist auf etwa 1150 datiert.
Der Spiegel wurde in Etappen gefunden, als erstes fand sich das Hauptstück, das erst einmal als Liebesamulett gedeutet wurde. Einige Jahre später wurde ein Türfragment gefunden und noch einige Jahre Später, das fehlende Stück des Türchens. (das rechte mit der Frauenfigur)
Um das linke fehlende Türchen ersetzen zu können, habe ich einige Vergleichsfunde heran gezogen und einen Mann im Mantel als Motiv gewählt.
Alle Teile sind ohne elektrisches Gerät, mit annähernd historischen Mitteln hergestellt und leider wieder krumm geraten. Die Bohrungen sind frei Hand aus geführt. Am linken Türchen ist mir beim schnitzen, ein Stückchen weg geplatzt. Das ärgert mich, ist aber jetzt so.

Die Motive sind wie immer nach dem Original, frei Hand nach gearbeitet. Dazu male ich per gewöhnlichem Bleistift die Motive auf den Knochen auf, nicht bis ins Detail, sondern meist nur die Konturen. Gesichter und andere Feinheiten, arbeite ich ohne Vormalen, aber mit Blick zur Vorlage, frei Hand mit dem Schnitzmesser. Die Hand der Frau auf dem Türchen, ist etwas kleiner als 2mm, das Original hat aber erkennbare Finger aus gearbeitet. Die Köpfe sind kleiner als 1cm im Durchmesser, das bedeutet, das man meist mit Händen und Werkzeug den Blick aufs Werkstück verdeckt.

Der Hintergrundstoff war mit dem Diamantköper um 1150 nicht mehr gebräuchlich, war aber gerade zur Hand.


Erstaunlicherweise war das Original wohl nicht vernietet gewesen, denn die dazu gehörigen Bohrlöcher fehlen. Mit seiner Bogenform fällt der Spiegel, aus der üblichen Form, der anderen erhaltenen Klapp Spiegel, die Motive ähneln den anderen Modellen,die Schnitzereien sind in meinem Augen aber ein wenig feiner gearbeitet, als Andere.


Wie mag der Spiegel aus gesehen haben, damals vor all den Jahren ? Wie bei den meisten Spiegeln liegt auch hier ein Bodenfund vor. Mögliche Bemahlung, kann im Boden verloren sein. Am Londoner Kästchen, sollen auf der Rückseite Überreste von rosa Hintergrund Bemalung erhalten sein.

Wozu diente das durchbohrte Nupsie am oberen Rand ?
Gehörte zu dem Spiegel ein Futteral und das Spiegelchen wurde ähnlich wie man es von Kämmen kennt, mit einem Stift durch Futteral und Spiegel gesichert ?
Oder war ein schönes Bändchen, vielleicht mit Troddeln dazu ? Bildquellen aus der Zeit geben wenig her. Die Buchmalerei war um 1150 noch recht einfach, ohne viele Details und auch Steinmetzarbeiten geben bisher keine solchen Details preis.

Was nun noch fehlt, ist die Verkittung des Spiegeln und eine feine Bemalung des Kitts. Erst einmal lege ich dieses Stück weg. Das Kästchen lockt.



Quellen:
Bonner Jahrbücher Band 1990 ISSN 0938-9334
und Band 1995  ISSN 0938-9334
jeweils die Artikel von Ingeborg Krueger

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