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Montag, 22. Juni 2015

Der Markststand

Was lange währt wird endlich gut - mein Marktstand ist bis auf ein paar Schlaufen fertig. Er ist aus einer Esche von Stefan Feueriegel gefertigt, die Seile sind von Jörg Nadler von Hand gemacht, die schweren Leinen Planen hat Oliver Schell von Hand genäht. Nur die Schlaufen habe ich selbst gewebt, zu wenige wie ich nun weiß, aber das werde ich nachrüsten.
Nochmals Herzlichen Dank an die drei Herren !




Im Garten ist nicht wirklich genügend  Platz, um den Stand gut auf zu bauen.
Leider gibt es kein Bild wo man den Stand gut sehen kann, das muss wohl bis zum ersten Einsatz warten.
Als Tisch und Bank genügen erst einmal die vorhandenen Möbel aus unserer Ausstattung.







Weil der Stand zum ersten Mal aufgebaut wurde, haben wir gleich Fotos von meiner Darstellung gemacht, die nun so weit ist, das ich damit antreten könnte :
die Kölner Beinschnitzer Werkstatt um 1150.
Wahlweise mit Spiegelfassungen, Kästchen Verzierung, oder als Würfelmacher.

Nachtrag 23.06 2015

Um Nichthobbyisten zeigen zu können worum es geht, habe ich doch noch einen link zu einer der Vorlagen gesucht und gefunden:
ein Bild des Jan de Tavernier, 
Chroniques et Conquetes de Charlemagne, Brussels, BR 9066, c. 1460, (courtesy of State University of New York, Oneonta, Art History)
Hier meine Zeichnung, mit den für mich wichtigen Details
 

Sonntag, 7. Juni 2015

Der reiche Slawe um 800

Innerhalb des letzten Jahres ist nach und nach eine komplette Ausstattung entstanden.
Ziel war es, zur schlichten Darstellung eines einfachen Mannes - er könnte Bauer gewesen sein - eine sehr reiche Darstellung, vielleicht einen wohlhabenden Händler oder Fürst gegenüber zu stellen. Darstellungszeitraum soll die Slawensiedlung Oldenburg um 800n.Chr. sein.
Die Ausarbeitung, welche Stücke, wie gestaltet werden, erfolgte als Mini Team in mühsamer Kleinarbeit, zumeist online. Belege wurden gesucht, Vergleichsfunde herangezogen, Fehlendes hart diskutiert.
Viel hatten wir nicht. Es gibt kaum textile Überreste, und nur ganz wenige bildliche Belege, einige wenige Figuren und Ritzarbeiten in Stein.
Die praktische Ausführung, lag komplett in meiner Hand. 



Die Umsetzung:

Wie immer begann alles mit dem Garn. 
Lag bei der ersten Ausstattung der Schwerpunkt auf der genauen Zusammensetzung und Herstellung der Stoffe, so war diesmal ein ganz anderer Ansatz da, die Optik.
So sind die meisten Garne chemisch gefärbt. Alle Garne sind aus Wolle, alle Nähfäden sind Garne die auch zum weben verwendet wurden. Entgegen den wenigen erhaltenen Originalfragmenten, wurden hier gezwirnte Garne verarbeitet, da ich keine Garne beschaffen konnte, die den Vorgaben entsprechen und dennoch von Hand zu verarbeiten sind.
  • Die Farben entsprächen bei der Tunika, Kermeslaus für das Rot, Waid und Wau für das Flaschengrün. Der Schnitt ist ganz schlicht und schmucklos gehalten und an die Thorsberg Tunika angelehnt.
  • Hose Kermes für rot, Waid für blau. Der Schnitt der Hose ist eine Kombination aus Damendorf und den Thorsberghosen.
     

      •  Beinwickel, Waid für Blau Nuss für Braun, wobei das Braun auch mit Flechten, oder Pilzen erzielt werden könnte. Bindebänder aus Krapp gefärbter Wolle und kleinen bunten Troddeln. Die Troddeln sind nach freiem Entwurf, da weder Häkchen noch Fibeln vorliegen, die Bänder ohne alles aber langweilig aussehen, ist das mein Rekonstruktionsvorschlag. Auch die farbige Musterung ist mein freier Entwurf.
      •  Gürtel Krapp und Waid aus Brettchenborte, ohne Muster nur mit 2 schmalen Längststreifen.

      • Mütze: Marder Pelz, da sich Marderkrallen im Fundgut finden. Kermes für die Kette. Reseda Krapp/Reseda, Reseda + Eisen 2 und Indigo im Schuss. Für die Mütze habe ich einen Streifen mit farbigen Muster gewebt und mit dem Musterrapport gespielt, um einen besonders hübschen Stoff zu erhalten.
      • Die Tasche entspricht einer Waidfärbung, auf naturgrauer Wolle, verziert mit einem Rest des Tunikastoffs. Einer Ziernaht aus Waidblauem Wollgarn, einer Ziernaht aus Goldlahn, einem Streifen Musterseide. Musterseide taucht im Frühmittelalter relativ oft im Fundgut auf, sie war extrem kostbar, meist sind es Stoffe die etwas dicker und fest sind. Sämtliche mir bekannten Funde, sind bunt und gemustert. So hätte auch unser Rest etwas bunter ausfallen dürfen - die Tasche ist eine vorüber gehende Lösung. Sie soll einer damaligen "Resteverwertung" entsprechen, frei nach dem Motto : wer hat der hat.
      • Es fehlt noch ein Mantel - warum ? Das Jahr war zu kurz, und mein Webstuhl zu klein.

      Zur kleinen Modenschau

      zum Vergleich die beiden Ausstattungen, Reich und Arm :




       
      Der Herr trägt zur textilen Ausstattung einen schmucken Feuerschläger, einen goldenen Armreif und wendegenähte Schuhe. Bewaffnung fehlt, da der Herr zur Anprobe und zum Foto Shooting mit der DB an reiste.

      Vielen Dank an die mir unbekannten Fotografen für das zur Verfügungstellen der Bilder !
      Beim Bogenbild war die Mütze von oben, noch nicht fertig, und bei den beiden anderen Bildern war sie nass geworden, darum gibt es leider kein Bild mit dieser Mütze.

      Herzlichen Dank an Rübi für diese spannenden Projekte, an Britta* und Rübi* das sie mich bei der Ausarbeitung von “was soll wie”, dem Belege sammeln und auswerten, und den damit verbundenen endlosen Diskussionen, mit eingebunden haben.
      *die Beiden werden auf eigenen Wunsch nur mit Vor bzw. Szene Namen genannt.


      Donnerstag, 4. Juni 2015

      Köln in 2 Tagen

      Die Heimat durch das Auge des Touristen sehen - macht man viel zu selten.
      Gut wenn man Besuch bekommt, und die schönen Seiten zeigen und dabei selbst genießen kann.

      Tag 1


      Begonnen haben wir unsere Tour, vom obersten Parkdeck bei Karstadt Nähe Neumarkt. Man hat von dort einen wunderbaren Blick über die Stadt, und das in alle Richtungen.
      Von dort ging es zu St Pantaleon, wo wir den Sarkophag Theophanus besucht haben. Hier habe ich bewusst auf Bilder verzichtet, weil einige Gläubige dort Andacht hielten, da hätte der Blitz gestört.


      Irgendwie ein Muss: der Dom, diesmal mit Schatzkammer. ( wo man leider nicht knipsen darf)
      Egal wo man steht, vom Boden aus, bekommt man das Bauwerk nie ganz aufs Bild. 
      Tipp für Touristen: eine Postkarte kaufen.


      Gleich neben dem Dom, von der Domplatte aus,
      geht es hinunter zum unterirdischen Parkhaus. Frei zugänglich und ohne Eintritt, kann man dort historisches Gemäuer besuchen, Überreste des Sogenannten Annostollen von 1074.

      Wieder an der Oberfläche, von draußen ins Römisch Germanische Museum gleich neben dem Dom ins Fenster geguckt, von wo aus man das prächtige Mosaik sehen kann.
      Nicht betreten kann man zur Zeit das römische Straßenpflaster,neben dem Museum, da dort gerade eine Baustelle ist. Schade.

      Gleich um die Ecke, der Heinzelmännchenbrunnen, im Bild nur ein Stück davon.




      Auf dem Altermarkt steht mein Lieblingsdenkmal des Jan von Werth, im Hintergrund sieht man einen Teil des historische Rathauses.

      Der Brunnen ist für mich ein Denkmal gegen den Hochmut, denn die Magt Griet, in die sich der junge Knecht Jan verliebt hatte, und die er heiraten wollte, wollte auf einen reichen Bauern warten und lehnte seinen Antrag ab. So zog der entäuschte Jan in den Krieg, und da er nichts zu verlieren hatte, schlug er sich erbittert und machte eine Karriere beim Militär.
      Als er Jahre später in stolzer Uniform und hoch zu Ross, nach Hause kam, saß da seine Griet, als alte Jungfer die sich den Unterhalt mit dem Verkauf von Obst und gebratenen Kastanien verdiente.
      Es gibt ein Gedicht in Mundart, das mit dem Satz endet : Ihr Mädchen seht und merkt es Euch, schon Manchem hat es leid getan, das Lied vom Jan und Griet.
      http://de.wikipedia.org/wiki/Johann_von_Werth

      Enge Gässchen, urige Kneipen, Straßen und Platznamen, wie Buttermarkt, Fischmarkt ... die von der Vergangenheit erzählen, gibt es in der Altstadt. Gleich am Rhein.




      Den Rhein direkt im Rücken, ein Blick auf Groß St Martin, der die bunten  Stapelhäuser ganz klein wirken lässt.



      Ein Stück der römischen Stadtmauer, ganz unspektakulär an der Komödienstraße. Man geht ein paar Stufen hinunter, es wird etwas ruhiger. Kaum beachtet steht sie da.


      Mit je einem Besuch in der goldenen Kammer von St Ursula, und einem Besuch im Zeughaus dem Museum für Kölner Stadtgeschichte, war der Tag pickepacke voll. Die Füße rauchten, den Kopf voller Bilder und Eindrücke.

      Tag 2


      Zu sehen gäbe es noch Vieles.
      Die erste Hälfte des Tages haben wir mit Foto Shooting einer neuen textilen Ausstattung verbracht.
      Zusätzlich vorgenommen hatten wir uns das Römisch Germanische Museum.
      Für Geschichts interessierte Köln Besucher ist es ein Pflichtprogramm. Besonders fasziniert hatten meinem Gast die fränkischen Waffen, mich diesmal die Schmucksammlungen der verschiedenen Volksgruppen. Allen voran die typischen gold/roten Schmuckstücke der Franken.
      Wer viele unterschiedliche Öllämpchen oder die riesengroße Sammlung römischer Gläser sehen mag ist hier genau richtig. In wenigen Tagen beginnt eine Sonderausstellung mit dem Namen Medicus.

      Bierfreunde sollten den Abend in einem der Traditionellen Brauhäuser ausklingen lassen. Neben Kölsch ist deftiges Essen im Angebot. Die Kellner heißen Köbes, man duzt sich, und wenn man kein Bier mehr haben mag, legt man einen Deckel oben aufs Glas. Erst dann, hört der Köbes auf, unaufgefordert immer weiter, leere Gläser gegen Volle aus zu tauschen. Kölsch ist ein Bier das frisch genossen wird. Deshalb wird es in schlanken Gläsern Namens Stange aus geschenkt. Es muss eine kleine Krone (Schaum) haben.
      Jede Kölsch Brauerei hat sein eigenes Rezept und damit jede Kölsch Marke seinen eigenen Geschmack. Es lohnt also durchaus, unterschiedliche Sorte zu probieren.
      Man sollte einen Tisch reservieren, möglichst schon einige Tage im Vorraus, denn die Häuser sind gut besucht.