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Montag, 27. Juli 2015

Spiegelbilder im Vergleich

Neulich wurde ich gefragt, ob es im Mittelalter schon Spiegel gab.
Das war schnell mit "Ja" beantwortet.
Und dann kam das Aber.

Über die Herstellung von Spiegeln und Spiegelgläsern habe ich schon an anderer Stelle geschrieben.
Spiegelglas :  http://zeitensprung.blogspot.de/2014/05/spiegelglas-im-hochmittelalter.html
Spieglfassungen :  http://zeitensprung.blogspot.de/2014/05/taschenspiegel-um-1150.html
Diesmal würde ich gerne die Spiegelbilder vergleichen.
So ein Spiegelbild ist mit der Kamera schwer ein zu fangen, deshalb möchte ich dazu ein laden, einen kleinen Spiegel möglichst ohne Vergrößerung Effekt zur Hand zu nehmen,

Hält man diesen Spiegel etwa auf halbe Armeslänge weit weg, sieht man seinen Kopf, oft nur ein Ausschnitt dessen. Je kleiner der Spiegel ist, um so kleiner ist der Ausschnitt dessen, was man sehen kann. Man sieht meist nur einen kleinen Bereich, etwa ein Auge.
Anders beim mittelalterlichen Spiegel, der ja Kuppelförmig ist.
Egal wie klein der Spiegel ist - ein Daumennagelgroßer reicht aus - man sieht immer den ganzen Kopf, samt Umgebung. Je nach Größe des Spiegels halt klein, oder ganz klein.
Der Spiegel im Bild ist 2,3cm im Durchmesser.

Das Modell hat sich nicht von der Stelle bewegt, und ist nun über die Schulter hinweg aufgenommen:

 Vergrößert:
Wie erwähnt, ist es extrem schwer, ein Spiegelbild mit der Kamera ein zu fangen, daher die schlechte Bildqualität.

Ist der Unterschied zu erkennen ? Das Glas verhält sich ähnlich wie ein Weitwinkelobjektiv. Man sieht den ganzen Kopf samt Schultern und Brust, im Hintergrund erkennt man die Treppe mit Geländer.
Je kleiner, die Kugel war, aus der der Spiegel gebrochen wurde, um so größer der zu sehende Ausschnitt und um so kleiner das einzelne Detail.

Das Bild des Spiegels von den Bildern ist ziemlich klar und scharf. Nachdem ich unzählige Versuche gemacht habe, ein Spiegelbild ein zu fangen, war ich überrascht, als ich beim sichten der Aufnamen zum Kleid endlich einmal ein halbwegs verwendbares Bild per Zufall gemacht habe. Das schlechte Bild, kommt durch die starke Vergrößerung eines Schnappschuss.

Montag, 20. Juli 2015

Hildesheim Kästchen 2

Mein neues Projekt habe ich ja schon in einem älteren Post vorgestellt.
Nun geht es an die Umsetzung.
Nach einigen Überlegungen, wo anfangen, ist die Wahl auf die längstgerillten Beinplättchen der Vor und Rückseite gefallen. Sie scheinen mir in Krapp gefärbt zu sein und Krapp habe ich gerade an gesetzt.

Krappgefärbte Beinarbeiten erwähnt Theophilus Presbyter in seinem Schriften zu den Arbeiten der Goldschmiede. Darunter ist auch eine kurze Abhandlung zum bearbeiten von Knochen und auch das färben mit Krappwurzel ist erwähnt. Aus früheren Versuchen weiß ich, das der Farbton ziemlich kräftig werden kann, und an den heute patinierten Farbton des Originals heran kommt.

Das Original durch die spiegelnde Vitrine ohne Blitz aufgenommen, den satten Farbton kann man vor Ort besser erkennen, als das die Bilder wieder geben. Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung des Stadtmuseums Hildesheim
Ich gehe davon aus, das die Plättchen ursprünglich satt rot gefärbt waren und erst nach Abrieb durch Benutzung, die helle Struktur des Knochens zu sehen ist.
Spannend wäre zu wissen, wie die durchbrochenen Plättchen in der Mitte ursprünglich aussahen, waren auch die in Krapp gefärbt ? Die Ecke unten rechts lässt das vermuten.

Vor dem färben liegt ein fast ganzes Wochenende Arbeit für diese Hand voll Plättchen.


Begonnen habe ich mit fertig gekauften Knochenplättchen die man bei einigen Reeanactment Ausstattern kaufen kann.
Hier tritt das erste Problem auf - das Kästchen ist 18cm breit, die längsten Knochenplättchen im Handel sind 16cm lang. Ich werde also stückeln müssen.

Obwohl ich mein Equipment um eine Säge für den Dremel, aufgestockt habe, habe ich beschlossen, die Plättchen wie üblich von Hand zu zu schneiden (sägen). Das dauert zwar länger, aber der Schnitt ist gerade, genau und ohne Ansatz.
Beim sägen der Längstrillen kommen mir Zweifel - wurde das so gemacht ?
Hatte man dafür ein spezielles Werkzeug ?
Nach meinen Schätzungen, sind die längstgerillten Plättchen 15mm hoch. Jeweils 12 Rillen sind am Original eingearbeitet, fein und gleichmässig. Ich schaffe 8 - 9 und weniger gleichmässig.


So an meine ungeübte Grenze kommend, bemerke ich, wie geübt die ausführende Hand damals war. Auch wenn das heutige Auge sich fragt, warum die Bohrlöcher so lässig verteilt waren, obwohl man diese schon mit bloßen Auge akkurater hätte setzen können - die eigentliche Arbeit ist sehr gekonnt ! Spezialisiertes Handwerk, von der Pike auf gelernt und Erfahrung von Generationen, stehen hier dem Versuch eines ungelenken Hobbyisten entgegen.

Fortsetzung folgt.

Montag, 13. Juli 2015

Historisches Leinenhemd

Der Schleifischer zeigte mir einen seiner Schätze: ein handgenähtes Leinenhemd, das laut Jörg Nadler, einen Schnitt hat, das einer Barocken Chemise sehr ähnlich ist und aus der historischen Fischersiedlung Schleswigs, dem Holm stammt. Dort überdauerte das Hemd mehrere Generationen lang, scheinbar sehr gut verwahrt, denn es hat weder Löcher, noch Bruchstellen.
Ich bin begeistert - wann hat man einmal die Gelegenheit so etwas in den Händen zu halten, drehen und wenden zu können.
Zu den Schnitttechnischen Details kann ich nicht viel sagen, da ich von Textilien dieser Epoche überhaupt keine Ahnung habe.
Es scheint, als ob die Stoffbahn auf Schultermaß gewebt wurde, und es scheint ähnlich wie viele mittelalterliche Kleidungsstücke, aus Vierecken zu bestehen. Einige Stellen haben doppelte Stofflagen.
Man sieht dem Stoff an, das er handgewoben ist, ich empfinde das Leinen als mittelschweres Bekleidungsleinen. Das Hemd ist ausgesprochen sauber und fein verarbeitet. So eine schöne Näharbeiten habe ich noch nie gesehen. Die Stiche sind gleichmässig und unglaublich fein. Die Kappnähte haben eine Breite von nur 5mm ! Der Nähfaden scheint ein zweifädig gezwirnter Faden zu sein.


Die Manchette sieht innen wie aussen gleich aus.
von der Seite erkennt man die feinen gleichmässigen Ziernähte
Ein Keil an der Seitennaht des Rumpfes, ein kleines Quadrat wurde hier eingesetzt, der Stoff ist gefaltet und liegt doppelt. Im Bild einmal die Außenansicht und einmal innen.
Die Kappnähte
Hier markiert soweit ich sie sehen konnte und in Vergrößerung des darüber stehenden Bildes. Die Angaben sind geschätzt.






Vielen Dank Jörg das Du mir dieses schöne Stück gezeigt hast, und das ich hier in meinem Blog darüber schreiben darf.