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Montag, 23. November 2015

Stoffkatze aus Danzig, ein erster Versuch

In den 50ger Jahren des 20ten Jahrhunderts wurde in Polen eine kleine Stoffkatze gefunden.
Sie wird im Archäologischen Museum in Danzig ausgestellt.
http://www.archeologia.pl/
Laut meiner Literatur ist sie auf das 11 - 13 Jahrhundert datiert.
Das Textil aus dem die Katze besteht, ist heute eine filzige Masse. Wie sie hergestellt wurde lässt sich nicht genau sagen. Ob das Objekt damals schon gefilzt war, weiß man nicht, das Stück könnte auch durch Druck und Reibung im Boden verfilzt sein.
Es hat eine Länge von 18cm und wird als Kinderspielzeug bezeichnet.

Das was heute erhalten ist, ist recht unansehnlich. Es fehlt ein Stück Schwanz, die Ohren sind gar nicht mehr vorhanden, aber die Proportionen erscheinen erstaunlich naturgetreu.
Vielleicht ist das Stück aus Stoffresten gemacht ?

Mein Versuch zur Umsetzung:

Um ein Gefühl für die Größe und Proportionen zu bekommen, habe ich mit Skizzen begonnen.
Eine Erste vom Objekt so wie es heute aussieht. Eine zweite, so wie es ausgesehen haben könnte.



Für meinen ersten Versuch habe ich gewalkte Stoffreste aus Wollstoff verwendet. Walussbraun ist nicht die passendste Farbe für eine Katze, aber nun ja, das war nun mal da.
Bis auf den Kopf, habe ich alle Schnittteile aus Rechtecken genäht, und mich dabei an der Schnitttechnik von Kleidung der Zeit orientiert, die Stoffsparend aus Rechtecken und Dreiecken bestand.
Mein Stoffstück war etwa 15 x 25cm groß, und es sind einige Schnipsel übrig geblieben. Genäht habe ich der Stabilität wegen, mit gewachsten Leinengarn. Gefüllt habe ich das Tierchen mit Garnschnipseln (Webreste).
Was die Gestaltung des Gesichts angeht, vermute ich, das ich den Zeitgeist des Mittelalters ohne Vorlage nicht einfangen konnte. Das Stickgarn ist pflanzengefärbtes Wollgarn und gewachstes Leinen für die Schnurrhaare.
Arbeitszeit etwa 3 Stunden.


Der Körper wäre auch ein prima Dackel geworden ...

ein weiteres Stück für meine Sammlung von Rekos mittelalterlicher Spielzeuge.

Literatur:
Manfred Gläser, " Lübecker Kolloquium zur Stadtarchäologie im Hanseraum VIII - Kindheit und Jugend, Ausbildung und Freizeit"
Verlag: Schmidt-Römhild
ISBN-10: 3795052106 
ISBN-13: 978-3795052102

Vielen Dank und herzliche Grüße an das Archäologische Museum in Danzig. Thanks and best regards to the Archaeological Museum in Gdansk

Donnerstag, 19. November 2015

aus meinem Buchbestand

Weil ich in letzter Zeit so oft gefragt wurde - mal eine Auswahl aus meinem Buchbestand zum Thema weben :


da ich ja übers Garn spinnen und der Frage "was mache ich mit all den schwangeren Regenwürmern ?" zum weben gekommen bin, war das Buch von  Paula Simmons meine erste Wahl.
Es enthält Materialkunde, Anleitungen zum Spinnen und weben, viele nützliche Kniffe, auch Baupläne für ein Spinnrad, einen Webstuhl und andere Anleitungen von nützlichen Arbeitsgerät, zum selber machen.

Dann liegt da ganz links die Weber Bibel im Bild, "Handbuch weben" von Erika Arndt. Ein tolles Buch, hat man es, braucht man theoretisch kein Anderes. Es bietet einen kleinen Überblick über die Geschichte der Weberei, alles was man zum weben erlernen braucht, und einen Teil zum praktischen Arbeiten incl. Webpatronen.

Wer gerne mit Mustern spielt und gerne viele verschiedene Muster weben mag, dem möchte ich das "the Handweaver Pattern Directory" ans Herz legen. Das Buch ist in Englisch, eigentlich käme es aber ganz ohne Text aus, denn die Bilder sind selbsterklärend und sehr anschaulich.
Auf großen Bildern sieht man Gewebe von der Vor und Rückseite, da neben die Patrone, samt Trittfolge und Anbindeplan.

Ich habe manchmal ein Brett vor dem Kopf. Es gibt ein Problemchen und in Buch A verstehe ich gerade die Anleitung nicht. In dem Fall ist es toll, noch Buch B zu haben, in dem ein anderer Mensch ein ganz klein wenig anders heran geht, oder es mit anderen Worten erklärt.
"Das große Webbuch" von Laila Lundell.
Ebenfalls ein solides Buch nach dem man gut arbeiten kann, eine schöne Ergänzung zu den anderen Büchern.

Hmm - dann füllen etlich andere Bücher zum Thema weben mein Regal ... aber das ist eigentlich Luxus.
Ein anderes Buch, das ich auch gerne noch zeigen mag, ist dieses:
Es wird ständig neu aufgelegt und dabei immer wieder aktualisiert, es lohnt also durch aus, es mehr als einmal zu haben. (auf dem Trödelmarkt zu schlagen) Hier geht es um Materialkunde, aber auch um Herstellungsprozesse. Ein Füllhorn an Wissen für Kleidermotten.

Von links nach rechts:

Erika Arndt "Handbuch Weben"

  • Verlag: Haupt
  • ISBN-10: 325860102X
  • ISBN-13: 978-3258601021

 Paula Simmons "Spinnen und Weben mit Wolle" 

  • Verlag: Ravensburger Buchverlag
  • ISBN-10: 3473423270
  • ISBN-13: 978-3473423279 
das Buch ist nur antiquarisch erhältlich, mein Tipp - die Fernleihe einer Bücherrei nutzen, so kann man für kleines Geld, Bücher lesen, die man nur erschwert und teuer kaufen kann.

Anne Dixon "The Handweaver's Pattern Directory"

  • Verlag: Rizzoli (1900)
  • ASIN: B00ZVOXFOI
Spiralbuch

Laila Lundell und Tomas Lundell "Das große Webbuch"

  • Verlag: Paul Haupt
  • ISBN-10: 3258027471
  • ISBN-13: 978-3258027470

Ursula Völker, Katrin Brückner "Von der Faser zum Stoff" : Textile Werkstoff- und Warenkunde

  • Verlag: Verlag Handwerk und Technik; Auflage: 33., komplett überarb. A. (2006)
  • ISBN-10: 3582051129
  • ISBN-13: 978-3582051127


Sonntag, 1. November 2015

Kammfutteral

Hier hatte ich am Rande mein Kamm Projekt vorgestellt:
http://zeitensprung.blogspot.de/2015/05/mein-neues-langzeitprojekt-ein-neues.html
Es ist mein erster Versuch einen Kamm zu machen, vielleicht auch mein Letzter, denn ich habe beim Versuch die Zinken zu glätten, schon 3 Zähne abgebrochen.

Meine Kollegin Monica die die Beinschnitzerei zum Beruf gemacht hat, meinte gleich, das ein Futteral zum Kamm gehört. Man erkenne das an der Bohrung neben den Zinken.
Nachdem nunmal Zähne fehlen*, und ich mich nicht traue die Nieten wieder raus zu bohren und neue Plättchen ein zu setzen, habe ich die Idee des Futterals auf gegriffen.
Der Kamm wurde ohne Futteral gefunden. In Schleswig, wo das Original her kommt, wurden viele Kämme, aber auch Kammfutterale geborgen. Nach dem sichten des Fundkatalogs, habe ich einen Entwurf gefertigt.


Bei dem zuschneiden der Knochenplättchen, kommt mir das Futteral ungemein groß vor. Aus dem zierlichen Kamm wird plötzlich ein stattliches Stück.
Wieder muss ich am Omas Frisierkommode denken, auf dem Parfumzerstäuber und eine dazu passende Bürste als dekoratives Set gehörten. Wieder frage ich mich, inwieweit ein Set zur persönlichen Ausstattung der wohlhabenden Dame gehörte.
Eins ist jedoch klar, am Gürtel gebammelt hat dieser Kamm nicht, zu schwer, zu groß und auch unnötig, denn die Haare waren gebändigt und verhüllt wenn man das Haus verließ.


 Als erster Schritt zur Umsetzung sind die Beinplättchen zurecht gesägt. Wieder komplett von Hand, aber mit dem Luxus eines Schraubstocks.
Der nächste Arbeitsschritt ist das in Form bringen der einzelnen Elemente. Danach sind die Verzierungen, die Ziersägeschnitte, Durchbrucharbeiten und das setzen der Kreisaugen dran.

Viel Arbeit noch - der Winter kann also kommen.



*fehlende Zähne:
im Fundkatalog aus Schleswig, wird ein Kamm gezeigt, der nur noch ein Viertel seiner Zinken hat, die Anderen sind scheinbar sauber abgesägt, ganz so, als habe man sich beholfen um das Stück weiter nutzen zu können. Tafel 71 No 4

Literatur :
Ausgrabungen in Schleswig, Berichte u. Studien 3
Die Verarbeitung von Knochen, Geweih und Horn im mittelalterlichen Schleswig
Von Inge Ulbricht

Fortsetzung folgt