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Donnerstag, 31. Dezember 2015

Dreilagen Kamm mit Futteral

Erhaltene Kämme aus dem Mittelalter gibt es ungemein viele, für alle Epochen, Regionen und Stände. Aus Knochen, Horn, Holz und Elfenbein.
Aus Schleswig, Fundstelle Schild, den Siedlungschichten des 11 - 14ten Jahrhunderts (Vergleichsfunde Plessenstr 11 - 12Jh), stammt meine Vorlage, ein kleiner Knochenkamm, ein gehobenes Stück mit Goldverzierung. Buch, Tafel 29 Nr 1.


Der Fundkomplex ist enorm groß, es gibt eine Vielzahl von Kämmen und Futteralen, so das es eigentlich ganz einfach war, einen Entwurf für ein Futteral aus dem Ärmel zu schütteln. Ob das Original wirklich so ausgesehen hat, weiß ich leider nicht.
Als Material wird Knochen und Goldfolie angegeben. Die Nieten sind aus Buntmetall.
Die Zähne sind am Original zum Teil vergangen, das Stück ist gut erhalten.
Es finde sich mehrere Modelle mit ähnlichem Dekor in diesem Fundkomplex.

Entwurf und Umsetzung

Begonnen habe ich, mit einem Entwurf am PC. Da lässt sich gut spinnen, denn in der Umsetzung, war kein Platz für die Durchbrucharbeiten am mittleren Element.
Das Material sind Plättchen aus Rinderknochen die ich fertig gekauft habe. Sehr dünnes Messingblech, als Ersatz für die Goldfolie und Messingstifte zum vernieten.
Die Arbeiten sind ohne elektrische Hilfsmittel von Hand ausgeführt.

So steht am Beginn der Umsetzung, immer stundenlanges Sägen. Gefolgt von feilen um die einzelnen Stücke in Form zu bringen.

Die Durchbrucharbeiten, wurden zuerst mit einigen Bohrungen begonnen und dann mit zierlichen Feilen in Form gebracht. Auch dies wird man damals so gemacht haben, wie ein Vergleichsfund im Buch zeigt.(Tafel 72 Nr 3)
Das Dekor besteht aus Kreisaugen und Sägeschnitten.

Beim morgentlichen frisieren ?


Der Kamm ist knapp 12cm lang. Das Futteral 19cm. Zusammen mit dem Kamm wiegt es 150g. Ich denke, das Original war leichter und etwas zierlicher. Die seitlichen Bäckchen sollten etwas näher an den Kamm heran gehen. Würden sie das tun, könnte der Kamm mit einem Stift gesichert, nicht herausfallen. Wie diese Sicherung ausgesehen hat, ob sie ebenfalls aus Knochen war, weiß ich nicht. Ich kenne keinen Fund. Möglich wäre auch ein Metallstift ? Mein Knochen Stift ist mir nach stundenlangen feilen und anpassen, abgebrochen. Aus Frust habe ich einen Metallstift einesetzt, mit dem festen Vorsatz, das ganze Schlüsselchen zu ersetzen, wenn ich weiß, was üblicherweise verwendet wurde.

Der Kamm soll später zu dem Hildesheimer Kästchen passen. Das Kästchen war farbig gestaltet, weshalb ich den Kamm evtl später zusammen mit dem Kästchen ebenfalls farbig verzieren möchte.
Vorgesehen habe ich, das Schlüsselchen mittels Seidenbändchen mit dem Futteral zu verbinden. Auch das muss warten, denn die empfindliche Seide werde ich erst nach dem einfärben und polieren anbringen.

Post 1 : http://zeitensprung.blogspot.de/2015/05/mein-neues-langzeitprojekt-ein-neues.html
Post 2 : http://zeitensprung.blogspot.de/2015/11/kammfutteral.html

Der Fundkomplex wird zum großen Teil in Schloss Gottorf / Schleswig ausgestellt. Das von mir ausgesuchte Stück wird nicht gezeigt, jedoch eine wunderbar große Auswahl an Fundstücken. Für mich die schönste Sammlung von mittelalterlichen Gebrauchsgegenständen und einen Tagesbesuch wert.
http://www.schloss-gottorf.de/ 

Quelle:
Ausgrabungen in Schleswig, Berichte u. Studien 3
Die Verarbeitung von Knochen, Geweih und Horn im mittelalterlichen Schleswig
Von Inge Ulbricht
ISBN 3 5290 1453 2

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