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Dienstag, 12. Januar 2016

ein Zweitausenzweihundert Jahre alter Schal...

... ist zur Zeit die Vorlage für mein derzeitiges Projekt.
Die sogenannte Huldremose Frau, eine Moorleiche aus Dänemark hat ihn in ihr nasses Grab mit genommen.
Der Schal, ist aus Wolle, und Farbanalysen haben ergeben das der Schal, der heute braun/beige ist, damals rot mit weiß war.
Schaue ich mir das Stück an, sehe ich lachende und schwatzende Frauen beim weben. Anders als bei anderen Geweben aus dieser Zeit, sind die Karos bei genauem Hinsehen fast wahllos ins Tuch geworfen. Schon in der Kette scheint es, als ob die Weberin nicht ganz bei der Sache war.
Ob das so war ? Das wird Niemand mehr erfahren.
Erstaunlich modern sieht das Gewebe aus - gemessen an der Zeitspanne von über 2000 Jahren.
In der Mode war halt alles schon mal da.

Kleine Anmerkung - das Tuch entstand etwa 200 Jahre vor Christi Geburt, ich frage mich warum die Darsteller in den Sandalen Filmen immer so grobes Zeug tragen.

auf dem Tuch zum Größenabgleich eine 1 Cent Münze



















Technische Daten (die meines Projektes) :
Material Wolle
10 Fäden je 1cm in der Kette
Bindung 2/2er Köper
Breite etwa 55cm
geplante Länge etwa 140cm ohne Fransen gemessen

Die Umsetzung:

Obwohl man oft und immer wieder auf die Textilien der Huldremose Frau stößt, finden sich schwer genaue Details. So habe ich den Schal anhand von Bildern aus dem Internet* nachgearbeitet.
(*der Zeitplan drängt, die Fernleihe lässt ungewohnt lange warten, Danke Sylvia Crumbach für das vorlesen am Telefon )
Das Muster ist so gut es geht, Streifen für Streifen in seiner Unregelmäßigkeit nachempfunden.
Lange habe ich überlegt, ob evtl Garne im Laufe der Zeit, mehr Farbe verloren haben, als Andere. Dagegen spricht, das die Streifen heute sehr regelmäßig hell und dunkel braun sind, es scheint also System da hinter zu stecken.
So ist meine Umsetzung aus drei Farbtönen gemacht:
Krapp erste Flotte für kräftigeres Rot
Krapp zweite Flotte für ein blasses Rot
Wollweiß
 
Die Zöpfchen sind an den Enden vergangen. Gedrehte Zöpfchen finden sich schon an den frühen Schnurröcken, aber auch im Hallstadt finden sich an Tuchfragmenten gedrehte Zöpfchen, sogar erhalten mit verknoteten Ende. Daher habe ich die Enden meiner Zöpfchen ebenfalls mit einem Knoten gesichert.
Jetzt wo das Stück in Farbe ohne Löcher, heil und lässig da so hängt, finde ich es unglaublich zeitlos. Das hat man dem Stück im Museum nicht angesehen.


Die Frau im Moor, trug den Schal vermutlich über den Kopf gezogen. Da sie mit einem Fellumhang bekleidet war, liegt es nahe, das der Schal Wind und Wetterschutz war. Form und Größe könnten ebenfalls dafür sprechen.




Da der Schal in der Herstellung recht aufwendig war, habe ich eine Kette für mehrere Schal aufgezogen. Die Stücke sind käuflich.






Mehr Infos und Bilder :
link zum National Museum Dänemark

Literatur:

Lise Bender Joergensen: Forhistoriske Textiler i Skandinavien/Prehistoric scandinavian textiles, Kopenhagen 1986
ISBN 87-87483-46-7
ISSN 0105-578X


Textiles from Hallstatt : Weaving Culture in Bronze Age and Iron Age Salt Mines  
von Karina Gromer, Anton Kern, Hans Reschreiter 
Verlag: Anchor Pub Co
ISBN-10: 963991146
ISBN-13: 978-9639911468