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Montag, 29. Februar 2016

Slawin, frühes neuntes Jahrhundert in Norddeutschland

In intensiver Zusammenarbeit mit Rübi* ist eine Ausstattung entstanden, zu der es so gut wie gar keinen Beleg gibt. Unsere selbstauferlegte Aufgabenstellung war es die Ausstattung einer einfachen slawischen Frau im neunten Jahrhundert für die Siedlung in Oldenburg/Schleswig Holstein, nachzuspüren.
Die Fundlage ist sehr dünn. Die wenigen in Frage kommenden Textilfragmente sind alle relativ derb und alle aus Wolle. Die Formensprache der Keramik ist ausgesprochen schlicht, Funde von Schmuck oder Trachtenbestandteilen gibt es keine. Uns ist aufgefallen, das es mehrere Funde von einzelnen Tonperlen gibt. Es gibt keine Abbildungen von Frauen auf denen die Länge des Kleides oder die Kopftracht auch nur angedeutet wird.
Da der Boden dieser Region für den Flachsanbau ungeeignet war, kann man davon ausgehen, das tierische Fasern zu Textilien verarbeitet wurden. Das Schaf ist die No 1 unter den Faserspendenden Nutztieren.
Die Slawen waren zu dieser Zeit, relativ neu angesiedelt und mit dem Aufbau und Ausbau ihrer Siedlung beschäftigt.

 An dieser Stelle empfehle ich nicht nur den Besuch des Oldenburger Wallmuseum, sondern auch die Umgebung mit bis heute gut sichtbarem Ringwall

Ich habe bewusst auf eine gehobene Darstellung verzichtet, da ich eine ein einfache Frau aus
der Masse der damaligen Bevölkerung darstellen möchte.

Die Umsetzung:

 

Als Stoff habe ich einen 2/2er Köper in Naturbraun (industrielle Meterware) gewählt, er ist mit ca.10Fäden/1cm mittelschwer.
Unsicher war ich bei der Länge des Kleides. Viele Kleider dieser Zeit scheinen nur knöchellang gewesen zu sein. Erst einmal habe ich es Bodenlang gemacht, kürzen kann ich es später immer noch. Der Schnitt des Arms ist ganz gerade, mit eingesetzten Keilen unterhalb des Arms. Um dem Rock die nötige Weite zu geben, habe ich ab der Hüfte Keile eingesetzt. Die Schultern sind überbreit gearbeitet, die Breite der Stoffbahn entspricht dem halben Brustumfang. Der Schnitt mit Rechtecken und Keilen entspricht der Stoffsparenden Verarbeitung wie sie zu dieser Zeit üblich war.
Viele Gedanken haben wir uns zu der einzelnen Tonperle gemacht. Eine einzelne schmucklose Tonperle an einem Bändchen getragen, sieht merkwürdig aus. Ich stelle mir eine andere Verwendung vor, zB. die eines Knöpfchens zum verschließen eines Halsausschnittes.
Für einen Trageversuch, ist eine Perle bestellt, die bei einem Grubenbrand entstehen soll.
Als Provisorium ist erst mal eine Knochenperle angenäht.

Beim annähen kam mir die Idee, mit naturfarbenen Garnen an der Knopfschlinge, die Perle zu betonen

Als Kopfbedeckung habe ich mich für ein Wollschal entschieden. Diesen habe ich in 2/2er Köper gewebt, mit nachgesponnen einfädigen Garnen aus Wolle. Die Farbe ist ein helles naturgrau, am Rand habe ich einen Rahmen aus naturbraunen Garnen  gelegt, um das Tuch optisch ein wenig aufzuwerten. Die Kettfäden habe ich zu kurzen Zöpfchen gedreht.





Das Kleid wird von einem schlichten Ripsband aus naturfarbener Wolle gehalten.



Hier nun die Ausstattung vor meiner Gartenkulisse:


Was fehlt sind Schuhe, es gibt einen Schuhfund, aber da ich keine Reko derselben habe, hier ein Bild ohne Schuhe.





































Hier die Gartenkulisse, vor der alles weg genommen wurde, was nicht belegbar ist.




*auf Wunsch Rübis mit Szenenamen genannt.
Vielen Dank Rübi, für diese spannenden Projekte, die vielen Informationen und das Korrektur lesen. Die Zusammenarbeit mit Dir macht Freude !

Literatur:
muss ich in diesem Fall schuldig bleiben. 
Das Projekt dümpelt seit allen Slawen Projekten nebenher, und die gesamte umfangreiche Literatur steht bei Rübi. Alle Literatur müsste aufgelistet werden, um dann doch keinen Beleg zu liefern.

Die anderen Slawen Projekte:
 http://zeitensprung.blogspot.de/2015/06/der-reiche-slawe-um-800.html
http://zeitensprung.blogspot.de/2015/03/mutze-fur-einen-slawen.html
http://zeitensprung.blogspot.de/2014/11/handschuh-aus-ralswiek-10.html
http://zeitensprung.blogspot.de/2014/12/ralswieker-handschuh-neuer-versuch.html
http://zeitensprung.blogspot.de/2014/03/hosenprojekt-aus-der-ferne-teil-2.html

Kommentare:

  1. Ich konnte das Kleid ja schon auf Facebook bewundern und sage nur Hut ab. Ein tolles Projekt.

    LG Tanja

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  2. Mir gefällt es auch ausgesprochen gut!

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