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Dienstag, 22. März 2016

Wurden Garne oder ganze Tuche gefärbt ?

Da ich das in den vergangenen Tagen mehrmals gefragt wurde, fasse ich zusammen, was ich darüber weiß. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit, oder die einzig große Wahrheit.

Im Hauswerk des Frühmittelalters sind die Stoffe vermutlich vor dem weben, als Garne gefärbt worden. Das macht Sinn, zB. beim Diamant Köper oder Fischgrat, aber auch anderen Musterstoffen und Farbverflechtungen.
Mit dem aufkommen des Flachwebstuhls, wurden die Stoffe schlichter, dafür werden die Schnitte üppiger im Stoffverbrauch, Masse statt Klasse sozusagen. Bildbelege für die Tuchfärberei gibt es einige. (zB. die Nürnberger Hausbücher)
ABER es gibt auch Ausnamen wie zB. der Streifenstoff aus dem Bergwerk Altenberg, da wurden ganz klar, Garne gefärbt und nicht der ganze Stoff.
Das Textil Handwerk war sicherlich sehr vielfältiger, als sich das heute nachweisen lässt, wir reden da von einigen Hundert Jahren und Textilien unterschiedlichster Funktion.
Das kann man in etwa mit der Jeansmode vergleichen. Pauschal kann man sagen, das die Jeanshose, DAS Kleidungsstück unserer Epoche ist, aber dennoch trägt nicht jeder und ausschließlich Jeans Hosen.

In Haitabu liegt im Fundgut eine Holzrolle vor, die an einen Flachwebstuhl gehören könnte.  Vermutlich hat man also auch schon zu dieser Zeit auf dem Flachwebstuhl gewebt. Da Haitabu eine Stadt mit einem Gemisch von Kulturen war, lässt sich die große Vielfalt der Textilien erklären. Möglich das dort Webarbeiten der unterschiedlichsten Art zur gleichen Zeit ausgeübt wurden.

Am Flachwebstuhl lassen sich leichter und schneller, lange Bahnen Gewebe herstellen. Mit einer nachträglichen Färbung, lässt sich ein Teilstück individuell gestalten.

Nicht bei jedem Textil Fragment werden die Farben analysiert. Farbananlysen sind teuer. Um die Funde nicht zu zerstören, werden immer nur winzige Proben von den Stoffen entnommen. Bei manchen Fragmenten kann man Farben bis heute erkennen, Farben können sich im Boden verändern. Ein prominentes Beispiel ist die Thorsberg Tunika , sie ist laut Farbanalyse rot gewesen, obwohl sie heute gelb aussieht.
Auch die analysierten Farben können trügen. Versuchsreihen haben ergeben, das sich die Farben in Gräbern, aus den oberen Textilschichten auf die unteren Schichten übertragen können. Das verfälscht die Ergebnisse. Man kann also mit Sicherheit eine Farbe nachweisen, muss aber bedenken, das nicht die komplette Kleidung in einem Fund farbig gewesen sein muss.
Nachzulesen bei Nesat 2011 :
http://www.nesat.de/esslingen_xi/abstracts/6_Ringgaard.pdf
http://www.nesat.de/esslingen_xi/abstracts/7_Ringgaard.pdf

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