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Sonntag, 31. Juli 2016

Kleinkariertes

Versucht man eine historisierte textile Ausstattung nach einem Original Bild nach zu stellen, so stößt man schnell an die Grenzen des 1:1 Belegbaren.
Weil "das" Bild zu ungenau ist - je weiter man in die Geschichte zurück reist, um so dünner die Beleglage - und aus der Notwendigkeit heraus, da rutscht etwas, das hält nicht, da fehlt etwas.

Dazu kommt dann oft die Notwendigkeit persönliches zu verdecken und Autoschlüssel, Telefon, Medikamente unsichtbar transportieren zu können.

Gut wenn es für den Zeitraum einige textile Fragmente gibt, die uns etwas über Muster, Feinheit und Verarbeitung verraten.
Im Fundgut des Salzbergwerkes Hallstadt kommt das so genannte Pepita Muster vor. Es ist datiert auf die "Keltenzeit".

Im Kundenauftrag ist diese Bauchschärpe in meiner Werkstatt entstanden. Sie soll ein Oberteil unter einem Schwertgurt gürten und für Halt sorgen. Das Foto ist improvisiert, es ist natürlich für den Schwertgurt eines Herren gedacht.

Das Material ist reine Wolle, das blaue Garn ist Indigo gefärbt. 10Fäden je 1cm, 2/2er Köper, in Pepita Farbverflechtung. Gedrehten Fransen finden sich im Fundgut von Hallstadt.



Weil noch Kette übrig war, sind noch eine Umhängetasche und eine kleines Täschchen entstanden aus der Rubrik *P* wie praktisch:

17 x19cm Schultergurt 1,40m, der Gurt ist eine Gratiszugabe, da fehlerhaft und kann wieder entfernt werden.
Zum Ende der Kette hin, wollte ich ein wenig mit dem Muster spielen. Das Muster wurde so nicht gefunden - das Telefon übrigens auch nicht.

9 x 14cm ohne Überwurf und Fransen gemessen

Nachtrag, 09.08 2016

Rekonstruktion des Panzergrabes von Kleinklein: Der Kröllkogel HaD1. Krieger mit Pferd, ohne Harnisch.


Montag, 25. Juli 2016

Was sind das für komisch angezogene Leute oder offener Brief an die Burgenbesitzer

Eine knappe Woche "Urlaub" haben mein Mann und ich auf einer historisierten Anlage verbracht.
In historisierten Kostümen belebt, wie man so schön sagt.
Das bedeutet man füllt ein Freilichtmuseum mit Leben, lebt dort zumindest Tagsüber passend zur Zeit der Anlage und vermittelt so den Besuchern ein Bild vergangener Zeiten.
Man erklärt, zeigt und führt vor, schließt die Anlage morgens auf und abends zu.
Lässt Schulklassen an sich vorbei fluten, wird ungefragt fotografiert und auch schon mal angepöbelt oder ausgelacht. Das Gros der Besucher ist aber meist nett, freundlich und interessiert.
Den ganzen Tag erklären was man da macht, ist Arbeit. Man muss sich konzentrieren, man sollte den Besuchern keinen Unsinn erzählen.
Am Ende einer Erklärung gibt man sich oft einen Ruck und bittet um eine Spende für die Anlage.



Das Equipment, also all der Kleinkram wie Kochgeschirr, Keramik, Trinkgläser, Handwerkszeug, Kleidung bis hin zu Kochrezepten, ist auf privater Basis recherchiert, finanziert und mitgebracht. Der Besucher sieht nur die Spitze des Eisberges.

Was ist der Eisberg ?
Am Anfang steht die Recherche. Meist über das Internet. Von dort aus zu Publikationen, die man mit etwas Glück in erschwinglichen Büchern nachlesen kann, meist aber in Büchern die man sich mühsam über die Fernleihe besorgt, weil so ein Buch mitunter 300€ und mehr kosten würde, ohne im Vorfeld zu wissen, ob dort wirklich die Information, die man gerade sucht, steht.

Museumsbesuche, viele und nicht nur vor der Haustüre, runden die Sache ab.
Soll das Bild stimmen, will jedes Krüglein, Löffel, Schuh, Tasche, Schmuckstück, die gesamte Kleidung, Stück für Stück im archäologischen Fundgut eine Vorlage haben. Hat man diese Vorlage gefunden, geht die Suche los : Welcher Handwerker kann eine Replik anfertigen, was kann man selbst machen, wie lange muss man dafür sparen ?
Manches bekommt man gut, weil es Handwerker gibt, die in der Herstellung historischen Repliken eine Nische gefunden haben, die ihnen hilft, ihren kleinen Handwerksbetrieb am Leben zu halten. Dann sind die Stücke gut finanzierbar.
Manches ist aber auch eine teure Einzelanfertigung.
Die Kleidung ist im Idealfall handgenäht, eine Arbeit die sich viele Besucher gar nicht vorstellen können.
Hat man seine Ausrüstung beisammen, kann es los gehen zur Veranstaltung.
 
Man packt also all seinen Kram ins Auto (wer Tetris beherrscht ist klar im Vorteil) und fährt los.
Dummerweise ist so eine Veranstaltung selten vor der Hautüre. Zu den Kosten der Ausrüstung und Recherche kommt noch, Benzingeld.
Eigentlich sollte man auch eine extra Versicherung haben, von der man allerdings nie wirklich weiß, in wie weit diese Dinge abgesichert sind, und wer eigentlich haftet, wenn etwas gestohlen oder beschädigt wird.
Wer Waffen mit sich führt benötigt spezielle Transportboxen, Schwarzpulverscheine und mehr.

Viele Veranstalter und "Burgenbesitzer" wissen um all das. Man wird geschätzt, man bekommt ein Danke. Oft gibt es etwas zu Essen und einen Kaffee oder ein paar Freigetränke. Ein Honorar oder eine Aufwandsentschädigung gibt es selten, kämpfen doch viele Einrichtungen um ihre Existenz.

Leider immer öfter wird jedoch eine Pauschale von den Darstellern verlangt, mit der Begründung die Waschräume und Brennholz zu stellen. Diese Pauschale ist bisher klein, meist 6€ pro Tag und pro Nase.
In der Regel bekommt man dafür Brennholz, das brennbarer Abfall ist, und nicht etwa gut abgelagertes, zum Kochen geeignetes Feuerholz zur Verfügung gestellt.

Und hier setzt mein Ärger an !
Ich soll Geld zahlen, um mit meiner Arbeit und den Dingen, die ich mitbringe, ein Museum attraktiver zu machen ?
Zahlen, obwohl ohne die Anwesenheit der Darsteller die Häuser nur von außen besichtigt werden könnten und verschlossen blieben ? Zahlen, obwohl ohne Darsteller nur halb so viele Spenden in die Box gingen ? Sieht so Wertschätzung aus ?

Ich für meinen Teil überlege ernsthaft, solche Anlagen künftig zu meiden und damit eine klare Grenze zu ziehen.



Nachtrag 27.07 12,25 Uhr: Ich bin wegen der Qualität und Menge des Holzes mehrfach angesprochen worden.

Im Interesse der Träger sollte in den Häusern kein Holz mit Farb- oder
anderen Rückständen verbrannt werden, ebenso kein Holz, das noch grün
oder nass ist und übermäßig viel Rauch beim Abbrennen bildet.
Zur Produktion von privaten Werkstücken, Keramik, Schmiedewaren etc.
wird Holz über den normalen Verbrauch hinaus benötigt, diese Mengen
waren in meinem Post nicht gemeint.
Wird von Darstellen eine Handelsware vertrieben, Andenken für
Besucher oder Bedarf für Darstellerkollegen, kann natürlich eine Standmiete
erhoben werden. Mein Post bezieht sich rein auf die unkommerzielle
Arbeit von Darstellern.


Mittwoch, 13. Juli 2016

Besonderer Rautenköper

Im Kundenauftrag webe ich gerade einen besonderen Rautenköper.
Alles was ich dazu sagen kann - es ist ein Fund aus der Nordostschweiz, dort hat sich an einem Stück Metall ein kleines Stück Textil, als Abdruck erhalten, so gut, das man es rekonstruieren kann.
Das besondere an den Rauten ist, das jeweils an den "Ecken" gleich 2 Fäden in der Kette eingezogen wurden.  Die Rauten wechseln sich mit Zickzacklinien ab, das Gewebe ist ein Köper mit 4 Schäften.
Datiert ist das Stück auf etwa das 6. -7. Jahrhundert.

So weit die Fakten.
Gewünscht ist der Stoff, in dunklem Indigo Blau mit Lila Cochenille Färbung.
Mein Gewebe ist mit 10 Fäden/1cm dicht, das Material ist reine Wolle.

Jetzt lasse ich Bilder sprechen:




Die Münze im Bild ist ein Stück 1 Euro Cent

Mittwoch, 6. Juli 2016

Der Burgund

Mittelalter satt gibt es im Burgund.
Man hat den Eindruck es gibt kein Dorf, ohne mittelalterlichen Kern. Mittelalterliche Bautischler werden sicherlich ihre helle Freude haben, denn es sind wirklich viele Bauten mit Schnitzwerk und Figuren erhalten. Enge Gassen und verwinkelte Häuser erwecken den Eindruck, als sei die Zeit stehen geblieben. Besucht man jedoch die großen Klöster, z.B. Fontenay und Cluny spürt man das viel Zeit verstrichen ist. Fontenay wurde zeitweise zur Papierfabrik, Cluny mit der größten Kathedrale des Mittelalters, wurde geschliffen. Beides sollte man sich anschauen, wenn man dort ist.

Ebenfalls sehr beeindruckend ist das Hotel Dieu in Beaunne, ein mittelalterliches Hospital, dessen Größe und Ausstattung beeindruckt, hat es mehr, viel mehr Platz und Intimsphäre als jedes moderne Krankenhaus.




Die Museen für Archäologie und das für schöne Künste in Dijon, waren trotz freien Eintritt an einem Sonntag schlecht besucht. Was für den einzelnen Besucher fein ist, kann man sich alle Stücke in  Ruhe ansehen. Das Knipsen ohne Blitz ist gestattet.
Im Archäologischen Museum kommen auch die Freunde vormittelalterlicher Geschichte auf ihre Kosten, Vitrinen mit Merowingischer Kunst, und Berge von Bronzezeitlichen Funden gibt es dort zu sehen. Der Link zum Museum gibt das leider gar nicht her, und ich habe (ganz erschlagen) kaum Bilder dort gemacht.

Das Weinmuseum in Beaune hat mir gut gefallen, dort läuft ein sehr schöner Film über die Herstellung eines großen Holzfasses.
Fährt man von Ort zu Ort, fährt man durch schöne Landschaft, die sich mit Wein, Getreide, Senffelder aber auch Gemüsefeldern und Wald abwechselt, durchzogen von kleinen Flüssen und Bächen. Wilde Blumen überall. Es ist hügelig, oft kann man weit schauen, die Gegend wirkt beschaulich und friedlich, sogar während der EM.


Den tollsten Ausblick hatten wir in Bibracte, oben auf dem Berg hinter den Ausgrabungen. Bibracte ist ein hauptsächlich keltischer Ausgrabungsort, ein Zentrum für Archäologie, mit eigener Akademie und großen Unterkünften. Das Museum ist in den Jahren seit ich zum ersten Mal dort war, an Funden gewachsen. Es hat mir erneut gut gefallen. Toll auch der Audio Guide in deutscher Sprache den man mir aufsetzte. Gut gemachte Informationen und ein wirklich schön gemachtes Museum !

Ein Muss ist natürlich Guedelon, die große Baustelle. Worauf man etwas vorbereitet sein sollte, sind die Besuchermassen. Nach der Anfahrt über kleine Straßen, durch kleine Dörfer, fragt man sich, wo all die Busse her kommen, die all die Schulklassen ausspucken. Die Baustelle ist besser besucht, als all die feinen Museen. Sieht man jedoch wie gebannt die meisten Kindern, den Akteuren und ihren Erklärungen zuhören, versteht man warum.
Trotz all dem Trubel, hat man kleine Momente indem man die Räume auf sich wirken lassen kann. Beeindruckt haben mich, neben Größe, Werkzeugen und Kunstfertigkeiten, die Malereien der Wände mit Erdpigmenten. Der Tag verging schnell und einen ganzen Tag sollte man ein planen.


Fern von all dem Trubel, auf dem Weg zu einem ganz anderen Ziel, haben wir Semur-en-Auxois entdeckt, wie ein Ort aus einem Bilderbuch ragt es in die Landschaft.


Die Kirche hat viele schöne farbige Glasfenster, einige lassen sich auf Grund der Motive ganz klar als jung erkennen, andere scheinen alt zu sein.

Mein Favorit ist ganz klar dieses:







































Nach 9 Museen, vielen Kirchen, Orten und Eindrücken, der guten Luft noch im Gedächtnis, der getankten Ruhe, wunderbares Essen, und beeindruckenden Menschen, die man nebenher kennen lernt, bin ich noch nicht wirklich Zu Hause angekommen. Dennoch heute geht es zurück an den Webstuhl.

Abtei Fontenay http://de.france.fr/de/sehenswert/die-abtei-fontenay
Abtei Cluny http://www.burgund-tourismus.com/hauptattraktionen/abteikirche-von-cluny
Hotel Dieu http://www.hospices-de-beaune.com/L-Hotel-Dieu
Weinmuseum Beaune http://www.musees-bourgogne.org
Museum der schönen Künste Dijon http://mba.dijon.fr/
Museum für Archäologie Dijon http://www.dijon.fr/les-musees!0-35/musee-archeologique!1-38/
Burg Baustelle http://www.guedelon.fr/de/guedelon-besuchen_116.html
Bibracte http://www.bibracte.fr/
Notre Dame Semur-es-Auxois (Bilderstrecke) https://structurae.de/bauwerke/kirche-notre-dame-semur-en-auxois/fotos