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Dienstag, 23. August 2016

Kissen im Mittelalter

Auf vielen, wirklich sehr vielen mittelalterlichen Abbildungen finden sich Kissen aller Art.
In Betten, auf Böden, vor allem aber auf Sitzmöbeln.
Wenn man genau hin schaut, findet man beinahe auf jeder sitzenden Heiligendarstellung ein Sitzkissen, mal gut zu erkennen, mal weniger gut. Oft bunt und scheinbar kostbar. Was nicht verwunderlich ist, denn es werden hochgestellte Personen dargestellt. Umgeben von standesmässen Luxusartikeln.

Mein Blick gilt einer Kissenform die ein wenig Sackartig wirkt und meist bei den sehr frühen Buchmalereien auftaucht. Einen schnellen Überblick, was ich meine findet man z.B. hier in Bildern aus der Otonik :
https://de.wikipedia.org/wiki/Hauptwerke_der_ottonischen_Buchmalerei
(Quelle: Wikipedia)

Viele dieser Kissen waren vielleicht aus bunter importierter Seide. Seide scheint über einen langen Zeitraum, sehr angesagt gewesen zu sein. Erhaltene Stücke, wie zB in St Severin Köln, zeigen das sie geliebt, gepflegt und immer wieder anders verwendet wurde. Möglich ist aber auch das die Kissen aus gefärbter Wolle waren. Ob die Kissen aus bunt gewebten Stoffen, aus bunt bestickten, oder mit Borten verzierten Geweben waren, kann man auf den Bildern selten erkennen. Vermutlich war die Vielfalt weit größer, als es die Bilder erkennen lassen. So versuche ich eine Nachbildung dieser Kissen Form.

Eine Bindung die in meinen Augen nach Farbe schreit, ist der Rosettenköper der gerade an meinem Webstuhl eingerichtet ist. Ein kleines Original Stück diesen Gewebes, hat sich als Abdruck an einem Metallstück erhalten, die Farbe(n) des Textils sind also unbekannt. Ebenso ob das Muster von dem ein kleines Stück erhalten ist, in der Formvielfalt in der ich es verarbeitet habe, so verwendet wurde. Mein Kissen ist der Form nach, den Kissen auf Abbildungen nach empfunden, wohl wissend, das zwischen Kissen und Gewebe, Jahrhunderte liegen.

Die Umsetzung:
die Kette ist industriell gefärbt und entspricht einem dunklen Krapp Rot. Die Schussgarne sind außer dem hellrot und dunkelgrün, pflanzlich gefärbt. Verwendet wurde was teuer war : Doppelfärbungen Indigo/Reseda, Indigo, Cochenille, Reseda. Die industriell gefärbten Garne entsprechen Kermes Laus und Waid/Reseda. Alle Nähte sind von Hand gefertigt, gestopft ist das Kissen mit Wollresten.





Donnerstag, 11. August 2016

so hilfreich wie die gelben Engel

An meinem Webstuhl bemerke ich eben, das der linke Rollenzug kaputt ist. 
Mist. 
Ich dachte ich werde heute endlich mit dem Gewebe fertig !



*grübel* in den Baumarkt fahren, Rädchen suchen, Niete ausbohren, Rädchen mit Schraube und Mutter sichern ... ODER bei Künzl fragen.

Angerufen, nachgefragt, eine freundliche Stimme sagt, haben wir noch einmal da, sogar als Original Ersatzteil, geht noch heute raus, dafür sind wir doch da.

************

Das war gestern. Heute mittag ist das Päckchen schon da, gut verpackt, prima Teile, in 5 Minuten sorfälltig eingebaut, schon kann es weiter gehen. Super !


Wenn jeder der nebenbei mit Ersatzteilen handelt, für 23€ incl Porto so freundlich und hilfsbereit wäre, wäre die Welt des Groß und Einzelhandels ein schönerer Ort.
( für 2 neue Rollenzüge, also die Holzdinger, nicht nur ein neues Rädchen, kein suchen, kein basteln, austauschen fertig)


Weiter sagen, Künzl ist die erste Adresse am Platz ! Damit sie uns lange erhalten bleiben.
 http://www.kuenzl.de/

Sonntag, 7. August 2016

Chick in Darmstadt

Im Hessischen Landesmuseum Darmstadt gibt es noch bis zum 16.10 2016 eine wunderbare Sonderausstellung in Sachen historischer Mode.
Gezeigt werden aufwendige Stücke des 17ten Jahrhunderts, hauptsächlich Oberteile, aber auch Schuhe, und Zubehör. Eine Vielzahl von zeitgenössischen Gemälden zeigen wie sie getragen wurden.
Zu den Stücken die sonst in der Dauerausstellung stehen, wurden einige Stücke aus aller Welt zusammen getragen, und wenn man genau hin schaut erkennt man Borten, in Brettchentechnik, Kamm gewebt, geklöppelt, gedrechselte Holzknöpfchen die kunstvoll umnäht sind, und die große Kunst der Handnäherei. Die Nähmaschine war noch nicht erfunden.

Wer es nicht dort hin schafft - der Ausstellungskatalog ist klein aber fein und für knapp 25€, absolut sein Geld wert. Für die Textil Freunde könnte er einen Besuch ersetzen, die Schuhfreunde werden nicht ganz auf ihre Kosten kommen, denn im Museum kann man trotz des spärlichen Lichts (wegen der Lichterosion) doch gut in die Schuhe hinein schauen, und die Nähte sowie punzierte Innensohlen gut erkennen. Wenn ich richtig gezählt habe, sind es 9 Paar Kinder, Damen und Herren Schuhe.

Fotografieren ist nicht gestattet, weshalb es keine Bilder in diesem Post gibt.

 mehr Infos direkt vom Museum


Krappwurzel Rubia tinktoria

Nach reiflicher Überlegung habe ich mich entschlossen auf die Färbedroge Krapp zu verzichten.

Warum ?

Krapp steht im Verdacht Krebs erregend zu sein.
Die Zulassungen krappwurzelhaltiger Arzneimittel wurden dementsprechend am 15. März 1993 durch das Bundesgesundheitsamt widerrufen. Krappwurzel wird im Verhältnis 2:1 Färbedroge/Färbegut verwendet, also in größeren Mengen. 
Einige Darsteller meiden neuerlich Krapp und auch ich möchte mich und meine Familie, den Dämpfen die beim färben entstehen nicht mehr aussetzen.

Als Alternative stehen Cochenille oder chemische Farben zur Verfügung, letzteres gerne ebenfalls handgefärbt in schönen Krapp ähnlichen Rottönen.


http://de.academic.ru/dic.nsf/dewiki/484926