Translate

Montag, 31. Oktober 2016

Schwarznuss, Juglans nigra

Die Schwarznussbaum ist ein imposanter Baum, er wird noch größer als der Walnussbaum, weshalb er oft nur in großen Parks zu finden ist. Seine Früchte sind so groß wie kleine Orangen und auch so geformt. Ihre grüne Schutzhülle ist sehr dick und hat hohe Farbkraft. Die eigentliche Nussschale lässt sich nur mit allergrößten Aufwand knacken und der Nusskern hat einen leicht ranzigen Nussgeschmack mit einem Abgang von Rum.

die Nuss, so wie sie vom Baum fällt

Um einen Färbesud zu erhalten, kann man die ganze Frucht in den Topf werfen. Es lässt sich kalt oder heiß färben, eine Vorbeize ist nicht erforderlich. Ist die Flotte schön satt, erhält man im ersten (heißen) Durchgang ein sattes Mokkabraun. Die zweite und alle weiteren Flotten sehen einer Walnussfärbung zum verwechseln ähnlich. Kein Wunder, das Farbpigment ist bei beiden Arten identisch.
Das schönere Ergebnis erhält man beim färben mit Hitze. 
Ist die Flotte ausgelaugt kann man die bereits abgekochten Nüsse wieder in die Flotte werfen und ein zweites aber auch drittes Mal auskochen.
Es lohnt die Flotte zu filtern, um Fleckenbildung zu reduzieren.

die von der grünen Schale befreite Nuss
Grüne Schalen bereit zum färben

der Nusskern

Flotte und Färbegut

 Die Brauntöne lassen sich wunderbar kombinieren :
erster und zweiter Zug in Kombination mit Naturschwarz und Blau


Donnerstag, 20. Oktober 2016

Fleiß ist eine Tugend

Viele historische Textilien, rufen bei mir die Frage "Warum hat man das nur gemacht ?" hervor.
Wie zB. der Webpelz aus dem 11.Jahrhundert in Schleswig, die vielen Borten die aus spinnenfeinen Fäden in komplizierten Mustern gewoben sind, oder gar all die Stickereien. All diese Stücke verbindet ein hoher Arbeitsaufwand und großes Können, gepaart mit Erfahrung.
Wir, die oft Hausarbeit nach *Priorität und der Rest bleibt liegen* erledigen, stehen fassungslos davor - falls wir es erkennen. Denn unser Auge ist heute so viel schnell und preiswert Gemachtes gewohnt. Kleidung mit schnellen Overlocknähten in den Größen S- XL, egal wie die Bedürfnisse sind, füllen die Geschäfte. Es wird getrickst, geblendet, und wenn doch mal Hand angelegt wird, dann meist weit weg. So ist uns das Gefühl für die Mühe die in den alten Textilien steckt, verloren gegangen.

Wer Daheim sitzt und arbeitet, hat keine Zeit für Blödsinn.

Offensichtliche Fleißarbeit, drückt genau das aus, "seht her ich bin fleißig und tugendhaft !"
Viele historischen Textilien egal welcher Machart (Luxus oder ärmliches Alltagstextil) zeugen von Mühe und Sorgfalt. Die Rohstoffe waren begrenzt und hatten damit ihren Wert. Stoffe sind durchweg sorgfältig verarbeitet, die Garne gut gesponnen. Das Sackleinen des Mittelalters ist eine Mär. Ebenso grobe dicke Stoffe, grobe plumpe Nähte. In Zeiten ohne Maschinen galt es, so fein und gleichmäßig wie nur möglich zu arbeiten.
Viele unterschiedliche Nahtarten machten Kleidung komfortabel, der oft verwendete Überwendlichstich verbindet und versäubert gleichzeitig, macht die Kleidung langlebig.
Mit Maschinen lässt sich das schwer reproduzieren.
Textiler Fleiß über den einfachen Bedarf hinaus, und der damit verbundene Zeitaufwand, sind Luxusgut. Man muss neben den täglich anfallenden Arbeiten, genügend Muße, Licht und Wärme für diese Kunst haben. Ganz unabhängig davon, welche Materialien (das Minimum oder kostbarer Luxus) zur Verfügung standen.