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Sonntag, 22. Januar 2017

Ein Rechteckmantel

Ich erinnere mich, als wir in der Grundschule die Geschichte des heiligen St. Martins besprochen haben, und die Verwirrung von uns Kindern bei der Vorstellung, einen Mantel zu teilen. Die Erklärung, das die Mäntel früher keine Arme gehabt haben, hat mir nicht so wirklich eingeleuchtet. Das der Mantel des Martin nur eine Art Decke gewesen ist, konnte ich mir nicht vorstellen.

Nachgewiesen sind Tuchmäntel über Hunderte von Jahren. Sie tauchen schon in den Baumsarg Bestattungen der Bronzezeit, aber auch noch im frühen Mittelalter als Fundstücke, als Fragmente und auch in Bildquellen auf.
Tuchmäntel waren recht praktisch, es handelt hier um rechteckige große Tücher, in die man sich vielleicht nachts auch als Schlafdecke einhüllen könnte. Als Mantel getragen, wurde es zum Teil doppelt gelegt und mit einer großen Nadel oder Fibel verschlossen. Solche Tücher werden auch Prachtmantel, oder Rechteckmantel genannt.
Oft haben sie sehr aufwendige Gewebekanten, die in besonderen Techniken, wie Brettchenborten die mit Zöpfchen verziert wurden, eingefasst sind.

Diese Kanten haben teils praktische Gründe, eine Borte wird benötigt, um die Kettfäden an den Gewichtswebstuhl zu bringen. Die Schussfäden der Borte hängen einseitig lang aus der Borte heraus, sie werden die späteren Kettfäden.
moderner Bandwebstuhl beim schären einer Kette für einen Gewichtswebstuhl
Die vorbereitete Borte, wird später am Gewichtswebstuhl befestigt.
Borte samt Kette am Gewichtswebstuhl befestigt, links im Bild wurde das Gewebe schon angewebt
(Quelle: Webaktion der hl. Rock Pilgertage in Trier 2012)
Die anderen Borten sind technisch nicht nötig. Das sie dennoch da sind, zeugt von Fleiß und Liebe zum Detail. Möglich das die Tücher repräsentativen Zwecken dienten.
Meist sind extrem aufwendige Tuchmäntel nachgewiesen, aber es gibt auch einige Schlichte.

Mein erstes Stück ist ein schlichtes Modell, die Vorlage möchte ich demnächst ausführlicher vorstellen.
Gewählt habe ich schiefergraues Wollgarn, eine schlichte 2/2 Köperbindung, die "Feinheit" des Gewebes liegt bei 5 Fäden/1cm, als einziger Schmuck sind gedrehte Zöpfchen vorgesehen.
Das Gewebe wird in Falttechnik (Doppelbreit) am modernen Flachwebstuhl gewebt.

links sieht man die untere blind gewebte Schicht des Gewebes


Mein Torso ist zu klein und zu schmal für Herrenmäntel, aber man kann so in etwa sehen, wie das Stück getragen wurde.

1,60m x 2m ohne Fransen gemessen.



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