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Montag, 27. Februar 2017

angewebte Kanten bei Rechteckmänteln

Die Rechteckmäntel der Eisen und Bronzezeit, haben meist aufwendige Brettchengewebte Kanten. Aufwendig geflochtene Zöpfchen runden die Stücke meist ab. So sind diese Mäntel, Ausdruck von unermüdlichen Fleiß, und damals wie heute sind sie repräsentative Stücke von hohem Wert.

Für Neulinge:
Ein Brettchengewebe ist technisch gesehen, eine Serie von gedrehten Schnüren, die durch den Kettfaden miteinander verbunden und fixiert sind.
Dazu benötigt man an den Ecken gelochte Kärtchen, die z.B. aus Knochen im Fundgut unterschiedlicher Epochen, auftauchen. Durch die Löcher werden die Kettfäden eingezogen. Das Fach entsteht bei diesem Gewebe durch das drehen der Brettchen.

ganz einfache grobe Brettchenborte (Gürtel) am modernen Webrahmen
Da ich selbst, nicht wirklich gut Brettchen weben kann, habe ich mir überlegt, besser bei den Manteltüchern zu bleiben, und die Kanten den Könnern zu überlassen.
Das hat den Vorteil, das ein Mantel damit nicht mehr ein finanzielles Großprojekt sein muss. Wie das bekannte schwedische Möbelhaus wirbt - mitmachen, spart Geld.
Was ich eifrigen Bortenwebern anbieten kann, ist ein handgewebtes Tuch in Wunschmuster und Farbe, gut fürs Borten anweben vorbereitet, indem ich die Schussfäden so einlege, das man nichts aufdröseln muss.
Das Tuch würde in dem Fall ungewaschen, zum Bortenweber gehen, damit nichts angefilzt und damit schwerer zu bearbeiten ist. Dies verringert auch unterschiedliche Spannungen beim fertigen Stück. Der Mantel kann nach Fertigstellung  gewaschen werden, damit die Gewebe sich entspannen und die Fäden sich aufplustern können, die Fäden fügen und schmeicheln sich im Gewebe zu einer einheitlichen Fläche. ( Fachjargon = Fulling)


Ein Beispiel :
Bei einem Mantel der im Vehnemoor gefunden wurde, ragen kleine Schlaufen der Gewebe Schuss Fäden in die Borte. (siehe dazu NESAT Band 11 S. 164, )

vereinfachte Darstellung

Hier ein Probestück von meinem Webstuhl:

Das Muster entspricht nicht dem Mantel aus dem Vehnemoor, hier habe ich eine Restkette als Ansichtsmuster verarbeitet.

Der Einfachheit halber, damit sich das Gewebe nicht lockert, und alles schön in Reihenfolge erhalten bleibt, habe ich eine technische Schnur eingearbeitet, die man beim Borte arbeiten, nach und nach raus ziehen kann. Die Kettfäden an den Schnittkanten können beliebig lang, nach Wunsch und Projekt erhalten bleiben, um auch an diesen Kanten, Borten zu arbeiten. Auch hier wurde zum Schutz des Gewebes und der Ordnung halber, Laufknoten gemacht.
Bei einem solchen Projekt würde ich zusammen mit dem Auftraggeber, genügend Garn ein planen, um das gesamte Tuch aus einem Guss zu arbeiten, es würde also gleich passendes Garn für die Borten mit geliefert.
Anbieten kann ich Tücher bis zu einer Breite von etwa 1,80m Breite* und beliebiger Länge, in 2/2 Köper oder Fischgrat Bindung.

*Als Faltgewebe, kann ich bis zu 2m breit weben, dabei  springt das Gewebe gut und gerne 20 - 30cm ein.

Literatur:
NESAT Band 11, ab Seite 161
The Vehnemoor Cloak and its Colleagues:
A Unique Find in Relation to its Paralellels
Susan Möller -Wiering, Lise Raeder Knudsen

Tipp - Fernleihe der örtlichen Bücherei bemühen.

Donnerstag, 23. Februar 2017

Mantel Marco

Schachbrettartige Karomuster sehen durch die Farbverflechtung einfach aber raffiniert aus, es wirkt als ob mehr Farben beteiligt wären, als es in Wirklichkeit sind, weil sich die Farben vermischen. Dabei wirkt das Muster fürs Auge aufgeräumt und gefällig.
Im Frühmittelalter findet sich solches Karo in Oseberg und auch an der Tunika des Bernuthsfeld Mannes.

Im Kundenauftrag :
Mantel in schlichter Form mit umgenähter Schnittkante, einfachen Webkanten und gedrehten Zöpfchen.
der Mantel ist noch ungewaschen, der Wetterbericht sagt Dauerregen vorraus, und so habe ich die Gunst der Stunde genutzt.


Die Schussgarne sind ein Hauch dunkler als die Kettgarne, was dem Gewebe eine lebhafte Optik verleiht.


Technische Daten:
2/2 Köper
5 Fäden je 1cm
Garne 100% Wolle chemisch gefärbt

Freitag, 3. Februar 2017

Der Mantel des Bernuthsfeld Mann

Der Mann aus dem Bernuthsfeld , von Isidern liebevoll Bernie genannt, hat vermutlich im 8ten Jahrhundert gelebt. Er ist als Moorleiche erhalten und mit ihm ein Fundus an Textilien.
Eine Tunika die aus lauter Flickwerk zusammen gesetzt ist, Beinwickel, einen Mantel, ein Tuch und etwas das als Kapuze dargestellt wird.
Der Mann wurde vor über 100 Jahren beim Torf stechen gefunden, und immer wieder untersucht, jeweils mit den Mitteln der Zeit. Neue Untersuchen wurden vor Kurzem gemacht, neue Erkenntnisse sollen demnächst veröffentlicht werden.

Bernies Mantel unterscheidet sich von den Prachtmänteln der Bronze und Eisenzeit, die extrem aufwendig gearbeitet  und vermutlich nicht nur wärmenden sondern auch repräsentativen Zwecken dienten, durch seine Schlichtheit. Statt einer aufwendigen umlaufenden Borte, hat er eine kleine Anfangsborte, die eine technische Kante ist, und dazu dient die Kette für das Gewebe am Gewichtswebstuhl vor zubereiten. Seitlich sind sogenannte Schlauchkanten, am Gewebeabschluss ist die Kette durch gedehte Zöpfchen gesichert.
Eine Schlauchkante muss man sich, wie einen gewebten Tunnelzug vorstellen. Sie ist hohl und geht ohne Naht ins restliche Gewebe über. Ob sie einen funktionalen Zweck hatte ist nicht bekannt. Die Herstellung dieser Kanten war aufwendig. Sie lässt sich nicht in die Schäfte des restlichen Gewebes eingliedern, vermutlich wurden die jeweils 6 Randfäden manuell von Hand ausgelesen.
Die Feinheit des Gewebes ist laut Tidow als eher grob ein zu stufen.
Welche Farben der Mantel ursprünglich hatte, ist mir zur Zeit nicht bekannt. Seine heutige Farbe ist durch die lange Zeit im Moorboden gelblich.

Das Manteltuch dient mir als Vorlage für meine nächste und auch vorangegangene Arbeit.
Anders als das Original, soll der Mantel nicht im Fischgratmuster, sondern in 2/2er Köper gewebt werden. Fragmente die als solche von Mänteln eingestuft werden, finden sich in Oseberg und Haithabu.
Eine besondere Herausforderung, sind die Kanten des Manteltuchs. Die Zöpfchen sind aufwendig aber recht einfach, die Borte wird nachträglich angewebt, jedoch die Schlauchkanten lassen sich technisch nicht in mein System integrieren. Um die etwas fülligen Schlauchkanten optisch zu darzustellen, habe ich die Randfäden gebündelt.
Erst einmal wird mein zweiter Mantel aus gezwirnten Garn entstehen, als Übungsgewebe, bevor ich später an den Kundenauftrag aus Einfachgarn gehe.

nachträgliches versäubern des Gewebeanfangs am Bandwebstuhl



















Quellen:

Hans Hahne: Die Moorleiche aus dem Hochmoor "Hogehahn" bei Bernuthsfeld, Kr. Aurich. In: Provinzialmuseum Hannover (Hrsg.): Vorzeitfunde aus Niedersachsen Teil B - Moorleichenfunde aus Niedersachsen. Lax, Hildesheim 1925,

Marion Heumüller / Jan F. Kegler :  Der Mann von Bernuthsfeld und seine Zeit. Die neue
Ausstellung im Ostfriesischen Landesmuseum Emden


Das Original kann in Emden besichtigt werden:
http://www.landesmuseum-emden.de/17-0-22