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Donnerstag, 25. Mai 2017

Darmstädter Kästchen - die ersten Deckelfiguren

Der Deckel des kleinen Darmstädter Turmkästchen ist flächendeckend mit Beinplättchen verkleidet.
Die Plättchen sind deutlich breiter, als jene die ich heute kaufen kann. Das liegt zum Teil daran, das unser heutiges Schlachtvieh nicht mehr so alt und groß wird, wie die aus früheren Zeiten. Möglich ist auch, das Knochenmaterial vom Unterkiefer oder Rippen zum Einsatz kamen.


Das Zurichten von Knochen zu Beinplättchen ist eine mühsame Arbeit. Die Materialien dazu sind nicht wirklich einfach zu beschaffen. Das sägen und schleifen aus dem Rohknochen heraus, übersteigt meinen Werkzeugpark aber auch meine Fähigkeiten. So war ich froh Knochenplatten von Wasserbüffeln im gut sortierten Messerbau Bedarf kaufen zu können. Die gekauften Plättchen sind beinahe so breit, wie die des Originals, das heißt es fehlen einige Millimeter, die ich später kaschieren muss, indem ich die Zwischenstücke etwas breiter mache.
Der Knochen des Wasserbüffel scheint mir weißer und weniger durchscheinend als die bisher verarbeiteten Rinderknochen Plättchen, lassen sich aber hervorragend verarbeiten.

rechts und links jeweils 5 Wasserbüffel Platten, in der Mitte einmal Rind
Schaut man sich die einzelnen Stücke des Kölner Schatzbaukasten an, stellt man fest, das vermutlich mit Schablonen gearbeitet wurde. Wie die Schablonen aussahen, aus welchen Materialien sie bestanden, habe ich nicht herausfinden können. So habe ich mir eine Papierschablone gemacht, mit der ich aber nur ohne Publikum arbeite. Die Schablone gibt mir die Konturen vor, die einzelnen Figuren arbeite ich von Hand aus. Auf Papier mit Bleistift zeichne ich die Figuren etliche Male, bis ich das Gefühl habe, das Motiv sitzt, dann zeichne ich grob auf dem Plättchen vor.
Meine zweite Figur ist Marcus, die symbolisch als Löwe dar gestellt wird, und beim Original wie ein Bär aussieht. Bei mir sieht er aus, wie ein Schaf mit Pudelmütze. Wenn das Motiv geschwärzt ist, wirkt es vermutlich noch einmal Anders, ich werde es sehen.

Begonnen habe ich mit Johannes, der als Adler dargestellt wird, dieses Motiv ist bereits geschwärzt.
Bevor ich mit der nächsten Figur beginne, möchte ich die Palmettenmotive üben. Diese möchte ich bei der Veranstaltung auf der Schelenburg beginnen, bis da hin soll dieses Motiv gut von der Hand gehen. Obwohl diese Motiv sehr einfach wirkt, tue ich mich schwer, ich werde es noch tüchtig üben müssen, bis es mir gut von der Hand geht.
links Kreuzblümchen, rechts Palmetten

Dienstag, 23. Mai 2017

das aufhäkeln von Ketten

Im Netz habe ich nichts wirklich dazu gefunden, vermutlich weil es nicht wirklich schwer ist.

Wie bereite ich mit einfachen Mitteln eine Kette vor ?
Egal ob es für den Webrahmen oder Webstuhl zum Tuch weben, oder für einen Webrahmen zum Borten weben - es braucht zuerst eine Kette.
Braucht man eine Kette für die Tuchweberei, benötigt man ein Fadenkreuz, idealerweise auch ein Gangkreuz, beim Bortenweben, braucht es das nicht.
Beim Borten weben, hat man die Möglichkeit endlos zu scheren (also quasi im Kreis) oder auch einfach hin und zurück.
Man kann über Schraubzwingen dessen Griffe nach oben zeigen, am Tisch schären, versetzt und Zickzack über den Tisch gearbeitet, kommt man auf erstaunliche Längen. Man kann den Tisch umdrehen und über die Tischbeine schären, man kann Stühle umgedreht auf den Tisch stellen (bitte gut befestigen, nichts darf rutschen), Möglichkeiten gibt es viele. Alle sind meist sehr sportlich.

(sorry, hierzu habe ich keine Bilder)

Einen Blumenhocker umgedreht auf ein sich drehendes Frühstücksbrett und mit einem Stein beschwert, war eine Zeit lang mein Behelf. Irgendein  Dings zum Tassen aufhängen, lag noch im Keller, das wurde zerlegt und zum Fadenkreuz und Gangkreuz fassen, angeschraubt.

Egal wie Ihr es macht, macht Euch eine abgemessene Hilfsschnur, die die Länge der zukünftigen Kette hat, und idealerweise eine andere Farbe hat. Ganz wichtig ist, schärt mit gleichmässiger Spannung.

hier ein Kettbaum wie ihn die Tuchweber nutzen
Ist die Kette fertig, ist abbinden wichtig. Dazu werden Hilfsfäden benötigt, die wie Doppelachten durch die Fäden gewunden und verknotet werden. Das ist wichtig, damit die Kette beim händeln nicht in Unordnung gerät.

Nun wird die Kette aufgehäkelt.
Dazu nimmt man ein Ende der Kette (Tuchweber müssen überlegen, ob die das Gang oder Fadenkreuz zuerst brauchen und fangen dann beim zuletzt benötigten Ende an) und machen eine Schlaufe


Nun mit der Hand durch die Schlaufe greifen und die Kette durch die Schlaufe ziehen, so das eine neue Schlaufe entsteht
Und die Nächste, am besten abwechselnd mit der rechten und der linken Hand, bei sich drehenden Kettgestellen, ans bremsen denken, damit die Kette nicht runter fällt. (wenn doch, habt ihr hoffentlich schön gesichert ?)




So könnte die Kette aussehen:

Um eine große Länge an den Bortenwebrahmen zu bringen, kann man nun einen Teil der Kette auf den Webrahmen wickeln, man kann entweder eine der Schlaufen einfach über einen der Holme legen, oder aber die gewünschte Schlaufe, an den Anfang der Borte, mittels Hilfsschnur knoten. Letzteres ist einfacher, weil man nicht ständig nach der Spannung suchen muss.

sehr vereinfachtes Modell für "Josef"
Bei Tuchweber kann das nun so aussehen:
https://zeitensprung.blogspot.de/2014/01/alleine-eine-kette-baumen.html

Dienstag, 16. Mai 2017

2 Kissen für die Antike

Kissenbezüge für die Hellenistische Antike 4 -2 Jahrhundert vor Christus waren gewünscht. Die Kissen sollen Nachbauten von Möbeln aus dieser Zeit abrunden.
Zu dieser Zeit war Leinwand die vorherrschende Bindung. Das belegen Bildnisse die Gewichtswebstühle mit einem Schaft zeigen und einige wenige Textil Fragmente.
Leinwandbindung ist die einfachste aller Bindungen, aber keinesfalls primitiv. Je schlichter das Muster, um so schlimmer fallen Fehler und Unregelmäßigkeiten ins Auge. Es finden sich in Verbindung mit farbigen Garnen eine Vielzahl von Möglichkeiten in Form von Eingewebten farbigen Mustern und Ornamenten.
Ripsgewebe finden sich ebenfalls, und sie sind in diesem Fall auch Leinwandbindung, man spielt hier mit der Dichtigkeit von Kette und Schuss.
Die meisten dieser Textilien erfordern hohe Fingerfertigkeit und einen extrem hohen Zeitaufwand.
Glücklicherweise finden sich Bildnisse die gut umsetzbare einfache Stoffe zulassen.

Bilder : T.Schillo von  http://hetairoi.de/
Als Kettgarn wurde einfädiges Garn mit relativ grober Faser gewählt. Es ist industriell gesponnen und wurde zur besseren Verarbeitung nachgesponnen. Es ist Naturbraun und hat helle Grannenhaare.
Die Kette liegt bei einer Dichte von 10 Fäden/1cm

Für die Musterstreifen wurden beim ersten Kissen, weißes etwas dickeres Garn verarbeitet, beim Zweiten etwa gleichstarkes Pflanzengefärbtes.
Bild T. Schillo

Auf einem Bild ist an der Kissenecke ein kleines Pinselchen zu sehen. Ich deute es als kleine Troddel, und habe ebenfalls Troddeln an die Ecken genäht. Anders als bei den Stücken aus dem Hochmittelalter nicht baumelnd sondern fest ansitzend. Eigentlich scheinen sie mir etwas groß geraten.
Als Unterlage, meine neuzeitliche Gartenbank


Samstag, 13. Mai 2017

Handrollierte Taschentücher

Neulich dachte ich, ich möchte mal wieder ein paar Stofftaschentücher haben.
Nachdem ich ein gekauftes Tuch in der Hosentasche hatte, wusste ich warum ich vor vielen Jahren so ganz davon abgekommen bin : ich habe einen Riesenknubbel in der Tasche.

Warum keine Stofftücher im Format der handelsüblichen Papiertücher ?
Eigentlich könnte man die selber machen - eigentlich könnte man die aus abgetragenen Oberhemden und feiner Bettwäsche machen.
Man könnte die schönen Stoffstempel aus Indien endlich mal nutzen, man könnte mal wieder batiken oder malen...
Endergebnis : Hand rolliert, Hand bedruckt, Material - Zuschneidereste aus der Stoffkiste, die ehemals wohl Bettwäsche waren, an einem lustigen Nachmittag  mit der Tochter zusammen bedruckt. Im Bild die ersten 3 von ziemlich vielen.


Für die Nähmaschine gibt es ein kleines Füßchen das ganz feine Säume rollt und näht. Die Benutzung ist nicht wirklich schwer, aber doch etwas fummlig.

Tücher aus bügelfreien Hemden, müssen nicht gebügelt werden, lassen sich jedoch nicht ganz so schön falten. Gebügelt sind diese Tücher, nach dem Vorbild des Papiertaschentuchs, und sie fallen auch genau so schön auf, wenn man sie einhändig schüttelt.


Nach dem ersten Stoß nicht ganz so ordentlich Maschinen genähter Tücher, bin ich auf Handnaht umgestiegen. Je Stück brauche ich etwa eine Stunde, entspannt Abends vorm Fernseher.
Dazu braucht es eine feine Nähnadel und Nähseide. Statt Stecknadeln braucht es nur Fingernägel.
Den Stoff habe ich ungefähr auf Papiertuchgröße gebracht, beim Hemdstoff mit der Schere, bei der Bettwäsche gerissen.


Für die rollierte Naht, habe ich das Tuch an der ersten Seite knapp umgeknickt. Mit dem Fingernägeln wie bei einer Faltarbeit aus Papier ziehend, fest gedrückt. Ein Mal, zwei Mal.
Nun den Saum auf die andere Seite des Tuchs falten. Den Faden einfach durch die Nadel ziehen mit einem Knoten am Gewebe sichern und los gehts.
Zwei Überwendlich Stiche sichern die Ecke.
Von unterhalb des Saumes kommend, steche schräg in den Saum,führe den Faden durch den Saum, und komme knapp in der Falz, mit der Nadel wieder raus. Mache einen winzigen Überwendlichstich und tauche wieder unsichtbar in die Naht ein.
Erst wenn die erste Seite fertig genäht ist, falte ich die nächste Seite.
Ist der Nähfaden mal zu Ende, verknote ich den Faden mit sich selbst und ziehe das Ende in den Saum, ziehe etwas am Faden und schneide dann ab, so sitzt das Fadenende unsichtbar im Saum und stört nicht.

ich bitte die Fingernägel zu entschuldigen - ich bin ein Gartenmensch
hier noch mal in extra Groß, die roten Linien zeigen den Verlauf des Nähfadens, der zum Teil unsichtbar in der Naht verläuft.

Freitag, 5. Mai 2017

Glasaugen

Das Schnütgen Museum in Köln bietet immer wieder Abendliche Sonderführungen, in denen div. Themen vertieft werden. Eine dieser Themen war im vergangen Winter das Elfenbein. Der Besuch hat sich sehr gelohnt, zum Einen weil man Stücke, denen man bisher wenig Beachtung geschenkt hat, ins Licht gerückt werden, zum Anderen Hintergrund Informationen bekommt, an die man nie gedacht hat.
Eine davon war, dass an den figürlichen Reliefs winzige Glaskügelchen als Augen eingesetzt wurden.
Hoppla !
Schon immer habe ich mich gewundert, dass die Figuren so voller Leben sind, ohne wirklich zu wissen warum. Im Netz nachgeguckt findet sich ein Bild das sich vergrößern lässt und optimal beleuchtet aufgenommen wurde. Tatsächlich - so kann man es gut erkennen.
Bitte zum Harrach Diptychon klicken:
 
http://www.museum-schnuetgen.de/Wege-durch-die-Sammlung?kat=20

In den Publikationen zu meinen Projekt Kölner Schatzbaukasten, war irgendwo die Rede davon, dass evtl. Edelsteine als Augen eingesetzt wurden. Eingeleuchtet hat mir das nicht, so kleine Steine ? Die Bohrungen sind zwar gut zu erkennen, die Füllungen sind leider bei sämtlichen in Frage kommenden Arbeiten verloren. Glas wäre eine wirkliche Alternative.

 
Bei der Suche nach Antworten bin ich schnell auf Frank Wiesenberg und seine Arbeiten in Sachen historische Glasarbeiten gestoßen. Schon die Römer kannten feinste Glaskunst:
 http://www.glasofenexperiment.de/p_go_borg_2.htm 



Bei der Herstellung von Gläsern, Gefäßen und anderen Kunstwerken, insbesondere beim Nachfüllen des Schmelzgefäßes, spritzen kleine Glassplitter weg, die im Staub an der Arbeitsöffnung zu Kügelchen schmelzen und als Augen in Frage kämen. Die eigentliche Glasherstellung hat sich in den Epochen wenig verändert, auch wenn die Produkte der Epochen jeweils ihre eigene Form haben. So ist es für meinen Zweck unerheblich, das die Kügelchen bei der Reproduktion von römischen Stücken entstanden sind.

Die Nebenausbeute von etlichen Tagen Arbeit und mühevollem Sammeln rund um den Ofen.
Besichtigen kann man den Glasofen im Archäologiepark Römische Villa Borg im Saarland. Die Villa ist schon wegen ihrer liebevoll angelegten Gärten und wunderbar rekonstruierten Räume einen ausgiebigen Besuch wert.

Meine Umsetzung:

Was soll ich sagen, nach viel Recherche, Nachfragen, Diskutieren und suchen nach dem Rohstoff, war die Umsetzung eine Sache von wenigen Minuten.

Eigentlich war der Spiegel schon fertig. Um die Kügelchen einzukleben war nur zwei minimale Bohrungen nötig. Zum Größenvergleich liegen im Foto eine handelsübliche Stecknadel und ein Streichholz. Die Kügelchen sind mit den Fingern kaum zu händeln, eine Pinzette war bei dem positionieren sehr hilfreich.




Ein ganz großer Dank an Frank Wiesenberg, der mich nicht nur mit der mühevollen Sammlung des gesuchten Rohstoffs, sondern auch mit seinem Fachwissen unterstützt hat.