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Freitag, 5. Mai 2017

Glasaugen

Das Schnütgen Museum in Köln bietet immer wieder Abendliche Sonderführungen, in denen div. Themen vertieft werden. Eine dieser Themen war im vergangen Winter das Elfenbein. Der Besuch hat sich sehr gelohnt, zum Einen weil man Stücke, denen man bisher wenig Beachtung geschenkt hat, ins Licht gerückt werden, zum Anderen Hintergrund Informationen bekommt, an die man nie gedacht hat.
Eine davon war, dass an den figürlichen Reliefs winzige Glaskügelchen als Augen eingesetzt wurden.
Hoppla !
Schon immer habe ich mich gewundert, dass die Figuren so voller Leben sind, ohne wirklich zu wissen warum. Im Netz nachgeguckt findet sich ein Bild das sich vergrößern lässt und optimal beleuchtet aufgenommen wurde. Tatsächlich - so kann man es gut erkennen.
Bitte zum Harrach Diptychon klicken:
 
http://www.museum-schnuetgen.de/Wege-durch-die-Sammlung?kat=20

In den Publikationen zu meinen Projekt Kölner Schatzbaukasten, war irgendwo die Rede davon, dass evtl. Edelsteine als Augen eingesetzt wurden. Eingeleuchtet hat mir das nicht, so kleine Steine ? Die Bohrungen sind zwar gut zu erkennen, die Füllungen sind leider bei sämtlichen in Frage kommenden Arbeiten verloren. Glas wäre eine wirkliche Alternative.

 
Bei der Suche nach Antworten bin ich schnell auf Frank Wiesenberg und seine Arbeiten in Sachen historische Glasarbeiten gestoßen. Schon die Römer kannten feinste Glaskunst:
 http://www.glasofenexperiment.de/p_go_borg_2.htm 



Bei der Herstellung von Gläsern, Gefäßen und anderen Kunstwerken, insbesondere beim Nachfüllen des Schmelzgefäßes, spritzen kleine Glassplitter weg, die im Staub an der Arbeitsöffnung zu Kügelchen schmelzen und als Augen in Frage kämen. Die eigentliche Glasherstellung hat sich in den Epochen wenig verändert, auch wenn die Produkte der Epochen jeweils ihre eigene Form haben. So ist es für meinen Zweck unerheblich, das die Kügelchen bei der Reproduktion von römischen Stücken entstanden sind.

Die Nebenausbeute von etlichen Tagen Arbeit und mühevollem Sammeln rund um den Ofen.
Besichtigen kann man den Glasofen im Archäologiepark Römische Villa Borg im Saarland. Die Villa ist schon wegen ihrer liebevoll angelegten Gärten und wunderbar rekonstruierten Räume einen ausgiebigen Besuch wert.

Meine Umsetzung:

Was soll ich sagen, nach viel Recherche, Nachfragen, Diskutieren und suchen nach dem Rohstoff, war die Umsetzung eine Sache von wenigen Minuten.

Eigentlich war der Spiegel schon fertig. Um die Kügelchen einzukleben war nur zwei minimale Bohrungen nötig. Zum Größenvergleich liegen im Foto eine handelsübliche Stecknadel und ein Streichholz. Die Kügelchen sind mit den Fingern kaum zu händeln, eine Pinzette war bei dem positionieren sehr hilfreich.




Ein ganz großer Dank an Frank Wiesenberg, der mich nicht nur mit der mühevollen Sammlung des gesuchten Rohstoffs, sondern auch mit seinem Fachwissen unterstützt hat.

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