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Dienstag, 20. Juni 2017

Warum unterschiedliche Spinnrichtungen ?

Im Vorpost habe ich Gewebe mit unterschiedlichen Drehungen in den Garnen vorgestellt.
Warum hat man sich diese Mühe gemacht, was ist der Hintergrund ?

Bei sehr vielen historischen Textilien sind diese unterschiedlichen Drehungen der Garne nachgewiesen. Optisch macht das bei diesen Stoffen keinen Unterschied. Es hat einen technischen Grund, die Fasern sind fast in ein und die selbe Richtung ausgerichtet. Das macht das Gewebe dichter, und vielleicht auch glatter.
Hier ein und der selbe Stoff vor und nach der ersten Wäsche:

Während der ersten Wäsche plustern sich die Garne etwas auf, das Gewebe wird fülliger, dichter, es läuft auch immer etwas ein, da die Garne sich nun ohne die Spannung vom weben, entspannen können.
Aus diesem Stoff sind Strümpfe genäht worden. Ich trage diese Strümpfe nun schon sehr lange, und der Stoff ist hochbelastbar ohne dabei starr und steif zu sein.
 
Heute sind die Garne genormt gesponnen.Single Garn wird grundsätzlich im Uhrzeigersinn gedreht. Werden zwei oder mehrere Fäden zu einem Garn verzwirnt, passiert das immer entgegen der Uhr.
 
Hier zum Vergleich ein ähnliches Gewebe, mit genormt gedrehten Garnen:
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Es ist also möglich mit diesem einfachen Kniff Funktionsgewebe her zu stellen.
Es sind Segeltücher erhalten die aus Wollgarnen mit unterschiedlicher Richtung hergestellt wurden und eine extrem hohe Dichtigkeit aufweisen.
Es gibt aber auch Gewebe die durch die unterschiedlichen Richtungen, im Muster verwoben, einen optischen Effekt erhalten. Durch die unterschiedlichen Lichteinwirkungen erkennt man das Muster, obwohl auf dem ersten Blick, alle Fäden gleich aussehen.

Donnerstag, 8. Juni 2017

Leichter Tunikastoff, Mantel und Beinwickel

Ein Kunde der schon länger auf der Warteliste steht, hat eine umfangreiche Bestellung aufgegeben.
So wuchs seine Ausstattung zeitgleich auf 2 Webstühlen : auf dem Großen ist ein feiner Tunika Stoff, 2/2 Köper aus industriellem Kettgarn und handgesponnenem Schussgarn in S/Z Richtung, und am kleinen Sommerwebstuhl, Beinwickel aus komplett handgesponnenen Garnen, ebenfalls S/Z Richtung, in schlichter Leinwandbindung. Ausserdem gehört noch ein Manteltuch dazu, das schon vor Wochen fertig geworden ist, und mit auf der IRM war.


Tunikastoff:
ein leichter Köper (2/2er) 
100% Wolle ungefärbt und Naturbelassen
Kette Singlegarn industriell gesponnen Z 10 Fäden/1cm vor dem Waschen
Schuss handgesponnen S (von Aennlin ) ca 15 Fäden/1cm vor dem Waschen



unter Spannung am Webstuhl, S/Z Stellung unter dem Fadenzähler, zur besseren Sicht ist die Richtung nachgezeichnet




Beinwickel:
die Beinwickel sind an die des Bernuthsfeld Manns angelehnt.
Sie werden in einer schlichten Leinwandbindung gearbeitet, die Garne sind alle Handgesponnen und ungefärbt. Die Wickel sind im Original recht breit, hier weichen wir mit Absicht ab, mein Kunde hat sich für eine Breite von etwa 7- 8cm entschieden.
Kettgarn Single Garn 10Fäden/1cm Z Drehung, Suffolk aus der Flocke gesponnen (diesmal von mir)
Schuss Single etwas dicker S Drehung (von Annlin)
Die Fertigung wird sich hin ziehen, da sie am kleinen Sommerwebstuhl passiert.


Der Mantel:
in der Form haben wir uns auch hier an den Fund des Bernuthfeld Manns orientiert. Diesmal sind wir in der Bindung abgewichen, da im Fundgut der zukünftigen Darstellung mehrere 2/2 Köper und Leinwandbindungen vorkommen, jedoch kein Fischgrat. Da eine Leinwandbindung grundsätzlich steifer und weniger gefällig ist, als mit den selben Materialien hergestellter Köper, fiel die Wahl leicht.
Wegen der Menge an benötigten Materials (alle anderen Garne waren gerade vorrätig, auch wenn gerade das Garn der Tunika einen ebenfalls unglaublichen Arbeitsaufwand benötigt hat) sind alle Garne industriell gesponnene Single Garne in Z Drehung. Der Schuss ist dicker und lockerer als die Kette.
Kettdichte ca 7Fäden/1cm
Schuss etwa 5Fäden/1cm



Hier alle 3 Gewebe im Zusammenspiel, stellvertretend für die Beinwickel eine Probe des Gewebes, schon fertig gewaschen.