Translate

Donnerstag, 7. September 2017

Mütze aus Oostrum

Die Mütze aus Oostrum datiert aufs Frühmittelalter, gefunden in den Niederlanden, ist hier wunderbar im Original zu sehen:
Journal of Archäologie in the low Countries (jalc/nl)
Die Mütze war laut Literatur mit Krapp hellrot gefärbt, die Naht mit dem selben Farbstoff dunkelrot. Die Bindung ein Diamantköper.
Meiner Vorstellung nach, ist sie eine wunderbare Mütze für Jemanden der viel im Freien arbeitet. Sie schützt den Nacken vor Sonne, auch in gebückter oder geduckter Haltung, und sie lässt Regenwasser nicht in den Kragen laufen. Ob sie Geschlechtsspezifisch getragen wurde, ist mir nicht bekannt. Sie ist relativ einfach geschnitten, der Stoffbedarf liegt bei etwa 70 x 40cm, bei 70 x 60cm könnte man gleich 2 Stück anfertigen.

Den ovalen Teil habe ich in der Praxis schräg gelegt, aber per Bildbearbeitungs Programm habe ich das nicht in der Darstellung hin bekommen. Die Ovale sind nicht maßstabsgetreu. Ohne Anspruch auf Richtigkeit !

Überascht hat mich die Ziernaht ! Als ich los legte, war mir nicht klar, welche Funktion sie hat. Sie ist am Original vorhanden, deshalb wird sie gemacht. Das sie der Mütze Form gibt habe ich erst später bemerkt. Dummerweise gibt es keine Vorher Fotos.
Der Zierstich selbst ist gar nicht soo schwer, ich habe ihn an einem Abend geschafft, Übungszeit nicht eingerechnet.
Schemazeichnung des Stichs(Quelle: Journal of Archäologie in the low Countries)
Bild der Original Naht (Quelle: Journal of Archäologie in the low Countries )
Das Schema wirkt oben im link etwas kompliziert, deshalb hier eine Bildanleitung für den Anfang :

Schritt 1 ein Hilfsstich
Schritt 2 eine kleine Schlaufe
Schritt 3 eine etwas größere Schlaufe
Schritt 4 eine etwas noch größere Schlaufe
Ab Schritt 5 geht es mit der eigentliche Ziernaht die in sich verflochten ist, los.

Für den eigentlichen Stich hat eine Textilkollegin ausgetüftelt wie es am Schnellsten und Einfachsten geht, dazu hat sie ein kleines erklärendes Filmchen gemacht. Ganz unten ist er verlinkt.

Es gibt gleich mehrere Mützen in den Niederlanden,(siehe Journal of Archäologie in the low Countries ) und kompakte Zierstiche finden sich immer wieder an diesen Stücken. Auch an den Tunikas des Skjoldehamn Komplex finden sich ähnliche Stiche an Armsäumen und Kragenausschnitt.


Meine Interpretation der Oostrumer Mütze :
Der Stoff ist etwas feiner als der Original Stoff, da es eine Resteverwertung ist, auch weicht die Bindung vom Original Stoff ab, hier wurde ein Rautenköper statt Diamantköper verwendet.
Ich vermute die vordere Naht, hat keinen Zierstich, jedenfalls habe ich dort keinen gesetzt.


Auf Wunsch des Besitzers habe ich nachdem die Bilder entstanden sind, die Mütze mit Leinen gefüttert.
Nähte im Detail (durch anklicken kann man die Bilder etwas vergrößert anschauen)
Literatur:
CLOTHES MAKE THE MAN
Early Medieval textiles from the Nederlands
Chrystel R. Brandenburgh
im Netz : Journal of Archäologie in the low Countries (jalc/nl)
Film zur Naht : Maren Hasert´s Blog auf Plattdeutsch