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Dienstag, 9. Januar 2018

gezaddelte Bänder

Aus London kommt ein Strumpfband, das auf dem ersten Blick relativ unscheinbar wirkt.
Es ist aus Wolle und aufs späte 14te Jahrhundert datiert.

http://www.naergilien.info/research/london1/MoL/P4040575.JPG
(Quelle: Larsdatter)

Das Band ist auf Form gewebt, das heißt während man für das eigentlich Band, einen Webkamm, Litzen, oder Brettchen (Zweilochprinzip) benötigt, muss man die überstehenden Schussfänden in mühevoller Kleinarbeit von Hand mit der Nadel und einem separatem Schussfaden verweben. Die Technik erinnert mich ein wenig an Socken flicken.
Wie immer wenn man versucht eine Handarbeitstechnik zu erklären, helfen Bilder ungemein. Also hier ein Blick über die Schulter:

Für mich habe ich den Webkamm gewählt, zum ablängen der heraushängenden Schussfänden einen Hilfsfaden eingezogen und zusätzlich einen Streifen festen Karton mit eingewebt, der zum füllen der Zaddeln herausgezogen wird. Durch das gezielte anziehen des Fadens, modelliere ich mit Absicht die Spitze der Zaddel rund.
Der Hilfsfaden wird später aus dem Gewebe entfernt. Der Hilfsfaden hat den Charme das die Fäden beim füllen von Hand, schön geordnet bleiben und er gibt eine gewisse Spannung, die beim weben grundsätzlich hilfreich ist.



Nun fragt man sich, warum die Mühe ?
Warum kein gewalktes Band mit eingeschnittenen Zaddeln ? Vermutlich würden solche Bänder nicht lange halten, da jeder Einschnitt unter Belastung eine Sollbruchstelle ist.Anders als bei glatten Bändern muss ja nicht nur mit der langen Bahn geschnitten werden, sondern auch gegen die Bahn.
Das Band hat hingegen, in der Mitte doppelte Fäden, was die Stabilität sicherlich sehr erhöht. Zu den Kanten hin liegen einfache Fäden, was das Band weniger hart sein lässt und den Tragekomfort sicherlich erhöht hat.

Mein Versuch dieses Band nach zu arbeiten, ist sehr grob ausgefallen, es ist beinahe doppelt so breit, nämlich 5cm, das Original liegt bei 2,7cm Breite, beide Werte sind incl. Zaddeln gemessen.
Die Arbeit war für mich ohne bivocale Brille überhaupt nicht machbar, ich stoße optisch an meine Grenzen. Die Original Bänder wurden sicherlich von einer jungen Person mit guten Augen gearbeitet.
Die Arbeit zieht sich unendlich dahin, die Arbeit fühlt sich an wie eine Strafarbeit, bis meine Bänder fertig sind, wird es dauern. Die Bilder der fertig gewaschenen Bänder werde ich nachliefern.

Zusammen mit farbigen Strümpfen sah das Band sehr hübsch aus. Ob das nun ein mittelalterliches Dessous war, vermag ich nicht zu sagen. Heute wo es gar kein Ding ist, in der Damenabteilung der Modeketten für kleines Geld, Hübsches für Drunter zu kaufen, mag es befremdlich wirken, so viel Mühe in ein paar Strumpfbänder zu stecken. Aber wenn wir nur 2-3 Generationen in der Zeit zurück gehen, gibt es Unterröcke mit Handgehäkelten Spitzeneinsätzen in Nähgarnstärke. Man hat sich also auch noch in der jüngeren Vergangenheit große Mühe mit dem Darunter gegeben.

Literatur:
Textiles and Clothing 1150 - 1450
Elisabeth Crwofoot, Francis Pritchard, Kay Staniland
ISBN978-1-84383-239-3

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