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Mittwoch, 13. Juni 2018

Bettdecken im späten Mittelalter 1

Bettdecken. Klingt erst einmal simpel, ganz so als ob da soo groß die Unterschiede nicht sein können.
Möchte man jedoch eine Decke für die Nachblidung einer mittelalterlichen Schlafstatt weben, stellen sich etliche Fragen.
Beginnend mit der Größe, über die Bindung, die Farben und Muster. Fransen oder keine Fransen, eine Decke oder mehrere...
Glücklicherweise gibt es im späten Mittelalter schon recht viele Bilder von Betten und Schlafzimmern. Der Einfachheit halber verlinke ich zu meiner Pinterestsammlung, mit dem Hinweis, das da sämtliche Epochen die mich interessieren in einer Pinnwand sind.
 https://www.pinterest.de/zeitens/betten/
scrollt man sich quer durch die Jahrhunderte der Schlafkultur, bemerkt man das die Decken seitlich ganz schön weit runter reichen. Meist auf 3 Seiten bis beinahe zum Boden. Das macht in Räumen ohne Zentralheizung Sinn, denn so hält sie Bodenkälte ab und sorgt ausserdem dafür, das man sich nicht frei strampelt.
Geht man weiterhin davon aus, das die Betten ähnlich groß waren, wie unsere heutigen, dann sind die heutigen Standartmaße von 1,40m x 2m schnell zu klein.

Da die Decke für einen Freund in Norddeutschland ist, habe ich mich an Textilfunden aus Lübeck orientiert. Die Siedlungsschicht ist ins 15te Jahrhundert datiert.
Leinwandbindung ist die am häufigsten vorkommende Bindung, ein recht dickes Fragment besteht aus gezwirnten Garnen. Es kommt der Stärke einer warmen Decke recht nahe. Ob dies tatsächlich eine Bettdecke war, oder gar eine Embalage kann ich nicht sagen.
Weiterhin wird erwähnt das Streifen recht beliebt waren, das wird durch einige Bildbelege bestätigt.
Die Zunft der Bettdeckenweber sollen mit Webbreiten zwischen knapp 0,90m bis 1,15m gewebt haben, demnach waren die Decken aus mehren Bahnen zusammen genäht ? Da tut sich die Frage auf quer oder längst, und mit welcher Nahttechnik. Da ich diese Fragen nicht beantworten kann, werde ich erst einmal diese Decke an einem Stück weben.
In Küstengebieten seien viele Naturfarbene Garne verarbeitet worden.
Ohne ein erhaltenes Stück und ohne ganz genaue zeitgenössische Beschreibung, kann ich nur laienhaft vermuten.


Eine Decke die passen könnte, findet sich auf dieser Abbildung, die meine Vorlage sein soll:
https://www.pinterest.de/pin/536913586821974786/
Schaue ich mir das Bild genau an, fällt mir die grüne Zeichnung des Betttuchs auf. Diese Muster auf weißer Leinen/Baumwollmischung waren eigentlich immer blau. Vermutlich hat das Bild an Farbe eingebüßt, bzw wird durch Gilb grün, wo eigentlich blau sein sollte. Deshalb habe ich mich für Naturtöne und Blau gefärbte Garne für meine Arbeit entschieden.

Die Umsetzung :
Bindung : Leinwand
5 Fäden je 1cm in der Kette , im Schuss  variiert die Zahl je nach Farbton
Technik : Doppelgewebe in einem Stück
100% Wolle in Natur optischen Farbtönen und Indigo gefärbtem Garn (letzteres von Ovicula)
der Musterrapport ist nach Augenmaß der zeitgenössischen Abbildung nachempfunden.
Größe der Decke 1,90m Breite x 2,20m Länge






Bei diesem Projekt hatte ich viele Hilfen, deshalb geht mein herzlicher Dank an R. Liebentraut, L.Mann, A. Zankl, A. Pfeiffer-Perkuhn, für die Hinweise zur Recherche, Bildquellen und zur Verfügung stellen von Literatur.

Literatur:
Lübecker Schriften zur Archäologie und Kulterugeschichte (LSAK)
Die spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Wollgewebe und andere Textilfunde aus Lübeck von Klaus Tidow